IGL Bayerwald

Labyrinthfische – Anabontoidei

Diese Seite mit Fotos zu Labyrinthfischen wird ab November 2020 neu eingerichtet. In Zukunft sollen auch Texte nachgereicht werden. Wir bitten um Ihre Geduld und viel Freude beim Betrachten der ersten Einträge.

Aquarium mit Ceylonmakropoden besetzt, Belontia signata signata.
Anabas testudineus, Kletterfisch
Anabas testudineus, Abbildung: M. E. Bloch
Anabas testudineus, Abbildung: P. Bleeker 1878
Anabas testudineus als „Anabas oligolepis„, Foto: Dr. W. Foersch, in Memoriam
Anabas testudineus als „Anabas oligolepis„, Abbildung: P. Bleeker 1878
Belontia hasselti, Wabenschwanzgurami
Belontia hasseltii als Polyacanthus Hasseltii, Abbildung: P. Bleeker 1878
Belontia signata, Ceylonmakropode
Belontia signata, Tafel n. Regan, 1910
Belontia signata jonklasii, Foto: Gerhard Ott, in Memoriam

Betta

Mit der Vorstellung der ältesten Art der Gattung Betta soll ein Artikel vorangestellt werden, der als Muster für alle maulbrütenden Kampffische (mit Einschränkungen für die Betta rubra-Gruppe) dienen soll.
Achtung: Wie üblich bleiben alle Urheberrechte beim Autor, zugleich Inhaber dieser Homepage.

Das Verhalten der schaumnestbauenden Kampffische findet sich zum Beispiel bei Betta livida (s. u.) ausführlich geschildert.

Betta picta – die Geschichte der Kampffische: 1846
aus: Der Makropode 28(11/12), 2006, S. 183-184, 187-209, 217-218.

Im Jahre 1846 wurde von Valenciennes in dem monumentalen, französischen Sammelwerk über die damals bekannten Fische der Welt erstmals Betta picta mit einem binominalen und somit gültigen Namen versehen und als Panchax pictum beschrieben, denn Valenciennes hielt den Fisch für einen Hechtling.
Das Werk läuft meist unter den Autorennamen Cuvier & Valenciennes, aber zu dem Zeitpunkt der Publikation war Cuvier schon lange verstorben (Baron Georges Cuvier war ein französischer Zoologe und Staatsmann, der die systematische Zoologie und die Paläontologie in den Wissenschaften etablierte. Er wurde am 23.08.1769 im damaligen Mömpelgard, welches zu Würtemberg gehörte, heute Montbéliard, Frankreich, geboren und starb am 13.05.1832 in Paris. In seinen biologischen Arbeiten war er einer der ersten Wissenschaftler, die konsequent Linnés binominalem System folgten. Zitiert wird dieser Teil des Werks als: Valenciennes in Cuvier & valenciennes (1846). Cuvier war wesentlich bekannter als Valenciennes gewesen, so war es aus geschäftlichen Gründen und nicht nur aus Pietätsgründen naheliegend, das Werk unter beider Namen fortzuführen. Es flossen aber auch nach Cuviers Tod noch zahlreiche seiner älteren Manuskripte in das Werk ein. Bedauerlicherweise ist nicht in allen Fällen die jeweilige Urheberschaft ersichtlich. Wohl aber bei Panchax pictum, Autor Valenciennes, basierend auf Material (Zeichnungen), die er selbst in Leiden sichtete und kopieren ließ. Er selbst hatte den Fisch nie zu sehen bekommen und bezog sich bei seiner Erstbeschreibung nur auf eine Zeichnung von Kuhl & van Hasselt, die nach ihrer Sammlung nichts über den Fisch publiziert hatten (Roberts 1993).
Bei Roberts findet sich auch diese erste Abbildung, die von Kuhl & van Hasselt stammt, reproduziert, benannt war der Fisch dort als Anostoma picta. (Überhaupt zeichnete sich Valenciennes gegenüber Cuvier weniger durch sorgfältiges wissenschaftliches Arbeiten aus, als mehr durch Fleiß, indem er seine große Literaturkenntnis nutzte, um ständig anderen Werken noch unbeschriebene Arten zu entnehmen.) Damals war der Tierschutzgedanke noch nicht verbreitet und so kam es oft vor, dass die Fische lebend in die Konservierungsüssigkeit gegeben wurden. Vermutlich hat der Fisch im Todeskampf den Kopf stark nach oben gebogen (dem wiederspricht allerdings die Zeichnung) und in Gemeinschaft mit den Merkmalen einer kleinen Rücken- und einer langen Afterflosse kam es zu dem Irrtum, dass es sich um einen Hechtling handeln müsse. Panchax pictum ist im Werk von Cuvier & Valenciennes – wohl aus Kostengründen – nicht abgebildet, lediglich Panchax lineatus, der noch heute unter dem Namen Aplocheilus lineatus bekannt ist (eine ähnliche Abbildung findet sich bereits bei Kuhl & van Hasselt), ein in Südostasien weit verbreiteter Killifisch, der sich auch in der Aquaristik einer gewissen Beliebtheit erfreut. Auch heute noch kommt es bei Laien immer wieder zu Verwechslungen von Killis und Labyrinthern, wobei aber vor allem die Arten der Gattung Chrom­aphyosemion irrtümlich den Betta zugeordnet werden. Hier ist selbstverständlich auch die Unkenntnis der Herkunft der Fische vorauszusetzen.

Betta trifasciata

1850 beschrieb der Niederländische Arzt Pieter Bleeker den ersten Kampffisch unter dem Gattungsnamen Betta. Er nannte den Fisch – in Unkenntnis der Cuvier & Valenciennes’schen Beschreibung – Betta trifasciata. Dies ist ein Synonym von Betta picta. Somit dient die Zeichnung von Kuhl & van Hasselt als Ersatz für einen Gattungstypus.
Im Jahr 1850 hielt sich Bleeker noch in Südostasien, in der holländischen Kolonialstadt Batavia auf Java, dem heutigen Jakarta, auf. Dort (von 1842 bis 1860) war ihm kaum wissenschaftliche Literatur – und schon gar nicht aktuelle – zugänglich. So erklärt sich das Entstehen mancher Synonyme, aber ebenso durch den damals schon „üblichen“ Wettlauf um manche Erstbeschreibungen. Das mangelnde Sichten der damals aktuellen Literatur trug Bleeker viel Kritik, vor allem durch britische Wissenschaftler ein. Dabei spielten aber nicht nur objektive Kriterien, sondern auch die politische Konkurrenz der beiden Kolonialmächte eine Rolle. Tatsache ist, dass Bleeker die geäußerte Kritik zum Anlass nahm, um nach seiner Rückkehr nach Europa (1860) in umfassenden Studien nicht nur in Amsterdam und Leiden, sondern auch in London und Paris, zahlreiche seiner Gattungen und Arten zu revidieren. Darunter auch die Anabantiden und eben die Kampffische – zwischenzeitlich war er vom Splitter zum Lumper geworden. Er erkannte nicht nur – völlig richtig – die Identität von Panchax pictum = Anostoma picta und Betta trifasciata, sondern er ging noch einen Schritt weiter und führte alle Betta, so auch seinen B. anabatoides und weitere konserviert mitgebrachte Formen, zusammen. So wurde aus dem Namen Betta picta comb. nov. 1870 eine große Sammelart. In seinem großen Atlas findet sich demzufolge auch ein ganz anderer Fisch unter dem Namen Betta picta abgebildet als wir ihn heute unter diesem Namen kennen. Diese Tafel war auch bereits im Der Makropode 24(9/10)/2002, S. 232–233, abgebildet (leider ging bei der Reproduktion das Bild von Parosphromenus deissneri in der Tafel verloren, der Betta ist davon aber nicht betroffen). Diese Abbildung zeigt möglicherweise Betta bellica, in jüngerer Zeit wurde auch eine Identität mit Betta pugnax diskutiert – aber dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr. In der Folge wurden auch viele Kampffische Bleekers in einem Glas zusammengefügt, sodass sich das Typusmaterial nicht mehr eindeutig zuordnen lässt. Ob die Arten tatsächlich nicht mehr bestimmbar seien, wie Tan & Kottelat (1998) behaupten, möchte ich hier offen lassen. Zumindest die Gruppenzugehörigkeit der Fische sollte ohne größere Probleme nachvollziehbar sein.
Viele Jahre verschwanden die Kampffische aus dem Interesse der Ichthyologen. Es wurden zwar neue Arten beschrieben, aber die erste umfassende Revision erfolgte erst 1910 durch Charles Tate Regan (die Publikation war zwar für das Jahr 1909 vorgesehen, erfolgte dann aber doch erst 1910, was auch auf dem Titelblatt seiner Sonderdrucke, jedoch nicht in den gebundenen Zeitschriftenbänden vermerkt ist).
Nun erhielt Betta picta sensu strictus seinen Namen zurück und weitere Arten wurden von Regan (1910) revalidisiert oder neu beschrieben. Diese sollen in Zukunft aber Themen eigener Darstellungen sein.

Weber & de Beaufort

Eine Bearbeitung älterer ostasiatischer Fische (in dem Sinne, dass sie vor 1880 beschrieben wurden) ist ohne Kenntnis der Bleeker’schen Schriften kaum möglich. Immerhin publizierte er 520 ichthyologische Schriften und es ist nicht leicht, einen Überblick zu gewinnen.
Glücklicherweise erstellten Weber & de Beaufort (1911) eine Übersicht nahezu aller Bleeker- Quellen und stellten diese als ersten Band in ihre eigene Buchreihe über die Fische des Südostasiatischen Archipels. Dank dieser Quelle einschließlich Register und Synonymliste lassen sich heute fast alle Fische problemlos zuordnen. Eine Fleißarbeit von Weber & de Beaufort, die heutige Ichthyologen sehr zu würdigen wissen.

Java

Java ist zwar mit 132000 km2 Fläche (mit Madura) die kleinste der sogenannten Großen Sundainseln, wirtschafts- und bevölkerungsmäßig jedoch das Herz Indonesiens. Im Gegensatz zu den anderen, noch großteils von Wäldern eingenommenen Inseln, wirkt Java mit seinen intensiv genutzten Ackerlandschaften fast wie ein tropischer Garten. Infolge intensiver Landwirtschaft sind naturnahe Biotope selten geworden. Neue Nachweise von Betta picta fehlen demzufolge. Ihren landschaftlichen Reiz verdankt die Insel vor allem der Vielzahl von Vulkanen, die sich im Westen zu einem Gebirge mit schluchtenreichen Hängen zusammenschließen, im Osten dagegen als einzelne große Kegel überaus eindrucksvoll unvermittelt aus der Ebene aufragen. In immer schmaler werdenden, kunstvoll dem Geländeverlauf angepassten Terrassen ziehen sich bewässerte Reisfelder von den Ebenen bis weit auf die Vulkanhänge hinauf. Zwischen den Feldern liegen unter Palmen und Bananenstauden die aus Bambus gebauten, ebenerdigen Häuser der Dörfer. Oberhalb der Reisterrassen liegen vielfach bis in 1500 m Höhe große Tee- oder Kaffeeplantagen. Aus den darüber folgenden Wäldern erheben sich die oft kahlen Gipfel der tätigen Vulkane mit ihren meist nach Westen wehenden Rauchfahnen. Im Süden Mitteljavas liegen die „tausend Berge“, eine stark verkarstete Kalkplatte, in der die Reste der ehemals höheren Landoberfläche sich als kegelförmige Bergkuppen, der Kegelkarst, erheben. Der Norden Mitteljavas wird dagegen von einer mit gepflegten Teakholzwäldern bestandenen Hügellandschaft eingenommen, die sich auf Madura fortsetzt.

Aquaristik

Aquaristisch taucht der Name Betta picta erst relativ spät auf (Buschkiel 1935, 1936). Wobei heute nicht mehr exakt nachvollziehbar ist, um welchen Fisch es sich wirklich handelte, denn die Abbildungen treffen die tatsächliche Gestalt und Zeichnung von Betta picta nur annähernd.
Dennoch war der Fisch durchaus bekannt und es ist aus heutiger Sicht unverständlich, dass Kurt Wirz (1981) seinen vorgestellten Fisch plötzlich als Betta rubra bezeichnete. Wenig später revidierte Vierke (1982) aber diese Fehlbestimmung und es kam in der Folge zu seiner einzigen Publikation in der DATZ, in der er sich auch mit Betta akarensis, einer Fehlbestimmung des seinerzeit noch unbeschriebenen, späteren Betta dimidiata, beschäftigte (Vierke 1983).
Einen weiteren falsch zugeordneten Namen finden wir bei H. Berkenkamp, der auf Sumatra Fische fing, sie als Betta picta bestimmte (1975, 1988), die aber später richtig als Betta fusca zugeordnet werden konnten (1988). Dieser Fisch trägt neuerdings aber einen eigenen Namen (Betta raja). Konservierte Exemplare wurden mir von Berkenkamp zugänglich gemacht, diese sind heute im Museum Alexander König in Bonn hinterlegt. In der neueren aquaristischen Literatur wird Betta picta mehrfach erwähnt, komplette Laichserien nden sich bei Vierke (1981), Wirz (1981), Richter (1983, 1985), Nieuwenhuizen (1986) und Schmidt (1990).
Besondere Erwähnung verdienen die umfassenden Artikel von A. v. d. Nieuwenhuizen (1986), in denen das Laichverhalten von Betta picta dargestellt wird, wobei einige ungewöhnliche Verhaltensweisen dokumentiert sind. Ich hielt dieses Verhalten für eine Abweichung, die nur ausnahmsweise auftritt (Schmidt 1986) und die zufällig im Foto dokumentiert wurde. Wenn wir aus heutiger Sicht die Publikationen zu Betta picta sichten und versuchen, den Ursprung der Fische zu eruieren, dann kommt es allerdings zu einigen Ungereimtheiten. In vielen Fällen ist die Herkunft der Fische, meist aus dem aquaristischen Handel, nicht nachvollziehbar. Entsprechend der Herkunftsangaben nach Cuvier & Valenciennes sowie Bleeker wurde Java als Heimat der Fische vermutet, was aber nur in wenigen mir bekannten Fällen (Linke 1980, 1983) belegt ist.
Zwar wurden die Fische über Jakarta exportiert, aber die Herkunft muss nicht Java sein, da auch Fänge von Sumatra (und auch von Borneo) durchaus über Jakarta (aber auch über Singapur, Bangkok u. a.) exportiert wurden. Tatsächlich sind die meisten Betta picta von Java im Bestand der IGL (und der anderen Labyrintherorganisationen) streng genommen ohne Fundortangabe. Genauso liegt der Fall bei den sogenannten Betta picta von Sumatra, dem heutigen Betta falx.
Aquaristisch sollten sich die Fische „durch Flecken in der Analis“, durch intensivere Färbung bei Java-Fischen oder durch „die typische Leiterflossenzeichnung“ unterscheiden. Aber keine dieser Angaben macht eine eindeutige Zuordnung möglich. Daraus resultiert: es gibt verschiedene Stämme in der Aquaristik, wobei auch eine Hybridisierung nicht auszuschließen ist. Die tatsächli- che Herkunft ist meist nicht mehr nachvollziehbar!
Ganz mysteriös wird es bei Betta picta aus Malaysia. Der Fisch be findet sich nicht mehr im Bestand und es wurden leider keine Exemplare konserviert. Ich erinnere mich noch gut (denn ich war dabei), als Frank Fink die Fische im Tagis-Aquarium bei Frankfurt Ende der 1970er Jahre erwarb. Damals war Betta picta ein Standardfisch und im Großhandel war er nur dank dieser ungewöhnli- chen Herkunftsangabe absetzbar. Mit etwas runderer Kopfform und blasser Färbung unterscheidet sich diese Form tatsächlich, aber Funde von der Südspitze der Malaiischen Halbinsel oder aus Singapur wurden nie belegt. Andererseits ist diese Region dicht besiedelt und intensiv vom Menschen beeinflusst – falls Betta picta wirklich dort vorkam, ist er heute dort vermutlich ausgestorben. Dem Habitus nach ist dieser Fisch bei unserem heutigen Wissensstand eher Betta falx als Betta picta zuzuordnen.

Betta picta und Betta falx

1998 definierten Tan & Kottelat Betta picta neu, ausschließlich mit der Herkunft Java, und beschreiben Betta falx als Schwesterart neu, mit der Herkunft Sumatra. Diese Arbeit bringt den Biologen bei der Sichtung der Unterscheidungsmerkmale nicht viel weiter.
In einer Tabelle werden Meristik und Morphometrie der beiden Arten nebst Betta simplex und Betta taeniata dargestellt – ohne dass signifikante Unterschiede deutlich werden! Der enge Zahlenbereich bei Betta taeniata ist wahrscheinlich auf den geringen Probenumfang zurückzuführen. Nach dieser Tabelle ist keine Artunterscheidung möglich! Noch problematischer sind die Strichzeichnungen, mit deren Hilfe scheinbare Unterschiede aufgezeigt werden sollen. Einen Fisch mit zusammengelegten, den anderen mit gespannten Flossen zu zeichnen, zeigt lediglich die gravierende Unkenntnis der Autoren auf; eine Artunterscheidung ist auf diese Weise ebenfalls nicht möglich! Wären die Flossenstrahlen eingezeichnet, würde der fatale Irrtum, in der Form einer solchen Darstellungsweise Artunterschiede sehen zu wollen, deutlich.
Bei den Kopfumrissen gibt es tatsächlich solche Unterschiede. Hier drängen sich dem Betrachter einige Fragen auf: Wie alt sind die Fische? Wie haben sie sich ernährt und in welchem Wasser schwammen sie? Und nicht zu letzt – haben die Männchen bereits maulgebrütet? Von diesen und weiteren Faktoren ist der Kopfumriss abhängig – er zeigt ein individuelles Merkmal zu einem bestimmten Zeitpunkt; als Artmerkmal kann er nicht herangezogen werden. Abschließend finden sich Umrisszeichnungen des Mundbodens. Hier ist der Übergang, obwohl bei beiden Arten morphologisch identisch, von den Kiemendeckeln zum Maul hin zeichnerisch unterschiedlich dargestellt. Den gleichen Sachverhalt verschieden zu zeichnen und dann als Unterschied zu interpretieren bedarf keines weiteren Kommentars.
Die Artabgrenzungen von Betta falx zu Betta taeniata und Betta simplex sind offensichtlich. Die Diskussion der Färbunterschiede zwischen Betta falx und Betta picta lässt keine weitreichenden Schlüsse zu. Betta picta soll sich als einzige Art der Gruppe durch goldgelb glänzende Kiemendeckelschuppen auszeichnen. Die angeblich abwesenden blaugrünen Schuppen sind allerdings in zahlreichen Fotos dokumentiert (Schäfer in Aqualog 1997, S. 33, 35; Schmidt in bede-Atlas 2002, S. 29–30). Der wesentliche Unterschied – die blaugrünen Tüpfel auf den Schuppen – wird im Text nicht erwähnt.
Lässt der Text der Wiederbeschreibung von Betta picta und der Neubeschreibung von Betta falx auch keine Unterscheidung zu, so zeigt das letztgenannte Merkmal, dass eine Artunterscheidung dennoch gerechtfertigt ist. Allein die unterschiedliche Herkunft, Betta picta von Java und Betta falx von Sumatra kann nicht als Artmerkmal gelten, als zusätzliches Merkmal kann es aber sehr wohl herangezogen werden. Alle zuvor als Betta picta von Sumatra bestimmten Exemplare werden nun mit Betta falx gleichgesetzt. Einschränkend muss jedoch angemerkt werden, dass die Tatsache, dass Betta picta bisher nicht auf Sumatra wiedergefunden wurde, kein Beweis sein kann, dass die Art dort nicht existiert oder exi-stierte. Als Beispiel sei die Tatsache angeführt, dass Tan & Kottelat das Vorkommen der Form Betta (edithae) sp. „Betta von Jambi“ bezweifeln, da sie nicht wiedergefunden wurde und deshalb die Identität mit B. falx vermutet wird. Die beigefügten Fotos zeigen, dass von einer Identität keinesfalls ausgegangen werden kann. Die Form „Betta von Jambi“ ist nach ihrem Habitus näher mit B. edithae als mit B. falx und B. picta verwandt.

Sumatra

Die langgestreckte Insel Sumatra hat eine Fläche von 425000 km2 und ist damit die zweitgrößte der Großen Sundainseln. Der Westen wird in der gesamten Länge der Insel von einer Bergkette durchzogen, dem Barisangebirge, das Höhen bis nahe 4000 m erreicht. Längssenken gliedern das dicht bewaldete Gebirge in einzelne parallel laufende Ketten. Hochebenen, tiefe, senkrecht abfallende Schluchten, Vulkane und vulkanische Seen unterbrechen die reich strukturierte Berglandschaft. Der größte der Seen, zugleich der größte von ganz Indonesien, ist der Tobasee. Er ist von schroff ansteigenden Felswänden umgeben und befindet sich auf der Tobahochfläche im Herzen des Bataklandes. Während die Bergkette zum Indischen Ozean hin steil abfällt und nur von einer schmalen Küstenebene gesäumt ist, dehnt sich im Osten hinter einer hügeligen Übergangszone eine weite von Sümpfen und Seen durchsetzte Aufschüttungsebene aus, deren Wälder küstenwärts in Mangrovensümpfe übergehen. Vor allem im Norden, aber auch im Süden der Ebene liegen bedeutende Plantagengebiete.

Gruppierung

Zur Betta picta-Gruppe zählen Tan & Kottelat lediglich B. falx, B. picta, B. simplex und B. taeniata. Betta enisae ist ebenfalls hinzuzurechnen, denn ohne Herkunftsangaben sind junge Exemplare morphologisch und farblich nicht von B. taeniata zu trennen. Die ausgezipfelte Schwanzflosse von B. enisae ist allerdings ein Merkmal der Betta pugnax-Gruppe, was auch eine solche Einteilung möglich erscheinen lässt.
Betta prima wurde von Witte & Schmidt (1992) in die B. pugnax-Gruppe gestellt. Diese Form hat aber alle habituellen Merkmale der B. picta-Gruppe und muss deshalb umgruppiert werden (vgl. Schindler & Schmidt 2004). Betta pallida ist ebenso einzuordnen. Für Betta edithae wurde von Kottelat eine eigene Gruppe vorgesehen. Sicherlich kann so vorgegangen werden, doch würde bei einer solch feingradigen Differenzierung letztendlich für jede Art eine eigene Gruppe erstellt. Dieser Splitterei ist nicht zu folgen und B. edithae zur B. picta-Gruppe zurückzugruppieren. Diese Einteilung deckt sich nicht ganz mit den Ergebnissen von Rüber/Britz et al. (2004), doch sind hier neben der Morphologie und Genetik auch ethologische Ergebnisse zu berücksichtigen, die insgesamt eine komplexere Betrachtung der Abstammung der Kampffischarten erlauben.

Das Fortpflanzungsverhalten von Betta picta (Valenciennes in Cuvier & valenCiennes, 1846)

Das Verhalten der Art wurde schon mehrfach ausführlich dargestellt, doch erscheint es mir in Anbetracht der verflossenen Zeit angezeigt, das Wesentliche hier nochmals darzustellen.
Meine beobachteten Betta picta (Schmidt 1986ff) stammten von „Java“, von „Est Petaling“. Erst kürzlich (2004) war es mir möglich, sie dem Verhalten von Betta falx gegenüberzustellen.
Zur Charakterisierung von Betta picta ist insbesondere festzuhalten, dass die Fische in beiden Geschlechtern und allen Fundortpopulationen eine Gesamtlänge von 6 cm erreichen können, Männchen bereits im Alter von etwa einem Jahr; die Weibchen bleiben zunächst etwas kleiner und erreichen diese Endgröße etwa ein Jahr später. Diese Kampffische können bis sechs Jahre alt werden.
In der Normalfärbung zeigt Betta picta (ebenso wie die meisten ihrer schaumnestbauenden Verwandten) in beiden Geschlechtern drei dunkle Längsstreifen. Der helle Rückenlängsstreifen (= Aalstreifen) der Nestbauer fehlt Betta picta, er tritt aber bei Betta foerschi auf. Der obere, dunkle Längsstreifen beginnt am Kopf, oberhalb des Auges, ist an den Körperseiten geradlinig und endet im oberen Teil der Schwanzwurzel.
Der mittlere Streifen liegt weitgehend parallel zum oberen. Dieser Streifen beginnt auf der Mauloberseite (Oberlippe), verläuft also um die Schnauze herum, setzt sich in der Form eines Augenlängsstreifens durch das Auge fort und wird auf den Kiemendeckeln breiter, hier meist kurz unterbrochen und mit einem Hof umgeben, sodass ein abgesetzter Operkularfleck erscheint. Unterbrochen durch den Kiemendeckelrand verläuft der Streifen bis zur Mitte der Schwanzwurzel geradlinig weiter. Er endet kurz vor oder unter dem, manchmal von einem helleren Hof umgebenen, Schwanzwurzelfleck. Der Schwanzwurzelfleck, Maculus (bei Betta picta mit einem Durchmesser von 0,8 bis 1 mm), befindet sich in der unteren Schwanzwurzelhälfte. Der dritte, untere Streifen beginnt unterhalb des Mauls. In der vorderen Kopfregion ist dieser Streifen in individuell unterschiedliche Punkte oder Striche aufgelöst. Auch auf den Kiemendeckeln ist dieser Streifen kurz unterbrochen oder fehlt dort ganz. Bis etwa zur Körpermitte verläuft er parallel zu den oberen Streifen, danach läuft der untere Streifen in der Schwanzwurzel mit dem mittleren Streifen zusammen. Der Verlauf des unteren Streifens und die Form des Schwanzwurzelflecks sind individuell verschieden. Sie unterscheiden sich oft auch auf den Körperseiten eines Fischs und können deshalb als individuelle Erkennungsmerkmale verwendet werden. Neben dem einfarbig braunen Rücken und dem Streifenkleid kann das Fehlen der Glanzpunkte in der Normalfärbung als typisch für Betta picta und so als Unterscheidungsmerkmal zu B. falx gelten. Die Normalfärbung ist bei beiden Geschlechtern und bei Jungfischen gleich.
Auch in der Prachtfärbung fehlen bei Betta picta Tüpfel auf den Körperseiten beider Geschlechter. Betta picta färbt sich zur Balz- und Laichzeit rotbraun. Die Iris des Männchens wird rot-golden. After- und Schwanzflossen des Weibchens sind durchsichtig, ohne Maserung. Die Kiemendeckel des Männchens färben sich zur Balz blaumetallisch. Das Weibchen wird insbesondere im Bauchbereich heller. Afterflosse und Schwanzflosse des Weibchens sind deutlich rotbraun gezeichnet. Die Färbung des Flossensaums, in Blau oder Braun bis Violett, ist sowohl von der Motivation der Fische als auch von der direkten Beleuchtung des Aquariums abhängig und kann nur eingeschränkt zur Unterscheidung der Fundortformen genutzt werden. Die Kiemendeckel sind bei beiden Geschlechtern hell und zeigen beim Männchen manchmal nur ein angedeutetes Blau. [Betta picta von der „Malaiischen Halbinsel“ – was auch immer dieser Fisch nun wirklich ist – bleibt zur Balz (auch gleich-geschlechtliche Partner werden gelegentlich angebalzt) silbergrau. Der Kopf wirkt dicker und rundlicher – im Gegensatz zum spitzeren Kopf der Inselpopulation –, was besonders bei den Weibchen deutlich wird.] Eine gesonderte Laichfärbung tritt bei Betta picta nicht auf.
Die Reviergründung und Revierverteidigung ähnelt bei Betta picta im Ablauf den anderen Maulbrütern. Dies sei dennoch nochmals zusammengefasst: Auch ein Aquarium, in dem die maulbrütenden Kampffische schon länger leben und das den Fischen bekannt ist, wird während der Balz noch einmal durchstreift und abgesucht. Immer häufiger halten sich die Fische an dem von ihnen ausgewählten Ort auf, in der Regel über der als Laichort angebotenen Schieferplatte oder einem anderen flachen Stein, aber auch großen Blättern. Die Laichunterlage – beispielsweise die Schieferplatte oder ein großes Blatt – muss so bezeichnet werden, weil ein echtes Laichsubstrat nicht vorliegt, denn die Eier fallen bei der Paarung auf die Afterflosse des Männchens und nur in seltenen Fällen sekundär und eher zufällig auf den Boden (Ausnahme – siehe bei A. v. d. Nieuwenhuizen 1986). Zwischendurch werden wieder andere Regionen des Aquariums aufgesucht. Die Suche nach dem potenziellen Laichrevier ist bei den Maulbrütern ein wesentliches Element der Balz und unterbleibt auch im bekannten Aquarium nicht.
Das Paar gründet nach der Laichreviersuche das Revier. Das spätere Laichrevier – an das Betta picta aber nicht fest gebunden sind – wird gegen andere Fische und vor allem gegen Artgenossen verteidigt. Dabei werden die Artgenossen jeweils gleichen Geschlechts äußerst vehement angegriffen und, besonders wenn gleichzeitig mehrere Weibchen laichmotiviert sind, kann es zu erheblichen Auseinandersetzungen mit Beißen in die Flanken und Flossen, Rammstößen und Maulzerren kommen. Durch diese Angriffe werden die weiteren Aquarienmitinsassen so eingeschüchtert, dass sie den vom Paar beanspruchten Platz meiden.
Mit fortschreitender Laichbereitschaft werden Fremdfische und vor allem Artgenossen immer häufiger aus dem näheren Bereich des Laichreviers (Durchmesser art- und umfeldabhängig circa 10 bis 30 cm) vertrieben. Werden jedoch die Störungen zu massiv, so kann sich das Paar an einen anderen Ort zurückziehen. In diesem Fall erweist sich die Bekanntheit möglicher Alternativen als Vorteil der Laichreviersuche. Am neuen Laichort wird etwa der gleiche Raum beansprucht. Da die Fische zum Laichen nicht notwendigerweise an den zuerst ausgesuchten Ort gebunden sind, bezeichnete ich den Laichort als ortvariables Laichterritorium (Schmidt 1987). Fremdfische werden von Betta picta im weiteren Umfeld vor allem durch das Weibchen abgewehrt. Das eigentliche ortvariable Laichrevier wird hingegen von beiden Fischen, vornehmlich jedoch ebenfalls vom Weibchen, verteidigt. Beide Partner vertreiben fremde Tiere aus ihrem Sichtbereich und greifen auch einfache Attrappen an.
Wurde bereits gelaicht und das Männchen trägt schon Eier im Maul, so erfolgt die Revierverteidigung wiederum nahezu nur durch das Weibchen, welches aber auch nicht mehr so viele Vorstöße in die Umgebung des Laichreviers unternimmt. Nur größere Fische werden von beiden Partnern gemeinsam angegriffen; vor allem das bereits Eier im Maul tragende Männchen imponiert (Flossenspreizen, Körperkrümmen) ausschließlich. Der Angriff des Weibchens (und des Männchens bevor es Eier im Maul trägt) erfolgt zunächst als angedeuteter Rammstoß. Der Rammstoß wird jedoch auch ausgeführt – falls das angegriffene Tier nicht flieht – und verursacht nicht selten eine Schädigung innerer Organe und kann den Tod des Fremdfischs zur Folge haben.
Bei der Balz fällt dem Beobachter ein Betta picta-Weibchen in paarungsbereiter Stimmung durch seine deutlich erhöhte Schwimmaktivität auf. Alle Aquarienbereiche werden abgesucht, der Fisch schwimmt auch an der Frontscheibe waagerecht oder kreisend hin und her. Das Weibchen – zunächst noch in der längsgestreiften Normalfärbung – schwimmt verschiedene Männchen in Prachtfärbung oder auch in Streifenzeichnung an. Andere Weibchen in Streifenzeichnung werden dabei nicht beachtet. Nach einiger Zeit entscheidet es sich und verbleibt bei einem Männchen. Es kommt zu weiterem Umschwimmen des Weibchens um das Männchen herum oder von der Seite über dessen Rücken. Auf diese Weise streifen beide Partner balzend durch das Aquarium, mögliche Laichplätze werden aufgesucht und die Umgebung erkundet. Dabei schwimmt das Weibchen in der Regel voran und ist der aktivere Partner.
Bei Betta picta ist zum Beginn der Balz in der Regel das Weibchen der aktivere Partner. Das Weibchen schwimmt auf ein Männchen zu, meist ist es das dominante, und präsentiert ihm seinen laichgefüllten Bauch unter Aufwärtsbiegen des Kopfs und Hellerfärben der Bauchregion. Dann schwimmt das Weibchen zum Männchen, um es herum oder ihm über den Rücken; meist aber im Sichtfeld des Männchens. Letzteres ist in dieser Balzphase weitgehend passiv. Es dreht sich nur wenig mit und steht meist an einer Stelle frei im Wasser oder liegt sogar am Boden. Das Weibchen von Betta picta verwendet ein weiteres Balzelement: das Rütteln. Hierbei werden in schneller Folge ruckartige Bewegungen mit dem Kopf zu den Seiten oder nach oben durchgeführt, wobei der restliche Körper relativ ruhig bleibt. Mit zunehmender Laichintention bleiben die Fische an einem Ort, meist über einem flachen Stein oder großen Blatt (s. o.).
Als weiteres Element der Balz macht das Weibchen mit dem Maul Spuckbewegungen, die in ihrem Ablauf den echten Eispuckbewegungen (s. u.) gleichen; in Ausnahmefällen wird die Intentionsbewegung auch von Männchen ausgeführt. Diese Intentionsbewegung Eispucken ist ein wesentlicher Bestandteil der Balz und als Aufforderung zur Paarung an das Männchen zu deuten. Die Intentionsbewegung ist beim Weibchen auch zwischen den Laichvorgängen zu beobachten, falls das Männchen für einen längeren Zeitraum – etwa durch Fremdfische oder den Beobachter – abgelenkt wird.
Die Balz dauert mehrere Stunden oder sogar ein bis zwei Tage. Hingegen kann die Balzphase bei Partnern, die sich bereits gut kennen, stark verkürzt sein (nur circa zwei Stunden). Bei Fischen, die sich erst kennenlernen müssen und besonders bei jüngeren adulten, ist die Balzphase gewöhnlich besonders lang.
Nach der Balz und Laichreviergründung folgen bei Betta picta bald – abgelöst von weiterer Balz und weiterem Laichreviersuchen – über eine bis mehrere Stunden ausschließlich Scheinpaarungen, bis es dann – meist nachmittags – zu den ersten echten Kopulationen kommt. Bei den ersten Scheinpaarungen versuchen sich die Partner zu umschlingen, was ihnen zu diesem Zeitpunkt – zum Beginn der Laichphase – jedoch noch nicht richtig gelingt. [Bei den Scheinpaarungen treten noch keine Geschlechtsprodukte (nur anhand der Eier vom Beobachter optisch prüfbar) aus.] Bei den Scheinpaarungen bleiben die Umschlingungen unvollständig, das Weibchen entgleitet dem Männchen oder die Umklammerung wird nicht geschlossen. Das Männchen krümmt sich bei einer Scheinpaarung nur leicht bis u-förmig. Eine Starre tritt in der Regel nicht oder nur kurz ein. Das Männchen krümmt sich in die Richtung, aus der die Berührung durch das Weibchen an seiner Körperseite erfolgte.
Die Fische sind nicht zwingend seitenstet. Die Umschlingungen bei der Paarung können vom Männchen zu beiden Seiten ausgeführt werden. Meist sind die Fische aber doch annähernd seitenstetig und eine Krümmung zur ungewohnten Seite bleibt dann unvollständig und wird somit zur Scheinpaarung. Im Vorfeld echter Paarungen kommt es zu Scheinpaarungen in großer Zahl. Auch mitten in der Laichphase sind immer wieder einzelne Scheinpaarungen zu beobachten, besonders wenn die Partner oft gestört werden. Nach dem Auslaichen des Weibchens erfolgen noch einige weitere Scheinpaarungen.
Der Verhaltensablauf vor einer echten Paarung ist der gleiche wie vor einer Scheinpaarung. Während des Laichens färbt sich das Betta picta-Weibchen in die Streifenzeichnung um. Zur echten Paarung schwimmt das Betta pic­ta-Weibchen dem Männchen nicht wie zur Balz über den Rücken hinweg, sondern direkt auf seine Flanke zu. Das Männchen legt sich jedoch zur Seite und krümmt die dem Weibchen abgewandte Seite etwas nach unten und weil das Weibchen weiterschwimmt, kann das Männchen seine Partnerin dann umschlingen. Jetzt legt sich das Männchen ringförmig um die Partnerin und presst sich unter leichtem Zittern fest an. Bei der Kopulation treten die Geschlechtsprodukte aus, und da sich in dieser Stellung die Geschlechtsöffnungen direkt nebeneinander befinden, können die Eier beim Austreten sofort und nahezu vollständig befruchtet werden. Während der Kopulation sinkt der Laich auf die Afterflosse des Männchens. Nun öffnet das Männchen die Umklammerung etwas, das Weibchen sinkt heraus und erwacht aus der Laichstarre. Das Männchen verbleibt aber 20 bis 45 Sekunden länger als das Weibchen in der Paarungsstarre, sodass das Weibchen aus der geöffneten Umschlingung heraussinken und dann ungehindert schwimmen kann, um die Eier von der After osse des Männchens ins Maul aufzusammeln. Erst danach erwacht das Männchen aus der Laichstarre.
Die je Laichakt bis zu 30 Eier sind undurchsichtig-weiß, sie haben einen Durchmesser von 1,1 bis 1,4 mm (der Durchmesser der Eier kann, je nach Ernährungszustand des Weibchens etwas unterschiedlich sein). Das Weibchen spuckt die Eier aus. Anfangs beachtet das Männchen die vom Weibchen vorgespuckten Eier gar nicht, das Weibchen schnappt sie selbst wieder auf, wodurch sie nicht zu Boden fallen oder an Räuber verloren gehen. Nach wiederholtem Zuspucken schnappt das Männ- chen doch einmal schneller als das Weibchen zu und übernimmt so einen Teil der Eier. Das Weibchen übergibt meist nicht alle Eier auf einmal, sondern nur zwei bis etwa fünf Stück. Ein einzelnes ausgespucktes Ei kann das Männchen kaum erwischen, weil das Weibchen es sofort zurückholt. Noch bevor alle Eier eines Laichakts überreicht sind, kann es zu weiteren Schein- oder echten Paarungen kommen. Nach den dann folgenden Laichakten nimmt das Weibchen die weiteren Eier zusätzlich ins Maul, um sie ihrem Partner in der Folge zuzuspucken. Dies dauert gewöhnlich so lange, bis das Weibchen voll ausgelaicht hat und schließlich die Mehrzahl der Eier an das Männchen übergeben ist.
Zum Abschluss folgen noch einige Scheinpaarungen und die Übergabe der restlichen – im Maul des Weibchen verbliebenen – Eier. Das Männchen hat das Maul dann sehr voll und beim Luftschöpfen können ihm Eier hinter den Kiemendeckeln entfallen. Diese sammelt das Weibchen meist wieder auf und spuckt sie dem Männchen erneut zu. Aufgrund der langen Dauer der Laichphase kann sie über Nacht unterbrochen werden. Das Betta picta-Männchen mit dem vollen Maul sucht sich nun zwischen Pflanzen in der Nähe der Wasseroberfläche ein Versteck. Es hütet die Brut etwa neun bis zwölf Tage im Maul, bis es zum Entlassen der Jungfische kommt.
Der Vater wird während der Maulbrutpflege vom Weibchen verteidigt. Einige Weibchen verteidigen es über die gesamte Brutpflegezeit, aber bei einigen erlischt das Interesse nach etwa fünf Tagen. Während der Maulbrutpflege schichtet das Männchen den Laich im Maul besonders in der ersten Zeit durch Kaubewegungen häufig um und versorgt ihn so gleichmäßig mit Sauerstoff oder es schichtet die etwas flexiblen Eier dichter (Lageänderungen könnten allgemein für die Embryonalentwicklung notwendig sein, genaue Untersuchungen liegen hierzu nicht vor). Dadurch – und weil es sicher dabei auch einige Eier verschluckt – nimmt der Umfang des Mauls in den ersten fünf Tagen nach dem Laichen ab. Vielleicht wirkt deshalb das nicht mehr gewölbte Maul des Männchens auf einzelne Weibchen auch nicht mehr als Auslöser für das Schutzverhalten. Die Mehrzahl der Weibchen bewacht und verteidigt die maulbrutpflegenden Männchen. In der aquaristischen Literatur wurde die Maulbrutpflegezeit von Betta picta mit neun Tagen bis zu vier Wochen sehr unterschiedlich angegeben (Spoelstra 1955, VierKe 1981d, Richter 1983, Dietrich 1985, Schmidt 1986c, e, g, 1990d, e; u. a.). Nur selten wurde über die Gründe (Störungen? Verwechslungen mit anderen Arten?) spekuliert. Zur verlängerten Brutpflegezeit fiel mir zunächst bei einem Männchen auf, welches Brut im Maul trug und kurze Zeit später nach Entlassen der Jungen (nach elf Tagen Brutpflegezeit) mit leerem Maul Nahrung annahm.
Es hatte am folgenden Tag – aber ohne erneutes Laichen mit einem Weibchen – wieder ein volles Maul (Schmidt 1988i, 1990d, e). Dieses Männchen wurde nach dem nächsten Laichen in einem – zur besseren Beobachtung – bodengrundlosen Kunststoffaquarium isoliert, in dem aber mit Schwimmpflanzen und leeren Kokosnussschalen genügend Deckungsmöglichkeiten für den Vater und die später aus dem Maul entlassenen juvenilen angeboten waren. Hier konnte ich die Beobachtung bestätigen: Nach elf Tagen (spätere Fälle: neun bis zwölf Tage) entließ das Männchen die Jungen aus dem Maul und nahm am Abend einen kleinen Regenwurm als Nahrung an. Am folgenden Tag waren alle Jungen verschwunden und das Maul des Männchens war wieder gefüllt – und dies, obwohl ich die Jungfische in reichlichem Maße mit feinem Futter aus dem Tümpel versorgt hatte und keine möglichen Feindfische im Aquarium oder im Nachbaraquarium sichtbar waren. Betta picta betreibt also eine echte Maulbrutpflege und nimmt die Jungen auch nach dem ersten Entlassen wieder zurück ins Maul (Schmidt 1988i, 1990d, e); Steinle (mdl. Mit. 1990) beobachtete gleiches. Dieses Verhalten kann durch Beunruhigung des Vaters gezielt verursacht werden. Das Einsammeln ist für das Männchen jedoch recht mühsam, da es hinter jedem Jungfisch herschwimmen und ihn schnappen muss. Eine Fluchtreaktion der Jungen ins Maul des Vaters oder von diesem weg konnte ich nicht beobachten, ebenso wenig ein sichtbares Signal (Färbung, Flossenbewegungen etc.) des Vaters. Auch akustische Signale (vgl. Bischof 1992) oder Pheromone ließen sich im Rahmen meiner Untersuchung nicht feststellen. Ein Anlocken der Jungfische durch Flossentrillern, wie Forselius (1957) und Vierke (1972) es für Betta splendens beschrieben, erfolgt nach meinen Beobachtungen bei den Maulbrütern nicht. Die Betta picta-Weibchen sind an der Brutpflege nicht beteiligt.
Fünf Tage nach dem Laichen kann das Betta picta-Weibchen erneut mit einem anderen oder auch dem gleichen Männchen laichen, falls letzteres die Brut nicht austrug. In seltenen Fällen kommt es durch in kurzen Abständen (etwa 5 bis 7 Tage) wiederholtes Laichen eines Weibchens mit dem bereits Brut pflegenden Männchen zum Sammeln verschieden alter Brut im Maul. Dann kommt es jedoch zu erheblichen Verlusten von Eiern, die dem Männchen aus dem Maul entfallen, oder – beim Entlassen der gesamten Brut – von jüngeren Jungfischen, die noch nicht voll entwickelt sind (vgl. Schmidt 1990d, e).
Manche Betta picta-Männchen tragen ihre Brut nicht aus. Unter den zahlreichen Nachkommen (40 bis 80, auch bis 120 pro Brut) finden sich jedoch immer gut ihre Brut pflegende Männchen. Die gleichen Männchen können sich aber auch – je nach Art der vorausgegangenen Ernährung – jeweils unterschiedlich verhalten. In den weiteren Tagen nimmt bei erfolgreicher Brut durch den Schlupf der Larven und ihren Bewegungen im Maul der Umfang der Kopfregion wieder zu, wobei besonders der Mundboden gesenkt ist und die Kiemendeckel weit abstehen. Die schließlich entlassenen Jungfische sind circa 7 mm lang und nehmen sofort feine Nahrung an.
Ein Wachstum der Jung sche bis auf 2 cn in zwei Wochen [wie Richter (1983) es angibt] ist aber auch bei Reichung besten Futters nicht zu erzielen. Diese Länge erreichen die Jungfische erst etwa vier Wochen später und danach beschleunigt sich das Wachstum, sodass bei guter Ernährung und 24 °C Haltungstemperatur die ersten Fische im Alter von sieben bis acht Monaten bereits geschlechtsreif sein können.
Betta picta ist ein ausgezeichnetes Beispiel für eine Art, die auch nach jahrelangen Pflege- und Zuchtzeiten noch für Neuigkeiten gut sind.

Alle Zitate aus dem Text sowie eine erweiterte Bibliografie und zahlreich Abbildungen, einschließlich Wiedergaben historischer Dokumente, sind im Originaltext zu finden: Der Makropode 28(11/12), 2006, S. 183-184, 187-209, 217-218.

(Anmerkung: Die Publikation dieses Artikels führte aufgrund anhaltender Kritik dazu, dass ich in der Folge für etwa 15 Jahre auf weitere umfangreiche Mitteilungen in unserem Vereinsorgan verzichtete. Dabei hatte der Redakteur, Jörg Töpfer, mit der Aufbereitung und einem anspruchsvollen Layout dankenswerterweise sehr viel Arbeit in die Gestaltung des Artikels gesteckt. Andere Freunde hatten viel Zeit in Übersetzungen investiert. Eine Art – nahezu komplett – vorgestellt, das sollte Labyrinthfischfreunde interessieren …, das war leider ein Irrtum. So blieben dann auch weitere, damals angekündigte Teile bis heute unveröffentlicht.)

Betta akarensis, Eierspucken, Weibchen vorn
Betta akarensis, Tafel n. Regan, 1910
Betta albimarginata. Weißsaumkampffisch

Betta albimarginata – der Weißsaumkampffisch
überarbeitet aus Aquarium live 1-2003, 56-62

Der Weißsaumkampffisch, Betta albimarginata, ist ausschließlich im Osten von Borneo verbreitet. Die Art wurde bereits 1994 vom Schweizer Kottelat und dem in Singapur lebenden Chinesen Ng beschrieben. War die Art zunächst nur von konserviertem Museumsmaterial her bekannt, so wurde sie bald nach ihrer Erstbescheibung von engagierten Mitgliedern der IGL (Internationale Gemeinschaft für Labyrinth- fische) lebend nach Europa importiert.
Betta albimarginata ist auch mit anderen Fischarten gut zu vergesellschaften. In einem größeren Aquarium eignen sich friedliche, kleine Salmler und Barben besonders gut. Diese werden von den Betta nicht beachtet. Die gemeinsame Pflege mit einigen kleinen Rasboren oder Prachtguramis ist sinnvoll. Die Bärblinge und auch die Parosphromenus-Arten sind in dieser Kombination weitaus weniger scheu, als wenn sie allein gepflegt werden. Weißsaumkampffischmännchen erreichen bis 6 cm Gesamtlänge, Weibchen etwa 5,5 cm. Diese Kampffische können über sechs Jahre alt werden.
Unverwechselbar? Bei der bekannten Betta albimarginata-Fundortform von Malinau ist der Grundtyp der Normalfärbung bei den Geschlechtern sehr unterschiedlich. Zur roten Grundfärbung des Männchens kommen die markanten schwarzen Zeichnungen des Kopfs und der unpaaren Flossen. After- und Schwanzflosse tragen außerdem den namengebenden weißen Saum. Die Weibchen sind beigebraun, nur mit Anflügen von Rot, tragen aber ebenfalls schmale, schwarze, nach außen weiße Flossensäume.
Der sehr ähnliche Betta channoides unterscheidet sich durch eine dunkelrote Färbung, die mehr ins Purpur übergeht, während B. albimarginata eher rotorange wirkt. Zudem wirkt der Kopf von B. channoides vom Fundort Pampang gerundeter, die Fische sind „mopsig“.
Im Aquarium: Beim normalen Verhalten im Aquarium sind Weißsaumkampffische Einzelgänger. Sie wahren Individualdistanzen und es kommt bei deren Unterschreitung zu agonistischen Handlungen (innerartliche Aggression mit Jagen sowie Stupsen in die Flanken). Die Weißsaumkampffische betrachten sehr kleine Jungfische anderer Arten (auch Kampffischen) als mögliche Beute. Die Betta-Männchen besetzen im Aquarium nur etwa 10 cm durchmessende Reviere, die nur gegen Artgenossen und ähnliche Arten wie Betta channoides verteidigt werden, diese Reviere werden aber nur zu bestimmten Zeiten eingenommen. Aber auch sonst ist eine festgelegte Rangordnung vorhanden. Durch das Abtrennen von Männchen zum Erbrüten der Eier kommt es bei der Wiedereingliederung in die Gruppe immer wieder zu Kommentkämpfen. Da meist die dominanten Fische zuerst laichen, verändert sich dann die Rangord- nung durch das Entfernen des Alpha-Männchens. Die Auseinandersetzungen zwischen dem bisherigen und dem neuen Alpha-Männchen dauern oft mehrere Stunden, ja sogar Tage und sind für die Kontrahenten sehr anstrengend. Daher ist es sehr wichtig, dass das Aquarium gut strukturiert ist, um dem unterlegenen Fisch Rückzugsmöglichkeiten anzubieten. In einigen Fällen kann es erforderlich sein, eines der Männchen umzusetzen. Bei diesen Kämpfen kann es auch zu Flossenbeschädigungen kommen, die jedoch meist gut verheilen. Besonders nach Futtergaben oder Wasserwechseln sind Weißsaumkampffische sehr aggressiv, auch die Weibchen werden von den Männchen vertrieben. Diese sind untereinander und gegenüber nicht dominanten Männchen ebenfalls aggressiv und halten ihren Individualabstand zu ihren Artgenossen ein.
Die Pflege ist einfach, sie unterscheidet sich nicht wesentlich von der anderer Weichwassernaulbrüter. Vor allem das Fortpflanzungsverhalten ist für den Aquarianer interessant zu beobachten.
Wenn die Partner harmonieren… In der Laichfärbung unterscheiden sich die Geschlechter erheblich. Die Laichfärbung der Weißsaumkampffischweibchen entspricht weitgehend der Normalfärbung, jedoch wird der Rücken hell- und dunkelbraunscheckig und die sonst für Schaumnestbauer typischen Querstreifen werden sichtbar. Diese Querbänderung zeigt das Weibchen erst nach einigen Stunden oder mehreren Tagen der Balz. Die Laichfärbung der Männchen entspricht der Prachtfärbung. In der Laichfärbung verschwindet der sonst typische Längsbalken aus der Augeniris, die Irisfarbe wird schwarz.
Laichreife Weibchen suchen immer wieder die Nähe dominanter Männchen und versuchen dabei möglichst dicht an das Männchen heranzukommen. Vermutlich stimuliert der Körperkontakt die Laichbereitschaft des Männchens.
Mit zunehmender Laichmotivation werden nach der Paarbildung Fremdfische und besonders Artgenossen aus dem näheren Bereich des ortsvariablen Laichreviers vertrieben. Stören Fremdfische zu massiv, werden – wie bei allen anderen maulbrütenden Kampffischen –, spätestens nach mehrmaligem Wechsel des Laichreviers, Balz oder Paarung abgebrochen.
Das gemeinsame Erkunden eines gemeinsamen, ortsvariablen Laichreviers gehört als wesentliches Element zur Balz. Ein Weißsaumkampffischweibchen in paarungsbereiter Stimmung fällt durch seine deutlich erhöhte Schwimmaktivität auf. Das Aquarium wird abgesucht und es schwimmt gelegentlich auch an der Frontscheibe hin und her oder in Kreisen. Dies ist bei dieser Art aber nicht so auffällig wie bei den meisten großen Maulbrütern. Das Weibchen schwimmt verschiedene Männchen in Normal- oder Prachtfärbung an. Schließlich entscheidet es sich und bleibt bei einem Männchen, welches im Freiwasser oder am Bodengrund stehend, vom Weibchen umschwommen wird. Im weiteren Balzverlauf streifen die Partner durch das Aquarium, wobei die möglichen späteren Laichplätze aufgesucht und die Umgebung erkundet wird. Dabei ist das Weibchen in der Regel der aktivere Partner.
Wie bei vielen anderen maulbrütenden Kampffischen ist auch bei Weißsaumkampffischen die Intentionsbewegung Eispucken ein wesentliches Element der Balz und als Aufforderung an das Männchen zum Laichen zu deuten. Diese Intentionsbewegung ist nicht nur während der Balz, sondern auch zwischen den ersten Laichvorgängen zu beobachten.
Das Weibchen unterbricht manchmal das Umschwimmen, spreizt die Flossen und gähnt. Beide Bewegungen sind dem Imponieren oder dem Übersprungsverhalten zuzuordnen, was dann vom Männchen meist gleichartig beantwortet wird. Danach setzt das Weibchen das Umschwimmen fort oder das Paar geht zur Laichreviersuche über.
Zur Balz umschwimmt das aktivere Weibchen das relativ passive Männchen. Das Weibchen überschwimmt den Partner auch. So kommt es zu den ersten Kontakten zwischen dem Bauch des Weibchens und dem Rücken oder der Rückenflosse des Männchens. Auf diese Weise werden bei den Partnern eventuell vorhandene Aggressionen abgebaut und der später notwendige enge Kontakt der Fische miteinander zur Paarung ermöglicht. Dieser erfordert das Unterschreiten der Individualdistanz, was sonst mit aggressivem Verhalten beantwortet wird. Weibchen im Alter von über einem Jahr sind oft sehr aggressiv, auch gegenüber den Männchen. Sie haben weitaus mehr Körpermasse als gleichaltrige Männchen. Solche Weibchen setzten wir nicht mehr zur Zucht an.
Ist die Zucht wirklich so einfach? Zur Scheinpaarung krümmt sich das Weißsaumkampffischmännchen zur Seite und versucht, das Weibchen in der Bauchregion zu umschlingen. Anfänglich kommt es jedoch nicht zu echten Paarungen – da die Umschlingungen nicht vollständig sind oder nicht bis zum Ende des Verhaltensablaufs ausgeführt werden – und es bleibt somit bei Scheinpaarungen.
Der Verhaltensablauf vor einer echten Paarung ist der gleiche wie vor einer Scheinpaarung. Während des Laichens färbt sich vor allem das Weißsaumkampffischweibchen um. Das bis auf die Flossensäume fast einfarbige Prachtkleid verschwindet und die quergestreifte Laichfärbung erscheint. Das Weibchen schwimmt zur Paarung – aus einer Umkreisung heraus – dem Männchen in die Flanke. Letzteres krümmt sich dann seitlich und umschlingt das noch etwas vorwärtsgeschwommene Weibchen kreisförmig in der Bauchregion. Bei der Paarung verbleibt das Weibchen in der aufrechten Schwimmhaltung oder es wird vom Männchen etwas seitlich (bis zu 90°) gedreht. Dabei treten die Geschlechtsprodukte – Eier und Spermien – unter leichtem Körperzittern aus. Für alle Labyrinthfische gilt: Durch die Umschlingung gelangen die Geschlechtsöffnungen beider Partner direkt nebeneinander.
Während der Paarung verharren die Fische in der Laichstarre. Nach Abgabe der Geschlechtsprodukte löst zunächst das Männchen die Umklammerung ein wenig, bleibt aber weiterhin in der Starre. Die Eier sinken auf die Afterflosse des Männchens. Durch die leichte Lösung der Umklammerung kann das zuerst aus der Laichstarre erwachende Weibchen aus der Umschlingung herausschwimmen. Es dreht sich um und nimmt die Eier von der Afterflosse des Männchens ins Maul.
Vorweg werden einige kleine, transparente Eier von circa 0,6 mm Durchmesser abgegeben, die für die Fische optisch von den später folgenden größeren, weißen Eiern unterscheidbar sind. Die kleinen Eier werden von beiden Partnern gefressen, um vor allem dem Männchen Energiereserven für die Zeit der Maulbrutpflege zu liefern (Nähreier). Es können – wenn viele Eier auf der Afterflosse des Männchens liegen – auch einige zu Boden fallen, bevor das Weibchen sie schnappen kann. In diesem seltenen Fall sammelt das Weißsaumkampffischweibchen auch die Eier vom Boden ein. Die jeweils bis 14 Eier sind undurchsichtig weiß und haben einen Durchmesser von etwas über 1,1 mm. Der Eidurchmesser kann aber – je nach Ernährungszustand des Weibchens und Wasserchemie – etwas unterschiedlich sein.
Nachdem das Weibchen bereits alle Eier eingesammelt hat, erwacht auch das Männchen aus der Laichstarre und richtet sich auf. Danach kann es zum Luftschöpfen eines oder beider Partner kommen. Anschließend erfolgt das Zuspucken der Eier. Dabei spuckt das Weibchen die Eier aus, die das Männchen erwischen muss, um sie im Maul auszubrüten. Spuckt das Weibchen eine größere Anzahl Eier gleichzeitig aus, dann kann das Männchen zumindest einen Teil davon erhalten. Aber noch bevor die Übergabe aller Eier erfolgt ist, kann es zu weiteren Scheinpaarungen oder Paarungen kommen.
Ein liebevoller Vater: Nach Beendigung der Laichphase hat das Weißsaumkampffischmännchen mit prall gefülltem Maul sichtlich Mühe, die letzten Eier darin zu verstauen. Beim Luftschnappen können ihm hinter den Kiemendeckeln oder aus dem Maul Eier wieder entfallen. Die entfallenen Eier werden meist vom Weibchen bemerkt, aufgeschnappt und dem Männchen wieder zugespuckt. Zum Abschluss der Laichphase, wenn fast alle Eier übergeben sind, zieht sich das Männchen in ein Versteck, oft nahe der Oberfläche, zurück. Wird die Laichphase durch die Nacht unterbrochen, dann kann sie am folgenden Tag – nach erneuter kurzer Balz – fortgesetzt werden.
Das maulbrutpflegende Weißsaumkampffischmännchen wird vom Weibchen noch bis zum Entlassen der Jungen gegen Fremdfische verteidigt, die ihm zu nahe kommen. Eine Verteidigung des Männchens erfolgt nicht immer, auch beim gleichen Weibchen nicht jedes Mal nach jedem Laichen und nicht immer über den gesamten Zeitraum.
Der Maulumfang des Männchens nimmt in den nach dem Laichen folgenden vier Tagen ab. Falls sie keine Eier mehr tragen, nehmen die Männchen nach spätestens vier Tagen wieder Nahrung an. Ob sie die Eier oder einen Teil der Eier verschlucken oder ob diese durch äußere Einflüsse zerstört werden (s. u., z. B. weil sie unbefruchtet waren, durch Parasiten oder ungünstige Wasserchemie), konnte bisher nicht geklärt werden. Sehr selten war bisher zu beobachten, dass die Kampffische ihre Larven zu früh entlassen haben. Die künstliche Aufzucht der Larven ist nicht schwer und wurde bereits von Grams & Dickmann
(1997) für Betta channoides (dort Betta spec. Pampan
genannt) beschrieben. Wird das Ausspucken der Larven
vom Pfleger nicht beobachtet, so wird oft davon ausgegangen, dass das Männchen die Larven gefressen hat, da die durchsichtigen Larven mit dem weißen Dottersack sehr klein und schwer auffindbar sind. Bisher konnten wir bei den Männchen nur selten sicher feststellen, dass sie ihre Larven gefressen hatten – im Gegensatz zu den Eiern.
Mehrfach waren gerade entlassene Jungfische von Piscinoodinium infiziert, während bei den älteren Fischen keine Merkmale dieserKrankheit zu sehen
waren. Sind die Larven in einem frühen Stadium
von Piscinoodinium befallen, so sterben sie im Maul ab und werden vom Männchen ausgespuckt. Auch bei solchen Verlusten aufgrund Krankheiten wird oft irrtümlich davon ausgegangen, dass die Jungfische vom Männchen gefressen wurden. Manche Fische fressen allerdings, besonders wenn sie jünger sind, ihre Eier. Auch ältere können sich zu Eierfressern entwickeln. Hier hilft es manchmal, den betreffenden Fisch in ein anderes Aquarium umzusetzen und einige Zeit ohne Artgenossen zu halten. Zusätzlich ist eine Änderung der Wasserwerte nötig. Es kommt auch vor, dass ein Männchen einen Teil der Eier frisst, weil es entweder vorher nicht ausreichend ernährt wurde oder zu viele Eier ins Maul aufgenommen hat. Vermutlich lassen sich diese Eier mit den Nähreiern (auch anderer
Arten) vergleichen …
Bei einer erfolgreichen Maulbrutpflege nimmt der Maulumfang etwa acht Tage nach dem Laichen wieder zu. Zehn bis 18 Tage nach der Eiaufnahme, bei 24 °C Wassertemperatur in der Regel nach 14 Tagen (dies ist von der Wassertemperatur, der Wasserchemie, der Anzahl der Jungfische und anderem abhängig), entlässt der Vater die Jungen nach und nach aus dem Maul. Sollte eine potenzielle Gefahr für die Jungfische, etwa durch Fressfeinde, bestehen, so kann das Männchen das Ausspucken der Brut einige Tage verzögern; es erfolgte in allen beobachteten Fällen nach spätestens 23 Tagen erstmals.
Das Entlassen der Jungfische erfolgt – wenn der Vater ungestört ist – meist innerhalb einer Stunde, es kann aber auch über mehrere Tage verteilt erfolgen. Es werden dann ein bis etwa zehn Jungfische in Abständen von fünf bis zehn Minuten entlassen. Das Männchen steht beim Ausspucken der Jungen waagerecht oder hat den Kopf nach unten geneigt. Häufig erfolgt das Entlassen direkt nach dem Luftschöpfen.
Die Jungfische sind etwa 5 bis 6 mm lang. Sie werden vom Vater nicht wieder ins Maul genommen und nicht weiter beachtet. Die Eltern fressen ihre Jungen nicht. Im Mittel ist nur von etwa 20 Jungfischen pro Nachzucht ausgehen. Ältere Männchen tragen bis 50 Jungfische aus, bei jüngeren können es nur lediglich zwei sein. In einem Fall spuckte ein Betta albimarginata- Männchen jedoch mindestens 72 Jungfische aus.
Einige Männchen entwickeln sich während der Maulbrutpflege zu Eierfressern, sie tragen die Brut nie aus. Selten tragen Männchen ihre Brut in allen Fällen aus. Vor allem junge Männchen haben häufig nach zwei bis drei Tagen ihr Maul wieder leer.
Wird von einem adulten Artgenossen irrtümlich – aufgrund des von ihm ausgehenden Bewegungsreizes – nach einem juvenilen geschnappt, so wird dieser sofort wieder ausgespuckt; junge, nicht ausgewachsene B. albimarginata verzehren jedoch kleinere Artgenossen.
Laichkasten: Betta albimarginata lässt sich sehr gut im Gruppenansatz im Aquarium züchten. Brutpflegende Männchen setzen wir ab dem vierten Tag, wenn die Larven im Maul auf jeden Fall geschlüpft sind, in ein gesondertes Aquarium oder einen Laichkasten. Der Laichkasten muss dicht abgedeckt werden, damit das Männchen nicht herausspringen kann. Bisher konnte ich noch kein Männchen aufgrund des Umsetzens seine Larven schlucken oder ausspucken sehen, selbst dann nicht, wenn ich die Fische mit einem Kescher gefangen und umgesetzt habe. Brutpflegende Männchen sind anderen Tieren gegenüber – besonders gleichgeschlechtlichen Artgenossen – meist unterlegen und suchen Versteckmöglichkeiten, um die Brut ungestört auszutragen. Besonders das dann dominanteste Männchen verbeißt den brutpflegenden Fisch. Daher bewährt sich der Laichkasten sehr gut und scheint auch für die tragenden Fische Sicherheit zu bieten. Zwar wird vor dem pflegendem Männchen auch imponiert, es kann aber nicht verbissen werden. In diesem Behälter behält das Männchen auch oft seine Prachtfärbung. So ist es auch einfacher, die Jungfische zu finden und zu füttern, wenn sie nach etwa 16 Tagen schlüpfen. Das Männchen sollte jedoch erst einen oder zwei Tage später umgesetzt werden, da es oft noch eine kleine Anzahl Jungfische im Maul hat, die es spätestens nach zwei weiteren Tagen entlässt. Männchen, die ihre Brut in einem Aquarium mit anderen Fischen austragen, verblassen normalerweise nach einer Weile. Nur jüngere Männchen zeigen nach meinen Beobachtungen auch während der Brutpflege ihre Prachtfärbung und sondern sich unter Aquarienverhältnissen nicht so stark ab wie ältere Fische.
Fazit: Ein gut ernährtes Weibchen kann bereits etwa zehn Tage nach dem Laichen wieder laichbereit sein, während das Männchen meist noch Brut austrägt. In wenigen Fällen folgt dann bereits ein Laichen mit einem anderen Männchen. Daher ist die gemeinsame Haltung von mindestens zwei Männchen mit einem Weibchen sinnvoll. Dann zeigt auch fast immer mindestens ein Männchen seine volle Farbenpracht. Es erfolgt keine weitere Betreuung der aus dem Maul entlassenen Jungfische. Diese wertvolle Rarität gehört sicher eher ins Art- als ins Gesellschaftsaquarium.
Der Weißsaumkampffisch, Betta albimarginata, ist ein attraktiver, kleiner, maulbrütender Kampffisch, der sich in unseren Aquarien inzwischen einen, wenn auch nur kleinen, festen Platz erobern konnte. Im Gegensatz zum ähnlichen, aber empfindlichen Bunten Kampffisch, Betta macrostoma, ist der Weißsaumkampffisch jedoch relativ leicht zu pflegen und zu züchten.Der Weißsaumkampffisch, Betta albimarginata, ist somit ein vornehaltlos empfehlenswerter Pflegling.

Steckbrief: Betta albimarginata – Weißsaumkampffisch

Überfamilie: Anabanotidei, Kletterfische Familie: Belontiidae, Makropodenartige Gattung: Betta, Kampffische Art: Betta albimarginata Kottelat & Ng, 1994 Deutscher Name: Weißsaumkampffisch Herkunft: Indonesien: Ost-Borneo Größe: Maximal circa 6 cm Länge. Verhalten: Ein friedlicher Maulbrüter für das Artaquarium. Haltung: Aquarien ab 60 cm Länge, der Filter sollte in Teilbereichen eine kräftige Strömung erzeugen. Dennoch sind Ruhebereiche wichtig. Eine dichte Bepflanzung und viele Verstecke kommen seinen Ansprüchen entgegen. Wasser: Weich und sauer: pH-Wert 4 bis 6,2, Gesamthärte 0 bis 8 °dGH, bei maximal 3 °dKH, Wassertemperatur 22 bis 26 °C. Fütterung: Lebend- und Gefrierfutter. Vermehrung: Das maulbrütende Männchen trägt die Brut etwa zwei Wochen lang aus. Nach dem Entlassen der etwa 40 Jungen aus dem Maul, findet keine weitere Betreuung mehr statt. Anmerkungen: Interessanten an solch seltenen Labyrinthfischen können sich an die IGL wenden,
Literatur
Evers, H. G. 2002. Der verhinderte Superstar. Betta albimarginata. Aquaristik Fachmagazin & Aquarium heute 34(4), Nr. 166, 46-48.
Grams, F. & Dickmann, P. 1997. Kleine rote Maulbrüter – eine Labyrinthfischgruppe stellt sich vor. Datz 50(9), 562-566.
Schlüter, M. 1999. Betta albimarginata „Malinau“. Aquaristik aktuell 8(5-6), 10-13.
Schlüter, M. 2000. Betta albimarginata Kottelat & Ng, 1994. Der Makropode 22(9/10), 110-112.
Schmidt, J. 2002. Der Weißsaumkampffisch Betta albimarginata. Der Makropode 24(9/10), 216-223.

Betta albimarginata. Weißsaumkampffisch, 2 imponierende Männchen
Betta albimarginata. Weißsaumkampffisch, Eier zuspuckendes Paar
Betta anabatoides
Betta anabatoides, Tafel n. Regan, 1910
Betta anabatoides
Betta apollon
Betta balunga

Betta balunga Herre, 1940 – der Maulbrüter vom Balung River auf Borneo
aus: Der Makropode – 27(7/8), 2005, S. 116-119.

Zu Betta balunga erhielt ich Fische vom Fundort Ost-Tawau, die Uwe Renninger importiert und mir freundlicherweise überlassen hatte. Für die Beobachtungen standen zunächst drei adulte Versuchspaare und für weitere Beobachtungen über 200 Jungfische zur Verfügung.

Charakterisierung der Art: Betta balunga-Männchen erreichen bis 15 cm Gesamtlänge, Weibchen etwa 14 cm. Die Betta balunga können circa sieben Jahre alt werden, aber im Alter von etwa vier Jahren verlieren sie bereits ihre Fertilität.
Die Normalfärbung von B. balunga ist mit B. akarensis nahezu gleich; auch die Längsstreifenzeichnung ist sehr ähnlich, der untere Längsstreifen läuft aber bei den meisten Individuen erst deutlich weiter caudal mit dem mittleren Streifen zusammen, oft erst direkt im Schwanzwurzelfleck; während bei B. akarensis bei vielen Individuen der untere Streifen bereits in der Bauchregion mit dem mittleren verschmilzt. In der Normalfärbung ist eine Unterscheidung deshalb schwer. Adulte B. balunga bekommen jedoch zusätzlich großflächigere Flossen, wobei die weißen Bauchflossen etwa 4 cm lang werden, und auch die Analis und Caudalis weit nach hinten ausgezogen sein können. Insbesondere die Analis ist beim Männchen in mehreren Flossenstrahlen caudal verlängert. Die Farbe der Iris und die Gesichtsmaske gleichen jeweils der von B. pugnax.
Das Weibchen wird in der Prachtfärbung einfarbig lehmgelb, die Längsstreifen verschwinden. Das Männchen wird dunkelblau-schwarz, die „Leiterzeichnung“ der unpaaren Flossen wird sehr intensiv und kräftiger als bei B. akarensis. Am Körper treten – als entscheidender Unterschied – metallische Tüpfelreihen auf. Auch die hellen, ansonsten transparenten Zonen zwischen den dunklen Querbalken in den unpaaren Flossen glänzen beim aggressiv gestimmten oder balzenden Männchen blaugrünmetallisch.
In der Laichfärbung ist der beim B. balunga-Weibchen einfarbige braune Rücken auffällig, der von einem hellen Längsstreifen auf dem Rücken unterbrochen ist (vgl. B. akarensis). Insgesamt ist die Färbung von B. balunga zu B. akarensis sehr ähnlich, was eine Abgrenzung erschwert, zumal letztere Art weit verbreitet ist und viele Lokalformen bildet (vgl. Schmidt in: Riehl & Baensch 1990, S. 645, hier in manchen Auflagen falsch als B. climacuara bezeichnet, u. a.).
Jungfische sind kaum zu unterscheiden und – bis auf die lanzettliche Schwanzflosse und die Endgröße – auch zu B. edithae ähnlich.

Reviergründung und -verteidigung: Reviergründung und Revierverteidigung erfolgen wie bei B. akarensis und in der für B. pugnax beschriebenen Weise.

Balz, Laichen und erste Versorgung der Eier: Balz, Scheinpaarungen, echte Paarungen sowie das eigentliche Laichen und auch die erste Versorgung des Laichs gleichen bei B. balunga ebenfalls den bei B. pugnax geschilderten Abläufen. Fast alle Ergebnisse sind den Angaben zu B. akarensis zu entnehmen. Bei der Paarung ist die Umschlingung jedoch offen, u-förmig (vgl. u.). Weil in der Ethologie von B. balunga nur wenige eindeutige Unterschiede deutlich werden, wird an dieser Stelle in Bezug auf das Verhalten während Scheinpaarungen, echter Paarung und erster Brutpflege auf die vorherigen Artikel dieser Reihe verwiesen, in denen die ähnlichen Arten (B. pugnax und B. akarensis) beschrieben wurden. Es muss jedoch erwähnt werden, dass bisher zu B. balunga kaum Publikationen zur Fortpflanzungsbiologie vorlagen (Rehwinkel 1994). Eine beobachtete Eigenheit aus dem Paarungsverhalten – nämlich die offene, u-förmige Umschlingung des Weibchens durch das Männchen – hat B. balunga lediglich mit B. stigmosa (= B. cf. pugnax von Tasik Kenyir) und B. waseri sensu lato gemeinsam (s. dort).
Die Laichphasen dauerten bei B. balunga meist zwischen vier und sechs Stunden. Auch hierin unterscheidet sich dieser Fisch nicht von seinen nächsten Verwandten.

Brutpflege: Das maulbrütende B. balunga-Männchen wird von seiner Partnerin über den gesamten Maulbrutzeitraum verteidigt. Betta balunga entlässt die Jungen nach zwölf bis 15 Tagen. Meist wird von den Männchen der längere Zeitraum bevorzugt. Das Verhalten und das Wachstum der Fische erfolgen ebenfalls wie bei B. akarensis.

Verhalten nach dem Laichen und der Brutpflege:
Auch bei B. balunga erfolgt keine weitere Betreuung der aus dem Maul entlassenen Jungfische. Das Weibchen kann bereits nach etwa zehn Tagen nach dem Laichen erneut laichbereit sein (vgl. B. pugnax und B. akarensis).

Literatur
DonoSo-Büchner, R. 1994. Mein vorläufiger Kenntnisstand über den Kampffisch Betta balunga Herre, 1940. Der Makropode 16(1/2), 3–6.
Inger, R. F. & Chin P. K. 1962. The fresh-water Fishes of North Borneo. Fieldiana: Zoology (Chicago) 45, 268 S.Mück, H. 1994. Betr.: Haarwürmer bei Betta balunga. Der Makropode 16(1/2), 18–19.
Mück, H. & Steinle, C.-P. 1993. Betta balunga – ein Problemfisch? Der Makropode 15(9/10), 106– 107.RehwinKel, J. 1994. Pflege und Zucht von Betta balunga Herre, 1940. Der Makropode 16(9/10), 67–68.
RehwinKel, J. 1999. Betta pugnax – ein maulbrütender Kampffisch. VDA aktuell 5(1), 25–27, 29.
Renninger, U. 1991a. Auf der Suche nach Betta unimaculata, Betta balunga und anderen Labyrinthfischen. Der Makropode 13(4), 78–81.
Renninger, U. 1991b. Auf der Suche nach Betta unimaculata, Betta balunga und anderen Labyrinthschen – Teil II. Der Makropode 13(5/6), 85–94.Riehl, R. & Baensch, H. A. 1990. Aquarien Atlas Band 3. Melle, 644–645, 648–649, 653.
Schmidt, J. 1995. Der Leiterflossen-Kampffisch Betta akarensis Regan, 1910. Der Makropode 17(5/6), 46–53.
Schmidt, J. 1996a. Betta akarensis Regan, 1910. Der Leiterflossen-Kampffisch, ein nahezu unbekannter Kampffisch. Aquaristik aktuell 4(1), 37–40.Schmidt, J. 1996b. 2020. Vergleichende Untersuchungen zum Fortp anzungsverhalten der Betta-Arten (Belontiidae, Anabantoidei). Bibl. Nat. & Wiss. 7. Solingen, 2. Aufl. Ruhmannsfelden.
Witte, K. E. 1988. Reiseimpressionen von Borneo. Der Makropode 10(8), 115–116.

Betta bellica
Betta breviobesus
Betta brownorum, siehe auch weiter oben: Seite 2.
Betta cf. brownorum „Teil-Maulbrüter“
Betta cf. brownorum „Teil-Maulbrüter“
Betta burdigala, Burgunderroter Kampffisch

Betta burdigala – der Rotweinrote Kämpfer
überarbeitet aus ’Der Makropode’ 23(5&6), 2001, 73-79

Kampffische – so meint der voreingenommene Aquarianer –, das sind die prächtigen Schleierzuchtformen des Siamesischen Kampffischs. Aber unter den verschiedenen Kampffischen der Gattung Betta gibt es viele weitere farbenprächtige, schaumnestbauende Fische, was sich außerhalb der spezialisierten Vereine bisher kaum herumgesprochen hat. Selbst in der IGL kennen nur wenige Aquarianer den 1994 beschriebenen, kleinen, burgunderroten Betta burdigala.
Unsere Liebe zu den Kampffischen begann – wie bei vielen Aquarianern – ebenfalls mit Schleierkampffischen, setzte sich dann aber mit den Wildformen des Siamesischen Kampffischs fort, später auch mit Betta imbellis, B. smaragdina, B. bellica, B. coccina, B. tussyae, B. persephone, B. brownorum und B. rutilans. Die bisherige Krönung stellt eine der farbenprächtigsten Arten dar: Der Burgunderrote Kampffisch, Betta burdigala.

Eine der schönsten Kampffischarten: Betrachter, welche die Farbenpracht dieser bis etwa 6 cm langen Fische beschreiben möchten, geraten leicht ins Schwärmen. Neben der kräftig roten Grundfarbe (burdigala steht für Burgunderrot), die auch bei den Kampffischen Betta tussyae und bei jungen B. coccina sowie dem zu B. burdigala äußerst ähnlichen B. uberis vorherrscht, weist B. burdigala eine intensive metallischgrünblaue Deckfärbung auf vielen Flankenschuppen am Körper und in den meisten Flossenmembranen auf. Am Körper zeigen junge Männchen stimmungsabhängig einen grünen Flankenfleck, der aber nicht so scharfe Umrisse aufweist, wie es bei B. brownorum und B. coccina der Fall ist.
Nächstverwandte Kampffische des Burgunderroten Kampffischs ist zunächst Betta uberis, es gehören aber auch B. coccina und B. tussyae dazu, die sich im B. coccina-Formenkreis zusammenfassen lassen, da neben äußeren Merkmalen auch große Übereinstimmungen im Verhalten zu finden sind. Wie beim Laubkampffisch, Betta persephone, fehlt jedoch ein markantes Verhaltensmerkmal: Aggressiv gestimmte B. burdigala weisen keine Längsstreifen auf. Mit B. burdigala könnte demnach ein Bindeglied zwischen diesen Formenkreisen gefunden sein. Ein für Kampffische außergewöhnliches Kennzeichen ist die ausgesprochen langgestreckte Rückenflosse von B. burdigala, die vier bis neun Flossenstrahlen mehr als die aller (außer B. uberis) bekannten schaumnestbauenden Kampffische besitzt. Während Burgunderrote Kampffische, die von der Insel Bangka stammen, „nur“ etwa 15 Rückenflossenstrahlen besitzen, haben B. uberis von Kubu auf Borneo durchschnittlich sogar 17 bis 21 Strahlen. Reisende Labyrinthfischfreunde entdeckten diese Fische im Januar 1993. Sie fingen sie in einem Schwarzwasserbach in der Umgebung von Kubu und brachten sie auch lebend nach Deutschland mit. Wie alle schaumnestbauenden Kampffischarten, die auch Fließgewässer besiedeln, waren sie nur im verkrauteten Uferbewuchs der Stillwasserzonen zu finden.
Beschreibung: Bei der Balz und auch bei der Brutpflege sind sowohl die Männchen wie auch die Weibchen äußerst ansprechend gefärbt. Auf beiden Körperseiten ist dann eine flächiggrünblaue Färbung zu sehen. Laichbereite Weibchen zeigen eine Querbänderung, die für die meisten schaumnestbauenden Kampffischweibchen typisch ist. Die Augen besitzen einen grünblau leuchtenden Glanzfleck in der Iris. Die jeweils zwei Kiemendeckelstreifen leuchten kräftig rot, bei den Weibchen gelegentlich auch goldfarben. Das Kopfprofil ist rundlich und ähnelt dem von B. tussyae. Kopf und Rücken der Fische sind dunkelrot bis bräunlich gefärbt. Charakteristisch für den Betta coccina-Formenkreis ist der helle Stirnfleck (das Occipitalorgan), der bei B. burdigala jedoch schwächer ausgeprägt ist.
Ihr Körper ist langgestreckt und von walzenförmiger Gestalt. Die Seiten sind abgeflacht. Adulte Burgunderrote Kampffische erreichen Körperdurchmesser von etwa Bleistiftstärke. Beim Männchen sind die Bauchflossen sowie die Rücken- und die Afterflosse lang und spitz nach hinten ausgezogen. Beim Weibchen sind diese Flossenmerkmale schwächer entwickelt. Die Bauchflossen sind kräftig rotgefärbt und besitzen weiße Spitzen. Bis auf die transparenten Brustflossen sind die übrigen Flossen rotgefärbt, mit schön grünlichschimmernden Flossenmembranen. Die Schwanzflosse ist abgerundet.
Pflege – das Aquarium für Burgunderrote Kampffische: Für ein Paar des Burgunderroten Kampffischs ist ein Aquarium ab etwa 60 cm Länge zu empfehlen, da in ihm ohne besonderes Zutun oft bis 40 Jungfische aufwachsen können, die – bei ausreichender Fütterung, etwa alle zwei Tage – nicht von den Eltern gefressen werden.
Soll in einem größeren Aquarium eine Gruppe gepflegt werden, dann müssen jedem ausgewachsenen B. burdigala etwa 200 bis 400 cm2 Bodenfläche zur Verfügung stehen. In einem 1 m langen, 40 cm tiefen Aquarium sind das etwa 10 bis 18 Kampffische. Bärblinge werden von den B. burdigala kaum beachtet, sofern sie nicht so klein sind, dass sie als Futter betrachtet werden könnten.
Filterung und Heizung sind meist überflüssig, da die normale Zimmertemperatur ausreicht und auf Wasserbewegung sowie einen hohen Sauerstoffgehalt im Wasser verzichtet werden kann. Futterreste müssen jedoch beseitigt werden, da eine hohe organische Belastung das Wohlbefinden der Fische mindert und auch die Ei- und Larvalentwicklung stoppt. Bei starkem Fleckenbefall (dunkelbraune Flecke auf Körper und Flossen) und bei auf dem Kopf leicht gesträubten Schuppen liegt eine zu hohe organische Belastung des Wassers vor. Ein vollständiges Reinigen des Aquariums ist dann dringend nötig. Werden die Fische in ein neu eingerichtetes Aquarium mit unbelastetem Wasser gesetzt, dann verschwinden die Symptome innerhalb weniger Tage.
Wegen der geringen Wassermengen in den Kampffischaquarien darf es aber gar nicht erst zu solchen Belastungen kommen. 5 bis 10 l entmineralisiertes Wasser (frisches Osmosewasser ist in größeren Zoofachgeschäften erhältlich), vermischt mit etwas Leitungwasser, sind schnell ausgetauscht. Nach dem Absaugen des Mulms ist die Wasserpflege abgeschlossen. Etwa alle sechs Wochen sollten solche Maßnahmen erfolgen. Torf oder Wurzeln dienen im Aquarium als pH-Puffer, da es bei weichem Wasser zu einem pH-Wert-Sturz unter 4 kommen kann, wenn versucht wird, den pH-Wert nur durch Zugabe von Säuren (oder einem der handelsüblichen Präparate) zu senken.
Verhalten: Auseinandersetzungen sind meist harmlos. Gut entwickelte Männchen erinnern wegen ihrer prächtigen Flossen ein wenig an die Paradiesfische der Gattung Macropodus. Alte Männchen werden im Körperbau bullig, die Flossen wirken dann kürzer als bei jungen Fischen. Aggressiv gestimmte Kampffische aus dem Betta coccina-Formenkreis (aber mit Ausnahme von B. burdigala) zeigen zwei helle Längsstreifen auf den kräftig gefärbten Körperseiten, die sich vom Kopf bis in den Schwanzwurzelbereich erstrecken. Die Burgunderroten Kampffische, B. burdigala, scheinen in vielen Merkmalen ursprünglicher zu sein als die weiteren Arten dieses Formenkreises und als der Laubkampffisch, B. persephone.
Obwohl beim Rotwein-Kampffisch keine Umfärbungen stattfinden, stimmen die Verhaltensabläufe im Aggressionsverhalten mit denen des B. coccina-Formenkreises überein. Sie sollen dennoch kurz zusammengefasst werden: Treffen zwei aggressiv gestimmte Weinrote Kampffische aufeinander, so verharren sie für kurze Zeit auf ihren Positionen, wobei die Kiemendeckel abgespreizt werden. Dabei können diese Kampffische ihre Kiemendeckel aber nicht so weit abspreizen, wie es die Siamesischen Kampffische können. Außerdem können sie ihre Branchiostegalmembran nicht hervorstülpen, sodass ihr Imponieren auf den Betrachter weniger beeindruckend wirkt. Nach kurzer Zeit schwimmen beide aufeinander zu. Dabei zeigt ein Tier seine Körperseite mit gekreuzten Bauchflossen, abgespreizten Kiemendeckeln und zusammengelegten Rücken-, After- und Schwanzflossen. Die Schwanzflossenwurzel wird ein wenig angehoben und die Schwanzflosse abrupt geöffnet, während der Kontrahent weiterhin droht. Dabei fächeln die Brustflossen sehr heftig.
Dieser ganze Vorgang kann sich einige Male wiederholen, wobei sich Imponieren und Drohen abwechseln. Im Laufe der Begegnung kommt es dann zu Imponierduellen, die in Parallel- oder Antiparallelstellung erfolgen. Gibt keiner der Fische auf, so kommt es nun auch zur Umfärbung der Körperseiten, wobei die Längsstreifen auf dem höchsten Erregungszustand beim plötzlichen Spreizen aller Flossen in Sekundenschnelle gezeigt werden. Dabei ist der Körper leicht s-förmig gekrümmt. Die Brustflossen fächeln so heftig, dass die Fische zu vibrieren scheinen. Dieses „Flossenrütteln“ zeigen alle schlanken schaumnestbauenden Kampfischarten besonders intensiv.
Spätestens jetzt stürzen sie aufeinander los und versuchen, sich blitzartig im Flossenwerk des anderen zu verbeißen. Dabei können sie sich starke Flossenschäden zufügen, die jedoch nur selten zur Schwächung oder zum Tod eines betroffenen Fischs führen. Auch in die Flanken versuchen sich die Fische zu beißen, sodass dort schließlich manchmal die Schuppen fehlen. Gibt nun der unterlegene Fisch auf, dann dreht er sich seitlich, legt die Flossen zusammen, färbt sich blass und flieht. In kurzer Zeit, nach etwa zwei bis drei Wochen, sind die Flossen meist wieder fast vollständig nachgewachsen.
Solche Kampfszenen sind gewöhnlich relativ harmlos und treten bei der Klärung der Rangordnung und bei der Verteidigung des Reviers auf. Sind die Kräfteverhältnisse einmal richtig geklärt, dann kommt es nur noch zu einem kurzen Imponiergehabe ohne Schlagabtausch. Die Vertreter mancher anderer Fischarten sind noch aggressiver und zielen bei Attacken auf lebenswichtige Organe des Kontrahenten, wobei unter beengten Aquarienbedingungen unterlegene Fische zu Tode kommen können. Den Namen „Kampffisch“ dürften eigentlich nur die für die Kampfspiele der Thai speziell aggressiv konditionierten Kampfrassen (Zuchtformen) tragen. Bei dem stark ritualisierten Verhaltensinventar der Wildformen kommt es bei einer artgerechten Pflege jedoch zu keinen Todesfällen.
Betta burdigala lässt sich gut mit kleinen Bärblingen vergesellschaften: Da der Rotwein-Kampffisch in der Natur flache, sumpfige Schwarzwasserbereiche besiedelt, muss der Aquarianer vor allem zur Zucht entsprechende Lebensbedingungen bieten. Ein dunkler Bodengrund ist für die Pflege von Kampffischen immer zu empfehlen, da er zum Wohlbefinden der Fische beiträgt, indem er ihnen die Scheu nimmt. Für die Haltung von B. burdigala darf die Wasserhärte bis zu 10 °dGH betragen; ein pH-Wert von 6,0 und eine Wassertemperatur von 22 bis 25 °C sind ausreichend. Eine Torffilte- rung und die Verwendung von groben Torffasern, getrockneten Erlenzapfen, oder die Verwendung von getrockneten braunen Rotbuchenblättern und Torf als Bodendekoration sind zu empfehlen, da von diesen Materialien Huminsäuren an das Wasser abgegeben werden. Vor allem die Blätter werden von unterlegenen Fischen als Verstecke genutzt. Der Wasserstand für die Haltung sollte 40 cm nicht überschreiten; eine Strömung muss vermieden werden.
Zur Zucht sind Wasserwerte um 3 °dGH und ein pH-Wert von 3,5 bis 5,5 zu empfehlen. Der Wasserstand sollte nun nicht mehr als 15 cm betragen. Schwimmpflanzen wie Horn- und Sumatrafarn werden gern zur Unterstützung des Nestbaus angenommen.
Bei unsachgemäßer Haltung verweigern die Kampffische die Ausprägung ihre Farbenpracht. Sie gehören zu den Fischen, denen auf den ersten Blick anzusehen ist, ob sie sich wohlfühlen oder nicht. Für alle Kampffische sind kahle Verkaufsbecken ein Graus. Der Händler wird aus solchen Aquarien kaum einen Fisch verkaufen können, denn als graue Mäuse mit glasigen Flossen sind die Tiere alles andere als farbenprächtig und werden sicher kein Verkaufsschlager.
Für die Pflege Burgunderroter Kampffische eignen sich sowohl Art- als auch Gesellschaftsaquarien, wobei die Mitbewohner nicht wesentlich größer als die Kampffische sein sollten. Als Gesellschaft gut geeignet sind vor allem kleine Bärblinge, wie Espes Keilfleckbärbling, Trigonostigma espei, oder aber auch der sehr kleine, nur etwa 2,5 cm lange Zwergbärbling, Boraras maculata. Diese Gesellschaftsfische fungieren gleichzeitig als „Indikatorfische“, weil sie einen möglichen Piscinoodinium-Befall als erste anzeigen.
Oodinium – eine häufige Kampffischkrankheit: Vor allem bei den aus weichen Gewässern stammenden Kampffischarten sind auf den Flossenmembranen und an den Schuppenrändern oft winzige, weiße bis gelbgraue Punkte zu entdecken, die viel kleiner als bei einer Ichthyophthirius-Infektion sind. Diese Erkrankung wird von einem Dinoflagellaten verursacht, nämlich Piscinoodinium pillularis. Dieser Parasit lässt sich leicht mit Kochsalz bekämpfen, wie es in jedem Haushalt vorhanden ist. Auch mit starker Strömung betriebenen Schwammfiltern vermögen die Flagellaten nicht zu entgehen. Nicht nur Labyrinthfische wie die hier vorgestellten Burgunderroten Kampffische vertragen befristete Zeit erhebliche Kochsalzkonzentrationen, ohne dadurch Schäden davonzutragen. Auf zehn Tage befristet, können zwei bis drei leicht gehäufte Teelöffel Salz auf 10 l Aquarienwasser verabreicht werden. Bei sehr starkem Oodinium-Befall (magerer Körper, abgespreizte Kiemendeckel, Flossenklemmen, großflächiger Befall) sind Kombinationen von Kochsalz mit den handelsüblichen Medikamenten anzuwenden. Es dürfen jedoch keine Salze mit Zusätzen gegen „Verklumpung“ verwendet werden. Aber bedenken Sie: Salz und kupferhaltige Präparate können in Pflanzenaquarien verheerende Wirkungen verursachen. Nur sehr robuste Pflanzen wie Javamoos, Javafarn, Sumatrafarn oder Hornfarn vertragen eine derartige Behandlung. Diese Wasserpflanzen zählen auch zu den wenigen schwarzwassertauglichen Arten, welche die extremen pH-Werte um 4 vertragen, wie sie für die Zucht mancher Labyrinthfische erforderlich sind.
Übrigens muss das Aquarienwasser auch bei einer Behandlung mit Antibiotika oder Furanen ebenfalls aufgehärtet oder wenigstens aufgesalzen werden, damit die Medikamente nicht denaturieren und somit unwirksam oder gar giftig werden. Dies ist ein wichtiger Aspekt, der leider oft bei den Anwendungshinweisen nicht genannt und folglich von den Aquarianern übersehen wird.
Bei der Oodinium-Bekämpfung mit Kochsalz steigt die elektrische Leitfähigkeit des Wassers drastisch an, was sich jedoch nicht auf die Gesamthärte auswirkt. Während der Burgunderrote Kampffisch nur eine Gesamthärte von 15 °dGH verträgt, lassen sich Paare dieser Fische selbst von sehr hohen Kochsalzkonzentrationen kaum am Laichen hindern. Der Laich entwickelt sich aber nur bei einer Gesamthärte unter 7 °dGH, bei einem pH-Wert von 3,5 bis 6,0 und bei einer elektrischen Leitfähigkeit von 40 bis 800 μS/cm. Bei einer elektrischen Leitfähigkeit von deutlich über 800 μS/cm findet keine Eientwicklung mehr statt. Bei Betta coccina liegt dieser Grenzwert bei etwa 600 μS/cm. Elektrische Leitfähigkeiten von über 3000 μS/cm werden bei einer Oodinium-Bekämpfung jedoch von allen schaumnestbauenden Kampffischarten gut vertragen. Bei der Pflege der Fische bei sehr niedrigen pH-Werten von etwa 3,2 bis 4,5 tritt jedoch kein Oodinium-Befall auf.
Die Partner teilen sich die Aufgaben der Brutpflege: Die Krönung aller Aquarianermühen ist der geglückte Nachzuchterfolg nebst der Aufzucht der Jungfische. Leider ist der Weg dorthin nicht immer leicht und es muss oft so manche herbe Niederlage hingenommen werden. Doch irgendwann klappt es dann doch, meist völlig überraschend, wenn der Aquarianer schon gar nicht mehr darauf hofft. Viele Einsteiger haben nicht die nötige Geduld und lassen den Fischen nicht genügend Ruhe. Oftmals müssen sich Zuchtpaare erst „zusammenraufen“, was aber Wochen oder sogar Monate dauern kann.
Sehr empfehlenswert ist es, bei der Zusammenstellung der Zuchtpaare stets größere Männchen mit kleineren Weibchen zusammenzusetzen. Größere Weibchen akzeptieren kleinere Männchen oft nicht als Laichpartner und verjagen sie. Wichtig sind Aquarien mit vielen Verstecken, insbesondere für die zur Zucht neu angesetzten Paare. Als erstes klären die Fische ihre Rangordnung: Der unterlegene Fisch muss sich zurückziehen können. Eine größere Menge Javamoos oder grobe Torffasern schützen das in der Regel unterlegene Weibchen vor Nachstellungen.
Sehr wichtig ist, dass die Aquarienabdeckung alle Ritzen gut verschließt! Kampffische sind gute und zielsichere Springer; 15 cm Höhenunterschied von der Wasseroberfläche zur Abdeckscheibe können von den kleinen Fischen problemlos überwunden werden. In Aquarienräumen, in denen kleine, flache Wasserschalen auf dem Boden aufgestellt wurden, konnte sich so mancher Kampffisch vor dem Austrocknen retten.
Wurde nun das Aquarium gut eingerichtet und abgesichert, dann wird das Männchen irgendwann mit dem Schaumnestbau beginnen. Jetzt kann eine kleine, etwa 50 cm2 durchmessende Schieferplatte so platziert werden, dass sie genau unter dem Nest zu liegen kommt. Beim Laichen sehen die Fische nun die zu Boden fallenden weißen Eier besser, sodass alle problemlos eingesammelt werden können.
Das Männchen duldet das Weibchen zunächst nicht in der Nähe, bis das Schaumnest – aus seiner Sicht – fertiggestellt wurde. Das Weibchen besucht das nestbauende Männchen des Öfteren. Beschwichtigend legt es die Flossen eng an den Körper und vollführt mit aufwärts gerichtetem Kopf schlängelnde Bewegungen mit dem Körper. Dabei treten die dunklen Querstreifen am Körper des Weibchens hervor. Von der Kopfoberseite bis zum Rückenflossenansatz hellt sich der Körper auf. Die helle Laichpapille des Weibchens ist nun deutlich zu sehen.
Das Männchen reagiert mit Imponiergehabe und versucht das Weibchen – falls das Nest fertig ist – zu umkreisen. Ist das Weibchen jedoch nicht mit der Nestkonstruktion einverstanden, so weicht es den Annäherungsversuchen des Männchens ständig aus, worauf der „arme Kerl“ wohl aus lauter Frust das Nest erweitert und vor allem die Nestmitte mit vielen Schaumbläschen unterstützt. Das Schaumnest kann einen Durchmesser von etwa 2 bis 5 cm erreichen.
Ist die Auserwählte nun endlich einverstanden, so kommt es zu einer Vielzahl von Umkreisungen und schließlich zu einer ersten Scheinpaarung. Dazu schwimmt das Weibchen in die Körpermitte des Männchens. Das Männchen dreht sich seitlich und umschlingt das Weibchen so, dass nun beide Geschlechtsöffnungen zueinander zeigen. Der Kopf des Weibchens und der Rücken des Männchen zeigen jetzt in Richtung Boden. Bei einer Scheinpaarung treten keine Eier aus. Das Männchen erwacht nach etwa drei bis zehn Sekunden und das Weibchen zunächst nur wenig später aus der Laichstarre.
Nach mehreren Umkreisungen und Scheinpaarungen erfolgt dann eine echte Paarung, bei der vom Weibchen zunächst nur wenige, bis etwa fünf Eier gelaicht werden. Beide Partner suchen intensiv auf dem Boden nach heruntergefallenen Eiern, die von beiden mit dem Maul eingesammelt und – mit wenigen Schaumblasen ummantelt – ins Nest eingebettet werden. Bei einer echten Paarung bleiben beide Tiere länger in der Laichstarre, das Männchen bis zu sieben, das Weibchen bis über 20 Sekunden. Oft nimmt das Männchen auch die vom Weibchen in der Laichstarre abgegebenen Eier von der Genitalöffnung ins Maul. In den einzelnen Laichakten werden etwa zwei bis 15 Eier von etwa 1 mm Durchmesser abgegeben.
Von jungen Weibchen werden insgesamt noch nicht viele Eier produziert, so daß Gelege von 40 bis 60 Eiern zustandekommen. Große, adulte Weibchen laichen über 100 Eier ab. Der gesamte Laichvorgang wird durch Pausen unterbrochen, die aus Umkreisungen, Scheinpaarungen sowie dem Suchen und Einarbeiten der Eier ins Nest bestehen. Abhängig von der vom Weibchen produzierten Eizahl und der Stimmung oder Konstitution der Fische ist der gesamte Laichvorgang nach etwa drei bis fünf Stunden abgeschlossen. Gegen Ende des Laichens werden die Scheinpaarungen wieder häufiger. Für einen guten Laichansatz des Weibchens haben sich lebende Schwarze Mückenlarven als Futter bewährt.
Die Burgunderroten Kampffische neigen – wie alle anderen schaumnestbauenden Betta – zur Paarbindung mit spezifischen Aufgaben. Daher sollte das Weibchen nach dem Laichen nicht aus dem Zuchtaquarium entfernt werden. Während die Männchen sich speziell um die Brutpflege kümmern, patroullieren die Weibchen am Rand des Reviers und übernehmen dessen Verteidigung. Gelegentlich stehlen Kampffischweibchen Eier und Brut aus dem Nest des Männchens und pflegen sie in eigenen Nestern. Möglicherweise ist dieses Verhalten bei gleichstarken oder dominanten Weibchen ohne äußeren „Feinddruck“ in be-sonderem Maße zu erwarten.
Betta burdigala zeigt Ansätze zur Maulbrutpflege: Bemerkenswert ist die Fähigkeit der Männchen, ihre Brut in kürzester Zeit in sicheren Verstecken unterzubringen. In einem 80 cm langen Aquarium mit einem einzigen Paar der Fische hatte das Männchen sein Nest unter einem Stück schwimmender Korkrinde errichtet. Beim Lichteinschalten durch die Zeitschaltuhr erschrak das Tier und brachte in zwei schnellen Zügen mit dem Maul, die zusammen etwa sechs Sekunden dauerten, alle Larven unter einem am Boden liegenden Torfbrocken unter. Nachdem sich das Männchen beruhigt hatte, trug es die Larven wieder ins Nest zurück. Insgesamt achtmal konnten wir diesen Vorgang beobachten. Einmal behielt das Männchen etwa eine Minute lang einen Teil der Larven im Maul. Ähnliches ist auch von Betta tussyae bekannt.
Gelegentlich kann auch ein ständig wechselnder Nest- standort bei schaumnestbauenden Kampffischen beobachtet werden. Während das Weibchen beim Laichen am Nest noch geduldet wurde und auch heruntergefallene Eier ins Schaumnest einbringen konnte, wird es danach vom Männchen verdrängt und bis zum Freischwimmen der Brut, also bis etwa fünf Tage nach dem Laichen, nicht mehr in unmittelbarer Nestnähe geduldet. In einem großen Artaquarium kann nun eine gesteigerte Aggression des Weibchens gegenüber allen Eindringlingen beobachtet werden, wobei es meist ohne Vorwarnung anderen Fischen in die Flossen zu beißen versucht, falls sie zu nahe an den Neststandort heranschwimmen.
Das Männchen ist während der Brutpflegezeit sehr beschäftigt, die herunterfallenden und ständig quirligen, hellgefärbten Larven einzusammeln und ins Nest einzubetten. Damit Eier und Larven nicht gleich wieder absinken, umgeben Männchen oder Weibchen sie mit einem leicht klebrigen „Speichelsekret“. Die am zweiten Tag geschlüpften Larven, die anfangs noch einen weißen Dottersack besitzen, färben sich mit jedem Tag dunkler. Am vierten Tag hängen sie wie kleine schwarze Kommastriche mit ihren Köpfen am Nest, wobei die Schwänze in Richtung Boden zeigen. Die Larven besitzen Klebedrüsen am Kopf, mit denen sie sich anheften können. Die Drüsen scheinen aber erst jetzt voll funktionsfähig zu sein, da die Larven weniger oft herunterfallen. Nun greift auch das Männchen wieder gelegentlich in die Revierverteidigung ein.
Die Eltern beachten ihre Jungen nach dem Freischwimmen nicht mehr. Schwimmt die Brut frei – je nach Wassertemperatur am fünften oder sechsten Tag –, dann kommt es bald wieder zum Laichen. Die Jungen, jetzt etwa 5 mm lang, werden von den Eltern nicht weiter beachtet und verteilen sich im Aquarium. Bis zu fünf Bruten können die Fische nacheinander produzieren, danach folgt eine längere Pause, die mehrere Wochen andauern kann. Oftmals jagen die halbwüchsigen älteren Geschwister die gerade freischwimmenden Fischchen, da sie diese als Futter ansehen. Daher hält sich ein Großteil der sehr jungen Tiere in unmittelbarer Nestnähe und im Männchenrevier auf. Alle mehr als 1 cm großen Fische werden vom Vater aus der Nestnähe vertrieben.
Während der ersten drei Tage nach dem Freischwimmen fressen junge schaumnestbauende Kampffische Infusorien sowie Räder- und Pantoffeltierchen, ab dem zweiten Tag jedoch auch schon feine Cyclops- und Artemia- Nauplien. Nach dem sechsten Tag werden kaum noch Infusorien aufgenommen. Feingesiebtes Tümpelfutter trägt wesentlich zum raschen Wachstum der Jungfische bei. Die aus den Eigelegen der Schwarzen Stechmücke, den Tümplern bekannt als schwarze „Schiffchen“, schlüpfenden winzigen Mückenlarven sind nun ein gutes Futter. Sie werden von den etwas größeren Jungfischen gerne gefressen. Jungfische müssen regelmäßig gut gefüttert und „Hungertage“ dürfen frühestens bei halbwüchsigen Tieren eingelegt werden. Gleichzeitig ist auf eine gute Wasserqualität zu achten.
Das übliche Lebend- und Frostfutter wie verschiedene Mückenlarven, Tubifex, Daphnia, Cyclops, Bosmina, Artemia und deren Nauplien, wird gern gefressen. Rote Mückenlarven und Tubifex dürfen aber nur einmal in der Woche gereicht werden, weil die Kampffische zur Verfettung neigen. Auch muss abwechslungsreich – unterbrochen durch einen Fastentag – gefüttert werden. Wir füttern nur jeden zweiten, gelegentlich jeden dritten Tag und haben noch keine schlechten Zuchtergebnisse zu verzeichnen gehabt. Im Gegenteil: „Hungertage“ fördern die Vitalität dieser Fische. Nicht nur Kampffische können zu Tode gefüttert werden! Trockenfutter wird meist nur ungern gefressen, die Fische lassen sich aber auch daran gewöhnen.
Ein nicht seltenes Phänomen ist das Verschwinden von Eiern im Schaumnest. Sind die Wasserwerte einwandfrei, kann entweder eine versteckte Oodinium-Infektion die Ursache sein, wobei das Zuchtpaar keine deutlichen Anzeichen dafür zeigen muss, oder Planarien und Schnecken fallen nachts über die Eier her. Eine gründliche Desinfektion und Reinigung des Aquariums oder eine Behandlung gegen Piscinoodinium pillularis sind dann nötig (s. o.).
Da Tussys Kampffisch, Betta tussyae, nach B. uberis vermutlich die nächstverwandte Art zu B. burdigala ist, muss auf eine strikte Trennung dieser Kampffischarten geachtet werden, um Kreuzungen auszuschließen. Die Bastarde beider Arten vermitteln zwischen den Ausgangsarten und sind nur schwer von ihnen zu unterscheiden. Bei der Aufzucht dieser Hybriden treten große Verluste auf: über 90 % der Larven verenden meist noch vor dem Freischwimmen. Die übrigen Jungfische sind zudem nicht fruchtbar. Kreuzungsversuche mit Betta coccina schlugen bisher fehl.
Den Fortbestand sichern! Aufgrund der fortschreitenden Umweltzerstörung sind diese Kampffischarten in ihren ursprünglichen Lebensräumen vom Aussterben bedroht. Sie sind zum Teil bereits an früheren Fundorten nicht mehr nachweisbar. Glücklicherweise existieren noch einige ursprüngliche Restwälder, zum Teil als Naturschutzgebiete oder Parks. Leider reichen diese Gebiete wohl kaum aus, um allen bedrohten Arten einen Fortbestand zu sichern.

Literatur:
Donoso-Büchner, R., & Schmidt, J. 1999. Rotweinrote Kämpfer. Burgunderrote Kampffische Betta burdigala. Aquarium live 3(4), 22-30.
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Schmidt, J. 1990, 2020. Vergleichende Untersuchungen zum Fortpflanzungsverhalten der Betta-Arten. Biobliothek Natur & Wissenschaft Bd. 7. Solingen, 187 S. Neuauflage, Ruhmannsfelden.

Betta channoides
Betta chini (ist sehr wahrscheinlich ein Syn. von Betta climacura)
Betta chini
Betta chloropharynx, gähnend
Betta coccina

Bettacoccinavon Selangor. Ostmalaysia
überarbeitet aus ’Der Makropode’ 21(5/6), 1999, 56-58

Hier möchte ich einige Mitteilungen zu Betta coccina von Selangor äußern. Sehr ähnliche Fische wurden von Kottelat & Ng als Betta livida (siehe dort) beschrieben, doch genügen meines Erachtens die geringen farblichen Unterschiede nicht zur Artabgrenzung, ja vermutlich ist es nicht einmal gerechtfertigt, diese Form als Unterart aufzufassen. Dennoch hat sich die Unterscheidung in Wissenschaft und Aquaristik durchgesetzt. Auch im Verhalten treten keine wesentlichen Unterschiede auf.

Charakterisierung der Art und der Variante: Gegenwärtig stehen uns im wesentlichen drei Betta cf. coccina-Varianten zur Verfügung:


  1. Die Variante von der Malaiischen Halbinsel, welche sich seit längerem in der Aquaristik befindet, und die von einigen unserer Mitglieder im Zuchtbuch betreut wird.
  2. Die Variante von Sumatra aus der Provinz Jambi, also von der eigentlichen Terra typica der Art. Über diese Form wissen wir bisher (Stand Mitte 1999) am wenigsten.

    1. Die Form aus Selangor, beschrieben als Betta livida, ebenfalls von der Malaiischen Halbinsel, um die es im Folgenden gehen soll.
      Betta coccina wird etwa 6 cm lang. Männchen werden etwa 1/2 cm länger als die Weibchen (bis 5,5 cm Gesamtlänge) und besitzen eine großflächigere Beflossung. Die Fische werden bis vier Jahre alt.
      Die Normalfärbung von Betta coccina zeichnet sich durch drei dunkle, rotbraune Längsstreifen aus. In der Normalfärbung ist beim Betta coccina-Männchen in der Regel kein Flankenfleck sichtbar. Dem Betta coccina-Weibchen fehlt der Flankenfleck. Bei dieser Art ist ein für Jungfische typischer und auffälliger, weißer Stirnfleck vorhanden. Die Iris ist braunrot bis schwarz. Die Gesichtsmaske besteht aus drei Längsstreifen.
Den für die Prachtfärbung charakteristischen blauen oder grünen Seitenfleck zeigen bei Betta coccina also (im Gegensatz zu Betta brownorum) aus schließlich die Männchen. Eigentlich besitzt Betta coccina reinrot gefärbte Bauchflossen ohne weiße Spitzen, ein wesentliches Merkmal zur Bestimmung dieser Art. Aber unsere hier vorgestellte Population aus Selangor, an der Westküste Malaysias, besitzt ausnahmsweise weiße Bauchflossenspitzen. Der Flankenfleck ist hier weitaus weniger deutlich. Bei jüngeren Betta coccina ist die Körpergrundfärbung bräunlich oder – wie auch später – dunkelweinrot. Auch die Flossen sind dunkelrot und weisen in den unpaaren Flossen hellblaue oder weiße Tüpfel und kurze Streifen sowie einen weißen Saum auf. Bei jungen Betta coccina erscheint die Prachtfärbung ohne glänzende Tüpfel in den Flossen. Während der Balz zeigt das Männchen vom Kopf bis zur Schwanzwurzel zwei helle Längsbinden, ähnlich der Normalfärbung, wodurch der – jetzt sichtbare – Flankenfleck eingefasst wird und jetzt nahezu wie ein Augenfleck wirkt. Auf den Kiemendeckeln verlaufen die hellen Streifen und gehen in die Längsbinden der Flanken über. Außerdem treten auf den Kiemendeckeln zwei rotmetallische Querstreifen auf, die jedoch aufgrund der ebenfalls roten Körpergrundfärbung kaum auffallen. Das Weibchen ist während Balz und Scheinpaarungen sowie zunächst danach quergestreift. Das Männchen ist während der Scheinpaarungsphase in der Balz – also bevor erstmals gelaicht wurde – nicht längsgestreift, sondern bis auf den Flankenfleck am Körper einfarbig dunkelrot. Die Kiemendeckelflecken sind dann auffällig leuchtend rot, bei manchen Populationen oder in anderen Stimmungen golden oder golden gerandet. In der Prachtfärbung ist die Iris von Betta coccina leuchtend grün.
      Während der Laichphase – in der Laichfärbung – ist der dunkle Flankenfleck bei dem Betta coccina-Selangor-Männchen erstaunlich unauffällig und nur bei genauer Betrachtung zu erkennen. Jetzt zeigt das Weibchen fünf bis acht Querstreifen. Während der Brutpflege zeigt das Männchen wieder die Längsstreifenzeichnung ohne den dunklen Fleck.
      Betta coccina in Schreckfärbung sind blasshellbraun, die Flossen nur noch schwach rot gefärbt. Statt der Längsstreifen treten fünf bis acht Querstreifen auf und die Seitenflecken der Männchen verschwinden.
      Betta coccina werden im Alter von über drei Jahren blass, das Rot wird zum Braun und die Flankenflecken verschwinden oder die Körperseiten werden einfarbig grünlich. Die Männchen sind im Alter von mehr als zwei Jahren am Körper nicht matt gefärbt, sondern flächig grün glänzend, die Flossen bleiben jedoch rot.

Reviergründung und Revierverteidigung: Zur Vorbereitung des Laichens baut das Männchen ein Schaumnest. Dieses kann entweder an der Wasseroberfläche – bevorzugt unter einem Pflanzenblatt – oder auch in einer Höhle – entfernt von der Oberfläche – angelegt werden. Das Schaumnest fertigt das Betta coccina-Männchen aus Schaumblasen, indem es Luft von der Oberfläche mit Sekret aus dem Maul ummantelt. Aus diesen einzelnen Blasen fügt es das gesamte Nest zusammen, welches nur in weichem und saurem Wasser – ohne organische Belastungen – lange stabil bleibt. Erst wenn das Nest weitgehend fertiggestellt ist, darf sich das laichbereite Weibchen dem Männchen unter dem Nest nähern.
Betta coccina können im Imponierverhalten ihre Branchiostegalmembran nicht – wie die gedrungenen Schaumnestbauer der Betta splendens-Gruppe – hinter den Kiemendeckeln hervorstülpen. Zudem zeigt das Betta coccina- Weibchen kein Flossen- und Körperwedeln. Balzmotivierte Betta coccina verteidigen ihre Reviere jedoch durchaus ähnlich aggressiv wie die gedrungenen Kampffische und es kann folglich zu Flossen- und Schuppenverletzungen kommen, in ungünstigen Fällen können die innerhalb weniger Sekunden auf die Kommentkämpfe folgenden Beschädigungskämpfe für die Reviereindringlinge von tödlichem Ausgang sein. Das Revier ist relativ klein und hat etwa bis 40 cm Durchmesser.

Balz: Das Betta coccina-Männchen schwimmt dem Weibchen bei der Balz meist mit gespreizten Flossen entgegen, bleibt vor ihm im Wasser stehen und krümmt den Körper – bei weiterhin weit abgespreizten Flossen – L-förmig. Dabei schlägt es sich seitlich mit den Flossen und dem Hinterleib. Der dunkle Flankenfleck auf dem dunkelroten Körper ist jetzt kaum noch sichtbar und wirkt hier nicht als auffälliges Signal für das Weibchen wie bei der anderen Form von der Malaiischen Halbinsel. Außerdem schwimmt das Männchen nun auch seitlich, sodass der Flankenfleck dem Weibchen trotzdem entgegen gerichtet ist. Nach dem Lateralimponieren schwimmt das Männchen ruckartig zum Nest zurück (Führungsschwimmen) und versucht so das Weibchen anzulocken. Wenn das Weibchen laichbereit ist, dann folgt es mit angelegten Flossen, wedelt mit den Flossen und dem Körper oder legt sich beschwichtigend auf die Seite. Dabei wird der Köper meist ein wenig (10 bis 20°) – der Kopf nach unten – schräg geneigt. Eine Balzphase dauert bei Betta coccina circa vier bis fünf Stunden.

Laichen und erste Versorgung der Eier: Scheinpaarungen erfolgen vor dem eigentlichen Laichen in größerer Anzahl, während der Laichphase seltener und zum Ende der Laichphase erneut häufiger. Zur echten Paarung schwimmt das Betta coccina-Weibchen dem Männchen in die Flanke. Die echten Paarungen erfolgen in der üblichen Umschlingung des Weibchens durch das Männchen in der Bauchregion, jedoch steht bei der Umschlingung der schlankeren Fische die Schwanzflosse des Männchens weit über. Das Weibchen bleibt – ie bei allen Nestbauern – länger in der Laichstarre als das Männchen. Die Laichstarre dauert etwa 4 bis 5 sec beim Männchen und 5 bis 20 sec beim Weibchen. Das Betta coccina-Weibchen laicht nur zwischen 20 und 100 Eier pro Laichphase. Die Eier messen mit Perivitellum circa 1,1 bis 1,4 cm. Nach dem Laichen klemmt das Betta coccina-Weibchen die Eier mit den Brustflossen auf dem Bauch fest und verhindert so das Herunterfallen der Eier. Das Männchen sammelt die Eier vom Bauch des Weibchens. Die gelaichten Eier werden von beiden Partnern (sofern das Weibchen ausnahmsweise am Boden liegende Eier findet) ins Nest gespuckt.

Brutpflege: Das Betta coccina-Männchen spuckt seine eingesammelten Eier meist direkt ins Schaumnest. Es schöpft in der Regel nicht zuvor an der Oberfläche Luft. Im weichen Wasser der natürlichen Habitate der Art kleben die Eier wahrscheinlich selbsttätig an den Schaumblasen des Nests oder am Oberflächenfilm, was in härterem oder organisch belastetem Wasser nicht der Fall ist. Auch hier konnte ich wie bei der Stammform beobachten, dass das Weibchen aufgesammelte Eier an der Wasseroberfläche ins oder neben dem Nest ausspuckte. Das Nest kann durch die folgenden Pflegearbeiten größer als vor dem Laichen (1 bis 2 cm) werden und etwa 1 cm Höhe und bis 4 cm Durchmesser erreichen. Meist bleiben die Nester aber deutlich kleiner. Abgestorbene und verpilzte Eier werden entfernt, herabfallender Laich wird aufgeschnappt und wieder ins Nest gespuckt. Der Laich benötigt bei 24 °C Wassertemperatur etwa 36 Stunden zur Entwicklung.
Noch aufmerksamer als die Eier werden die geschlüpften Larven vom brutpflegenden Betta coccina betreut und immer wenn einige der Jungfische aus dem Nest herauswirbeln, werden sie mit dem Maul aufgeschnappt und ins Schaumnest zurückgespuckt, wodurch dann oft andere herausgestoßen werden.
Die geschlüpften Jungfische verzehren während vier Tagen nach dem Schlupf ihren Dottervorrat und schwimmen dann innerhalb weniger Stunden frei. Anfangs sammelt das Männchen die ausschwärmende Brut wieder ein und versucht sie ins Nest zurückzugeben, aber nach zwei bis drei Stunden erlischt die Brutpflegemotivation und das Männchen kümmert sich in der Folge nicht mehr um die selbstständig gewordenen Jungen. Die Brutpflege dauert also insgesamt vier bis fünf Tage.

Verhalten nach der Brutpflege: Die Eltern verfolgen die Jungfische nicht als Beute, sodass immer Junge bei den Eltern heranwachsen können. Adulte Nachkommen werden als Konkurrenten betrachtet und – bei Nichtverlassen des Reviers – möglicherweise sogar getötet.
Das Wachstum ist etwas langsamer als bei den gedrungenen Schaumnestbauern; nach einem 3/4 Jahr haben die ersten Jungfische die Geschlechtsreife erreicht. Voll ausgewachsen sind diese Fische aber erst im Alter von mindestens einem Jahr.

Literatur:
Donoso-Büchner, R., & Schmidt, J. 1999. Ihr Hobby Kampffische – Wildformen. Ruhmannsfelden, 1–80.

Betta dimidiata

Betta dimidiata – der Fadenschwanzkampffisch
überarbeitet aus „Das Labyrinthfischportrait Nr. 73“ ’Der Makropode’ 23(11/12), 2001, 182-186

Wissenschaftlicher Name
Betta dimidiata Roberts, 1989

Bedeutung des wissenschaftlichen Namens
Betta: Ableitung von der javanesischen Bezeichnung „Wader Bettah“ für Betta picta.
dimidiata (lat.): Im Sinne von halbiert oder verringert, bezugnehmend auf den schlanken Körperbau der Art.

Deutscher Name
Schlanker Maulbrütender Kampffisch

Erstbeschreibung
Roberts, Tyson R. 1989. The Freshwater Fishes of Western Borneo (Kalimantan Barat, Indonesia). Memoirs of the Cali- fornia Academy of Sciences No. 14, San Francisco, 172-174.

Synonyme
Keine, jedoch von Vierke (1983) irrtümlich Betta akarensis zugeordnet.

Flossen- und Schuppenformeln
D I-III/9-11, A I-II/23-27, P 12-15, V I/5, C 14-17, mLR 27-29, Ltr 8-9, bis 7 cm Gesamtlänge, bei 4 cm Standardlänge.

Ersteinfuhr
Unbekannt – über den Zoofachhandel, ab 1990.

Beschreibung
Betta dimidiata ist bereits mit 5 cm Gesamtlänge geschlechtsreif und überschreitet kaum 7 cm, wovon dann allerdings bei den Männchen über 3 cm auf die lanzettliche Schwanzflosse entfallen. (Die besonders lang ausgezogenen unpaaren Flossen lassen die Art sehr ähnlich zu Malpulutta kretseri erscheinen, einer Kletterfischart, die nahe mit der Gattung Betta verwandt ist.) Die Weibchen bleiben aufgrund der schwächeren Beflossung etwas kleiner. Betta dimidiata werden über drei Jahre alt.
Betta dimidiata weicht in vielen Merkmalen von allen an- deren Fischen der Betta pugnax-Gruppe ab, zu der die Art dennoch gehört (wegen des sehr ähnlichen allgemeinen Erscheinungsbilds dieser Art hatte ich sie in dieser ohnehin heterogenen Gruppe der „großen“ spitzflossigen Maulbrüter belassen, Schmidt 1995). Abgesehen vom – für Maulbrüter typischen – größeren Kopf, erscheint diese schlanke Art auch zu den roten nestbauenden Kampffischen der Betta coccina-Gruppe sehr ähnlich.
Dies nicht nur infolge der „Schlankheit“ und der analogen Körpergröße, sondern auch wegen einer ähnlichen Längsstreifenzeichnung in der Normalfärbung: Auch bei Betta dimidiata treten nur zwei Streifen und der dunkle Rücken auf. Davon ist der untere, in der Körpermitte gelegene, Streifen wie bei den kleinen, schlanken Nestbauern verbreitert. Im Unterschied zu diesen ist die Körpergrundfarbe aber in dem für die großen Maulbrüter typischen Beigebraun gehalten und die Streifenzeichnungen erscheinen dunkelbraun bis schwarz. Bei den Weibchen ist dieser Streifen etwa in der Körpermitte verbreitert, sodass der Eindruck eines schwarzen Flecks entsteht (ähnlich dem grünblauen Fleck von B. coccina und B. brownorum), allerdings ohne Hof. Die Gesichtsmaske besteht aus den gerandeten Lippen, als erstem Streifen, welcher in Fortsetzung durch den Augenlängsbalken auf der Iris sowie über dem Operkulum den Körperlängsstreifen fortsetzt, und einem weiteren, schmalen Streifen darunter. Die Iris der Augen ist weiß bis beige.
Die Prachtfärbung ist einfarbig flächig, am Körper zunächst beigebraun, bei den Weibchen in den Flossen transparent, bei den Männchen und später auch bei den Weibchen am Körper und in den unpaaren Flossen leuchtend hellblau, sowie in der Analis mit einem roten Längsstreifen, parallel zum ebenfalls hellblauen Flossensaum; was – in Anlehnung zur Terminologie in anderen Tiergruppen – als Subterminalband bezeichnet wird. Zur Balz wird die Iris rot bis braun. Eine eigene Laichfärbung ist bei Betta dimidiata nicht ausgebildet.
Ähnlich der quergestreiften Balzfärbung der Nestbauerweibchen zeigen Betta dimidiata in der Stressfärbung Querstreifen (Schmidt 1995).

Verbreitung
Im Kapuas-Becken auf Borneo. Der Typusfundort befindet sich im Sungai Seriang, 37 km westlich von Putussibau.

Lebensraum
Kleine Tropenwaldnebenflüsse und -bäche des Hauptstroms, im Klar- und Schwarzwasser. Wasserwerte: pH-Wert 4,3 bis 6,0, 5 bis 80 μS/cm elektrische Leitfähigkeit, bei 26 bis 30 °C Wassertemperatur. Im Glas wirkt das Wasser klar oder schwach bernsteinfarben (Schmidt & Perrin 1999). Wie für Sphaerichthys vaillanti gilt auch hier: Die Nebenflüsse sind zur Trockenzeit etwa 3 m und zur Regenzeit etwa 20 m breit. Es befinden sich keine Wasser- und Uferpflanzen im und am Fluss. Die Fische verstecken sich vornehmlich zwischen dem ins Wasser gefallenen Totholz.

Pflege im Aquarium
Die Wasserwerte sollten jenen am Fundort angeglichen werden, doch kann Betta dimidiata durchaus als tolerant bezeichnet werden, sofern das Wasser nicht organisch verunreinigt ist. Mittelgroße Aquarien ab 80 cm Länge sind empfehlenswert, da in diesen die Wasserqualität stabiler ist und sich die zeitweise aggressiven Fische darin besser aus dem Weg schwimmen können.

Vermehrung
Balz: Ein Betta dimidiata-Weibchen in paarungsbereiter Stimmung fällt durch seine deutlich erhöhte Schwimmaktivität auf. Das Aquarium wird abgesucht und es schwimmt auch an der Frontscheibe hin und her oder in Kreisen. Das Weibchen schwimmt verschiedene Männchen in Normal- oder Prachtfärbung an. Schließlich entscheidet es sich und verbleibt bei einem Männchen, welches im Freiwasser stehend oder am Bodengrund, von dem Weibchen umschwommen wird. Im weiteren Balzverlauf streifen die Partner durch das Aquarium, wobei die möglichen späteren Laichplätze aufgesucht und die Umgebung erkundet werden. Dabei ist das Weibchen in der Regel der aktivere Partner.
Das Betta dimidiata-Weibchen unterbricht manchmal das Umschwimmen, spreizt die Flossen und gähnt. Beide Bewegungen sind dem Imponieren oder dem Übersprungsverhalten zuzuordnen, was dann in der Regel vom Männchen gleichartig beantwortet wird. Dann setzt das Weibchen das Umschwimmen fort oder das Paar geht zur Laichreviersuche über. Zur Balz umschwimmt das aktivere Weibchen seinen relativ passiven Partner. Das Weibchen überschwimmt auch das Männchen und so kommt es zu den ersten Kontakten zwischen dem Bauch des Weibchens und dem Rücken oder der Rückenflosse des Männchens. Auf diese Weise werden bei den Partnern eventuell vorhandene Aggressionen abgebaut und so der später notwendige enge Kontakt der Fische miteinander zur Paarung ermöglicht. Dieser erfordert das Unterschreiten der Individualdistanz, was sonst mit agonistischem Verhalten beantwortet wird.
Zur Scheinpaarung krümmt sich das Betta dimidiata-Männchen zur Seite und versucht das Weibchen zu umschlingen. Anfänglich kommt es jedoch nicht zu echten Paarungen – da die Umschlingungen nicht vollständig oder bis zum Ende des Verhaltensablaufs ausgeführt werden – und es bleibt somit bei Scheinpaarungen.
Paarung: Der Verhaltensablauf vor einer echten Paarung ist der gleiche wie vor einer Scheinpaarung. Während des Laichens färbt sich vor allem das Betta dimidiata-Weibchen um. Das Verhalten von Betta dimidiata weist viele Parallelen zu Betta pugnax auf. Das Prachtkleid verschwindet und die Laichfärbung erscheint. Das Weibchen schwimmt zur Paarung, aus einer Umkreisung heraus, dem Männchen in die Flanke. Letzteres krümmt sich seitlich und umschlingt das noch etwas vorwärts geschwommene Weibchen kreisförmig in der Bauchregion. Bei der Kopulation verbleibt das Weibchen in der aufrechten Schwimmhaltung oder es wird vom Männchen etwas seitlich (bis zu 90°) gedreht. Dabei treten die Geschlechtsprodukte unter leichtem Körperzittern aus. Durch die Umschlingung gelangen die Geschlechtsöffnungen beider Geschlechter direkt nebeneinander. Während der Kopulation verharren die Fische in der Laichstarre. Nach Abgabe der Geschlechtsprodukte löst zunächst das Männchen die Umklammerung ein wenig, bleibt aber weiterhin in der Starre. Die Eier sinken auf die Afterflosse des Männchens. Durch die leichte Lösung der Umklammerung kann das zuerst aus der Laichstarre erwachende Weibchen aus der Umschlingung herausschwimmen. Es dreht sich um und nimmt die Eier von der Afterflosse des Männchens ins Maul. Es können – wenn viele Eier auf der Afterflosse des Männchens liegen – auch einige zu Boden fallen bevor das Weibchen sie schnappen kann. In diesem seltenen Fall sammelt das Betta dimidiata-Weibchen auch die Eier vom Boden ein. Die jeweils bis zu 30 Eier sind undurchsichtigweiß und haben einen Durchmesser von etwas über 1,2 mm. Der Eidurchmesser kann jedoch je nach Ernährungszustand des Weibchens etwas unterschiedlich sein.
Nachdem das Betta dimidiata-Weibchen bereits alle Eier eingesammelt hat, erwacht auch das Männchen aus der Laichstarre und richtet sich auf. Danach kann es zum Luftschöpfen eines oder beider Partner kommen. Anschließend erfolgt das Zuspucken der Eier. Spuckt das Weibchen eine größere Anzahl Eier gleichzeitig aus, dann kann das Männchen mindestens einen Teil davon erhalten. Bevor die Übergabe aller Eier erfolgt ist, kann es zu weiteren Scheinpaarungen oder Paarungen kommen.
Nach Beendigung der Laichphase hat das Betta dimidiata-Männchen mit prallgefülltem Maul Mühe, die letzten Eier darin zu verstauen. Beim Luftschnappen können ihm hinter den Kiemendeckeln oder aus dem Maul Eier wieder entfallen. Die entfallenen Eier werden meist vom Weibchen bemerkt, aufgeschnappt und dem Männchen wieder zugespuckt. Das Weibchen spuckt die Eier in verschiedenen Situationen aus, auch dann, wenn die Eier vom Männchen gar nicht bemerkt werden können. In manchen Fällen verfolgten bei mir Betta dimidiata-Weibchen bei der Laichrevierverteidigung Fremdfische bis an das Aquarienende, gut 50 cm vom Laichort entfernt. Hier spuckten sie – nachdem sich die verfolgten Tiere versteckt hatten – einige Eier aus und schnappten sie selbst zurück. Die zugehörigen Männchen befanden sich jeweils in den entfernten Laichrevieren und konnten die Weibchen meist nicht sehen. Zum Abschluss der Laichphase, wenn fast alle Eier übergeben sind, zieht sich das Männchen in ein Versteck, meist nahe der Oberfläche, zurück. Die letzten Eier behält das Weibchen und sie gehen verloren (sie werden verzehrt).
Das maulbrutpflegende Betta dimidiata-Männchen wird vom Weibchen noch bis zum Entlassen der Jungen gegen Fremdfische verteidigt, die ihm zu nahe kommen. Eine Verteidigung des Männchens erfolgt nicht immer, auch beim gleichen Weibchen nicht jedes Mal nach jedem Laichen und nicht immer über den gesamten Zeitraum.
Der Maulumfang des Männchens nimmt in den nach dem Laichen folgenden vier Tagen ab. Falls sie keine Eier mehr tragen, nehmen die Männchen nach spätestens vier Tagen wieder Nahrung an. Ob sie die Eier oder einen Teil der Eier verschlucken oder ob diese durch äußere Einflüsse zerstört werden (z. B. unbefruchtet, Parasiten oder ungünstige Wasserchemie), konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Bei erfolgreicher Maulbrutpflege nimmt der Maulumfang etwa acht Tage nach dem Laichen wieder zu. Zehn bis 15 Tage nach der Eiaufnahme, bei 24 °C Wassertemperatur in der Regel nach 14 Tagen (dies ist von der Wassertemperatur, der Wasserchemie, der Anzahl der Jungfische und anderem abhängig), entlässt der Vater die Jungen nach und nach aus dem Maul. Sollte eine potenzielle Gefahr für die Jungfische, etwa durch Fressfeinde, bestehen, kann das Männchen das Ausspucken der Brut einige Tage verzögern, es erfolgte in allen von mir beobachteten Fällen nach spätestens 23 Tagen erstmals. Das Entlassen der Jungfische kann über mehrere Tage verteilt erfolgen. Es werden dann ein bis etwa zehn Jungfische in Abständen von fünf bis zehn Minuten entlassen. Das Männchen steht beim Ausspucken der Jungen waagerecht oder hat den Kopf nach unten geneigt. Häufig erfolgt das Entlassen direkt nach dem Luftschöpfen. Die Jungfische sind etwa 4 bis 6 mm lang. Sie werden vom Vater nicht wieder ins Maul genommen und nicht weiter beachtet. Die Eltern fressen ihre Jungen nicht. Einige Männchen entwickeln sich während der Maulbrutpflege zu Eierfressern, sie tragen die Brut nie aus. Keines der Männchen, die einmal oder mehrfach mit Weibchen laichten, trug seine Brut in allen Fällen aus. Vor allem junge Männchen hatten häufig nach zwei bis drei Tagen ihr Maul wieder leer. Alte Männchen, die isoliert oder nur in Männchengruppen gehalten werden, trugen ihre Brut später ebenfalls nie aus. Es werden in
der Regel 30 bis 80 Junge ausgetragen. In einem Fall spuckte beispielsweise ein Betta dimidiata-Männchen mindestens 80 Jungfische aus.
Wird von einem adulten Artgenossen irrtümlich – aufgrund des von ihm ausgehenden Bewegungsreizes – nach einem juvenilen geschnappt, so wird dieser sofort wieder ausgespuckt, junge, nicht ausgewachsene Betta dimidiata verzehren jedoch kleinere Artgenossen.
Bei Betta dimidiata erfolgt nach bisherigen Kenntnissen keine weitere Betreuung der aus dem Maul entlassenen Jungfische. Das Weibchen kann etwa zwölf Tage nach dem Laichen erneut laichbereit sein (vgl. Betta pugnax und B. akarensis).
Obwohl es sich bei Betta dimidiata um eine sehr attraktive Art handelt, ist sie aufgrund von Schwierigkeiten bei der Zucht in der IGL leider kaum verbreitet.

Jahresdia 73: M. Kokoscha

Literatur
Dantec, M. 1993. Betta dimidiata poisson á problèmes? Le Macropode 10(6), 23-24.
Donoso-Büchner, R. 1993. Betta dimidiata Roberts, 1989. Ein Zwerg unter den maulbrütenden Kampffischen. Der Makropode 15(3/4), 30-32.
Donoso-Büchner, R. 1993. Betta dimidiata Roberts 1989 – the dwarf amongst the mouthbrooding Bettas. Labyrinth 13(5), No. 71, 3-6.
Donoso-Büchner, R. 1993. Betta dimidiata Roberts, 1989. Ein Zwerg unter den maulbrütenden Kampffischen. Der Wasserfloh, Münster, Nr. 61, 21-25.
Donoso-Büchner, R. 1995. Betta dimidiata Roberts, 1989. Le Macropode 12(1), 20-24.
Donoso-Büchner, R, & Schmidt, J. 1999. Ihr Hobby Kampffische Wildformen. Ruhmannsfelden, 75.
Geck, J. 1990. Fundorte von Sphaerichthys vaillanti Pellegrin, 1930 auf Borneo. Der Makropode 12(7), 125-126.
Jones, S. 1993. A new Betta species – Betta dimidiata. Labyrinth 13(5), No. 71, 1-3.
Neugebauer, N. 1994. Maubrütende Betta die „anderen Kampffische“. Der Makropode 16(Sonderausgabe), 10-13.
Neugebauer, N. 1994. Zuchterfolge mit neuen maulbrütenden Kampffischen. DATZ 47(6), 356-359.
Rehwinkel, J. 1993. Beobachtungen an Betta dimidiata. Der Makropode 15(9/10), 107-108.
Roberts, T. R. 1989. The Freshwater Fishes of Western Borneo (Kalimantan Barat, Indonesia). Memoirs of the California Academy of Sciences No. 14, San Francisco, 210 p.
Schäfer, F. 1997. Aqualog all Labyrinths. Bettas Gouramis Snakeheads Nandids. Mörfelden-Walldorf, 26.
Schmidt, J. 1989. Bemerkungen zu Kletterfischen. VII. Die Macropodinae im Museum für Naturkundliche Geschichte in Leiden, nebst Anmerkungen zu Macropodinae im Museum Amsterdam. Der Makropode 11(11/12), 171-180.
Schmidt, J. 1995. Vergleichende Untersuchungen zum Fortpflanzungsverhalten der Betta-Arten (Belontiidae, Anabantoidei). Bibliothek Natur & Wissenschaft Band 7. Solingen, 187 p (115-118). Neuauflage 2020, Ruhmannsfelden.
Schmidt, J. [Hrsg.] 2001. bede-Atlas der Süsswasseraquarienfische. Ruhmannsfelden, 14.
Schmidt, J. & Perrin, O. 1999. Das Labyrinthfischportrait Nr. 110. Sphaerichthys vaillanti Pellegrin, 1930. Der Makropode 21(3/4), 24-27.
Steinle, C.-P. 1991. Büchermarkt. Tyson R. Roberts, The Freshwater Fishes of Western Borneo (Kalimantan Barat, Indonesia). Der Makropode 13(2), 15-19.
Vierke, J. 1983. Informationen über Betta akarensis, und andere Neuigkeiten über maulbrütende Kampffische. DATZ 36(5), 165-169.

Betta edithae
Betta enisae, ursprünglicher Typ
Betta enisae, aktueller Typ,
beachte die Unterschide in den Schwanzflossen, dieser Typ ist ähnlicher zu Betta taeniata.
Betta falx, juv.
Betta falx, Paar

Ein Artikel zur Schwesterart Betta picta, nebst Anmerkungen zu Betta falx, befindet sich einleitend zu den Fotos der Gattung Bette, siehe oben.

Betta fasciata, Syn. von Betta bellica, Tafel n. Regan, 1910
Betta ferox, Paar, Foto: Jens Kühne
Betta foerschi

Foerschs Kampffisch entpuppte sich als Maulbrüter – zur Pflege und Zucht von Betta foerschi
aus: Der Makropode 43/2), 2021, S. 65-69, 75.

Nachdem das Fortpflanzungsverhalten von Foerschs Kampffisch bekannt wurde, was wir hier wiedergeben, konnte quasi ein Missing Link in der Verhaltenskunde der Kampffische geschlossen werden, denn dieser Betta wies in seiner Ethologie Merkmale der Nestbauer sowie der Maulbrüter auf. [In diesem Zeitraum war der Status von Betta rubra noch unklar und einige Ichtheologen (z.B. J. Schmidt) gingen davon aus, dass Betta imbellis sein Synonym sei, so wie auch die älteren Aquarianer in den ’Blättern’ und ’Wochenschrifte’ die Species eingestuft hatten.] Später stellte sich heraus, dass auch Betta strohi ein Maulbrüter ist und im Wesentlichen ethologisch monophyletische Merkmale zeigt. Heute wissen wir, dass auch Betta mandor und Betta rubra in dieser Hinsicht homolog sind, lediglich zu Betta dennisyongi fehlen Verhaltensbeobachtungen.

Nachdem Betta foerschi Vierke, 1979 nahezu zehn Jahre nach der Beschreibung nicht als Aquarienfisch zur Verfügung gestanden hatte, gelang 1988 der Neuimport dieser Kampffischart. Entgegen den bisherigen Annahmen erwies sich Foerschs Kampffisch als wenig aggressiv und es ist durchaus möglich, die Fische in einer Gruppe zu pflegen. Wie die Erfahrungen mit anderen maulbrütenden Labyrinthfischen lehren, ist eine Pflege von fünf oder mehr Exemplaren dieser Art für eine erfolgreiche Zucht sogar von Vorteil. Bei paarweiser Haltung laichen die Fische oft erst nach langem Zögern und häufig sind die Männchen dann in ihrer Brutpflege wenig zuverlässig. Überdies ist die
Wahrscheinlichkeit, bei der Pflege nur eines Paars ein gut pflegendes Männchen zu erwischen, äußerst gering.

Innerartliches Aggressionsverhalten – agnostisches Verhalten

Da unsere Exemplare von Betta foerschi vom Fundort Tangkiling wenig aggressiv waren, bleiben Kämpfe in der Regel auf reines Imponieren beschränkt. Dazu werden die unpaarigen Flossen weit abgespreizt. Auch die Bauchflossen werden aufgestellt, und mit den
Brustflossen führen die Fische eine sehr schnelle Schlagfolge, das Brustflossentrillern, durch. Um den Körperumriss weiter zu vergrößern, werden die Kiemendeckel leicht abgespreizt, und der Mundboden wird gesenkt. Betta foerschi vermag jedoch die Kiemendeckel nicht derart weit abzuspreizen, wie das einige schaumnestbauende Arten, etwa Betta splendens, können. Auch das Vorstülpen der Branchiostegalmembran ist den Maulbrütern nicht möglich. Hierin ähnelt Betta foerschi sehr den
schlanken schaumnestbauenden Kampffischen, wie Betta bellica, die beim Imponieren ebenfalls ihre Kiemendeckel nur leicht abspreizen.
Neben dem Flossenspreizen kann es seltener auch zum Flossenwedeln kommen, wobei sich die Kontrahenten mit kräftigen Schlägen der After- und Schwanzflosse und
des Hinterleibes Wasserschwälle zuwedeln, deren Intensität sie mit der Hilfe von Sinnesporen im Kopfbereich wahrnehmen. Deshalb erfolgt das Flossenwedeln meist in
der Antiparallelstellung, wobei die Gegner sich Kopf an Schwanz nebeneinander befinden. Beim Flossenwedeln krümmen die
Fische ihren Körper meist seitlich s-förmig.
Bald danach umschwimmen sich die Fische, einander umkreisend. Dieser Ablauf von Imponierkämpfen kann sowohl unter Artgenossen verschiedenen oder gleichen
Geschlechts als auch mit nahe verwandten Fischen, also anderen Betta, erfolgen. Nur sehr selten geht das Imponiergehabe bei Betta
foerschi in echte Beschädigungskämpfe über.

Balz

Auch bei der Balz ist das Vorspiel in der beschriebenen aggressiven Stimmung das gleiche. Aus dem umkreisenden Schwimmen und Flossenwedeln wird aber sehr
bald eine echte Balz. Dabei ist das Weibchen weitaus aktiver als das Männchen. Es umschwimmt seinen Partner und unternimmt Scheinrammstöße in die Flanken,
schwimmt aber dicht über den Rücken des Männchens hinweg, sofern dieses sich nicht zur Seite dreht.

Voraussetzungen

Damit Betta foerschi überhaupt laichbereit wird, sind einige Bedingungen zu beachten. Neben der bereits erwähnten Pflege in einer Gruppe sind die Aquarieneinrichtung, die Wasserbeschaffenheit und die
Ernährung von entscheidender Bedeutung,
Im Aquarium bevorzugen die Fische eine reich gegliederte, versteckreiche Umgebung, die man durch Moorkienholz und eine aufgelockerte Bepflanzung schaffen
kann, wobei der Hintergrund und die Seiten des Aquariums als zusätzliche Rückzugsmöglichkeit für eventuell unterdrückte Fische dichter bepflanzt sein sollten. Die Fische laichen gern hinter einer Deckung
unter Schwimmpflanzen ab, was man ebenfalls bei der Beckeneinrichtung berücksichtigen sollte.
Für eine Gruppe aus sechs Exemplaren genügt ein Aquarium ab etwa 60 l Inhalt. Das Wasser sollte den natürlichen Bedingungen möglichst nahe kommen. Auch
sollten die Fische nur sparsam und mit solchen Arten vergesellschaftet werden, die ähnliche Ansprüche an ihre Umwelt stellen und nicht zu aggressiv sind. Einige Welse oder andere kleine Labyrinther stören die
Betta foerschi nicht. Eine rfolgreiche Zucht kann aber nur gelingen, wenn sich die Gesellschaft der B. foerschi zahlenmäßig in Grenzen hält, damit die Fische sich nicht belästigen und die Wasserqualität nicht unnötig belastet wird. Bei kräftiger Ernährung
mit lebenden Mückenlarven und kleinen Regenwürmern wird am zunehmenden Leibesumfang des Weibchens bald der Laichansatz sichtbar. Auch Wasserflöhe und andere lebende Nahrung werden angenommen, ebenso kleine Brocken aus Futtertabletten. Diese Ersatznahrung fördert aber kaum den Laichansatz.
Die günstigen äußeren Bedingungen
und der Laichansatz lösen beim Weibchen die Paarungsbereitschaft aus. Das Männchen wird dann durch das paarungsbereite Weibchen und ebenfalls durch die Umwelt stimuliert.

Das Laichen

Durch Umschwimmen stellt das Weibchen erste Körperkontakte – zwischen seinem Bauch und dem Rücken des Männchens – her. Aus einer der Umkreisungen heraus schwimmt schließlich das Weibchen dem Männchen derart in die Flanke, als sollte es dort getroffen werden. Aber das Männchen krümmt sich zuvor zur Seite und versucht, das Weibchen zu umschlingen.
Zu Beginn der Laichphase kommt esaber noch nicht zu echten Paarungen, es bleibt bei Scheinpaarungen, wobei die Umschlingung unvollständig bleibt und auch keine Geschlechtsprodukte abgegeben werden. Bei den unvollständigen Umschlingungen der Scheinpaarungen entgleitet das Weibchen dem Männchen, oder dieUmklammerung, wird nicht geschlossen. Das Männchen krümmt sich bei einer Scheinpaarung daher meist nur leicht, etwa u-förmig, und eine Laichstarre tritt noch nicht ein. Im Vorfeld der echten Paarungenfinden zahlreiche Scheinpaarungen statt und auch zwischen den echten Kopulationen kommt es immer wieder zu Scheinpaarungen. Ebenso erfolgen nach dem Auslaichen des Weibchens noch einige Scheinpaarungen.
Der Verhaltensablauf vor einer echten Paarung gleicht dem vor einer Scheinpaarung. Das Weibchen schwimmt dem Männchen in die Flanke. Dieses krümmt sich seitlich und umschlingt das noch ein wenigvorwärts geschwommene Weibchen in der Bauchregion. Die Umschlingung ist immer geschlossen o-förmig, die Schwanzflosse liegt dabei über der Schnauze des Männchens. Das Männchen dreht seine Partnerinwährend der Paarung um 180° auf den Rücken, und die Partner kippen derart ab, dass der Kopf des Weibchens und der Rüdken des Männchens direkt zum Boden deuten. Während der Kopulation verharren die Partner in der für die Labyrinthfische typischen Laichstarre.
Langsam sinkt das Paar zum Boden und das Männchen öffnet dieUmschlingung. Das Weibchen sinkt, weiterhin in der Starre, weiter ab, bis der Kopf den Boden erreicht, sodass das Weibchen senkrecht über dem Boden steht. Da das Männchen viel eher aus der Laichstarre erwacht, kann es sich sofort um die Eierkümmern, die es vom Bauch des herabsinkenden Weibchens zu schnappen versucht. Meist sind es jedoch so viele Eier, dass noch ein Teil herunterfällt und schließlich amBoden dicht neben dem Kopf des Weibchens liegt.
Wenn nun auch das Weibchen aus der Starre erwacht, kann es sofort nach den restlichen Eiern schnappen und sie im Maul verstauen. Oft verzehrt das Weibchen diese Eier. Meist spuckt es sie aber in der Nähe der Wasseroberfläche aus, und dasMännchen schnappt die dann erneut herabsinkenden Eier auf.

Maulbrutpflege und Aufzucht

Zum Abschluss der Laichphase trägt dann das Männchen nach vielen einzelnen Paarungen alle Eier im Maul. Es sucht nun mit weit gesenktem Mundboden und abstehenden Kiemendeckeln ein Versteck auf, da es mit den Eiern im Maul stark behindert und zudem sehr auffällig ist. Dennoch verlässt das Weibchen jetzt das Männchen und kümmert sich nicht weiter darum. Nach einer Maulbrutpflegezeit von sechs bis zehn Tagen entlässt das Männchen bis etwa 60 Junge. Sie sind etwa 6 bis 7 mm lang und bewältigen bereits Krebsnauplien, sodass sie zügig weiterwachsen.

Diskussion: Mit diesem außergewöhnlichen Fortpflanzungsverhalten stellt Betta foerschi eine Art dar, die zwischen den schaumnestbauenden und den maulbrütenden Arten vermittelt. Während der Paarung dreht dasB. foerschi-Männchen seine Partnerin auf den Rücken, wie es für Schaumnestbauer typisch ist. Alle anderen bekannten Maulbrütermännchen lassen das Weibchen in der aufrechten Lage oder drehen es nur wenig seitlich, sodass die Eier auf die Afterflosse des Männchens fallen. Bei den Schaumnestbauern und bei Betta foerschi fallen die Eier auf den Bauch oder die Afterflosse des Weibchens. Bei den Schaumnestbauern und bei den Vertretern der Betta foerschi-Verwandtschaft erwacht zuerst das Männchen aus der Laichstarre und kümmert sich zuerst um die Eier. Bei allen anderen Maulbrütern erwacht zuerst das Weibchen aus der Starre, und hier ist es dann konsequenterweise auch das Weibchen, das sich zuerst um den Laich bemüht. Lediglich bei den Fischen der Betta unimaculata-Verwandtschaft muss das Männchen in der Regel die Eier allein einsammeln, während das Weibchen die Revierverteidigung übernimmt. Das Weibchen von Betta foerschi spuckt die Eier zudem nicht direkt dem Männchen zu, wie es die meisten anderen Maulbrüterweibchen praktizieren, sondern es spuckt sie in der Nähe der Wasseroberfläche aus, was dem Verhalten von Schaumnestbauerweibchen ähnelt, die die Eier mit Schaumblasen ummantelt unter dem Schaumnest entlassen. Im Fortpflanzungsverhalten von Foerschs Kampffisch sind also viele wesentliche Elemente des Verhaltens schaumnestbauender Kampffische enthalten. Trotzdem erwiesen sich alle unsere Männchen als echte Maulbrüter. Natürlich können wir nicht endgültig ausschließen, dass bei anderen Populationen andere Verhaltensweisen anzutreffen sind. Daraus ergibt sich eine Parallele zum Schokoladengurami, der in den meisten Fällen ein Maulbrüter im weiblichen Geschlecht ist und bei dem wiederholt von einem Schaumnestbau berichtet wurde.
Neben den Besonderheiten, die aus der Fortpflanzungsweise von Betta foerschi resultieren, ergeben sich weitere aus dem Körperbau dieser Art. Bisher (Stand von 1990) war die Art nämlich aufgrund ihrer Morphologie und in Unkenntnis ihres tatsächlichen Verhaltens als Schaumnestbauer angesprochen worden. Das Verhältnis von Kopfgröße zum Rumpf ist ein weiterer Hinweis auf die nahe Verwandtschaft von Betta foerschi zu den Schaumnestbauern. Andererseits ähnelt der Körperumriss von Betta foerschi, ohne Berücksichtigung der Prachtfärbung, erstaunlich dem der Art Betta picta. Dagegen sind wiederum die auffälligen Kiemendeckelflecken von Betta foerschi typisch für einige schaumnestbauende Arten. Diese je nach Stimmung des Fischs verschiedenfarbigen Flecken gaben bereits wiederholt Anlass zu Verwechslungen. Die Fische der von uns gepflegten Population zeigen bei Wohlbefinden im männlichen Geschlecht leuchtend rote Flecken und im weiblichen golden gerandete, schwarze Flecken. In anderen Stimmungen können die Flecken auch rein golden oder schwarz, braun oder grünblau erscheinen. Sicher ist die Farbe nicht nur von der Stimmung, sondern auch von der Beleuchtung abhängig. Gleiches gilt für die Körperfärbung.
In der Normalfärbung zeigen beide Ge- schlechter auf beige-braunem Grund drei dunkle Längsstreifen, wobei die zwei unteren zu einem breiten verschmelzen können. Die unteren Streifen enden kurz vor dem Schwanzwurzelfleck, der bei fast allen Betta zu finden ist. Die Streifenzeichnung setzt sich auf den Kiemendeckeln und um das Maul herum fort. Die Iris ist golden mit einem schwarzen Längsbalken; bei Wohlbefinden und im Prachtkleid kann sie ganz schwarz werden. Das Balzkleid des Männchens ist besonders prachtvoll: Der Körper färbt sich metallisch blaugrün und die Flecken auf den Kiemendeckeln kontrastieren leuchtend rot. In der Balzfärbung zeigt das Weibchen dunkle Querbalken, welche die Längsstreifen überdecken und auf dem Rücken erscheint ein helles gelbliches Längsband. Damit ähnelt es anderen Kampffischweibchen.
Weitere Beobachtungen bebst Publikationen, insbesondere zu anderen Fundortformen und den weiteren Arten der Betta rubra-Gruppe, sind äußerst wünschenswert.

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Betta fusca
Betta fusca, Tafel n. Regan, 1910
Betta hendra
Betta hendra
Betta hipposideros
Betta ibanorum
Betta cf. ideii, Paar
Betta imbellis
Betta kuehnei
Betta kuehnei von Satun
Betta lehi

Betta lehi – der Großflossige

Die Beschreibung des schönen, neuen Barbara-Prachtguramis zu Ehren von Barbara Brown erinnerte mich daran, dass ich auch Kampffische von diesem Fundort, dam Sungai Stunggang, pflegte. Da diese Maulbrüter vor ihrer Beschreibung von mir als Betta fusca eingestuft wurden, soll hier eine Schilderung seines Fortpflanzungsverhaltens unter seinem heutigen Namen folgen. Dabei ist zu beachten, dass Betta fusca kein Synonym ist, sondern von weiteren Fundorten auf Borneo gültig bleibt. Auch die heute gültigen Taxa Betta raja und Betta schalleri waren zu jeder Zeit noch nicht beschrieben und wurden damals vorläufig Betta fusca zugeordnet.
Betta lehi wurde 2005 von Tan Hock Hui & Peter K. L. Ng in dem Artikel „The Fighting Fishes (Teleostei: Osphronemidae: Genus Betta) of Singapore, Malaysia and Brunei“ im ’The Raffles Bulletin of Zoology. Southeast Asian Freshwater Fisch Diversity’, Supplement No. 13, auf Seite 43-99 beschrieben. Nach den Angaben der Erstbeschreiber unterscheidet sich die Species von den anderen Mitgliedern der B. pugnax-Artengruppe durch unterschiedliche Zeichnungsmerkmale (Übersetzung): „Kein Kinnbügel, Rückenflossenquerbalken vorhanden, keine Schwanzflossenquerbalken, grün schillernde Schuppen auf dem Kiemendeckel und am Körper, Afterflosse mit schillerndem, hellblauem, äußeren Rand, und zwei schwarze Markierungen unter dem postorbitalen Streifen am Kiemendeckel von Weibchen und Jungfischen.“ Benannt wurde die Art nach Charles M. U. Leh, dem Kurator für Zoologie am Sarawak Museum.
Betta lehi unterscheidet sich von den anderen Mitgliedern der B. pugnax-Artengruppe durch: „Körper stämmiger, relativ langer und spitzer Kopf, Schwanzflosse lanzettlich, Rücken- und Afterflosse spitz, Afterflosse bis zum Ende der Schwanzflosse, Bauchflossen filamentös.
Geschlechtsreifes Männchen mit einem schillernden, hellblauen Rand an der Afterflosse und schwach an der Schwanzflosse, im Leben, nicht sichtbar wenn es konserviert ist. Körperschillern schwach, wenn es lebt, fehlt, wenn es erhalten bleibt. Opercle schillert grün, wenn es lebt, dunkelbraun, wenn es konserviert ist. Rückenflosse spitz, kann die Mittellänge der Schwanzflosse erreichen, vorletzter Analstrahl, der sich manchmal über die Spitze der Schwanzflosse hinaus erstreckt, Spitzen der Bauchflossen weiß, Schwanzflosse interradiale Membran schwach blau im Leben, braun wenn sie konserviert ist. Weibchen sind schächer gefärbt und mit kurzen Flossen. Kehle mit Kinnbalken, weibliche und juvenile mit zwei schwarzen Markierungen auf dem Kiemendeckel unterhalb eines postorbitalen Streifens. Muster auf dem männlichen Kiemendeckel durch schillernde Schuppen verdeckt, bei Konservierung dunkel pigmentiert. Die obere Augenhälfte leuchtet zu Lebzeiten gelb. Konservierte Exemplare auf dem Rücken dunkelbraun und bauchseits hellbraun. Flossen hellbraun, transparent, anale und caudale Flossen mit schwach dunkel pigmentiertem Rand.“
Herkunft: Betta lehi ist in seiner Verbreitung auf das Gebiet südwestlich von Kuching zwischen den Städten Bau und Lundu im Süden von Sarawak beschränkt und im unteren Kapuas-Becken in Kalimantan Barat.
Betta lehi bewohnt dort Torfsumpfwälder und saure Wassersumpfwälder in dem genannten Gebiet und scheint Betta ibanorum in diesen Lebensräumen zu ersetzen. An der Typlokalität ist Sungai Stuum Muda ein etwa 3 m breiter und an einigen Stellen bis 1,5 m tiefer Bach, sein Wasserstand kann nach starken Regenfällen viel stärker ansteigen. Das Wasser war schnellfließend und klar, bei einem pH-Wert von 6.8. Alle Betta lehi-Exemplare wurden aus ruhigen Teilen des Bachs in der überwucherten, untergetauchten Ufervegetation gesammelt. Die Wasserpflanze Barclaya motleyi wurde stromaufwärts der Brücke gefunden, was auf das Vorhandensein von Süßwassersumpfwäldern in der Nähe hinweist. Zu den mit B. lehi syntopen Fischarten gehören (Auswahl): Rasbora sarawakensis, R. sumatrana, Puntius Banksi, P. kuchingensis, Hampala macrolepidota, Homaloptera tweediei, Nemacheilus saravacensis, Acanthopsoides robertsi, Pangio semfordita, Pseudomystus fuscus, Glyptothorax cf. major, Hemirhamphodon kuekenthali, Doryichthys inartensii, Pseudogobiopsis siamensis, Nandus nebulosus, Luciocephalus pulcher, Parosphromenus barbarae, Channa lucia und Carinotetraodon salivator.
Beschreibung der Färbung: Betta lehi-Männchen vom Sungai Stunggang erreichen im Aquarium bis circa 15 cm Gesamtlänge, Weibchen etwa 14 cm. Diese maulbrütenden Kampffische können circa sechs Jahre alt werden. Die Fische ähneln Betta pugnax im weiteren (sensu lato, s. l.) und Betta fusca im engeren Sinne (sensu stricto. s. str.).
Der Kopf von Betta lehi ist jedoch größer als der von Betta pugnax und der Augendurchmesser ist bei adulten fast doppelt so groß. Auch die Großflächigkeit der Flossen hebt die Art von Betta pugnax ab, insbesondere die Bauchflossen können – zurückgelegt – bis über die Schwanzwurzel hinausreichen.
Der Körper ist in der Normalfärbunq braun, mit drei Körperlängsstreifen. Der Schwanzwurzelfleck ist auffällig, er kann mit den Enden des mittleren und unteren Längsstreifens verschmelzen. Die Iris ist weiß bis beige oder bernsteinfarben, mit einem schwarzen Längsstreifen. Die Gesichtsmaske ähnelt der von Betta pugnax, jedoch fehlt bei Betta lehi der untere Streifen. Dieses Merkmal ist auch für Betta fusca s. l. typisch. Betta lehi fällt gegenüber Betta pugnax durch seine intensivere Prachtfärbung auf, allerdings sind bei Betta lehi und Betta fusca die besonders für Betta pugnax typischen Punkt- oder Tüpfelreihen blasser. Die Kiemendeckei sind beim Männchen intensiv blau gefärbt. Auffällig ist die bernsteinfarbene bis goldene Iris dieser Fische.
In der Laichfärbung zeigt das Betta lehi-Weibchen drei Längsstreifen, wovon sich der obere jedoch optisch nur wenig abhebt, da er mit dem einfarbig braunen Rücken verschmilzt. Hierin unterscheidet sich Betta lehi von Betta pugnax, bei dem der Rücken zur Balz und zum Laichen gefleckt ist. Bei dem Männchen bleibt zur Balz die Prachtfärbung erhalten. Die Schreckfärbunq von Betta lehi besteht aus fünf bis zehn Querstrei fen.
Reviergründung und Revierverteidigung: Reviergründung und Revierverteidigung gleichen dem von Betta picta oder Betta pugnax bekannten Verhalten und wurde wiederholt geschildert. Das ortvariable Laichrevier hat in der Regel einen Durchmesser von 10 bis 30 cm.
Balz: Die erste Phase der Balz ist bei Betta pugnax und Betta lehi weitgehend gleich. Die Intentionsbewegung Eierspucken tritt bei den Betta lehi in der für viele Maulbrüter üblichen Häufigkeit auf. Mit zunehmender Laichmotivation werden andere Fische und besonders Artgenossen immer häufiger aus dem etwa 30 cm durchmessenden Laichrevier und dessen Nähe vom Paar gemeinsam vertrieben. Während der laichvorbereitenden Balz kommt es über einen längeren Zeitraum von mehreren Stunden zu zahlreichen Scheinpaarungen. Die Balzphase dauert vier bis fünf Stunden.
Laichen und erste Versorgung der Eier: Die Scheinpaarunqen erfolgen in der von Betta pugnax bekannten Weise. Auch der Beginn der echten Paarungen (Umschwimmen, Umschlingen, Laichstarre und Laichstarrendauer) ähnelt dem bei Betta pugnax, es treten jedoch einige Unterschiede auf:
Insbesondere werden vom Betta lehi-Weibchen zum Beginn der Laichphase Nähreier gelaicht, die wie bei Betta unimaculata von beiden Partnern verspeist werden oder – bei Sättigung der Fische – keine weitere Beachtung finden. Die kleinen, glasigen und leichten Nähreier wirbeln in letzterem Falle im gesamten Aquarium herum. Dagegen sind die größeren, weißen Fortpflanzungseier (s. u.) deutlich schwerer als Wasser und sinken sofort ab. Die bis 220 Nähreier sind im Unterschied dazu durchsichtigglasig und erreichen kaum einen Durchmesser von 0,5 mm. Bei ein bis zwei Laichakten kommen im Übergang Eier mit Zwischengrößen der beiden Eitypen vor.
Nachdem das Männchen die Umschlingung während der echten Paarung geöffnet hat, schwimmt das Weibchen aus der Umklammerung heraus, dreht sich sofort um und nimmt die Eier mit meist mehrmaligem Zuschnappen von der Afterflosse des Männchens in sein Maul. Bei Betta pugnax erwischt das Weibchen in der Rege! alle Eier und es fällt nur in Ausnahmefällen eines zu Boden, von wo es nur vom Weibchen erneut aufgenommen wird, sofern es gut sichtbar liegt. Bei Betta lehi nimmt das Weibchen nur einige Eier direkt von der Afterflosse des Männchens auf. Meist richtet sich das Männchen nach der Paarung schneller auf als das Männchen von Betta pugnax und die Eier fallen alle oder zum größten Teil zu Boden. Von hier sammelt vornehmlich das Betta lehi-Weibchen die Eier ein, aber auch das Männchen beteiligt sich bei dieser Art am Einsammeln, wenn gleichzeitig eine Verteidigung des Reviers nicht notwendig ist. Beide Partner suchen den Bodengrund sorgfältig nach Eiern ab und nur selten werden versteckt liegende übersehen oder irrtümlich weiße Kieselsteinchen ins Maul genommen, die aber sofort wieder ausgespuckt werden. Das Betta pugnax-Männchen beachtet am Boden liegende Eier nicht und nimmt sie niemals auf (bei B. pugnax erwacht das Männchen erst aus der Laichstarre, wenn das Weibchen bereits alle Eier eingesammelt hat). Die Paarung findet bei Betta lehi auch oft in höheren Wasserschichten statt, bei Betta pugnax erfolgt sie meist direkt über dem Boden. Die etwa 80 Fortpflanzungseier sind bei beiden Arten undurchsichtigweiß, bei einem Durchmesser von über 1,1 bis 2,0 mm. Der Durchmesser kann je nach Ernährungszustand des Weibchens etwas unterschiedlich sein. Nachdem alle Fortpflanzungseier eingesammelt sind, spuckt das Betta lehi-Weibchen seinen Anteil der Eier dem Männchen in der für die meisten Maulbrüter typischen Weise zu. Hier ist das Verhalten von Betta lehi vorteilhafter, weil das Männchen bereits einen Teil der Eier selbst einsammelte. Bei beiden Arten muss sich das Männchen trotzdem sehr bemühen, die Eier zu erwischen. Nach Ablauf der Laichphase hat das Männchen von Betta pugnax große Mühe, die restlichen Eier im prallgefüllten Maul zu verstauen. Das Männchen von Betta lehi ist nicht derart belastet, weil es weniger Eier aufnehmen mus, bis etwa 80 Fortpflanzungseier (bei B. pugnax oft bis nahezu 300), und weil zudem sein Kopf deutlich größer ist. Deshalb können dem Männchen von Betta pugnax durchaus beim Luftschnappen Eier hinter den Kiemendeckeln oder aus dem Maul entfallen, was ich bei Betta lehi nicht beobachten konnte. Auch konnte ich feststellen, dass bei Männchen, die nach dem Laichen von der Partnerin getrennt wurden, die Eier durch den damit verbundenen Stress (Umsetzen des Männchens oder Herausfangen der Beifische, Fehlen des Schutzes durch das Weibchen) ausgespuckt oder infolge panikartiger Bewegungen verlorengingen. Diese werden vom Betta pugnax-Männchen nicht beachtet, vom Betta lehi-Männchen nach einiger Zeit aber meist wieder aufgesammelt.
Zum Schluss der Laichphase, wenn alle Eier überreicht wurden, zieht sich das Männchen in ein Versteck zurück. Bei Betta lehi werden meist alle Eier übergeben (bei B. pugnax behält das Weibchen oft einen Rest, diese Eier gehen verloren). Die Laichphasen dauern drei bis fünf Stunden.
Brutpflege: Das maulbrütende Männchen wird jeweils von seiner Partnerin über den gesamten Maulbrutzeitraum gegen Fremdfische und insbesondere Artgenossen verteidigt (eine Verteidigung des Männchens erfolgt jedoch nicht immer). Betta lehi entläßt die Jun- gen erst nach 20 bis 30 Tagen. Das Entlassen erfolgt meist direkt nach dem Luftschöpfen und in einzelnen Schüben von jeweils einem bis zehn Jungen. Die Eltern fressen ihre Jungen nicht. Betta lehi trägt in der Regel nur 50 bis 60, etwa 7 mm lange Junge aus.
Verhalten nach der Brutpflege: Es erfolgt bei Betta lehi keine weitere Betreuung der aus dem Maul entlassenen Jungfische. Ein gut ernährtes Weibchen kann nach etwa 15 Tagen nach dem Laichen erneut laichbereit sein, während das Männchen noch Brut austrägt. In einigen Fällen folgt dann bereits ein Laichen mit einem anderen Männchen. Der Schutz der ersteren Männchens wird also ausnahmsweise abgebrochen.
Die Jungen Betta lehi sind bei einer Aufzucht bei 24 °C nach etwa zehn Monaten geschlechtsreif. Ihre endgültige Körpergröße erreichen diese Fische im Alter von etwa einem Jahr.

Betta livida, balzendes Paar

Betta livida – der Dunkelrote
aus: Der Makropode 27(9/10), 2005, S. 154-158.

Zwar hatte ich anlässlich Robert Donoso-Büchners (1999) Mitteilungen zu Betta coccina anschließend einige Bemerkung zu „Betta coccina von Selangor“ gemacht (Schmidt 1999), doch möchte ich hier nach über fünf Jahren nochmals über diesen interessanten Kampffisch berichten, da vielen Aquarianern die Identität dieser beiden Namen nicht geläuig zu sein scheint. Die Art wurde von Ng & Kottelat 1992 als Betta livida beschrieben. Zu dieser Beschreibung wären einige Kuriositäten anzumerken, doch soll darüber an anderer Stelle berichtet werden. Hier ist in diesem Zusammenhang lediglich anzumerken, dass der Status der Art zumindest zweifelhaft erscheint. Darüber hinaus hatte ich schon 1999 mitgeteilt, dass die geringen farblichen Unterschiede meines Erachtens keine Artabgrenzung von Betta coccina rechtfertigen. Es ließe sich jedoch darüber spekulieren, ob diese Form als Unterart aufgefasst werden könnte. Aber auch das Thema Unterart ist in der Ichthyologie zurzeit ungelitten. Abgesehen von fehlenden morphologischen Unterschieden konnte ich auch im Verhalten keine wesentlichen Differenzen zwischen den beiden Formen ermitteln.
Die nächste Verwandtschaft
Zählen wir Betta livida hinzu, so stehen uns gegenwärtig auch nach über fünf Jahren (Stand 2005) im Wesentlichen immer noch nur drei Betta coccina-Varianten zur Verfügung:

  1. Die Variante von der Malaiischen Halbinsel, welche sich seit Dr. Foerschs Zeiten in der Aquaristik befindet, und die von einigen unserer Mitglieder im Zuchtbuch betreut wird.
  2. Die Variante von Sumatra aus der Provinz Jambi, also von der eigentlichen Terra typica von Betta coccina. Über diese Form wissen wir bisher am wenigsten, sie ist seit Vogts Zeiten selten geblieben.
  3. Die Form aus Selangor, ebenfalls von der Malaiischen Halbinsel (Ng 1993), von der wir zunehmend Wissen gewinnen und um die es hier geht und 1999 ging.
    Betta livida erreicht – ebenso wie B. coccina – etwa 6 cm Gesamtlänge. Männchen werden etwa 0,5 cm länger als die Weibchen (folglich bis 5,5 cm Gesamtlänge). Darüber hinaus besitzen erwachsene Männchen eine großflächigere Beflossung als die Weibchen, wie die Fotos gut dokumentieren (s. Der Makropode 27(9/10), 2005, S. 154-158). Betta livida wird gut vier Jahre alt und erreicht damit ein deutlich höheres Alter als es bei den Schaumnester bauenden Kampffischen des Betta splendens-Formenkreises der Fall ist.
    Die Färbung – nicht nur Rot
    Die Normalfärbung von B. livida zeichnet sich durch drei dunkle, rotbraune Längsstreifen aus. Diese Streifen sind für die meisten Kampffische der B. coccina-Gruppe typisch. In der Normalfärbung ist beim B. livida-Männchen in der Regel kein Flankenfleck sichtbar. Überhaupt ist dieser Fleck wesentlich unauffälliger als bei B. brownorum und B. coccina. Dem B. livida-Weibchen fehlt der Flanken eck völlig, er tritt auch nicht sporadisch auf, wie es bei den Weibchen von einigen B. brownorum-Varianten der Fall ist. Bei B. livida ist ein für Jungfische typischer und auffälliger, weißer Stirnfleck vorhanden. Wie bei anderen Fischen und auch einigen weiteren Labyrinthern handelt es sich bei diesem Fleck um ein lichtemp ndliches Organ, das Occipitalorgan.
  4. Die Augeniris ist braunrot bis schwarz, sie kann bei Wohlbefinden der Fische auffällig türkisfarben bis grünmetallisch glänzen. Die Gesichtsmaske besteht in Fortsetzung der Körperlängsstreifen aus drei Längsstreifen. Sie ist nur selten vollständig ausgebildet, meist sind lediglich die Lippen dunkel gerandet. Den für die Prachtfärbung charakteristischen, blauen oder grünen Seitenfleck, der auch einfach nur dunkelbraun oder schwarz erscheinen kann, zeigen bei B. livida also – im Gegensatz zu B. brownorum (s. o.) – ausschließlich die Männchen. Der Flankenfleck ist weitaus undeutlicher. Dies als Artkriterium zu werten geht aber sicherlich zu weit. Zudem ist der Farbeindruck beim Betrachter von der Art der Beleuchtung des Aquariums abhängig.
    Betta coccina besitzt rein rot gefärbte Bauchflossen ohne weiße Spitzen. Das ist ein wesentliches Merkmal zur Bestimmung dieser Art, denn B. livida besitzt weiße Spitzen an den Bauchflossen. In diesem Merkmal ist diese Form B. tussyae ähnlich.
    Bei jüngeren B. livida ist die Körpergrundfärbung bräunlich oder – wie auch bei älteren Fischen – dunkelweinrot. Auch die Flossen sind dunkelrot und weisen in den unpaaren Flossen hellblaue oder weiße Tüpfel und kurze Streifen sowie einen weißen Saum auf.
    Bei jungen erscheint die Prachtfärbung ohne glänzende Tüpfel in den Flossen. Während der Balz zeigt das Männchen vom Kopf bis zur Schwanzwurzel zwei helle Längsbinden, ähnlich der Normalfärbung, wodurch der – jetzt sichtbare – Flankenfleck eingefasst wird und jetzt nahezu wie ein Augenfleck wirkt. Die Längsstreifenzeichnung ist oft von der flächigen Prachtfärbung überdeckt. Auf den Kiemendeckeln verlaufen helle Streifen und gehen in die Längsbinden der Flanken über. Außerdem treten auf den Kiemendeckeln zwei rotmetallische Querstreifen auf, die jedoch aufgrund der ebenfalls roten Körpergrundfärbung kaum auffallen. Zeitweise sind diese Kiemendeckelmarkierungen auch bronze- oder goldfarben.
    Das Weibchen ist zunächst einfarbig braun; während Balz und Scheinpaarungen sowie kurz danach quergestreift. Das Männchen ist während der Scheinpaarungsphase in der Balz – also bevor erstmals abgelaicht wurde – nicht längsgestreift, sondern bis auf den Flankenfleck am Körper einfarbig dunkelrot. Die Kiemendeckelflecken sind dann auffällig leuchtendrot, bei manchen Populationen oder in anderen Stimmungen golden oder golden gerandet (vgl. o.). In der Prachtfärbung ist die Iris von B. livida nun leuchtend grün oder blau (von der Beleuchtung abhängig).
    Zur Laichphase – also in der Laichfärbung – wirkt der dunkle Flankenfleck beim B. livida-Männchen sehr unauffällig und ist nur bei genauer Betrachtung zu erkennen. Jetzt zeigt das Weibchen fünf bis acht Querstreifen. Während der Brutpflege zeigt das Männchen wieder die Längsstreifenzeichnung ohne den dunklen Fleck. Betta livida in Schreckfärbung sind blasshellbraun, die Flossen nur noch schwach rot gefärbt. Statt der Längsstreifen treten fünf bis acht Querstreifen auf und die Seitenecken der Männchen verschwinden.
    Betta livida werden im Alter von über drei Jahren blass, das Rot wird zum Braun und die Flankenflecken verschwinden oder die Körperseiten werden einfarbig grau. Die Männchen sind im Alter von mehr als zwei Jahren am Körper nicht matt gefärbt, sondern oft flächig grünglänzend, die Flossen bleiben jedoch rot, vergleichbar mit B. coccina. In diesem Alter sind die Fische nicht mehr fruchtbar.
    Vorbereitungen zur Fortpflanzung
    In Vorbereitung des Laichens baut das Männchen sein Schaumnest. Das Nest kann entweder – meist – an der Wasseroberfläche, bevorzugt unter einem Pflanzenblatt, oder – selten – in einer Höhle, entfernt von der Oberfläche, angelegt werden. Wie alle Schaumnester bauenden Labyrinther fertigt auch das B. livida-Männchen sein Nest aus Schaumblasen, indem es Luft von der Oberfläche mit Sekret aus dem Maul ummantelt. Aus diesen einzelnen Blasen fügt es das gesamte Nest zusammen, welches nur in weichem und saurem Wasser – ohne organische Belastungen – lange stabil bleibt. Erst wenn das Nest weitgehend fertiggestellt ist, darf sich das laichbereite Weibchen dem Männchen unter dem Nest nähern. Betta livida können im Imponierverhalten ihre Branchiostegalmembran nicht – wie die gedrungenen Schaumnestbauer der B. splendens-Gruppe – hinter den Kiemendeckeln hervorstülpen. Darüber hinaus zeigt das B. livida-Weibchen kein Flossen- und Körperwedeln. Balzmotivierte B. livida verteidigen ihre Reviere jedoch durchaus ähnlich aggressiv wie die gedrungenen Kampffische. Es kann folglich zu Verletzungen von Flossen und Schuppen kommen. In ungünstigen Fällen können die innerhalb weniger Sekunden auf die Kommentkämpfe folgenden Beschädigungskämpfe für die Reviereindringlinge von tödlichem Ausgang sein. Das Revier ist klein und hat circa 40 cm Durchmesser.
    Die Balz
    Das B. livida-Männchen erwartet seine Partnerin bei der Balz meist unter dem Schaumnest oder es schwimmt dem Weibchen mit gespreizten Flossen entgegen, bleibt vor ihm im Wasser stehen und krümmt den Körper – bei weiterhin weit abgespreizten Flossen – L-förmig. Dabei schlängelt es sich seitlich mit den Flossen und dem Hinterleib.
    Der dunkle Flankenfleck auf dem dunkelroten Körper ist jetzt kaum noch sichtbar und wirkt hier nicht als auffälliges Signal für das Weibchen. Dies ist einer der wenigen Unterschiede zu B. coccina und somit auch zu B. brownorum. Er stellt ihn jedoch mit B. tussyae gleich.
    Zudem schwimmt das Männchen nun auch seitlich, sodass der Flankenfleck dem Weibchen dennoch entgegengerichtet ist, nach diesem Lateralimponieren schwimmt das Männchen ruckartig zum Nest zurück (Führungsschwimmen) und versucht das Weibchen auf diese Weise anzulocken. Wenn das Weibchen laichbereit ist, folgt es mit angelegten Flossen, wedelt mit den Flossen und dem Körper oder legt sich beschwichtigend auf die Seite. Dabei wird der Körper meist ein wenig (10 bis 20°) – der Kopf nach unten – schräg geneigt. Eine solche Balzphase dauert – wie bei B. coccina – circa vier bis fünf Stunden.
    Das Laichen
    Scheinpaarungen erfolgen vor dem eigentlichen Laichen in größerer Anzahl, während der Laichphase seltener und zum Ende der Laichphase erneut häufiger. Dies ist jedoch für alle Labyrinther typisch.
    Zur Paarung schwimmt das B. livida-Weibchen dem Männchen in die Flanke. Diese echten Paarungen erfolgen in der üblichen Umschlingung des Weibchens durch das Männchen in der Bauchregion, jedoch steht bei der Umschlingung der schlankeren Fische die Schwanzflosse des Männchens weit über. Dies ist anhand der Fotos schön dokumentiert.
    Das Weibchen bleibt – wie bei fast allen Schaumnestbauern – länger in der Laichstarre als das Männchen. Die Laichstarre dauert etwa 4 bis 5 sec beim Männchen und 5 bis 20 sec beim Weibchen. Das B. livida-Weibchen laicht nur zwischen 2 und 16 Eier pro Laichakt sowie insgesamt zwischen 20 und 110 Eier pro Laichphase. Die Eier durchmessen mit Perivitellum circa 1,1 bis 1,4 mm. Nach dem Laichen klemmt das B. livida-Weibchen die Eier mit den Brustflossen auf dem Bauch fest und verhindert so das Herunterfallen der Eier. Das Männchen sammelt die Eier vom Bauch und aus der Brustflossenachsel des Weibchens ins Maul. Es ummantelt die Eier an der Wasseroberfläche mit Schaum und spuckt sie dann ins Nest. Das Weibchen sammelt nach dem Erwachen aus der Laichstarre eventuell zu Boden gefallene Eier ein. Die Eier werden von beiden Partnern (sofern das Weibchen ausnahmsweise am Boden liegende Eier findet) ins Nest gespuckt. Lediglich das Männchen baut zwischen den einzelnen Laichakten am Nest weiter, während sich das Weibchen erholt oder sich um die Revierverteidigung kümmert.
    Brutpflege
    Im Gegensatz zu meinen 1999 mitgeteilten Beobachtungen muss ich nun folgendes schildern: Das B. livida-Männchen spuckt seine eingesammelten Eier doch nur selten direkt ins Schaumnest. Vielmehr schöpft es meist zuvor an der Oberfläche Luft und gibt die Eier dann mit dem Schaum ins Nest.
    Im weichen Wasser der natürlichen Habitate der Art kleben die Eier wahrscheinlich aber auch selbsttätig an den Schaumblasen des Nests oder am Oberflächenfilm, deshalb ist eine Schaumummantelung nicht notwendig. Dies ist aber in härterem oder organisch belastetem Wasser nicht der Fall; hier fallen die Eier herunter, die Brutpflegemotivation des Männchens erlischt nach einiger Zeit und die Vermehrung misslingt. Auch hier konnte ich wie bei B. coccina beobachten, dass das B. livida-Weibchen aufgesammelte Eier an der Wasseroberfläche ins oder neben das Nest spuckte.
    Das Nest kann durch die folgenden Pflegearbeiten des Vaters größer als vor dem Laichen (1 bis 2 cm) werden und etwa 1 cm Höhe und bis 4 cm Durchmesser erreichen. Meist bleiben die Nester aber deutlich kleiner. Abgestorbene und verpilzte Eier werden entfernt, herabfallender Laich wird aufgeschnappt und wieder ins Nest gespuckt. Der Laich benötigt bei 24 °C Wassertemperatur etwa 36 Stunden zur Entwicklung.
    Noch aufmerksamer als die Eier werden die geschlüpften Larven vom Brut pflegenden B. livida- Männchen betreut. Immer, wenn einige der Jungfische aus dem Nest herauswirbeln, werden sie mit dem Maul aufgeschnappt und ins Schaumnest zurückgespuckt, wodurch dann gelegentlich andere herausfallen.
    Die geschlüpften Jungfische verzehren während vier Tagen nach dem Schlupf ihren Dottervorrat und schwimmen dann innerhalb weniger Stunden frei. Gelegentlich errichtet das Weibchen ein eigenes Schaumnest, stiehlt einige der Eier oder Larven und pflegt sie für sich allein. Fällt der Vater als Brutpfleger aus, so kann die Mutter die weitere Pflege am Nest übernehmen. Mit zunehmender Aktivität der Larven sammelt der Vater die ausschwärmende Brut anfangs noch wieder ein und versucht sie ins Nest zurückzugeben, aber nach zwei bis drei Stunden erlischt die Brutpflegemotivation und das Männchen kümmert sich schließlich nicht mehr um die selbstständig gewordenen Jungen. Die Brutpflege dauert also insgesamt vier bis fünf Tage.
    Bald danach werden die Jungen von beiden Elternteilen sogar als Beute betrachtet. Sind die Erwachsenen gut ernährt, so kommen aber auch im normalen Haltungsaquarium meist 20 bis 50 der Jungfische durch.
    Weiteres Verhalten
    Die Eltern verfolgen die Jung sche nur als Beute wenn sie hungrig sind, sodass immer Junge bei den Eltern heranwachsen können. Aber die erwachsenen eigenen Nachkommen werden als Konkur-renten betrachtet und nicht geduldet, also – bei Nichtverlassen des Reviers – möglicherweise sogar getötet.
    Das Wachstum ist etwas langsamer als bei den gedrungenen Schaumnestbauern; nach einem 3/4 Jahr haben die ersten Jungfische die Geschlechtsreife erreicht. Voll ausgewachsen sind diese Fische aber erst im Alter von mindestens einem Jahr.
    Ist B. livida auch nicht ganz so attraktiv wie B. brownorum oder B. coccina, so ist diese Art dennoch eine wertvolle Bereicherung unseres Bestands. Wie so oft notwenig, sei auch hier die Aufforderung an unsere Züchter – nicht nur in der IGL – gerichtet, sich um den Erhalt dieses interessanten Fischs zu bemühen.
    Literatur (Auswahl)
    Donoso-Büchner, R. 1999. Zuchtbuch – Auswahlkriterien der zur Zucht bestimmten Betta coccina. Der Makropode 21(5/6), 54–55.
    Donoso-Büchner, R. & Schmidt, J. 1999. Ihr Hobby Kampf sche – Wildformen. Ruhmannsfelden, 80 S.
    Ng, P. K. L. 1993. Schwarzwasserfische aus Nordselangor (Malaiische Halbinsel). Datz 46(2), 112–117.
    Ng, P. K. L. & Kottelat, M. 1992. Betta livida, a new ghtingfish (Teleostei: Belontiidae) from blackwater swamps in Peninsular Malaysia. Ichtyological Exploration of Freshwaters 3(2), 177–182.
    Schmidt, J. 1999. Betta coccina von Selangor. Der Makropode 21(5/6), 56–58.
Betta macrophthalma, lt. Kottelat et al. ein Syn. von Betta pugnax, m. E. jedoch ein Syn. von Betta waseri, Tafel n. Regan, 1910
Betta macrostoma, balzendes Paar
Betta macrostoma, Tafel n. Regan, 1910
Betta macrostoma, balzendes Paar
Betta mahachaiensis, Foto: Jens Kühne
Betta mandor
Betta cf, ocellata, ist sehr wahrscheinlich ein Synonym von Betta unimaculata.
Betta pallida, maulbrütendes Männchen
Betta pallifina
Betta patoti
Betta persephone

Betta persephone – der Laubkampffisch aus dem Malaiischen Urwald
überarbeitet aus ’Der Makropode’ 23(7/8), 2001, 116-123

Der Laub- oder Zwergkampffisch, Betta persephone, ist ähnlich wie Betta brownorum eine kleinbleibende Art. Männchen können im Alter von einem Jahr eine Gesamtlänge von maximal 4 cm erreichen, die Weibchen bleiben bis 1 cm kleiner.
Der Gattungsname wurde von P. Bleeker vergeben. Er benutzte die Javanische Bezeichnung “Wader bettah” für die Beschreibung von Betta trifasciata, den wir heute unter dem Namen Betta picta kennen.
Ein ungewöhnlicher Name: Der Artname von B. persephone wurde von D. Schaller (1986) nach Persephone, einer Tochter von Demeter und Zeus, aus der griechischen Göttersage vergeben. Persephone wurde von Hades entführt und in der Unterwelt festgehalten. Auf Bitten ihrer Mutter durfte sie jedoch zeitweilig auf die Oberwelt zurückkehren. Dies ist ein – leider seltenes – Beispiel für einen ausgezeichneten Artnamen, da er eine treffende Metapher für die Ökologie dieser Art darstellt.
Die Art stammt von der Malaiischen Halbinsel, vom Fundort bei Ayer Hitam, etwa 130 km nördlich von Singapur. Gelegentlich werden auch Fische von Muar und von den größeren Inseln im Riau-Archipel importiert. Letztere wurden auch unter dem Namen Betta miniopinna beschrieben (Tan & Tan 1994), mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich jedoch um ein Synonym. Neudings gibt es auch Nachweise aus der Provinz Riau auf Sumatra (Lasfar 2021).
Herkunft und Lebensraum: Der Laubkampffisch bewohnt einen für Fische sehr eigenartigen Lebensraum. Im begleitenden Artikel zur Erstbeschreibung wurde die Bezeichnung “Pflanzenfluß” geprägt. Hierdurch handelt es sich um eine dicke Schicht aus toter und lebender Pflanzenmasse, die sehr langsam von Wasser durchflossen wird. Um dieses Gebiet zu bewohnen, entwickelte Betta persephone den sogenannten Laubschlupf: Das heißt, bei geringem Wasserstand ziehen sich diese Fische in die Pflanzenlaubmasse zurück, während sie bei “Hochwasser” den freien Wasserraum nutzen. Einer dieser “Pflanzenflüsse” befand sich nördlich von Ayer Hitam. Leider fiel das Habitat, die “Terra typica”, dem Ausbau der Autobahn 1 nach Singapur zum Opfer. Es gibt jedoch die Hoffnung, dass vereinzelte (Sekundär-)Lebensräume übrig geblieben sind (Scharfenberg 2021).
Das Laubkampffisch-Aquarium: Betta persephone kann in Gruppen aus etwa sechs Fischen in kleineren Aquarien ab circa 50 l Wasserinhalten gepflegt werden. Pärchen lassen sich bei sorgfältiger Wasserpflege schon in kleinen ab 20 l Wasser fassenden Behältern unterbringen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass diese Zwerge unbedingt in einem Artaquarium untergebracht werden müssen. Diese Aquarien sollten reichlich mit Pflanzen, Versteckmöglichkeiten, beispiels- weise Höhlen, eingerichtet sein. Die Wasserhärte muss zur Haltung unter 8 °dGH und 3 °dKH liegen (zur Zucht unter 6 °dGH und 1 °dKH), die Wassertemperatur bei 22 bis 25 °C. Die elektrische Leitfähigkeit darf 100 μS/cm nicht überschreiten und der pH-Wert sollte den Wert 6,5 nicht übersteigen. Regelmäßige Teilwasserwechsel steigern das Wohlbefinden der Fische. Dunkler Bodengrund und mäßige Beleuchtung bringen diese Fische am besten zur Geltung.
Leider weist Betta persephone eine große Anfälligkeit für Hautparasiten auf. Vor allem ein Zuchtpaar muss Piscinoodinium-frei sein! Oft sind die Elternfische mit „Oodinium“ befallen, ohne dass die klassischen Anzeichen bemerkt werden, da der Parasitenbelag sehr fein ist. Dies ist auch ein wesentlicher Grund dafür, dass manchmal die Brut nach dem Schlüpfen stirbt. Zwei Teelöffel Salz auf 10 l Wasser töten Oodinium-Schwärmer ab. Bei sehr hartnäckigem Befall kann zusätzlich ein handelsübliches Präparat (wie Rabomed) in halber Dosierung angewendet werden (Achtung: nur in mineralreichem Wasser wirksam). Das salzhaltige Wasser muss dann nach zwei Wochen gegen mineralarmes Frischwasser ausgetauscht werden. Neuere Beobachtungen zeigen, dass die Schwärmer auch von Schwammfiltern vernichtet werden (z. B. Beu 2021).
Die Ernährung sollte ausschließlich mit Lebendfutter erfolgen. Frostfutter wird nur in geringen Mengen angenommen und an Trockenfutter müssen die Fischlein mühsam gewöhnt werden, was in den Wintermonaten manchmal notwendig ist. Glücklicherweise stehen auch in den lebendfutterarmen Monaten Futtersorten wie Salinenkrebschen, Artemia sp., oder Fruchtfliegen, Drosophila sp., zur Verfügung. Auch die winzigen Rädertierchen aus Dauereiern oder Zuchten werden gern verzehrt.
Wer diese wenigen grundlegenden Regeln beachtet, wird viel Freude an den prachtvollen Fischen, die trotz ihrer Kleinheit über drei Jahre alt werden können, haben.
Ein ungewöhnlicher Fisch: Der Laubkampffisch zeigt weder die auffälligen Flossenformen der Arten der B. splendens-Gruppe noch die körperliche Eleganz der B. bellica-Gruppe.
Betta persephone besticht durch seine Farbe: In der Normalfärbung zeigen Betta persephone zwei dunkelbraune bis schwarze Längsstreifen auf hellerem, rotbraunen bis beigem Grund. Die Flossen sind transparent oder zeigen Anteile einer Braun- oder schönen, metallischen Blaufärbung. Auch die Ventralen sind in der Normalfärbung dunkelbraun bis schwarz, mit einer angedeuteten Blaufärbung. Zur Balz werden die Bauflossen leuchtend rot, meist mit weißen Spitzen. Die Iris des Auges ist braun oder rotbraun bis schwarz, im dunklen Wasser oft strahlend leuchtend. Die Gesichtsmaske besteht aus drei dunklen Querstreifen auf Ober- und Unterlippe sowie knapp darunter.
Betta persephone besitzt eine von allen anderen Kampffischen abweichende Körperfärbung. Der Körper ist in der Prachtfärbung samtdunkelbraun bis schwarz, mit einem grünen oder blauen Schimmer. Bei Betta persephone erscheint die Prachtfärbung ohne glänzende Tüpfel. Die Färbung lässt sich auch als Smaragdglanz beziehungsweise saphirblau beschreiben. Diese wenigen Merkmale lassen sich noch ergänzen: Der vordere Rand der Rückenflosse zeigt einen schmalen, hellen Saum. Die Bauchflossen des Männchens sind etwas länger als jene des Weibchens, auch besitzen manche – vor allem ältere – Männchen eine etwas zugespitzte Afterflosse. Die Bauchflossen des Männchens sind zur Balz rot gefärbt und zeigen meist weiße oder hellblaue Spitzen (s. o.). Das Weibchen ist in der Prachtfärbung einfarbig beige, Querstreifen sind meist nur ganz schwach angedeutet oder mit einem zum Männchen ähnlichen Blauton überdeckt. Abweichend von der dunklen Körperfarbe sind jetzt die kurzen Bauchflossen rot gefärbt und besitzen weiße Spitzen wie bei den Männchen. Die Iris leuchtet beim Männchen blau bis grün, beim Weibchen ist sie beige bis golden. Die Laichfärbung ist zur Prachtfärbung gleich.
Bei beiden Geschlechtern tritt in Stresssituationen eine Längsstreifenzeichnung (ein mittlerer, breiter und deutlicher Längsstreifen sowie oben und unten zwei undeutliche, schmale) auf.
Wie D. Schaller in seiner Erstbeschreibung deutlich macht, ist die Luftschöpffrequenz dieser Art, im Gegensatz zu den Arten der B. splendens- und B. bellica-Formenkreise, sehr hoch. Dadurch lässt sich die starke Bindung der Laubkampffische an die Wasseroberfläche erklären. Ob es sich dabei um eine erbliche Eigenschaft oder um eine Anpassung an die Aquarienverhältnisse handelt, ist zurzeit noch nicht bekannt. Außerdem fällt die Art durch außerordentlich gewandte Bewegungen an Land auf, was durch verschiedene Experimente belegt wurde.
Balz und Fortpflanzung: Zur Vorbereitung des Laichens baut das Männchen ein Schaumnest. Dieses kann entweder an der Wasseroberfläche – bevorzugt unter einem Pflanzenblatt – oder auch in einer Höhle – entfernt von der Oberfläche – angelegt werden. Das Schaumnest fertigt das Betta persephone-Männchen aus Schaumblasen, indem es Luft von der Oberfläche mit Sekret aus dem Maul ummantelt. Aus diesen einzelnen Blasen fügt es das gesamte Nest zusammen, welches nur in weichem und saurem Wasser – ohne organische Belastungen – lange Bestand hat. Erst wenn das Nest weitgehend fertiggestellt ist, darf sich das laichbereite Weibchen dem Männchen unter dem Nest nähern.
Der Reviergründung geht – bei Anwesenheit mehrerer Betta persephone-Männchen – zunächst agonistisches Verhalten voraus. Dabei versuchen sich die späteren Partner oder Gegner zunächst durch Imponiergesten zu beeinflussen. Zum Imponieren werden die unpaaren Flossen extrem gespannt; manchmal reißen sie sogar ein. Die Bauchflossen werden versetzt getragen (wie ein verkehrtherum stehendes V) und die Brustflossen sehr schnell bewegt („trillern“). Durch diese Verhaltensweise werden der Kopf- und Körperumriss erheblich vergrößert, die Prachtfärbung kommt optimal zur Geltung. Mit seitlichen Schwanz- und Hinterleibsbewegungen wedeln sich die Kontrahenten Wasserschwälle zu – das Flossenwedeln. Weibchen flüchten spätestens in dieser Situation. Das Männchen grenzt durch das Imponierverhalten und eventuelle echte Angriffe mit Rammstoß und Beißen das Revier ab. Schließlich beginnt es an einer günstigen Stelle sein Schaumnest zu errichten. Das Schaumnest ist das spätere Zentrum des Reviers.
Mit fortschreitender Laichbereitschaft werden Fremdfische und vor allem Artgenossen (zunächst beider Geschlechter) vom revierbesitzenden Männchen immer häufiger aus dem näheren Bereich des Reviers vertrieben. Werden jedoch die Störungen zu intensiv, dann kann der Revierbesitzer aufgeben und sich an einen anderen Ort zurückziehen, an dem er eventuell erneut ein Revier zu gründen versucht.
Betta persephone können beim aggressiven Imponieren ihre Branchiostegalmembran nur wenig, also nicht wie die gedrungenen Kampffische wie Betta splendens, B. smaragdina, B. imbellis und die Anderen, hinter den Kiemendeckeln hervorstülpen. Balzmotivierte Betta persephone verteidigen trotzdem ihre Reviere ähnlich aggressiv wie die gedrungenen Kampffische – beispielsweise B. splendens – und es kann zu Flossen- und Schuppenverletzungen kommen, in ungünstigen Fällen können die innerhalb weniger Sekunden auf die Kommentkämpfe folgenden Beschädigungskämpfe auch tödlichen Ausgangs für die Reviereindringlinge sein.
Die kleinen, etwa 2 bis 4 cm durchmessenden Schaumnester werden vom B. persephone-Männchen an der Wasseroberfläche oder seltener – ähnlich wie bei B. smaragdina – in Verstecken in tieferen Wasserschichten errichtet.
Die Balz wird vom Betta persephone-Männchen besonders intensiv geführt und kann sich über mehrere Tage erstrecken, bis sie zum Erfolg führt oder das Weibchen den Kontakt meidet. Laichreife Betta persephone-Weibchen sind schwimmaktiver als nicht balzmotivierte Artgenossen, was bei diesen Fischen, die nicht sonderlich aktiv sind, jedoch nicht viel bedeutet. In Fortpflanzungsstimmung sucht das Weibchen die Nähe von revier- und – wenn möglich – bereits nestbesitzenden Männchen. Dazu schwimmt es – bei Auswahlmöglichkeiten – verschiedene Männchen in Prachtfärbung an, wird aber meist von den Männchen – trotz gezeigten Beschwichtigungsverhaltens – wieder vertrieben. Artgenossen in Längsstreifenzeichnung, der Schreckfärbung, oder Männchen anderer Arten werden nicht beachtet. Hat das Weibchen seine Wahl getroffen, so sucht es vornehmlich die Nähe dieses Männchens. Es schwimmt das, im Freiwasser stehende oder meist direkt unter seinen ersten Schaumblasen befindliche, Männchen an. Das Männchen selbst schwimmt dem Weibchen meist mit abgespreizten Flossen entgegen, bleibt vor ihm stehen und krümmt den Körper – bei weiterhin weit gespreizten Flossen – s-förmig, und schlägt dabei mit den unpaaren Flossen und dem Hinterleib zu den Seiten – dem Flossen- und Körperwedeln. Die Brustflossen werden dabei manchmal in extrem schneller Folge bewegt, ohne eine Fortbewegung zu bewirken – das Brustflossentrillern. Dann schwimmt das Männchen ruckartig zum Nest zurück und versucht so das Weibchen anzulocken – das Führungsschwimmen. Wenn das Weibchen laichbereit ist, folgt es mit angelegten Flossen, schlägt mit den Flossen und dem Hinterleib – das Flossen- und Körperwedeln –, aber im Gegensatz zum Männchen mit angelegten Flossen, oder es legt sich beschwichtigend auf die Seite, wobei der Kopf etwa um 15 bis 20° nach unten sinkt. Das nach unten geneigte und flossenklemmende Weibchen hemmt auf diese Weise mögliche Angriffe des unter dem Schaumnest anfangs noch sehr aggressiven Männchens. Aus diesem Grund erfolgt in dieser ersten Phase die Annäherung durch das B. persephone-Weibchen noch zögernd und es flüchtet bald wieder. Da es jetzt noch nicht zu Paarungen kommt, wird das Weibchen vom Männchen zunächst wieder vertrieben, sofern das Weibchen nicht von sich aus flüchtet.
Nach der Fertigstellung des Nests kommt es erneut zum Führungsschwimmen durch das Männchen. Dabei werden wie beim aggressiven Imponieren die Flossen – unter Anheben der Kiemendeckel – gespannt und es erfolgt auch Wasserwedeln. Schließlich legt das Männchen aber die Flossen zusammen sowie die Kiemendeckel an und schwimmt gezielt zum Nest zurück. Folgt das Weibchen anfänglich noch nicht, so wird es – trotz weiterer Beschwichtigungsgesten – gejagt. Das Beschwichtigen durch das Weibchen erfolgt nun durch Absenken des Kopfs, Zusammenlegen der Flossen und durch Zeigen der Balz- und Laichfärbung. Schließlich folgt das Weibchen mit leicht nach unten geneigtem Kopf dem Männchen, welches die Partnerin weiterhin umwirbt. Sobald sich das Weibchen dem Männchen nähern darf, stupst es diesem in die Flanke oder auf die Kiemendeckel, wodurch das Männchen zusätzlich beschwichtigt wird. Nachdem auf diese Weise erste Körperkontakte möglich wurden, kann das Weibchen nun auch in der Nähe des Nests bleiben und bald folgt ein erstes Umschwimmen und es kommt zu ersten Scheinpaarungen.
Nachdem das Betta persephone-Weibchen immer wieder in das Revier des Männchens eingedrungen ist und schließlich durch sein Beschwichtigungsverhalten das An- griffsverhalten völlig gehemmt hat, kommt es zu ersten Scheinpaarungen. Die Scheinpaarungen ähneln den echten Paarungen, es kommt aber nicht zu vollständigen Umschlingungen, es werden keine Eier vom Weibchen abgegeben und die Partner verharren nicht oder, wenn doch, meist nur sehr kurz in der Laichstarre.
Durch die Scheinpaarungen gewöhnen sich die Fische an die körperliche Nähe des Partners und es kommt dadurch zu hormonalen und nervösen Wirkungen und somit zur sexuellen Synchronisation der jeweiligen Partner. Hierdurch ist bei den späteren echten Paarungen eine gleichzeitige Abgabe der Geschlechtsprodukte gewährleistet. Der gesamte Ablauf von der ersten – über die echten Paarungen – bis zur letzten Scheinpaarung wird als Laichphase bezeichnet (Vierke 1975), eine einzelne Paarung innerhalb der Laichphase ist ein Laichakt.
Der Ablauf der echten Paarungen und des Laichens gleicht bei Betta persephone dem von B. brownorum. Bei der Paarung sinken die Partner in der Laichstarre meist ab, wobei dann das Weibchen mit dem Kopf und das Männchen mit dem Rücken nach unten weist. Die Eier fallen auf den Bauch des Weibchens und werden hier mit den Bauch- oder Brustflossen festgehalten. Fast immer fallen aber trotzdem einige Eier herunter und werden vom Männchen eingesammelt. Da insgesamt nur wenige Eier (bis 80) gelaicht werden, ist fast ausschließlich das Männchen mit der Suche nach den Eiern beschäftigt; das Weibchen beteiligt sich trotzdem bei der Suche und – wenn es ausnahmsweise Eier findet – dem Eintragen ins Nest, an welches es – auch bei Anwesenheit des Männchens – direkt heranschwimmen kann, was beispielsweise einem B. splendens-Weibchen nicht möglich ist.
Dominante Betta persephone-Weibchen können auch die für Männchen typische Prachtfärbung zeigen. So paarten sich mehrfach zwei Weibchen; es handelte sich dabei immer um die gleichen Individuen. Einer der Fische betreute sogar den Laich in einem kleinen Nest der aber bald, da ja nicht befruchtet, verpilzte.
Das Betta persephone-Männchen spuckt seine eingesammelten Eier meist direkt ins Schaumnest. Es schöpft in der Regel nicht zuvor an der Oberfläche Luft. Im weichen Wasser der natürlichen Habitate der Art kleben die Eier selbsttätig an den Schaumblasen des Nests oder am Oberflächenfilm, was in härterem oder organisch belastetem Wasser nicht der Fall ist. Es lässt sich auch beobachten, dass das Weibchen aufgesammelte Eier an der Wasseroberfläche ausspuckt. Das Nest kann durch die folgenden Pflegearbeiten größer als vor dem Laichen werden und über 1 cm Höhe und bis 3 cm Durchmesser erreichen. Meist bleiben die Nester aber deutlich kleiner. Abgestorbene Eier werden sorgfältig entfernt, herabfallender Laich wird ins Maul aufgeschnappt und wieder ins Nest gespuckt.
Die Aufzucht der Laubkampffische: Im Aquarium gehen – wohl aufgrund nicht optimaler Wasserbedingungen – sehr viele Eier in den ersten Stunden verloren. Deshalb schlüpfen meist – trotz sorgfältiger Brutpflege durch den Vater – nur etwa zehn bis 40 Jungfische.
Bei 24 °C schlüpfen die Embryonen nach etwa zwei Tagen, etwa 42 bis 44 Stunden, aus den Eiern. Die geschlüpften Larven verzehren in den folgenden drei Tagen ihren Dottervorrat und schwimmen dann bald frei. Anfangs sammelt das Männchen die ausschwärmende Brut mit dem Maul wieder ein und versucht sie ins Nest zurückzuspucken, aber bald erlischt die Brutpflegemotivation und das Männchen kümmert sich in der Folge nicht mehr um die selbständig gewordenen Jungen.
Oft wird der Standort des Laichs oder der Larven verlagert, besonders wenn Laichräuber ins Revier eindringen. Dann nimmt der Vater den verbliebenen Laich ins Maul und errichtet an einer anderen Stelle ein neues Schaumnest. Noch aufmerksamer als die Eier werden die geschlüpften Larven vom brutpflegenden Betta persephone betreut und immer wenn einige der Jungfische aus dem Nest herauswirbeln, werden sie mit dem Maul aufgeschnappt und ins Schaumnest zurückgespuckt, wodurch dann oft andere herausgestoßen werden. Auf diese Weise ist der Vater ständig mit seinem Nachwuchs beschäftigt und findet kaum Zeit zur Nahrungsaufnahme. Interessanterweise kann das Weibchen die Brutpflege übernehmen, falls das Männchen für diese Aufgabe ausfällt.
Die Eltern verfolgen ihre Kleinen nicht als Beute, sodass immer Junge bei den Eltern heranwachsen können. Auch die älteren Geschwister aus vorherigen Bruten verfolgen Jungfische der eigenen Art nicht. Die heranwachsenden Jungen beteiligen sich gelegentlich sogar an der Revierverteidigung. Wenn sich Eier oder Larven im Nest befinden, werden die jungen Betta persephone aber von den Eltern aus dem direkten Nestbereich vertrieben. Adulte Nachkommen werden immer als Konkurrenten betrachtet und – bei Nichtverlassen des Reviers – möglicherweise sogar getötet.
Das Wachstum ist etwas langsamer als bei den gedrungenen Schaumnestbauern, nach einem 3/4 Jahr haben die ersten Jungfische die Geschlechtsreife erreicht. Voll ausgewachsen sind diese Fische aber erst mit mindestens einem Jahr.
Bereits nach fünf Monaten sind die kräftigsten Jungfische geschlechtsreif. Voll ausgewachsen sind sie erst im Alter von über einem Jahr.
Der Laubkampffisch ist gefährdet: Wie sich bei verschiedenen Reisen von Aquarianern nach Malaysia zeigte, droht der Biotop von Betta persephone, gleichzeitig der Fundort der für die Artbeschreibung zugrundegelegten Museumsexemplare – die Terra typica – der Art, den ständig fortschreitenden Folgen der Tropenwaldzerstörung zum Opfer zu fallen (s. o.). Die Gewässer bei Ayer Hitam waren eines der ganz wenigen belegten Vorkommen dieser kleinen Art und deshalb ist nun, trotz der Spezialisierung der Fische auf die Überdauerung von Trockenzeiten zwischen herabgefallenem Laub am Boden, das Aussterben der Laubkampffische zu befürchten! Zumindest am ersten Fundort dieser Art sind die Fische bereits verschwunden.
Wie es um die Habitate auf Bintan bestellt ist, wissen wir allerdings nicht. Es wäre schön, wenn reisende Aquarianer einmal aktuelles darüber berichten würden. Vermutlich sieht es auf den Inseln des Riau-Archipels aber nicht viel besser als auf dem Festland aus …
Sollten diese berechtigten Befürchtungen eintreten, dann könnte Betta persephone der erste in der Natur ausgerottete Labyrinthfisch werden. Um so größer wird die Verantwortung der Züchter der Fische in der IGL. Wir möchten nicht nur die IGL-Mitglieder, sondern auch die engagierten fortgeschrittenen Aquarianer, hiermit dringend auffordern, sich verstärkt um die Erhaltungszucht der kleinen Labyrinthfischarten – besonders natürlich Betta persephone und der ebenfalls gefährdete Betta brownorum und B. coccina – zu bemühen.

Literatur
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Donoso-Büchner, R. 1990. Betta persephone – ein Problemfisch? Der Makropode 12(4/5), 97-98.
Donoso-Büchner, R. 1991. Arterhaltung und artgerechte Pflege. Der Makropode 13(5/6), 124.
Donoso-Büchner, R. 1991. Beobachtungen zum Brutpflegeverhalten einiger schaumnestbauender Labyrinthfische. Der Makropode 13(11/12), 241-243.
Donoso-Büchner, R. 1991. Anmerkungen zu schaum- nestbauenden Betta Teil I. Der Makropode 13(11/12), 248-250.
Donoso-Büchner, R. 1992. Anmerkungen zu schaumnest- bauenden Betta Teil II. Der Makropode 14(1/2), 11-14.
Geck, J. 1987. Zuchterfahrungen mit Betta persephone Schaller, 1986. DATZ 40(2), 56-58.
Geck, J. 1989. Das Labyrintherportrait Nr. 53. Betta persephone Schaller, 1986. Der Makropode 11(11/12), 181-185.
Geck, J. 1994. Unterwegs in Malaysia. das Aquarium 28(11), Heft 305, 9-14.Geck, J. & Schmidt, J. 1991. Betta persephone-Lebensraum zerstört! Der Makropode 13(9/10), 109.Geck, J. & Schmidt, J. 1998. Der Laubkampffisch Betta persephone. TI Magazin 30(1), Nr. 139, 50-54.Inselmann, S. 1988. Haltung und Zucht von Betta persephone. Der Makropode 10(4), 49-51.
Hallmann, M. 2006. Der Blaue Zwergkampffisch Betta persephone. Aquarium live (6), 22-29. = Der Makropode 43 in Vorbereitung.
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Scharfenberg, M. 2021. Auf der Suche nach den letzten Schwarzwasserbiotopen in Westmalaysia (Teil 3/6). Der Makropode 43(4), 126ff.
Schmidt, J. 1996. Vergleichende Untersuchungen zum Fortpflanzungsverhalten der Betta-Arten (Belontiidae, Anabantoidei). Bibliothek Natur & Wissenschaft Bd. 7. Solingen.
Steinle, C.-P. 1993. Editorial. Braucht Betta persephone die IGL? Der Makropode 15(3/4), 20.
Tan H. H. & Tan S. H. 1994. Betta miniopinna, a new species of fighting fish from Pulau Bintan, Riau Archipelago, Indonesia (Teleostei: Belontiidae). Ichthyol. Explor. Freshwaters 5(1), 41-44.
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Betta pi
Betta picta, Paar

Ein Artikel zu Betta picta, nebst Anmerkungen zu Betta falx, befindet sich einleitend zu den Fotos der Gattung Bette, siehe oben.

Betta prima, Paar, Eierspucken
Betta pugnax, Paar
Betta cf. pugnax als Betta picta, aus P. Bleeker 1878
Betta pulchra
Betta raja, Paar, zwei Fortpfglanzungs-Eier am Boden

Betta raja – der Sumatra-Langflosser

Die „Großflosser“ der Betta fusca-Untergruppe innerhalb der Betta pugnax-Gruppe sind auf Sumatra durch Betta raja vertreten. Wie so oft wurde auch dieser Fisch lange Zeit mit Betta pugnax verwechselt. Als die Unterschiede deutlicher wurden, wurde er Betta fusca zugeordnet – bis es 2005 zur Artbeschreibung kam.
Betta raja wurde 2005 von Tan Hock Hui & Peter K. L. Ng in dem Artikel „The Labyrinth Fishes (Teleostei: Anabantoidei, Channoidei) of Sumatra“ im ’The Raffles Bulletin of Zoology. Southeast Asian Freshwater Fisch Diversity’, Supplement No. 13, auf den Seiten 115-138 beschrieben. Die Diagnose und Beschreibung lauten (Übersetzung, gekürzt):
„Betta raja unterscheidet sich von den anderen Mitgliedern der B. pugnax-Gruppe durch die folgenden Merkmale: Geschlechtsreife Männchen mit sehr langer Bauchflossen in einigen Fällen sogar die Afterflossenbasis überschreitend, dunkle Ränder an der Afterflosse und der unteren Hälfte der Schwanzflosse.
Beschreibung: Der Körper ist relativ stämmig, der Kopf lang und stämmig. Rücken-, Schwanz- und Afterflossen spitz, Rückenflosse relativ weit hinten platziert, Schwanzflosse mit distalem Teil der Strahlen, der sich leicht über die interradiale Membran hinaus erstreckt, mittlere Strahlen länglich, Afterflossenbasislänge etwa die Hälfte der Standardlänge, Bauchflosse abgerundet mit langem Fadenstrahl sowie Brustflosse gerundet.
Lebendfärbung: Rücken des Körpers braun, Bauchregion hellbraun bis gelb. Kopfrücken braun, Männchen mit schillerndem, grünem und Weibchen mit goldenem Kiemendeckel. Deutliche obere und untere schwarze Streifen am Kopf, Unterlippe schwarz. Männchen mit einigen Körperschuppenreihen in der oberen Hälfte blau leuchtend, andere Schuppen in der Nähe des Bauchs golden, Weibchen ohne Goldschuppen, am Rest des Körpers Schuppen mit schwach dunkelbraunem Hinterrand.“
Verhalten: Das Verhalten wurde bereits ausführlich beschrieben, beispielsweise bei Betta picta und Betta pungnax. Das spezielle Verhalten der „Großflosser“ hatte ich anhand von Betta lehi im ’Makropose’n 3/2021 vorgestellt. Das Fortpflanzungsverhalten ist identisch, lediglich die Intentionsbewegung Eierspucken tritt bei Betta raja nur sehr selten auf, im Gegensatz zu Betta fusca und Betta lehi von Borneo und den meisten weiteren maulbrütenden Betta.
Bei Betta raja wurde ich erstmals außerhalb von Betta unimaculata auf Nähreier aufmerksam. Vom Betta rasa-weibchen werden meist extrem viele Nähreier gelaicht, sodass die Partner gar nicht alle fressen können. Alles Weitere gleich ebenfalls Betta lehi, siehe oben.

Betta rubra
Betta rubra, Tafel n. Regan, 1910 (non Perugia)
Betta rutilans
Betta schalleri, Schallers Maulbrütender Kampffisch, Foto: Jens Kühne
Betta siamorientalis, Foto: Jens Kühne
Betta simorum, es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein Synonym von Betta bellica.
Betta simplex, maulbrütendes Männchen
Betta smaragdina
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Betta smaragdina ist fuer mich die interessanteste Artengruppe innerhalb der „Siamesischen Kampffische“. Schon vor Jahren war mir diese Form vom Regierungsbezirk Chayaboom, weit westlich liegender Regierungsbezirk der Korat Hochflaeche, aufgefallen! Die Fische erscheinen vor allem sehr roetlichbraun, weil die Glanzschuppen stark reduziert sind. Das ist aehnlich dem Effekt bei bekannten Betta splendens / siamorientalis. Es gibt noch das Foto eines einzelnen Tiers ist ein Vater von Jungfischen zu sehen, den ich dieses Jahr (2020) im Januar nahe der Stadt Chayaboom fangen konnte. Das Foto mit 2 Tiere zeigt Junge dieses Elterntiers. Sie sind jung und vieleicht bekommen sie mit dem Alter mehr Glanzschuppen als die Vatertiere. Oder es gibt auch bei Betta smaragdina Veraenderungen in den Folgegenerationen. Es ist mir aber bisher bei anderen Populationen bzw. Arten bei Betta smaragdina weniger aufgefallen – es gibt sie aber.“ Jens Kühne, Nakhon Si Thammarat

Betta smaragdina Ladiges, 1972 – schwimmende Smaragde
aus: Der Makropode 42(4), 2020, 144-149, 163.

Die vorhergehenden Artikel, die wir dankenswerterweise aus unserer französischen Partnerzeitschrift übernehmen durften, nehme ich zum Anlass, um das Verhalten von Betta smaragdina einmal wieder beispielgebend und ausführlich vorzustellen. Wir hatten vor Jahren schon solche Artikel in unserer Zeitschrift, doch gibt es zahlreiche neue Mitglieder, die sich noch nicht ausführlich mit dem Fortpflanzungsverhalten der Schaumnestbaues beschäftigt haben und die auch das entsprechende Vokabular noch nicht kennen. Ich bitte unsere langjährigen Mitglieder um Nachsicht …

Charakterisierung von Betta smaragdina

Betta smaragdina-Männchen erreichen eine Gesamtlänge von bis zu 7 cm. Die Weibchen bleiben circa einen halben Zentimeter kleiner. Die Fische werden bis drei Jahre alt.
Für die Körperfärbung spielen bei Betta smaragdina sowohl die augenblickliche Motivation beziehungsweise die Stimmung der Fische als auch die Emährung sowie der allgemeine physiologische Zustand und das Lichtspektrum der Beleuchtung des Aquariums eine Rolle.
Betta smaragdina ist in der Normalfärbung durch zwei durchgehende, dunkle Längsstreifen auf den Körperseiten gekennzeichnet. Der obere Streifen ist nicht eindeutig abzugrenzen, weil auch die Rückenregion in vielen Motivationen dunkel gefärbt ist. Der obere dunkle Streifen, 0,8 bis 1,1 mm breit, beginnt am Kopf oberhalb des Auges, verläuft geradlinig an der jeweiligen Körperseite entlang und endet im oberen Teil der Schwanzwurzel. Der untere Streifen liegt weitgehend parallel zum oberen. Er beginnt auf der Mauloberseite (der Oberlippe), teilweise auch auf der Unterlippe, verläuft also um die Schnauze herum, setzt sich in Form eines Augenlängsstreifens im Auge (auf der Iris) fort und ist auf den Kiemendeckeln kurz unterbrochen. Der Streifen ist auch durch den hinteren Kiemendeckelrand unterbrochen. Über die jeweilige Körperseite, bis zur Mitte der Schwanzwurzel, verläuft der Streifen geradlinig. Auf der Schwanzwurzel endet er kurz vor dem oft mit einem Hof umgebenen Schwanzwurzelfleck. Dieser typische Maculus (bei Betta smaragdina mit einem Durchmesser von in der Regel 0,5 bis 0,8 mm) befindet sich in der Mitte der unteren Hälfte der Schwanzwurzel und ist ebenso wie die Streifenzeichnung individuell geformt. Die Flecken unterscheiden sich manchmal sogar auf den Körperseiten und sind deshalb als Erkennungsmerkmale für den Beobachter verwendbar, allerdings werden sie, ebenso wie die Streifen, von der glänzenden Prachtfärbung überdeckt. Der einfarbige, graue Rücken und das Längsstreifenkleid ist für Betta smaragdina in der Normalfärbung typisch, Glanzpunkte fehlen. Dies gilt besonders für Jungfische, wobei allerdings bei den Männchen – bei dominanten Exemplaren – bereits sehr früh sekundäre Geschlechtsmerkmale (vergrößerte Flossen) sichtbar werden können. Die Gesichtsmaske wird aus der Fortsetzung des mittleren Körperlängsstreifens um den Kopf herum gebildet. Der Streifen teilt sich um das Maul. Der obere Teil des geteilten mittleren Streifens ist breit und verläuft auf der Oberlippe. Die Unterlippe ist nur schmal gerandet. Unter der Unterlippe ist ein dritter Streifen angedeutet. Der mittlere Streifen ist im Bereich der Kiemendeckel mehrfach unterbrochen und in Punkte aufgelöst. Die Iris ist bei Betta smaragdina in der Normalfärbung beige bis weiß, mit schwarzem Längsbalken. In der iris treten zur Normalfärbung außerdem schwarze Zeichnungselemente wie Längs- und Querbalken oder eine halbe Schwarzfärbung auf. Besonders die Längsbalken (s. o.) sind in der Normalfärbung der Fische zu beobachten.
Aggressiv gestimmte oder balzende Betta smaragdina-Männchen sind in der Prachtfärbunq leuchtend smaragdgrün. Die Flossenstrahlen von Analis und Caudalis sind hingegen rot, genauso die Strahlen und Membranen der Bauchflossen, welche mit weißen Spitzen versehen sind. Die flächige Prachtfärbung kann unter bestimmten Bedingungen (s. u.) durchaus auch blau wirken. Zur Balz (s. u.) bekommt das Weibchen zwar dunkle und breite Querstreifen, die aber meist von der glänzenden Prachtfärbung überdeckt und daher kaum erkennbar sind. Deshalb kann es bei gleichgroßen Partnern von Betta smaragdina problematisch sein, die Geschlechter zu unterscheiden, jedoch ist die Beflossung der Männchen meist großflächiger. Im Prachtkleid ist die Streifenzeichnung von der grünblauen, glänzend getüpfelten Färbung überdeckt. Die Kiemendeckel sind auffällig grüngefärbt. Diese farbigen Flecken oder Streifen auf den Kiemendeckeln sind jedoch bei Betta smaragdina in der gleichen Farbe wie die Körperfärbung gehalten und fallen deshalb nicht besonders auf. In der Prachtfärbung erscheinen an den Körperseiten die Glanzpunkte oder Tüpfel auf den Schuppen. Die nicht glänzende, „stumpfe Umrandung der glänzenden Tüpfel kann sehr schmal sein, sodass die Färbung flächig erscheint. Auch die Flossenmembranen der unpaaren Flossen können metallisch glänzen. Bei Betta smaragdina ist die Aggressionsfärbung in beiden Geschlechtem gleich, beim Weibchen aber immer weniger intensiv.
Die Färbung der Iris ist bei Betta smaragdina im Prachtkleid schwarz. Aggressiv gestimmte Fische zeigen in der Regel nur schwache Längsbalken, wenige Individuen aber auch komplett dunkelrotbraune bis schwarze Augen.
Bei den Weibchen erscheint aber bereits zur Balz, als Beschwichtigungselement, die Querstreifenzeichnung als typische Laichfärbunq. Diese Laichfärbung der Betta smaragrd/na-Weibchen besteht aus fünf bis acht dunklen Querstreifen, die grauschwarz wirken oder in der Körpergrundfärbung erscheinen und in der Regel ebenfalls von der Prachtfärbung überdeckt sind. Die Laichfärbung der Männchen von Betta smaragdina ist nicht nur arttypisch, sondern zudem bei manchen Fundortvarianten unterschiedlich. Sie gleicht der Aggressionsfärbung und ist – bei Intensivierung der Farben – durch eine Verdunkelung des Körpers charakterisiert.
Auch bei Kämpfen unterlegene Männchen können die Querstreifenzeichnung, ähnlich bis identisch zur Schreckfärbung, zeigen und dadurch das dominante Individuum beschwichtigen. Auf diese Weise können paarungsähnliche Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern verursacht werden. Wiederholt konnte ich bei Betta smaragdina Paarungsversuche zwischen Männchen beobachten.
Bei Betta smaragdina-Individiuen im Alter von mehr als einem Jahr verblasst die metallische Färbung und die Fische erscheinen matt gefärbt.

Reviergründung und -verteidigung

Der Reviergründung geht – bei Anwesenheit mehrerer Betta smaragdina-Männchen – zunächst agonistisches Verhalten voraus. Da die Beobachtung des Revierverteidigungsverhaltens nur bei Vergesellschaftung der Versuchsfische möglich ist, müssen die Fische in großen Aquarien ab 160 l Inhalt gepflegt werden. Bei Betta smaragdina versuchen sich die potenziellen Partner oder Gegner zunächst durch Imponiergesten zu beeinflussen. Zum Imponieren werden die unpaaren Flossen extrem gespannt; manchmal reilßen sie sogar ein. Die Bauchflossen werden versetzt getragen und die Brustflossen sehr schnell bewegt. Die Kiemendeckel und -häute (die Branchiostegalmembranen) werden abgespreizt. Durch diese Verhaltensweise werden der Kopf- und Körperumriss erheblich vergrößert; die Prachtfärbung kommt optimal zur Geltung. Mit seitlichen Schwanz- und Hinterleibsbewegungen wedeln sich die Kontrahenten Wasserschwälle zu (das Flossenwedeln). Weibchen flüchten spätestens in dieser Situation. Das Männchen grenzt durch das Imponierverhalten und eventuelle echte Angriffe mit Rammstoß und Beißen das Revier ab. SchlieGlich beginnt es an einer günstigen Stelle das Schaumnest zu errichten. Das Schaumnest ist das spätere Zentrum des Reviers. Aggressiv gestimmte Weibchen vermögen wie die Männchen (s. u.) die Kiemendeckel abzuspreizen und die Branchiostegalmembran hervorzustülpen.
Mit fortschreitender Laichbereitschaft werden Fremdfische und vor allem Artgenossen (zunächst beider Geschlechter) vom revierbesitzenden Betta smaragdina-Männchen immer häufiger aus dem naheren Bereich des Reviers vertrieben. Der Durchmesser beträgt umfeldabhängig zwischen 30 und 70 cm. Werden jedoch die Störungen zu intensiv, so kann der Revierbesitzer aufgeben und sich an einen anderen Ort zurückziehen, wo er eventuell erneut ein Revier zu gründen versucht.
Das Schaumnest – als Zentrum des Reviers – kann entweder an der Wasseroberfläche – bevorzugt unter einem Schwimmpflanzenblatt – oder auch in einer Höhle, entfernt von der Oberfläche, angelegt werden. Das Schaumnest fertigt Betta smaragdina, wie alle nestbauenden Kletterfische (Anabantoidei), aus Schaumblasen, indem der Fisch Luft über der Wasseroberfläche schöpft und Luftblasen mit Sekret aus dem Maul ummantelt. Aus diesen einzelnen Blasen fügen die Männchen ihr gesamtes Nest zusammen, das etwa 4 bis 5 cm Durchmesser groß wird. Die Nester bleiben besonders in weichem und saurem Wasser ohne organische Belastungen lange stabil. Nestbauende Männchen sind für laichmotivierte Weibchen besonders attraktiv (s. u. bei Balz). Erst wenn die Nester fast oder völlig fertiggestellt sind, dürfen sich Weibchen den Männchen unter ihren Nestern nähern.
Das Brutrevier in Nestnähe wird vor dem Laichen nur vom Betta smaragdina-Männchen – nach der Paarbildung von beiden Partnern – im näheren Nestbereich in erster Linie aber auch dann vornehmlich vom Männchen verteidigt. Es vertreibt fremde Fische aus seinem Sichtbereich. Die Aquarienmitinsassen werden in der Regel vor dem eigentlichen Laichen durch das Aggressionsverhalten eingeschüchtert, sodass sie selten aus ihren Verstecken in die Nähe des Reviers schwimmen und das dominante Paar gewöhnlich störungsfrei bleibt.
Wurde bereits gelaicht und das Betta smaragcf/’na-Männchen betreut Eier oder Larven im Schaumnest (s. u.), dann erfolgt die Revierverteidigung in der Regel im weiteren Umfeld (also außerhalb der 30 bis 70 cm durchmessenden, vom Männchen verteidigten Region) durch das Weibchen, welches sich selbst aber ebenfalls nicht dem Nest nähern darf. Nur größere oder zu weit ins Revier eingedrungene Fische werden dann noch von beiden Partnern gemeinsam angegriffen. Der Angriff erfolgt auch vom Weibchen als angedeuteter Rammstoß in die Flanke, der – falls das angegriffenen Tier nicht flieht – auch ausgeführt wird und nicht selten eine Schädigung innerer Organe verursacht und den Tod des Fremdfischs zur Folge haben kann. Manchmal laichen zwei Weibchen mit demselben Männchen unter demselben Nest. Dies führt zu agonistischen Handlungen unter den Weibchen, wobei das unterlegene Exemplar sich zunächst zurückzieht, aber versucht, sich in günstigen Momenten – vom anderen Weibchen unbeachtet – dem Männchen erneut zu nähern.

Balz

Laichreife Betta smaragdina-Weibchen sind erheblich schwimmaktiver als nicht balzmotivierte Artgenossen. In Fortpflanzungsstimmung sucht das Weibchen die Nähe von revier- und, wenn möglich, bereits nestbesitzenden Männchen. Dazu schwimmt es bei Auswahlmöglichkeiten verschiedene Männchen in Prachtfärbung an, wird aber in der Regel von den Männchen – trotz gezeigten Beschwichtigungsverhaltens – wiedervertrieben. Artgenossen in Längsstreifenzeichnung oder Männchen anderer Arten werden nicht beachtet. Hat das Weibchen seine Wahl getroffen, so sucht es vornehmlich die Nähe dieses Männchens. Es schwimmt das im Freiwasser stehende oder meist direkt unter seinen ersten Schaumblasen befindliche Männchen an. Das Männchen selbst schwimmt dem Weibchen meist mit weit gespreizten Flossen entgegen, bleibt vor ihm stehen, krümmt den Körper – bei weiterhin weit gespreizten Flossen – S-förmig und schlägt dabei mit den unpaaren Flossen sowie dem Hinterleib zu den Seiten (Flossen- und Körperwedeln). Die Brustflossen werden dabei in extrem schneller Folge bewegt, ohne eine Fortbewegung zu bewirken (das Brustflossentrillern). Dann schwimmt das Männchen ruckartig zum Nest zurück und versucht so das Weibchen anzulocken (Führungsschwimmen). Wenn das Weibchen laichbereit ist, folgt es mit angelegten Flossen, schlägt mit den Flossen und dem Hinterleib (Flossen- und Körperwedeln, aber im Gegensatz zum Männchen mit angelegten Flossen) oder legt sich beschwichtigend auf die Seite, wobei der Körper etwa um 20° nach vorn und unten sinkt. Das nach unten geneigte und flossenklemmende Weibchen hemmt auf diese Weise mögliche Angriffe des unter dem Schaumnest anfangs noch sehr aggressiven Männchens. Aus diesem Grund erfolgt in dieser ersten Phase die Annäherung durch das Betta smaragdina-Weibchen noch zögernd und es flüchtet bald wieder. Da es jetzt noch nicht zu Paarungen kommt, wird das Weibchen vom Männchen zunächst wieder vertrieben, sofern das Weibchen nicht flüchtet.
Nach der Fertigstellung des Nests kommt es in der Regel erneut zum Führungsschwimmen durch das Männchen. Dabei werden wie beim aggressiven Imponieren die Flossen sowie die Branchiostegalmembran – unter Abspreizen der Kiemendeckel – gespannt und es wird Wasserwedeln ausgeführt. Dann legt das Männchen aber die Flossen zusammen und die Kiemendeckel an und schwimmt gezielt zum Nest zurück. Folgt das Weibchen anfangs noch nicht, so wird es – trotz weiterer Beschwichtigungsgesten – gejagt. Das Beschwichtigen durch das Weibchen erfolgt nun durch Absenken des Kopfs, Zusammenlegen der Flossen und durch Zeigen der quergestreiften Balz- und Laichfärbung. Nun folgt das Weibchen mit leicht nach unten geneigtem Kopf dem Männchen, welches die Partnerin weiterhin umwirbt. Sobald sich das Weibchen dem Männchen nähern kann, stupst es diesem in die Flanke oder auf die Kiemendeckel, wodurch das Männchen zusätzlich beschwichtigt wird. Nachdem auf diese Weise erste Körperkontakte möglich wurden, kann das Weibchen nun auch in der Nähe des Nests bleiben, bald folgt ein erstes Umschwimmen und es kommt zu ersten Scheinpaarungen (s. u.). Die Balzphasen dauern zwischen vier und fünf Stunden.

Laichen und erste Versorgung der Eier

Nachdem das Betta smaragdina-Weibchen immer wieder in das Revier des Männchens eingedrungen ist und nach einiger Zeit durch sein Beschwichtigungsverhalten das Angriffsverhalten völlig gehemmt hat, kommt es zu ersten Scheinpaarungen. Die Scheinpaarungen ähneln den echten Paarungen (s. u.), es kommt aber nicht zu vollständigen Umschlingungen, es werden keine Eier vom Weibchen abgegeben und die Partner verharren nicht oder, wenn doch, meist nur sehr kurz in der Laichstarre (s. u.).
Durch die Scheinpaarungen gewöhnen sich die Fische an die körperliche Nähe des Partners und es kommt durch hormonale und nervöse Wirkungen zur sexuellen Synchronisation der jeweiligen Partner. Hierdurch ist bei den späteren echten Paarungen eine gleichzeitige Abgabe der Geschlechtsprodukte gewährleistet. Der gesamte Ablauf von der ersten – über die echten Paarungen – bis zur letzten Scheinpaarung wird als Laichphase bezeichnet, eine einzelne Paarung innerhalb der Laichphase ist ein Laichakt.
Nach einigen Scheinpaarungen kommt es zur ersten echten Paarung. Zur Kopulation schwimmt das Weibchen dem Männchen in die Flanke. Dann umschlingt das Betta smaragdina-Männchen die Partnerin in der Bauchregion und dreht sie auf den Rücken. Unter leichtem Körperzittem werden Eier und Spermien abgegeben. Die Eier – schwerer als Wasser – sinken nach unten auf den Bauch und die Afterflosse des Weibchens oder auf den Boden. Drei bis vier Sekunden bleiben die Smaragdkampffische reglos – in der Laichstarre – im Wasser schweben. Das Männchen öffnet dann die Umschlingung, das Weibchen bleibt zunächst weiterhin in der Laichstarre.
Das Männchen beginnt dann mit dem Einsammeln der Eier vom Bauch sowie der Afterflosse des Weibchens ins Maul und es sammelt auch die herabrieselnden Eier ein. Die Eier werden mit Maulsekret versehen und nach dem Luftschöpfen zusammen mit Blasen ins Schaumnest gespuckt. Das nach weiteren 10 bis 20 Sekunden ebenfalls aus der Laichstarre erwachende Weibchen hilft dann dem Männchen beim Einsammeln der Eier und bringt diese zum Nest. Dort spuckt es die Eier entweder unter dem Nest aus, sodass das Männchen sie schnappen kann oder die Eier geraten – sofern sie zuvor vom Weibchen mit Schaumblasen versehen wurden (nicht alle weiblichen Individuen ummanteln die Eier mit Schaumblasen) – durch Auftrieb von selbst ins Nest.
Auch die Weibchen sind in der Lage, Schaumblasen und Nester anzufertigen und die Brutpflege weiterzubetreiben, falls das Männchen beim Nestbau oder der Brutpflege ausfallt. Manche besonders aggressiv motivierte Betta smaragdina-Männchen verjagen das Weibchen nach jedem Laichakt aus dem näheren Nestbereich. Nach dem endgültigen Auslaichen des Weibchens und einigen abschließenden Scheinpaarungen wird das Weibchen in jedem Fall vom Männchen aus dem direkten Nestbereich vertrieben. Jetzt verblassen auch die Prachtfärbungen der Fische, es bleibt nur die matte Grundfärbung zurück.
Manchmal laicht bei Betta smaragdina dasselbe oder ein anderes Weibchen mit dem Männchen unter dem alten Schaumnest, bevor die Larven freigeschwommen sind. So können sich gleichzeitig Eier beziehungsweise Larven unterschiedlichen Alters in einem Schaumnest befinden. Gewöhnlich werden in einer Laichphase zwischen 50 und 150 Eier gelaicht, in Einzelfallen wesentlich mehr. Der Eidurchmesser (mit Perivitellum) beträgt 0,9 bis 1,3 mm.

Betta smaragdina, Chayaboom, Foto: Jens Kühne
Betta spilotogena
Betta splendens, mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei „Betta splendens“ lediglich um ausgewilderte Exemplare der Hybridenzuchten für Kampffische, Pla Kat, in Thailand!

Wilde Kämpfer – selten gepflegt
Betta splendens ist auch in seiner Wildform ein attraktiver Aquarienfisch
aus: Aquarium live

Über Betta splendens wurde bereits viel geschrieben, jedoch handelt es sich fast immer um Berichte über die Schleierform. Deshalb möchte ich hier über die Wildform berichten, speziell über Fische, die aus dem Süden Thailands, von Hua Hin stammen. Diese Fische wurde von Dr. G. Ettrich mitgebracht und erwiesen sich als ein robuster und farbenprächtiger Stamm.
Nach heutigem Wissensstand aufgrund der Berichte von Jens Kühne (2020) relativiert sich allerdings die Begriff Wildform und wir sollten in diesem Zusammenhang besser von verwilderten Formen der Haustiere sprechen und schreiben.

Der Name Betta der Kampffische wurde von Bleeker (1878) für die Art Betta picta von der javanesischen Bezeichnung „Wader bettah“ abgeleitet. Der Artname splendens bedeutet glänzend und ist sicherlich angemessen. In Thailand ist die Art als „Pla Kat“ oder auch als „Pla Kat Khmer“ bekannt, was in etwa kämpferischer Beiß- oder Reißfisch bedeutet.

Pflege im Aquarium

Wie schon der Name besagt, ist das Männchen von Betta splendens seinen Artgenossen gegenüber sehr aggressiv. Wird ein kleines Aquarium mit zwei Kampffischmännchen besetzt, so ist ein Kampf um Leben und Tod unvermeidlich, denn das unterlegenen Exemplar kann sich seinem Widersacher nicht durch Flucht entziehen. Zuerst versuchen sich die beiden Gegner durch Imponiergesten zu beeindrucken. Dabei werden Rücken-, Schwanz- und Afterflosse extrem gespannt. Kiemendeckel und -häute werden abgespreizt, so daß der Kopf fast doppelt so groß erscheint. Dann umkreisen sich die beiden Fische, wobei sie einander mit kräftigen Schwanz- und Hinterleibsschlägen Wasserschwälle entgegenschleudern. Mit schnellen Vorstößen versuchen sie sich anschließend zu rammen und in Kopf, Kiemen und Flossen zu beißen. zwischendurch imponieren sie immer wieder durch Flossenspreizen. Schließlich fassen sich die Kontrahenten an den Mäulern und versuchen einander zu Boden zu drücken, um sich gegenseitig am Atmen zu hindern. Der oft Stunden dauernde Kampf wird erst beendet, wenn eines der Männchen an Erschöpfung oder an seinen Verletzungen stirbt.
Somit zeigt sich deutlich, daß es vermieden werden sollte, zwei Kampffisch-Männchen im selben Aquarium zu halten, mag es auch noch so groß sein. Ostermöller (1976) hält dies zwar für möglich, wenn die Fische gemeinsam aufgewachsen sind. Das Risiko von ernsthaften Verletzungen der Fische ist aber doch erheblich. Besonders wenn die Fische beginnen ihre Laichreviere abzugrenzen. Anderen Arten gegenüber benimmt sich Betta splendens zurückhaltend bis scheu. Lediglich Vertreter der sehr ähnlichen Arten Betta imbellis und Betta smaragdina werden wie Artgenossen bekämpft. Deshalb ist es nicht angebracht, ihn zusammen mit robusten oder sehr lebhaften Fischen zu pflegen. Am besten hält man Kampffische paarweise in einem Aquarium mit mindestens 20 l Inhalt. Dabei ist auf genügend Versteckmöglichkeiten für das Weibchen zu achten, denn auch ihm gegenüber verhält sich das Männchen oft aggressiv.
Aus diesem Grund setzte ich das Weibchen meist schon ein paar Tage vor dem Männchen ins gut bepflanzte Aquarium ein, worin auch Schwimmpflanzen nicht fehlen sollten. Wie bei allen Labyrinthfischen ist eine Durchlüftung nicht nötig – ja sogar eher störend, da die Fische ruhiges Wasser lieben. Ein häufiger Wasserwechsel ist einem mechanischen Filter vorzuziehen. Die Temperatur sollte bei 24 °C liegen. Die übrigen Wasserwerte sind von untergeordneter Bedeutung. Es wird allerdings günstiger sein, wenn das Wasser nicht allzu hart und zu alkalisch ist. Auch in Bezug auf Futter ist Betta splendens äußerst anspruchslos. Lebendfutter ist selbstverständlich zu bevorzugen.

Körpergröße und Alter

Betta splendens-Männchen können im Alter von etwa einem Jahr eine Gesamtlänge von sieben Zentimetern erreichen. Die Weibchen bleiben einen Zentimeter kleiner. Sie werden bis zu drei Jahre, in Ausnahmefällen bei kühler Haltung (22 °C bis 24 °C) über vier Jahre alt. (Schleierzuchtformen bleiben meist zierlicher, erreichen aber aufgrund der längeren Beflossung die gleiche Gesamtlänge wie Wildformen.)

Körperfärbung

Die Normalfärbung der Wildform von Betta splendens besteht aus drei schwarzen Längsstreifen auf hellem, grauem Grund. Etwa im Bauchbereich beginnt ein dritter, unterer Streifen. Er verläuft bis etwa zur Körpermitte parallel zu den oberen Streifen. Ab der Körpermitte kann der untere Streifen entweder, individuell verschieden, schon in der Körpermitte, dazwischen oder erst in der Schwanzwurzel mit dem mittleren Streifen zusammenlaufen. Oder bis zur Schwanzwurzel getrennt bleiben. Der Verlauf des unteren Streifens ist bei den einzelnen Exemplaren unterschiedlich und kann zur Erkennung von Individuen genutzt werden, so daß Markierungen der Fische nicht notwendig sind. Bei einzelnen Individuen kann die Augeniris in der Normalfärbung goldgelb mit schwarzem Längsbalken gefärbt sein.
Die Männchen färben sich in der Prachtfärbung dunkel, der obere Kopfbereich bleibt glanzschuppenfrei. Der Körper wird bei vielen Fundortformen flächig blau-metallisch gefärbt. Bei wenigen Fundortformen sind die Glanzfarben jedoch auch in Tüpfelreihen angeordnet und die Flossenfarbe ist fast ausschließlich rot. Kampfzuchtformen wirken besonders gedrungen und sind meist metallisch (und ausschließlich) blau gefärbt. Die Iris ist schwarz, nach innen rot gerandet.
Bei der quergestreiften Laichfärbung zeigen Betta splendens-Weibchen mancher Populationen (z. B. von „Ban Pak Bara“) eine schwarze Tüpfelfärbung auf der Oberseite des Kopfs.

Reviergründung und Revierverteidigung

Der Reviergründung geht – bei Anwesenheit mehrerer Betta splendens-Männchen – zunächst agonistisches Verhalten voraus. Bei Betta splendens versuchen sich die potentiellen Partner oder Gegner zunächst durch Imponiergesten zu beeinflussen. Zum Imponieren werden die unpaaren Flossen extrem gespannt; manchmal reißen sie sogar ein. Die Bauchflossen werden versetzt getragen und die Brustflossen sehr schnell bewegt. Die Kiemendeckel und -häute (Branchiostegalmembran) werden abgespreizt. Durch diese Verhaltensweise werden der Kopf- und Körperumriß erheblich vergrößert; die Prachtfärbung kommt optimal zur Geltung. Mit seitlichen Schwanz- und Hinterleibsbewegungen wedeln sich die Kontrahenten Wasserschwälle zu (Flossenwedeln). Weibchen flüchten spätestens in dieser Situation. Das Männchen grenzt durch das Imponierverhalten und eventuelle echte Angriffe mit Rammstoß und Beißen das Revier ab. Schließlich beginnt es an einer günstigen Stelle das Schaumnest zu errichten. Das Schaumnest ist das spätere Zentrum des Reviers.
Mit fortschreitender Laichbereitschaft werden Fremdfische und vor allem Artgenossen (zunächst beider Geschlechter) vom revierbesitzenden Betta splendens-Männchen immer häufiger aus dem näheren Bereich des Reviers (der Durchmesser beträgt umfeldabhängig zwischen 30 und 70 cm) vertrieben. Werden jedoch die Störungen zu intensiv, kann der Revierbesitzer aufgeben und sich an einen anderen Ort zurückziehen, wo er eventuell erneut ein Revier zu gründen versucht.
Das Schaumnest wird an der Wasseroberfläche – bevorzugt unter einem Schwimmpflanzenblatt – angelegt. Das Schaumnest fertigt Betta splendens (wie alle nestbauenden Kletterfische, Anabantoidei) aus Schaumblasen, indem der Fisch Luft über der Wasseroberfläche schöpft und mit Sekret aus dem Maul ummantelt. Aus diesen einzelnen Blasen fügen die Männchen ihr gesamtes Nest zusammen. Die Nester bleiben besonders in weichem und saurem Wasser ohne organische Belastungen lange stabil. Erst wenn die Nester fast oder völlig fertiggestellt sind, dürfen sich Weibchen den Männchen unter ihren Nestern nähern.
Das Brutrevier in Nestnähe wird vor dem Ablaichen nur vom Betta splendens-Männchen – nach der Paarbildung von beiden Partnern – im näheren Nestbereich in erster Linie aber auch dann vornehmlich vom Männchen verteidigt. Es vertreibt fremde Fische aus seinem Sichtbereich. Die Aquarienmitinsassen werden in der Regel vor dem eigentlichen Ablaichen durch das Aggressionsverhalten eingeschüchtert, so daß sie selten aus ihren Verstecken in die Nähe des Reviers schwimmen und das dominante Paar gewöhnlich störungsfrei bleibt.
Wurde bereits gelaicht und das Betta splendens-Männchen betreut Eier oder Larven im Schaumnest (s. u.), dann erfolgt die Revierverteidigung in der Regel im weiteren Umfeld (also außerhalb der 30 bis 70 cm durchmessenden, vom Männchen verteidigten Region) durch das Weibchen, welches sich selbst aber ebenfalls nicht dem Nest nähern darf. Nur größere oder zu weit ins Revier eingedrungene Fische werden dann noch von beiden Partnern gemeinsam angegriffen. Der Angriff erfolgt auch vom Weibchen als angedeuteter Rammstoß in die Flanke, der – falls das angegriffenen Tier nicht flieht – auch ausgeführt wird und nicht selten eine Schädigung innerer Organe verursacht und den Tod des Fremdfischs zur Folge haben kann. Manchmal laichen zwei Weibchen mit dem selben Männchen am selben Nest ab. Dies führt zu agonistischen Handlungen unter den Weibchen, wobei das unterlegene Exemplar sich zunächst zurückzieht, aber versucht, sich in günstigen Momenten – vom anderen Weibchen unbeachtet – dem Männchen erneut zu nähern.

Balz

Laichreife Betta splendens-Weibchen sind erheblich schwimmaktiver als nicht balzmotivierte Artgenossen. In Fortpflanzungsstimmung sucht das Weibchen die Nähe von revier- und, wenn möglich, bereits nestbesitzenden Männchen. Dazu schwimmt es bei Auswahlmöglichkeiten verschiedene Männchen in Prachtfärbung an, wird aber in der Regel von den Männchen – trotz gezeigten Beschwichtigungsverhaltens – wieder vertrieben. Artgenossen in Längsstreifenzeichnung oder Männchen anderer Arten werden nicht beachtet. Hat das Weibchen seine Wahl getroffen, so sucht es vornehmlich die Nähe dieses Männchens. Es schwimmt das, im Freiwasser stehende oder meistens direkt unter seinen ersten Schaumblasen befindliche, Männchen an. Das Männchen selbst schwimmt dem Weibchen meist mit weit abgespreizten Flossen entgegen, bleibt vor ihm stehen und krümmt den Körper – bei weiterhin weit gespreizten Flossen – s-förmig, und schlägt dabei mit den unpaaren Flossen und dem Hinterleib zu den Seiten (Flossen- und Körperwedeln). Die Brustflossen werden dabei in extrem schneller Folge bewegt, ohne eine Fortbewegung zu bewirken (Brustflossentrillern). Dann schwimmt das Männchen ruckartig zum Nest zurück und versucht so das Weibchen anzulocken (Führungsschwimmen). Wenn das Weibchen laichbereit ist, folgt es mit angelegten Flossen, schlägt mit den Flossen und dem Hinterleib (Flossen- und Körperwedeln, aber im Gegensatz zum Männchen mit angelegten Flossen) oder legt sich beschwichtigend auf die Seite, wobei der Kopf etwa um 20¯ nach unten sinkt. Das nach unten geneigte und flossenklemmende Weibchen hemmt auf diese Weise mögliche Angriffe des unter dem Schaumnest anfangs noch sehr aggressiven Männchens. Aus diesem Grunde erfolgt in dieser ersten Phase die Annäherung durch das Betta splendens-Weibchen noch zögernd und es flüchtet bald wieder. Da es jetzt noch nicht zu Paarungen kommt, wird das Weibchen vom Männchen zunächst wieder vertrieben, sofern das Weibchen nicht flüchtet.
Nach der Fertigstellung des Nests kommt es in der Regel erneut zum Führungsschwimmen durch das Männchen. Dabei werden wie beim aggressiven Imponieren die Flossen und die Branchiostegalmembran – unter Abspreizen der Kiemendeckel – gespannt und es erfolgt auch Wasserwedeln. Schließlich legt das Männchen aber die Flossen zusammen und die Kiemendeckel an und schwimmt gezielt zum Nest zurück. Folgt das Weibchen anfänglich noch nicht, so wird es – trotz weiterer Beschwichtigungsgesten – gejagt. Das Beschwichtigen durch das Weibchen erfolgt nun durch Absenken des Kopfs, Zusammenlegen der Flossen und durch Zeigen der quergestreiften Balz- und Laichfärbung. Schließlich folgt das Weibchen mit leicht nach unten geneigtem Kopf dem Männchen, welches die Partnerin weiterhin umwirbt. Sobald sich das Weibchen dem Männchen nähern kann stupst es diesem in die Flanke oder auf die Kiemendeckel, wodurch das Männchen zusätzlich beschwichtigt wird. Nachdem auf diese Weise erste Körperkontakte möglich wurden, kann das Weibchen nun auch in der Nähe des Nests bleiben und bald folgt ein erstes Umschwimmen und es kommt zu ersten Scheinpaarungen (s. u.).

Laichen und erste Versorgung der Eier

Nachdem das Betta splendens-Weibchen immer wieder in das Revier des Männchens eingedrungen ist und schließlich durch sein Beschwichtigungsverhalten das Angriffsverhalten völlig gehemmt hat, kommt es zu ersten Scheinpaarungen. Die Scheinpaarungen ähneln den echten Paarungen (s. u.), es kommt aber nicht zu vollständigen Umschlingungen, es werden keine Eier vom Weibchen abgegeben und die Partner verharren nicht oder, wenn doch, meist nur sehr kurz in der Laichstarre (s. u.).
Durch die Scheinpaarungen gewöhnen sich die Fische an die körperliche Nähe des Partners und es kommt durch hormonale und nervöse Wirkungen zur sexuellen Synchronisation der jeweiligen Partner. Hierdurch ist bei den späteren echten Paarungen eine gleichzeitige Abgabe der Geschlechtsprodukte gewährleistet. [Der gesamte Ablauf von der ersten – über die echten Paarungen – bis zur letzten Scheinpaarung wird als Laichphase bezeichnet (Vierke 1975), eine einzelne Paarung innerhalb der Laichphase ist ein Laichakt.]
Nach einigen Scheinpaarungen kommt es zur ersten echten Paarung. Zur Kopulation schwimmt das Weibchen dem Männchen in die Flanke. Dann umschlingt das Betta splendens-Männchen die Partnerin in der Bauchregion und dreht sie auf den Rücken. Unter leichtem Körperzittern werden Eier und Spermien abgegeben. Die Eier – schwerer als Wasser – sinken nach unten auf den Bauch und die Afterflosse des Weibchens oder auf den Boden. Drei bis vier Sekunden bleiben die Smaragdkampffische reglos – in der Laichstarre – im Wasser schweben. Das Männchen öffnet dann die Umschlingung, das Weibchen bleibt zunächst weiterhin in der Laichstarre. Sofort beginnt das Männchen mit dem Einsammeln der Eier von dem Bauch und der Afterflosse des Weibchens ins Maul, und es sammelt auch die herabrieselnden Eier ein. Die Eier werden mit Maulsekret versehen und nach dem Luftschöpfen zusammen mit Blasen ins Schaumnest gegeben. Das nach weiteren 10 bis 20 sec ebenfalls aus der Laichstarre erwachende Weibchen hilft dann dem Männchen beim Einsammeln der Eier und bringt diese zum Nest. Dort spuckt es die Eier entweder unter dem Nest aus, so daß das Männchen sie schnappt oder die Eier geraten – sofern sie zuvor vom Weibchen mit Schaumblasen versehen wurden (nicht alle weiblichen Individuen ummanteln die Eier mit Schaumblasen) – durch Auftrieb von selbst ins Nest. Auch die Weibchen sind in der Lage Schaumblasen und Nester anzufertigen und die Brutpflege weiterzubetreiben falls das Männchen beim Nestbau oder der Brutpflege ausfällt. Manche besonders aggressiv motivierte Betta splendens-Männchen verjagen das Weibchen nach jedem Laichakt aus dem näheren Nestbereich. Nach dem endgültigen Auslaichen des Weibchens und einigen abschließenden Scheinpaarungen wird das Weibchen in jedem Fall vom Männchen aus dem direkten Nestbereich vertrieben. Jetzt verblaßt auch die Prachtfärbung der Fische, es bleibt nur die matte Grundfärbung zurück. Gewöhnlich werden zwischen 50 und 250 Eier gelaicht.

Brutpflege

Wie bereits erwähnt, spuckt das Kampffischmännchen die eingesammelten Eier nicht direkt ins Schaumnest, sondern es schöpft zuvor an der Oberfläche Luft und ummantelt die Eier mit Schaumblasen. Dadurch rieseln sie nicht sofort wieder herab (nicht mit Blasen versehen und durch die Oberflächenspannung ausschließlich am Oberflächenfilm haftenden Eier werden durch geringe Bewegungen des brutpflegenden Fischs gelöst und fallen herab). Das Weibchen ummantelt die Eier ebenfalls mit Luftblasen und praktiziert sie in gleicher Weise wie das Männchen ins Nest. In Einzelfällen ist auch zu beobachten, daß das Weibchen dem Männchen die Eier zuspuckt. Manchmal zerplatzen die – die Eier ummantelnden – Blasen aber, oder bei Paarungen direkt unter dem Nest werden Eier aus diesem herausgestoßen, so daß die Partner zwischen den einzelnen Laichakten lange mit dem Einsammeln von Eiern vom Boden beschäftigt sind.
Der Vater kümmert sich nach Abschluß der Laichphase allein um das Nest. Das Weibchen kann ausnahmsweise die Brutpflege übernehmen, falls dem Männchen etwas zustößt. Der brutpflegende Elternteil bessert das Nest sorgsam aus und fügt Schaumblasen hinzu. Dadurch kann das Nest größer als vor dem Ablaichen werden und etwa zwei Zentimeter Höhe und bis zu acht Zentimeter Durchmesser erreichen (meist bleiben die Nester aber deutlich kleiner, 1 cm Höhe und 4 bis 5 cm Durchmesser). Abgestorbene Eier werden sorgfältig entfernt, herabgefallener Laich wird aufgeschnappt und wieder ins Nest gegeben. Darüberhinaus übernimmt das Männchen auch die Revierverteidigung direkt am Nest. Häufig bleibt das Weibchen jedoch in der Nähe des Nests und übernimmt die Revierverteidigung im Außenbereich. Der Laich wird vom brutpflegenden Fisch ständig umgeschichtet, wahrscheinlich deshalb, damit für alle Eier die Sauerstoffversorgung gesichert ist und die – für die Entwicklung des Laichs möglicherweise notwendigen – Lageänderungen erfolgen (Untersuchungen zur Funktion des Eierumschichtens wurden bisher nicht durchgeführt). Ist die Bedrohung des Laichs, beispielsweise durch Freßfeinde so groß, daß das Männchen durch die Revierverteidigung allein nichts ausrichten kann, so wird der verbliebene Laich ins Maul genommen und an eine andere Stelle verfrachtet, wo ein neues Nest errichtet wird. Bei umfangreicheren Gelegen geht dabei naturgemäß ein Teil des Laichs verloren, obwohl auch ein Transport in mehreren Schüben erfolgen kann.
Bei Betta splendens dauert die Eientwicklung nach dem Ablaichen bis zum Schlupf der Larven bei 24 °C circa 30 Stunden. Die Larven hängen dann, mit dem Dottersack nach oben, im Nest und bewegen sich bereits anfangs heftig. Die geschlüpften Larven werden noch aufmerksamer als die Eier betreut. Immer wenn einige der Larven aus dem Nest herauswirbeln, werden sie aufgeschnappt und ins Nest zurückgespuckt, wodurch dann oft andere herausgestoßen werden. So ist der Vater ständig mit der Brutpflege beschäftigt und findet kaum Gelegenheit zur Nahrungsaufnahme. Die geschlüpften Larven resorbieren in etwa drei Tagen ihren Dottervorrat und schwimmen dann innerhalb einiger Stunden frei und verlassen das Nest. Zunächst sammelt der Vater die ausschwärmende Brut mit dem Maul wieder ein und versucht sie ins Nest zurückzuspucken. Nach bis zu zwei weiteren Tagen erlischt die Brutpflegemotivation. Betta splendens kümmert sich in der folgenden Zeit nicht mehr um die selbständig gewordenen Jungen (s. u.). Sollen viele Jungfische aufgezogen werden, müssen nun die Eltern entfernt oder die Jungfische umgesetzt werden.
Beim Einsammeln von Jungfischen beobachteten Forselius (1957) und Vierke (1972, 1984) ein Zusammenlocken der Jungen durch schnelle vibrierende Brustflossenbewegungen (Flossentrillern). Die ausgeschwärmten Jungfische sollen demnach auf die Quelle der schnellen Wellenbewegung des Wassers zuschwimmen und so leicht vom Männchen eingesammelt werden können. Abgesehen von ähnlichen Zufallsbeobachtungen (zweimal) konnte ich dieses Verhalten nie eindeutig feststellen. Deshalb erachte ich diese Interpretation des Flossentrillerns als zweifelhaft.

Verhalten nach dem Ablaichen und der Brutpflege

Beide Eltern können in Einzelfällen nach dem Erlöschen der Brutpflegemotivation ihre eigenen Jungen verzehren (in über 100 Versuchen verzehrten 20 mal die Betta splendens-Männchen und etwa 75 mal die Weibchen ihre Brut; die Gründe dafür – oder die Möglichkeit, daß es sich um ein Artefakt aus der Aquarienhaltung handelt – sind nicht bekannt). Manchmal schnappen also hungrige Eltern nach den eigenen Nachkommen und insbesondere die Weibchen verzehren den Laich oder die Jungfische. Die Männchen spucken ihre Jungen aber in den ersten Tagen wieder aus, wenn sie aufgrund des Bewegungsreizes nach ihnen geschnappt haben (daraus läßt sich auf eine olfaktorische (geruchliche/geschmackliche) Erkennung der Brut schließen). In seltenen Fällen verzehren hungrige Männchen sogar ihre gerade freischwimmende Brut. Sind die Jungfische älter als eine Woche sind die Erwachsenen nicht mehr in der Lage, gesunde Jungfische zu schnappen. Auch in kleinen Aquarien (ab 40 cm Seitenlänge) wachsen trotz der Verfolgung immer einige Jungfische (ca. 10 bis 20) bei den Eltern auf.
Bei guter Ernährung kann das Weibchen bereits nach acht bis zehn Tagen (also kurz nach dem Selbständigwerden der vorherigen Brut) erneut einen Laichansatz zeigen und wieder mit dem gleichen oder einem anderen Männchen ablaichen. (Bei solch kurzen Abständen zwischen den Laichphasen werden vom Weibchen aber nur etwa zehn bis 100 Eier abgelaicht.) Manchmal laicht bei Betta splendens sogar das selbe oder ein anderes Weibchen mit dem Männchen unter dem alten Schaumnest ab, bevor die Larven freigeschwommen sind. So können sich gleichzeitig Eier beziehungsweise Larven unterschiedlichen Alters in einem Schaumnest befinden.
Die Jungfische werden zunächst mit Infusorien gefüttert, nach drei bis vier Tagen können sie problemlos frisch geschlüpfte Artemia- und andere Krebs-Nauplien bewältigen. Die Jungfische wachsen bei genügender Ernährung und einer höheren Wassertemperatur um 27 ¯C recht schnell und können bereits nach einem halben Jahr geschlechtsreif sein, bei der bei mir im Regelfall durchgeführten Aufzucht bei 24 °C wurden sie erst nach neun bis zehn Monaten geschlechtsreif. Bis zur Geschlechtsreife müssen die Männchen noch nicht separiert werden, denn bei den jungen Fischen werden die Beschädigungskämpfe – die auch ohne Revier ausgeführt werden – schnell abgebrochen.

Verbreitung

Nach den aktuellen Untersuchungen und Erkenntnissen von Jens Kühne sind die „wilden“ Populationen ausschließlich auf ausgesetzte oder entkommene Haustiere zurückzuführen (2020)!
Betta splendens lebt in Thailand in stehenden oder sehr langsam fließenden, meist stark verkrauteten Gewässern und kommt auch in kleinen und kleinsten Tümpeln sowie auf Reisfeldern vor. Er ist vorzüglich an hohe Temperaturen und sauerstoffarmes Wasser angepasst. Hier überleben sie im feuchten Bodenschlamm sogar Trockenzeiten (Schaller & Kottelat 1991). Die Arten Betta smaragdina und Betta rubra sind sehr ähnlich, so daß es bei früheren Verbreitungsangaben zu Irrtümern kam.

Auch die Wildform von Betta splendens ist eine attraktive Form, die in der Aquaristik größere Beachtung verdient.

Literatur
Bleeker, P. 1850. Bijdrage tot de kennis der ichthyologische fauna van Midden- en Oost-Java, met beschrijving van eenige niweuwe species. Verh. Bat. Gen. 23(12), 1-23.
Forselius, S. 1957. Studies of anabantid fishes. Zool. Bidrag fran Uppsala. I, II, III, 93-597.
Geck, J. 1985. Betta-Wildfang-Populationen aus Thailand und Malaysia. Der Makropode 7(11), 233.
Kühne, J. 2020. Betta splendens – Wissensstand 2020. Der Makropode 42(2), 65-70.
Nann, O.-M. 1981. Das Labyrinther-Portrait Nr. 1. Betta splendens Regan 1909. Der Makropode 3, o.S.
Nann, O.-M. & Schmidt, J. 1992. Das neue Labyrinthfischportrait Nr. 1 Betta splendens Regan, 1910. Der Makropode 14(11/12), 101-105.
Regan, C. T. 1910. The Asiatic Fishes of the Family Anabantidae. Proceedings of the Zoological Society of London 53(4), 767-787.
Schaller, D. & Kottelat, M. 1991. Überlebensstrategien und Verbreitung von Betta splendens, B. imbellis und B. smaragdina. DATZ 44(7), 448-451.
Vierke, J. 1972. Kampffische – ihr Laich- und Brutpflegeverhalten. aquarien magazin 6(8), 346-351.
Vierke, J. 1975. Beiträge zur Ethologie und Phylogenie der Familie Belontiidae (Anabantoidei, Pisces). Zeitschrift für Tierpsychologie 38, 163-199.
Vierke, J. 1984. Wenig Bekanntes und Neues über Kampffische Betta splendens. aquarien magazin 18(1O), 464-467.

Betta stigmosa
Betta stiktos, Foto; Jens Kühne
Betta strohi
Betta taeniata
Betta taeniata, Tafel n. Regan, 1910
Betta tussyae

Betta tussyae Schaller, 1985 – der vergessene Rote
aus: Der Makropode – 29.(3), 2007, 77-82.

Der rote Kampffisch Betta tussyae wird in der IGL ein wenig vernachlässigt. Den schönen Artikel im „Labyrinth“ (S. van der Voort 2006) möchte ich zum Anlass nehmen, auch meine Erfahrungen zu referieren. Zudem sind die teilweise schon historischen Fotos allein für mein Archiv zu schade und ich möchte sie den Aquarianern nicht vorenthalten.
Bei meinen Beobachtungen konnte ich im Laufe der Jahre etwa 20 Laichphasen von Betta tussyae vollständig beobachten. Die Fische stammten von den Fundorten: Terra Typica, Mersing „km 14/16“ und Mersing-Kluang „km 219“. Es standen etwa 40 adulte Versuchspaare (und ca. 500 Jung sche zu weiteren Beobachtungen) zur Verfügung.
Im Habitat ist Betta tussyae gelegentlich gemeinsam mit Paros­phromenus nagyi anzutreffen (Schaller 1985a, b). Das führte zur nahezu gleichzeitigen Beschreibung der beiden Arten. Synonyme gibt es zu diesem Namen nicht, doch benutzte Vierke (1986) eine falsche Schreibweise und hielt Betta tussyae für eine Farbvariante von Betta coccina. Seine Berichte über Betta coccina (Vierke 1987, 1988) sind demnach tatsächlich die ersten und bisher zugleich einzigen Zuchtberichte über Betta tussyae.

Charakterisierung: Die Art gehört zu den schlanken, roten Schaumnestbauern und ist
somit in die direkte Verwandtschaft von Betta brownorum, B. burdigala, B. coccina, B. livida, B. persephone, B. rutilans und B. uberis einzuordnen. Betta rutilans von Borneo ist verwandtschaftlich das direkte Gegenstück, aber B. livida, ebenfalls von der Malaiischen Halbinsel, ist fast ebenso nahe verwandt. Der große Betta bellica ist nur in die weitere Verwandtschaft einzuordnen; ebenso wie nur geringe Beziehungen zur Betta splendens-Gruppe bestehen. Eine Beziehung zu den Maulbrütern Betta foerschi, B. mandor, B. Rubia und B. strohi besteht, im Gegensatz zu früheren Hypothesen, ebenfalls nicht.
Auch bei Betta tussyae werden die Männchen (in der Gesamtlänge identisch z. B. zu B. coccina) mit 6 cm etwas größer (ca. 0,5 cm) als die Weibchen und besitzen die großflächigeren Flossen, wobei besonders die Bauchflossen länger ausgezogen sind und in weißen Spitzen enden. Betta tussyae können im Aquarium über drei Jahre alt werden und behalten auch im Alter ihre bunte Färbung.
Bei Betta tussyae handelt es sich um einen typischen Vertreter der schlanken, schaumnestbauenden Kampf sche. Die Normalfärbung besteht aus drei braunen bis roten Längsstreifen auf grauem bis beigem Grund (vgl. z. B. Betta brownorum). Der mittlere Streifen ist breiter (bis 4 mm). Die Iris ist braun bis schwarz. Die Gesichtsmaske besteht aus drei Längsstreifen.
Die Prachtfärbung des Körpers und der Flossen ist ein kräftiges Rot oder Weinrot. Die unpaaren Flossen sind rot und in den Membranen weiß oder hellblau getüpfelt. Betta tussyae-Männchen zeigen auf den Kiemendeckeln senkrechte, rote Flecken, bei Weibchen werden sie gold- bis kupferfarben [ein Merkmal, das für B. livida als „arttypisch“ angegeben wurde (vgl. Ng & kottelat 1992), was somit nicht zutreffend ist].
Je nach Fundortvariation kann im Prachtkleid ein Grün- oder Blauschimmer an den Körperseiten sichtbar werden. In aggressiver Stimmung sind die (auch für B. coccina typischen) zwei hellen Längsstreifen sichtbar, welche bei Betta tussyae aber gewöhnlich etwas breiter als bei Betta coccina sind. Die Längsbänderung kann bei verschiedenen Fundorten variieren (vgl. z. B. Schaller 1991a). In dieser – meist agonistischen – Stimmung sind die Flossen noch kräftig rot gefärbt. Wie bei Betta brownorum und Betta coccina leuchten bei Betta tussyae die Augen intensiv blaugrün. Bei länger andauernder Aggression und in Fortpflanzungsstimmung sind die Augen von Betta tus­syae völlig schwarz oder dunkelrotbraun und nur die Innen- und Außenränder der Iris glänzen dabei grün.
Die Querstreifung der Weibchen gleicht in der Laichfärbung völlig jener der Weibchen von Betta coccina. Im Gegensatz zu Betta coccina zeigen Betta tussyae gelegentlich eine schwarze Tüpfelfärbung auf der Oberseite des Kopfes, ähnlich wie bei manchen Formen von Betta splendens (z. B. von „Ban Pak Bara“).
In der Stressfärbung sind diese Fische ausnahmsweise ebenfalls längsgestreift, aber das Rot des Körpers wird zu einem helleren Braun oder Grau und die unpaaren Flossen werden nahezu transparent.
Reviergründung und Revierverteidigung
Zur Vorbereitung des Laichens baut das Männchen ein Schaumnest. Dieses kann entweder an der Wasseroberfläche – bevorzugt unter einem Pflanzenblatt oder einem anderen schwimmenden Gegenstand – oder auch in einer Höhle – entfernt von der Oberfläche – angelegt werden. Das Schaumnest fertigt das Betta tussyae-Männchen aus Schaumblasen, indem es Luft von der Oberäche mit Sekret aus dem Maul ummantelt. Aus diesen einzelnen Blasen fügt es das gesamte Nest zusammen, welches nur in weichem und saurem Wasser – mit nur geringen organischen Belastungen – lange stabil bleibt. Erst wenn das Nest weitgehend fertiggestellt ist, darf sich das laichbereite Weibchen dem Männchen unter dem Nest nähern.
Eine Ausnahme stellen Fische mit hohem Motivationsstau dar, die dann auch ohne Schaumnest laichen, wie in der Fotoserie dokumentiert.
Betta tussyae können im Imponierverhalten ihre Branchiostegalmembran nicht hinter den Kiemen- deckeln hervorstülpen. Das Betta tussyae-Weibchen zeigt kein Flossen- und Körperwedeln. Balzmotivierte Betta tussyae verteidigen ihre Reviere ähnlich aggressiv wie die gedrungenen Kampffische (B. splendens-Gruppe) und es kann zu Flossen- und Schuppenverletzungen kommen, in ungünstigen Fällen können die innerhalb weniger Sekunden auf die Kommentkämpfe folgenden Beschädigungskämpfe für die Reviereindringlinge von tödlichem Ausgang sein. Das Revier ist relativ klein und hat etwa 25 bis 40 cm Durchmesser, vergleichbar zu B. coccina und B. livida.

Balz: Das Betta tussyae-Männchen schwimmt dem Weibchen meist mit gespreizten Flossen entgegen, bleibt vor ihm im Wasser stehen und krümmt den Körper – bei weiterhin weitgespreizten Flossen – L-förmig. Dabei schlägt es seitlich mit den Flossen und dem Hinterleib. Nach dem Lateralimponieren schwimmt es ruckartig zum Nest zurück (Führungsschwimmen) und versucht so das Weibchen anzulocken. Wenn das Weibchen laichbereit ist, folgt es mit angelegten Flossen, wedelt mit den Flossen und dem Körper oder legt sich beschwichtigend auf die Seite. Dabei wird der Köper meist ein wenig (10° bis 25°) – der Kopf nach unten – schräg geneigt. Die Balzphase dauert bei Betta tus­syae circa vier Stunden.

Laichen und erste Versorgung der Eier: Auffällig sind zudem die bei Betta tussyae besonders zahlreichen Scheinpaarungen. Das Laichen gleicht dem von Betta splendens weitgehend und muss hier nicht erneut wiederholt dargestellt werden (s. a. Fotos). Vergleiche auch mit Betta livida (Schmidt 2006). Die jeweils nur ein bis sechs Eier liegen nach der echten Paarung meist auf dem Bauch des Weibchens. Von dort werden sie direkt von Männchen ins Maul genommen und ins Nest transportiert; nur selten fallen bei der Betreuung des Laichs von Betta tussyae Eier zu Boden. Es werden jedoch nur bis 80 Eier je Laichphase gelaicht.
Im Mittel kommt es bei Betta tus­syae zu 1,3 Scheinpaarungen/10 min (Max. 5) und zu 1,6 echten Paarungen/10 min (Max. 6,3). Die Laichphasen dauerten vier bis maximal fünf Stunden.

Brutpflege: Wie bei Betta coccina benötigt die Entwicklung der Betta tussyae-Eier bis zum Schlupf der Larven (bei 24 °C) 45 bis 48 Stunden und die Larven benötigen weitere drei bis vier Tage bis zum Freischwimmen. In der gesamten Zeit pflegt das Männchen die Brut aufmerksam, während auch bei Betta tussyae das Weibchen die Verteidigung außerhalb des Reviers des Männchens übernimmt; das bei seinem Ausfall aber auch die Aufgaben direkt am Nest übernehmen kann. Bei Gefahr für den Laich oder die Larven wird die Brut vom brutpflegenden Elternteil wie bei Betta brownorum ins Maul genommen und bis zu mehreren Stunden im Maul behalten (vgl. neugebauer 1989, 1990).

Verhalten nach dem Laichen und der Brutpflege: Betta tussyae verfolgt wie Betta coccina und andere schlanke, rote Kampffische die juvenilen nicht. Nach einem halben Jahr haben die ersten Jungfische die Geschlechtsreife erreicht. Voll ausgewachsen sind sie erst im Alter von einem Jahr. Jungfische sind nach den bisherigen Beobachtungen nicht an der Brutpflege und der Revierverteidigung beteiligt, wie es bei Betta brownorum und B. persephone üblich ist. Heranwachsende Jungfische werden vom Männchen im Revier geduldet, kurz vor der Geschlechtsreife aber vertrieben.

Pflege: Die Fische sind am besten im Artaquarium untergebracht. Dichte Bepflanzung und Rotbuchen- oder Eichenlaub am Bodengrund sind eine Selbstverständlichkeit. Eine Filterung ist bei angemessenem, geringem Fischbesatz nicht nötig. Zur Haltung kann die Wassertemperatur 22 bis 24 °C betragen. Zur Zucht und Aufzucht kann sie um 1 bis 3 °C erhöht werden. Häufige und umfangreiche Wasserwechsel sind förderlich, die Wasserwerte sollen 12 °dGH und vor allem 4 °KH nicht überschreiten. Bei Berücksichtigung dieser wichtigsten Parameter wird Betta tussyae im Aquarium viel Freude bereiten und er kann dann neben seiner „roten Konkurrenz“ durchaus bestehen.
Das Männchen betreut die Brut aufmerksam, während auch bei Betta tussyae das Weibchen die Verteidigung außerhalb des Reviers des Männchens übernimmt; das bei seinem Ausfall aber auch die Aufgaben direkt am Nest übernehmen kann. Bei Gefahr für den Laich oder die Larven wird die Brut vom brutpflegenden Elternteil wie bei Betta brownorum ins Maul genommen und bis zu mehreren Stunden im Maul behalten (vgl. Neugebauer 1989, 1990).
Bei Berücksichtigung dieser wichtigsten Parameter wird Betta tussyae im Aquarium viel Freude bereiten und er kann dann neben seiner „roten Konkurrenz“ durch- aus bestehen.

Literatur
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Donoso-Büchner, R. 1992. Anmerkungen zu schaumnestbauenden Betta Teil II. Der Makropode 14(1/2), 11–14.
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Witte, k. e. & Schmidt, J. 1992. Betta brownorum, a new species of anabantoids (Teleostei, Belontiidae) from northwestern Borneo, with a key to the genus. Ichthyol. Explor. Freshwaters 2(4), 305–330.

Betta uberis

Betta uberis Tan & Ng, 2006 – Rote Kampffische und kein Ende
aus: Der Makropode 29(5), 2007, 155-158. Farbfotos in: 29(6), U1-4 (= 181-182, 215-216),

Dieser rote Kampffisch, Betta uberis, wurde erst kürzlich, Anfang 2006, von Tan & Ng durch die Abtrennung von Betta burdigala beschrieben. Interessanterweise sind die meisten Veröffentlichungen unter Betta burdigala eigentlich dem erst später beschriebenen B. uberis zuzuordnen. Sofern die geografische Herkunft der Fische bekannt ist, ist die Zuordnung einfach:

  1. Kleine Rückenflosse = andere rote Schaumnestbauer,
  2. große Rückenflosse und Herkunft Bangka = Betta burdigala sowie
  3. große Rückenflosse und Herkunft von Borneo (meist Kubu) = Betta uberis.
    Synonyme gibt es zu diesem Namen nicht, doch ist eine Verwechslung mit Betta burdigala und anderen roten Kampffischen nicht gänzlich auszuschließen. Betta uberis stammt aus Kalimantan Tengah, dem Arut-Becken. Der Fisch schwimmt schon seit Jahren in unseren Aquarien und ist als Betta sp. von „Pankalanbun“, Betta sp. af. burdigala von „Kubu“ oder Betta sp. von „Sukadana“ bekannt.
    Bis jetzt ist Betta uberis nur aus den Torfsümpfen der Pankalanbun-Gegend, dem Arut-Becken, Kalimantan Tengah, und aus der Gegend von Sukadana, Kalimantan Barat, also nur aus dem Indonesischen Teil Borneos, bekannt. Die Gesamtlänge wurde bisher nur mit etwa 4 cm angegeben, doch wird der Fisch – zumindest im Aquarium – deutlich größer.
    Betta uberis hat seinen Namen aus dem Lateinischen. Der Artname wird mit „reichlich“ oder „im Überfluss“ übersetzt – das ist eine Anspielung auf die große Zahl der Flossenstrahlen in der Rückenflosse. Durch dieses Merkmal unterscheidet er sich von den anderen Fischen in der Betta coccina-Gruppe. Eine lang auslaufende Spitze der Afterflosse und ein, in lebendem Zustand nicht immer vorkommender, grüner Seitenfleck sind weitere Merkmale, die aber auch bei anderen schlanken, roten Kampffischen vorkommen können. Der Flankenfleck fehlt aber immer bei seinem nächsten Verwandten Betta burdigala. Die grünen Flossenmembranen an den unpaaren Flossen sind ebenffalls nicht arttypisch, sondern ein Merkmal mehrerer Arten der Gruppe.

Pflege: Die Fische sind am besten im Artaquarium untergebracht. Dichte Bepflanzung und Rotbuchen- oder Eichenlaub am Bodengrund sind eine Selbstverständlichkeit. Eine Filterung ist bei angemessenem, dünnem Fischbesatz nicht nötig. Zur Haltung kann die Wassertemperatur 22 bis 25 °C betragen. Zur Zucht und Aufzucht kann sie um 1 bis 3 °C erhöht werden. Häufige und umfangreiche Wasserwechsel sind förderlich, die Wasserwerte sollen 12 °dGH und vor allem 4 °KH nicht überschreiten. Bei Berücksichtigung dieser wichtigsten Parameter wird Betta uberis im Aquarium viel Freude bereiten.

Das Verhalten: Meinen Beobachtungen an Betta uberis liegen diesmal nur zwei vollständig beobachtete Laichphasen zugrunde. Die Fische stammten von Wildfängen ab, die vor Jahren von Norbert Neugebauer aus Kubu mitgebracht wurden, als sie noch „namenlos“ waren. Die hier geschilderten Beobachtungen entstanden lediglich an zwei adulten Betta uberis-Paaren (und deren Jungfischen zu weiteren Beobachtungen).

Charakterisierung: Betta uberis gehört zu den schlanken, roten Schaumnestbauern, also der Betta coccina-Gruppe, und ist somit in die direkte Verwandtschaft von Betta brownorum, B. burdigala, B. coccina, B. livida, B. persephone, B. rutilans und B. tussyae einzuordnen. Auch bei Betta uberis werden die Männchen (in der Gesamtlänge identisch z. B. zu B. tussyae) mit 6 cm etwas größer (ca. 0,5 cm) als die Weibchen und besitzen die großflächigeren Flossen, wobei besonders die Bauchflossen länger ausgezogen sind und in weißen Spitzen enden. Betta
uberis können im Aquarium über vier Jahre alt werden und behalten auch im Alter ihre bunte Färbung. Ein solches Alter erreichen allerdings nur wenige Exemplare, drei Jahre sind bereits ein gutes Alter.
Bei Betta uberis handelt es sich um einen typischen Vertreter der schlanken schaumnestbauenden Kampffische, allerdings mit auffällig vielen Flossenstrahlen in der Rückenflosse. Die Normalfärbung besteht aus drei roten Längsstreifen auf grauem bis beigem Grund (vgl. z. B. Betta tussyae). Der mittlere Streifen ist breiter (bis 4 mm). Die Augeniris ist braun bis schwarz, gelegentlich blaugrün leuchtend. Die Gesichtsmaske besteht aus drei Streifen, die das Maul umranden sowie darunter einem Parallelstreifen.
Die Prachtfärbung des Körpers und der Flossen ist ein kräftiges Rot oder Weinrot. Die unpaaren Flossen sind rot und in den Membranen weiß oder hellblau getüpfelt. Betta uberis-Männchen zeigen auf den Kiemendeckeln je zwei senkrechte, rote Flecken, bei Weibchen können diese ebenfalls rot, aber auch gold- bis kupferfarben sein.
Im Prachtkleid kann, individuell unterschiedlich, ein Grün- oder Blauschimmer an den Körperseiten sichtbar sein. In aggressiver Stimmung sind zwei helle Längsstreifen sichtbar, welche bei Betta uberis aber gewöhnlich etwas breiter als bei Betta tussyae sind. Die Längsbänderung kann bei verschiedenen Fundorten variieren, wie dies auch von anderen roten Kampffischen bekannt ist. In dieser – meist agonistischen – Stimmung sind die Flossen noch kräftig rot gefärbt.
Wie bei den anderen schlanken, roten Kampffische sind auch bei Betta uberis die Augen intensiv blaugrün. Bei länger andauernder Aggression und in Fortpflanzungsstimmung sind die Augen völlig schwarz oder dunkelrotbraun und nur die Innen- und Außenränder der Iris glänzen dabei grün oder türkis.
Die Querstreifung der Weibchen gleicht in der Laichfärbung jener der Weibchen von Betta tussyae. In der Stressfärbung sind die Fische ausnahmsweise ebenfalls längsgestreift, aber das Rot des Körpers wird zu einem helleren Braun oder Grau und die unpaaren Flossen werden nahezu transparent. Grüne Farbanteile verschwinden, nur das Rotbraun bliebt, heller werdend, erhalten.

Reviergründung und Revierverteidigung: Zur Vorbereitung des Laichens baut das Männchen ein Schaumnest. Das Nest wird nur an der Wasseroberfläche errichtet, wenn keine Alternative vorhanden ist. Bevorzugt werden ein paar Blasen und die Eier unter einem Pflanzenblatt oder einem anderen schwimmenden Gegenstand – oder auch in einer Höhle – entfernt von der Ober äche – angebracht. Das meist nur kleine Schaumnest fertigt das Betta uberis-Männchen aus Schaumblasen, indem es Luft von der Oberfläche mit Sekret aus dem Maul ummantelt. Aus diesen einzelnen Blasen fügt es das Nest zusammen, welches nur in weichem und saurem Wasser – mit nur geringen organischen Belastungen – längere Zeit stabil bleibt. Noch bevor das Nest fertig ist, darf sich das laichbereite Weibchen bereits dem Männchen unter dem Nest nähern. Gelaicht wird gelegentlich sogar ohne Nest, die wenigen Blasen werden vom Männchen dann zwischen den Laichakten gefertigt und bei den Eiern angebracht.
Betta uberis können – wie alle Kampf sche der Betta coccina-Gruppe – im Imponierverhalten ihre Branchiostegalmembran nicht hinter den Kiemendeckeln hervorstülpen (das können nur die Fische der Betta splendens-Gruppe). Das Betta uberis-Weibchen betreibt kein Flossen- und Körperwedeln. Balzmotivierte Betta uberis verteidigen ihre Reviere ähnlich aggressiv wie die gedrungenen Kampffische der Betta splendens-Gruppe und es kann zu Flossen- und Schuppenverletzungen kommen. Das Revier ist klein und hat etwa 20 bis 30 cm Durchmesser, vergleichbar zu Betta tussyae.

Balz: Das Betta uberis-Männchen schwimmt dem Weibchen meist mit gespreizten Flossen entgegen, bleibt vor ihm im Wasser stehen und krümmt den Körper – bei weiterhin gespreizten Flossen – L-förmig. Dann legt es die Flossen an und schlägt seitlich mit den Flossen und dem Hinterleib. Nach dem Lateralimponieren schwimmt es ruckartig zum Nest zurück (Führungsschwimmen) und versucht so das Weibchen anzulocken. Wenn das Weibchen laichbereit ist, folgt es mit angelegten Flossen, wedelt mit den Flossen und dem Körper oder legt sich beschwichtigend auf die Seite. Dabei wird der Köper meist ein wenig (15 bis 20°) – der Kopf nach unten – schräggeneigt. Die Balzphase dauert bei Betta uberis drei Stunden bis zwei Tage.

Laichen und erste Versorgung der Eier: Das Laichen gleicht dem schon bei Betta livida und Betta tussyae vorgestellten weitgehend (Schmidt 2006) und soll hier nicht erneut dargestellt werden. Die jeweils nur ein bis zwölf Eier liegen nach der echten Paarung meist auf dem Bauch des Weibchens. Von dort werden sie direkt von Männchen ins Maul genommen und ins Nest transportiert. Gelegentlich, eher selten fallen bei der Betreuung des Laichs Eier zu Boden. Es werden insgesamt 30 bis 90 Eier je Laichphase vom Betta uberis-Weibchen gelaicht.
Im Mittel kommt es bei Betta uberis zu 1,2 Scheinpaarungen/10 min (Max. 5) und zu 1,2 echten Paarungen/10 min (Max. 4), bei geringem Beibachtungsumfang ermittelt (s. o.). Die Laichphasen dauerten in der Regel vier Stunden, nach Unterbrechungen auch insgesamt zwei Tage.

Brutpflege: Wie bei Betta tussyae benötigt die Entwicklung der Betta uberis-Eier bis zum Schlupf der Larven (bei 23 bis 24 °C) 44 bis 50 Stunden. Die Larven benötigen weitere drei bis vier Tage bis zum Freischwimmen. In der gesamten Zeit pflegt das Männchen die Brut aufmerksam. Auch bei Betta uberis kann das Weibchen die Verteidigung außerhalb des Reviers des Männchens übernehmen. Bei seinem Ausfall übernimmt das Weibchen auch die Aufgaben direkt am Nest. Bei Gefahr für den Laich oder die Larven wird die Brut vom brutpflegenden Elternteil für längere Zeit, auch mehrere Stunden, ins Maul genommen.

Verhalten nach dem Laichen und der Brutpflege: Betta uberis verfolgt wie Betta tussyae und andere rote Kampffische die eigenen Jungfische und die von Artgenossen nur sehr wenig. Verlust bei der Aufzucht haben oft andere Ursachen. Bereits nach einem halben Jahr haben die ersten Jungfische bei guter Ernährung und etwa 24 °C Wassertemperatur die Geschlechtsreife erreicht. Voll ausgewachsen sind sie jedoch erst im Alter von etwa einem Jahr. Die Betta uberis-Jungfische sind nach den bisherigen Beobachtungen nicht an der Brutpflege und der Revierverteidigung beteiligt, wie es bei Betta brownorum und Betta persephone üblich ist. Heranwachsende Jungfische werden vom Männchen noch einige Zeit im Revier geduldet, aber kurz vor der Geschlechtsreife vertrieben.

Fazit: Betta uberis ist bereits recht gut in unseren Aquarien etabliert. Dennoch müssen wir auf seine Erhaltung achten, denn gegenüber der Konkurenz der anderen roten Arten wird der Neuling immer im Nachteil sein!

Literatur
Donoso-Büchner, R. & Schmidt, J. 1991. Das Labyrinth schporträt Nr. 60. Betta tussyae Schaller, 1985. Der Makropode 13(7/8), 146–153.
Donoso-Büchner, R. & Schmidt, J. 1999a. Ihr Hobby Kampffische Wildformen. Ruhmannsfelden, 1–80.
Donoso-Büchner, R. & Schmidt, J. 1999b. Rotweinrote Kämpfer. Burgunderrote Kampffische Betta burdigala. Aquarium live 3(4), 22–30.
Neugebauer, N. 1989. Ansätze zur Maulbrutpflege bei Betta tussyae? Bemerkenswerte Beobachtungen bei der Zucht eines schaumnestbauenden Kampf sches. Der Makropode 11(7/8), 105–110.
Neugebauer, N. 1990. Bemerkenswerte Beobachtungen bei der Zucht von Betta tussyae. Ansätze zur Maulbrutpflege bei einem Schaumnestbauer. DATZ 43(10), 581, 595–597; Aquarien Terrarien 37(10): 340–345.
Schaller, D. 1985. Betta tussyae spec. nov., ein neuer Kampffisch aus Malaysia. DATZ 38(8), 348– 350.
Schmidt, J. 2006. Der Dunkelrote Betta livida. Aquarium live 10(3), 1, 3, 12–19; Akvárium zive (2), 37–43.
Tan, H. H., & Ng, P. K. L. 2006. Six new species of fighting fish (Teleostei: Osphronemidae: Betta) from Borneo. Ichthyol. Explor. Freshwat. 17(2), 97–114.
Voort, S. v. d. 2006. Betta livida Ng & Kottelat, 1992. A Detailed Description Covering Several Known and Lesser Known Facts. Osphronemid 8(1), 3–16.
Voort, S. v. d. 2006. Betta tussyae from chukkai, Terengganu. A relatively uncommon species of Betta. Labyrinth, York, No. 145: 7–11. (+ Farbfotos im Mittelteil)
Voort, S. v. d. 2007. Portrait No. 89 Betta uberis Tan & Ng, 2006. Le Macropode (5), 1, 2–8.Witte, K. E. & Schmidt, J. 1992. Betta brownorum, a new species of anabantoids (Teleostei, Belontiidae) from northwestern Borneo, with a key to the genus. Ichthyol. Explor. Freshwaters 2(4), 305– 330.

Betta uberis, Paarung
Betta unimaculata von Taqau, Kamppng Imam
Betta unimaculata von Muara Wahau

Betta unimaculata von Muara Wahau – der Riesenkampffisch
aus: Der Makropose 43(1), 2021, 24-31 (hier auch zahlreiche Fotos).

Ursprung der Fundwortform Muara Wahau

Die maulbrütende Kampffischart Betta unimaculata (Popta, 1905), aus der Gruppe der großen, rundflüssigen Maulbrüter, weist gegenüber anderen Kampffischarten einige interessante, besondere Verhaltensweisen auf, die sie von diesen maßgeblich unterschieden. Sie wurde 1980 erstmals lebend von Horst Linke nach Europa eingeführt. Hier soll eine weitere Fundortvariante von 2011 vorgestellt werden.
Vorab lasse ich zum Thema Fundort Henning Zellmer am besten selbst zu Wort kommen, er schrieb: „Die Betta unimaculata von Muara Wahau habe ich 2011 direkt aus Indonesien über Jan Saßmann importiert. Sie hatten eigentlich den Listennamen Betta „Champion“ und der Zwischenhändler mit dem Firmennamen f2aquatic war nicht bereit, mir die Herkunft zu verraten. Kennzeichnend waren die leuchtend orangen Flecken an den Kopfseiten der Männchen (das hat in den Folgegenerationen nachgelassen, wahrscheinlich füttern wir nicht genug Carotin). Von anderen Händlern hörte ich die Vermutung, dass sie aus dem Sangatta-River (manchmal auch Sengata oder Sangata geschrieben) oder zumindest aus der Region dort stammen sollten. Schließlich bekam ich den Tipp, dass einige Japaner vor Ort waren und diese Fische selbst gefangen und importiert hatten:
http://www.rva.jp/zukan/labyrinth/betta_unimaculata_muara_wahau.html
Die Fotos stimmten mit meinen Importtieren sehr gut überein, aber letztendlich bleibt doch eine Unsicherheit darüber, ob die Tiere wirklich aus dem Bezirk Muara Wahau stammen. Sie wurden jedenfalls unter diesem Namen verteilt.
Aus dem Rio Sangatta (der bei der Stadt Sangata ins Meer mündet) habe ich später übrigens auch noch Betta unimaculata importiert, die den Handelsnamen „ultima“ hatten und sehr ähnlich aussahen. Zumindest scheinen beide nicht aus dem Mahakam und auch nicht aus dem Kayan River zu stammen, den beiden Typlokalitäten für Bett unimaculata. Die beiden Orte Muara Wahau und Sangatta liegen dazwischen. Wenn man die Fische nicht selber gefangen hat oder die Fänger gut kennt, bleiben leider immer Zweifel über die genaue Herkunft.“

Bei guter Pflege gelingt auch die Vermehrung

Betta unimaculata zum Laichen zu bewegen, ist eigentlich nicht schwer. Zu beachten ist, die Fische in geräumigen Aquarien zu halten, eine Wasserhärte von
über 10 °dGH und eine Temperatur von etwa 23 bis 24 °C, nachts nach Möglichkeit weniger. Wichtiger noch ist eine kräftige Fütterung, vor allem mit Insektenlarven und Regenwürmern. Diese sollten wir ganz reichen, da das gemeinsame Zerreißen großer Beutestücke zum Jagdverhalten mehrerer Exemplare gehört. Vergesellschaften sollten wir die Fische nur mit anderen ruhigen Fischen, etwa mit bodengebundenen Welsen, von denen kaum Störungen ausgehen.

Eine Rangordnung in der Gruppe

Wer eine Betta unimaculata-Gruppe pflegt und über einen längeren Zeitraum beobachtet, wird feststellen, dass die Fische sich individuell erkennen. Es entwickeln sich Rangordnungen und Beziehungen zwischen den Fischen, die teilweise sehr fest sein können.
Diese Gruppendynamik beeinflusst auch die Balzvorbereitungen, da sich die potenziellen Laichpartner bereits kennen. Der Laichtermin ist vom Beobachter schon am Vortag am auffälligen Verhalten des Paars, vor allem des nervös wirkenden Weibchens, das immer wieder das Männchen umschwimmt, zu erkennen.
Die Fische laichen in der Regel nachmittags oder abends. Aufmerksam erkunden die Fische noch einmal ihre Umgebung und mustern mehrfach jede sich als Laichplatz anbietende Stelle im Aquarium.
An ihren ausgewählten Laichplatz sind die Fische aber nicht fest gebunden und bei Störungen oder anderen, dem Pfleger nicht unbedingt erkennbaren, Veränderungen, kann ein anderer Platz aufgesucht werden. Notfalls laichen die Fische dann auch unter der Wasseroberfläche. Bei der Erkundung, die besonders deutlich wird, wenn das laichbereite Paar in ein eigenes, ihnen unbekanntes Zuchtaquarium umgesetzt wird, schwimmt in der Regel das
Männchen voraus, dicht vom Weibchen gefolgt. Immer häufiger ist bald das Paar gemeinsam zu beobachten.

Die Laichvorbereitungen

Balz und Laichen verlaufen wie folgt: Das Männchen liegt auf einem flachen Stein. Immer wieder umschwimmt das Weibchen das Männchen. Dadurch erscheint das Weibchen wesentlich unruhiger als sein Partner, welcher sich nur hin und wieder einmal dreht, fast um die eigene Achse. Aus dem Umkreisen heraus schwimmt das Weibchen einen Bogen und dann dem Männchen in die Flanke.
Etwa in der Höhe der Rückenflosse würde es das Männchen treffen. Dieses krümmt sich jedoch seitlich nach unten weg. Da das Weibchen ein kurzes Stück weiterschwimmt, kann das Männchen nun das Weibchen in der Bauchregion umklammern. Aufgrund des langgestreckten Körpers ist dies weniger die Form eines U, sondern ein geschlossener Kreis, also eher ein O, da die Schwanzflosse des Männchens über seiner Schnauze zu liegen kommt.

Die Laichen

Das Weibchen behält bei der Paarung die aufrechte Schwimmlage bei oder es wird etwas seitlich gedreht. Dadurch kommen die Geschlechtsöffnungen der Fische sehr nahe zusammen. Bei Scheinpaarungen lassen die Fische nun bald wieder voneinander ab, während bei echten Paarungen die eintretende Laichstarre länger dauert. Die austretenden Geschlechtsprodukte fallen aufgrund der Lage der Fische auf die Afterflosse des Männchens. Da die Geschlechtsöffnungen der Fische praktisch direkt nebeneinander liegen, ist eine sofortige Befruchtung des Laichs gesichert. Deshalb finden wir bei den Betta
keine der teilweise komplizierten Mechanismen zur nachträglichen Laichbefruchtung, wie es beispielsweise bei einigen hoch spezialisierten
maulbrütenden Cichliden notwendig ist.
Langsam lösen sich die Fische aus der Laichstarre, das Männchen öffnet die Umklammerung, wobei das Weibchen zuerst erwacht. Es schwimmt aus der Umschlingung, steigt etwas auf, oberhalb des Männchens, leicht gekrümmt beobachtet es die Umgebung, um mögliche Gegner und potenzielle Laichräuber sofort anzugreifen und zu vertreiben. Dabei ist Betta unimaculata deutlich aggressiver als andere maulbrütende Kampffische.
Das Männchen erwacht wesentlich später aus der Starre. Dadurch rutschen die Eier auf den Boden und bilden dort einen ordentlichen, kleinen Haufen. Es erweist sich als Vorteil, den Fischen Schieferplatten oder ähnliches als Laichunterlage anzubieten.
In der Natur laichen die Fische wohl vor allem über Laub ab. Bieten wir große Blätter, etwa vom Ahorn an, werden diese gern angenommen. Über feinkörnigem Kiesgrund hat das Männchen Probleme, die Eier von ähnlichen Kiessteinchen zu unterscheiden, und es nimmt diese mit ins Maul, wodurch die kauenden Umschichtungsbewegungen ein großer Teil des
Laichs zerstört würde. Erst recht verbietet sich grober, scharfkantiger Bodengrund, wie etwa Lavakies, da
sich das Männchen hier beim Eiereinsammeln in Spalten böse Wunden am Kopf und Verletzungen an den Augen zuziehen kann. Die angebotene Laichunterlage ist als solche zu bezeichnen, da sie kein echtes Laichsubstrat darstellt, denn die Eier fallen ja bei der Paarung zuerst auf die Afterflosse des Männchens, von dort rutschen sie nach dem Aufwachen des Männchens aus der Laichstarre auf die Unterlage. Liegen die Eier nun auf dem Boden, so richtet sich das Männchen weiter auf, schwimmt langsam unter aufmerksamer Beobachtung der Umgebung eine kleine Runde und nimmt dann die Eier mit ein- bis viermaligem Zuschnappen ins Maul. Sehr genau wird der Grund nach weiteren, möglicherweise weggerutschten Eiern abgesucht.

Nähr- und Fortpflanzungseier – die beiden Eitypen

Zu Beginn der Laichphase gibt das Weibchen kleine, nur leicht trübe Eier ab, die von beiden Partnern aufgefressen oder gar nicht beachtet werden. Erst nach einigen Laichschüben treten die größeren, weißen Eier aus, die vom Männchen ins Maul genommen und vom Paar sorgfältig bewacht werden, so lange sie ungeschützt am Boden liegen. Tatsächlich traten diese beiden Eitypen, nebst wenigen Zwischenexemplaren, aber
in allen Laichserien, die ich vollständig beobachten konnte, auf. Es zeigt sich, dass die kleinen Eier als Nähreier zuvor abgegeben werden, damit das Männchen die Fastenzeit der Maulbrutpflege besser übersteht.
Gleiches zeichnet sich auch von anderen Arten wie Betta albimarginate, B. channoides sowie B. pfusch und deren nahe Verwandten ab. Nähreier sind, außer bei Betta macrostoma, bei allen weiteren Formen der großen, rundflossigen Maulbrüter zu finden. Nachdem auch Uterusuntersuchungen durchgeführt wurden gilt es als gesichert, dass hier eine besondere Spezialisierung dieser Betta-Arten vorliegt.
Das Weibchen schwimmt nach dem Verzehren oder Einsammeln der Eier wieder zum Männchen und umkreist dieses. Es kommt vor der nächsten Paarung vorerst zu weiteren Scheinpaarungen. Hat das Weibchen nach etwa drei Stunden dauernder Laichperiode – dies ist ein kurzer Zeitraum, sofern die Fische nicht gestört werden – den gesamten Laich abgegeben, verblasst seine Prachtfärbung und die Längsstreifen erscheinen wieder. Seine Bindung an das Laichrevier erlischt und es wird wieder wesentlich schwimmaktiver. Es verlässt das Männchen, welches bald ein Versteck in der Nähe der Wasseroberfläche aufsucht.

Die Maulbrutpflege

Hin und wieder sucht das Weibchen das Männchen in seinem Versteck auf, vor allem, wenn dieses durch das vorsichtige Luftholen des Männchens an der Wasseroberfläche wieder auf
es aufmerksam wird. Immer wieder schichtet das Männchen die Eier mit Kaubewegungen in seinem Maul um.
Leider muss der Pfleger oft beobachten, dass einige Männchen nach zwei bis vier Tagen keinen Laich mehr
im Maul tragen. Einige werden sogar zu Dauereierfressern, die ihre Brut nie austragen. Wenn diese Kampffische als Jungtiere, etwa ab 6 cm Größe, nicht lernen, die Brut auszutragen, so bleiben sie für ihr weiteres Leben Eierfresser.
Die Dauer der Maulbrut beträgt neun bis 15 Tage. Als Ursache
für die unterschiedliche Dauer kommen Wassertemperatur und -chemie, Anzahl der Eier oder Larven sowie eventuell Gefahren für die freigelassene Brut infrage, sodass die Entwicklung unterschiedlich lange dauert oder die entwickelten Larven vom Vater noch zurückgehalten werden.
Die ausgespuckten Jungen werden nicht wieder ins Maul genommen, für sie besteht in der Regel durch den Vater keine Gefahr. Anders sieht es jedoch bei der Mutter und den weiteren Aquarienmitinsassen aus, weshalb wir diese vor dem Spucktermin, etwa sieben Tage nach dem Laichen, aus dem Aquarium entfernen sollten. Das Herausfangen der Mitbewohner des Aquariums ziehe ich dem Umsetzen des Männchens vor, da ich mehrfach beobachten musste, dass das Männchen durch den Umsetzschock die Eier oder Larven fraß. Einmal spuckte ein Fisch nach dem Umsetzen einige Eier aus. Ausgespuckte Eier werden vom Männchen meist nicht erneut eingesammelt.

Die Spezialisierung

Betta unimaculata und die nahe verwandten Formen sind höher spezialisiert als bisher angenommen wurde. Das zeigt auch das abweichende Verhalten der Partner zu den Eiern im Verhältnis zu anderen Betta-Arten. Denn hier ist es das Männchen allein, das die Eier einsammelt. Ein Eizuspucken durch die Mutter entfällt, das Weibchen kann ungehindert durch Eier im Maul die Revierverteidigung übernehmen. Das ist eine spezielle Anpassung an den Lebensraum und stellt keinesfalls ein ursprüngliches Verhalten dar, wie bei oberflächlicher Beobachtung angenommen werden könnte.
Die 20 bis über 100 nach etwa zehn Tagen vom Vater ausgespuckten Jungfische sind circa 0,7 cm groß und erreichen damit nicht ganz Jungguppygröße. Im Allgemeinen sind keine Probleme bei der Aufzucht der Jungen, die sofort mit feingesiebtem Tümpelfutter, ergänzt durch Artemia-
Nauplien und notfalls feinem Flockenfutter ernährt werden können, zu erwarten. Nach drei bis vier Monaten haben die jungen Betta Größen von 3 bis 4 cm erreicht, womit wir sie ohne Umstellungsprobleme an andere Aquarianer weitergeben können.

Die Ernährung

Die Fische müssen nahezu täglich gefüttert werden. Ein Hungertag, unregelmäßig etwa einmal in der Woche, ist jedoch angebracht. Gefressen wird von den Fischen praktisch alles Futter tierischen Ursprungs. Kleine Futtertiere, wie Cyclops, werden nicht beachtet. Daphnien, Mückenlarven und besonders Drosophila an der Wasseroberflache werden trotz ihrer geringen Größe sehr gern gefressen. Wer Tümpelfutter verwendet – dies sollte bei maulbrütenden Betta selbstverstandlich sein – kann auch Rückenschwimmer, Wasserasseln und Käferlarven, die von manchen Fischen nicht angenommen werden, an Betta unimaculata verfüttern. Der Speisezettel der Tiere wird im Sommer mit Kohlraupen und Schnecken, auch zerdrückten Gehauseschnecken sowie mit allen weiteren in Haus und Garten anfallenden Arthropoden und deren Larven erweitert, sofern sicher ist, dass nicht gespritzt wurde! Im Winter kann auch zur Ergänzung der belasteten Futterzuchten und des Gefrierfutters mit Flocken und vor allem mit Futtertabletten zugefüttert werden. Um deren Attraktivität zu steigern, empfiehlt sich eine starke Wasserströmung im Aquarium.

Pflege im Aquarium

Meine Fische, die ich von einem befreundeten Aquarianer aus unserer IGL-Regionalgruppe erhielt, brachte ich in einem 120 cm-Juwelaquarium mit geschwungener Frontscheibe, also etwa 180 l Wasserinhalt, unter. Die gebogene Frontscheibe macht das Aquariendesign attraktiver, ist aber nicht grade fotogrfierfreundlich – aber einem geschenkten Gaul …
Der eingebaute Eckfilter ist zu schwach, er wurde durch einen leistungsstarken Pumpenkopf auf einem Schaumstoffblock in der anderen Aquarienecke ergänzt. Die beiden Leuchtstoffröhren sind zu leistungsschwach und lassen lediglich eine Bepflanzung mit Anubias, Cryptocoryne, Microsurum sowie einigen Schwimmfarnen zu. Mit Hilfe der heutigen LED-Röhren wäre eine reichhaltigere Bepflanzung möglich. Das Aquarium war mit Regenwasser gefüllt, etwa alle drei bis vier Wochen wurden etwas drei Vietel des Wassers gewechselt (dieses Wasser ist ideal zum Blumengießen geeignet).
Hier noch einige allgemeine Hinweise zu den Haltungsbedingungen: Das Wasser sollte nicht zu weich sein, obwohl Linke (1982) in seinem Fundbericht von je 4 °dGH und dKH schreibt, ist für die Haltung eine Härte über 10 °dGH sinnvoll, aber nicht notwendig (wenn man z.B. über Regenwasser verfügt), weil die Fische sonst schnell vergreisen und krankheitsanfällig werden können. Auch die Zucht scheint im zu weichen Wasser unter 2 °dGH nicht möglich zu sein, da darin die Männchen die Brut in der Regel nicht austragen. Vielleicht zerfallen die Eier? Die Temperatur sollte sich zwischen 22 und 25 °C bewegen, eher sogar an der Untergrenze, da die Tiere aus Fließgewässern stammen und niedrigere Temperaturen gegenüber den meisten schaumnestbauenden Arten vorziehen.

Gute Springer

Weil Betta unimaculata in der Natur im Wesentlichen auf Anflugnahrung angewiesen ist, auch wird von der Besiedlung von Bächen oberhalb von Wasserfällen berichtet, haben wir es mit einem sehr guten Springer zu tun. Das Aquarium muss also gut abgedeckt sein, Spalten und Löcher sollten mit Schaumstoff oder Watte verstopft werden. Die Springfreudigkeit der Tiere sollte Anlass sein, sie in Paludarien zu halten, wo leicht Sprunghöhen von über 30 cm erreicht werden können. Nur bei der Vergesellschaftung mit Landtieren ist Vorsicht geboten, da ins Wasser gefallene, kleine Amphibien oder Reptilien schnell im Maul der Betta verschwinden könnten. An Fischen kommen als Gesellschaft andere ruhigere Arten, vor allem andere große Kampffische oder Welse infrage, da zur Aufzucht sowieso eigene Aquarien für die Jungen verwendet werden sollten. Der Sprungfreudigkeit von Betta unimaculata angemessen liegen die Fundorte in Bachläufen oft im gebirgigen Inneren von Borneo. Anfänglich machte ich mir wegen des Springens Sorgen, weil die Tiere beim Luftholen, bei Schreck oder Beutefang immer wieder, zum Teil sehr heftig gegen die Deckscheibe knallten. In über 20 Jahren Haltung der Tiere konnte ich jedoch niemals Schäden, verursacht durch dieses Springen gegen die Deckscheibe, feststellen. Dagegen sind leider einige Fische durch Vertrocknen, nach unbemerktem Herausspringen verendet!

Imponierend – das Drohverhalten

Eindrucksvoll ist das Mauldrohen dieser Betta. Mit weit aufgerissenem Maul umkreisen die Betta unimaculata einander, bei dunkler Grundfärbung, erscheinen die Glanzschuppen besonders intensiv leuchtend. Während des Drohkampfes wird nicht nur das Maul weit geöffnet, auch der Mundboden wird gesenkt und die Kiemendeckel angehoben. Natürlich können die Betta unimaculata ihre Kiemendeckel nicht so weit aufspreizen, wie es einige schaumnestbauende Betta können. Um so eindrucksvoller wirkt das große Maul der Fische. Nicht nur auf den Menschen, sondern gerade auf die Artgenossen macht dies wahrscheinlich einen großen Eindruck und in bestimmten Situationen können sogar größere Fische vor kleineren, impulsiv drohenden flüchten, wobei die aktuelle Motivation der Fische sicher ausschlaggebend ist.
Ein sehr ähnliches Drohverhalten zeigen Beispiels auch Betta patoti und B. macrostoma, die auch im Habitus, dem äußeren Erscheinungsbild von B. unimaculata sehr ähnlich sind. Zumindest B. macrostoma hat aber ein anderes, ebenfalls sehr spezialisiertes Fortpflanzungsverhalten. Besonders häufig ist das Mauldrohen bei fremden Tieren und nach der Fütterung zu beobachten, während ein Laichrevier in der Regel durch einen frontalen Angriff verteidigt wird. Trotz des großen Mauls, wohl aufgrund der ausgeprägten Ritualisierung des Aggressionsverhaltens sind Verletzungen sehr selten. Verletzungen am Körper kamen bei meinen Riesenkampffischen nur sehr selten vor, lediglich auf der Kopfoberseite können auffällige Wunden, verursacht durch intensives Maulzerren, auftreten. Auch zerzauste Flossen sind im Wesentlichen auf vergesellschaftete Fische und nicht auf Artgenossen zurückzuführen. Manchmal können die Flossen allerdings auch beim Imponieren mit intensivem Flossenspreizen einreißen, all diese Verletzungen heilen zudem recht schnell.

Ein robuster Fisch

Auch gegen Krankheiten sind die Betta unimaculata nicht anfällig, wodurch sie dem Pfleger bei angemessener Haltung viel Freude bereiten. Sollten doch einmal, einhergehend mit Schwächungen, etwa durch den Transport verursacht, die Pünktchenkrankheit auftritt, so ist bei Verwendung. von kupferhaltigen Medikamen- ten (das Wasser in der Regel blau oder grün färbend) äußerste Vorsicht geboten, da die Tiere hierauf empfindlicher als auf die eigentliche Krankheit reagieren können.
Bei Ichthyophthirius oder Oodinium ist deshalb eine Behandlung mit Salz, ein gehäufter Teelöffel auf 10 l Wasser, anzuraten. Dabei dauert die Genesung etwas länger, das Risiko für Tiere und Pflanzen ist aber wesentlich geringer. Salz kann aber nur helfen, wenn die Krankheit sehr früh erkannt wurde und nicht sowieso Salz im Aquarienwasser gelöst ist! Überhaupt scheinen jüngere Exemplare großer Kampffischarten weniger anfällig zu sein als ausgewachsene. Gesunde und kräftige Riesenkampffische sind allerdings im Allgemeinen sehr robust, sie laichen auch in Gesellschaftsaquarien ohne Schwierigkeiten und setzen sich dort gegen wesentlich größere Tiere durch. Schon etwa 6 cm große Jungtiere werden geschlechtsreif und zeigen ihr äußerst interessantes Sexualverhalten. Mit 12 cm Länge, in Ausnahmefällen 14 cm, können wir die Fische als ausgewachsen betrachten.

Balz- und Prachtfärbung

Der in seinem Prachtkleid auffällig metallisch glänzende Fisch kann je nach seiner Stimmung, aber auch abhängig von der Beleuchtung, vor allem gold- oder messingfarben, jedoch auch grünlich, hellblau, blau sowie sogar violett schimmern und ist damit keinesfalls unauffällig, wie den maulbrütenden Kampffischen irrtümlich häufig nachgesagt wird. Dies ist sicher auf die blassere, beigehellbraune Färbung der Tiere außerhalb von Balz und Aggression sowie bei Jungtieren bis etwa 4 cm zurückzuführen.
Auffällig ist die dunkle Gesichtsmaske, welche ein geöffnetes Maul darstellen könnte. Die Funktion der Gesichtsmaske ist nicht ganz klar, da das viel weiter geöffnete Maul der Fische im Kampf sowieso ein wesentliches Element des Drohverhaltens darstellt.
Ebenfalls auffällig ist der den Tieren den wissenschaftlichen Namen gebende Punkt in der Schwanzwurzel (unimaculatus), der jedoch keinesfalls einheitlich ist, sondern im Gegenteil ein individuelles, bei jedem Tier anders ausgeprägtes Merkmal darstellt.
Weiterhin beachtenswert, weil als Bestimmungsmerkmal mitverwendbar, ist die Färbung der Augen. Die für maulbrütende Kampffische relativ kleinen Augen weisen eine helle, messing- farbene Iris auf, die bei Wohlbefinden einen schwarzen Längsbalken zeigt. In der Balz und bei der Paarung ist die gesamte Iris pechschwarz, während bei Schreck und Unwohlsein kein Schwarz in der Iris sichtbar ist. Interessant erscheint mir vor allem eine einzelne Glanzschuppe zu sein, die zwei Schuppen schräg oberhalb des Auges, die im Prachtkleid der Männchen deutlich hervortritt, weil die obere Kopf- und Rückenregion bei einigen Tieren bis zur Rückenflossen, ansonsten von Glanzschuppen frei ist.
Anhand dieses Geschlechtsdichromatismus sind bereits Jungtiere ab etwa 4 cm Länge, also sobald sie beginnen, die Aggressionsfärbung zu zeigen, deutlich nach ihren Geschlechtern zu unterscheiden. Ansonsten zeigen beide Geschlechter weitgehend die gleichen Körperzeichnungen, sowohl in Normal- als auch in Prachtfärbung, wodurch die Weibchen nur bei starkem Laichansatz, wenn sie gleichzeitig einige Tage nicht gefüttert wurden, zu erkennen sind.
Gerade dies sollte der Aquarianer, der auch züchten möchte, bei der Gefräßigkeit der Riesenkampffische aber vermeiden.

Fazit

Betta unimaculata ist eine interessante Art, die noch immer mit Überraschungen aufzuwarten hat. Aquarianern mit dem Hang zum Besonderen kann diese Art zur Pflege sehr empfohlen werden. Doch ist die Art auch für das normale Gesellschaftsaquarium, besetzt mit etwas robusteren Arten, sehr gut geeignet. Bei nicht zu dichtem Besatz und reichlichem Pflanzenwuchs können durchaus auch einige Jungfische heranwachsen, sodass der Bestand auch im Wohnzimmeraquarium erhalten bleibt.
Die vielen Formen der maulbrütenden Kampffische sind sicher ihre Pflege im Aquarium wert. Über viele von ihnen haben wir nur lückenhaftes Wissen. Es gibt noch viele Fragen wie: Gibt es neben Bett Pieta weitere Arten mit fortgesetzter Maulbrutpflege? Welche Arten besitzen Nähreier? Welche Verhaltensweisen sind vererbt und welche sind von Umweltfaktoren abhängig? Das alles ist oft noch völlig ungeklärt und Ergänzungen zum Wissenstand sind auch für die Wissenschaft hilfreich.

Literatur (Auswahl)
Linke, H. 1982. Betta unimaculata, eine echte Neuentdeckung? TI 17, Heft 57, 26-27.
Nieuwenhuizen, A. v. d. 1988. Betta unimaculata: Erfahrungen mit einem maulbrütenden Kampffisch, Teil 1. DATZ 41(6), 140-143.
Nieuwenhuizen, A. v. d. 1988. Das Paarungsverhalten von Betta unimaculata, Teil 2. DATZ 41(7), 206-208.
Renninger, U. 1985. Warum ist das natürliche Brutverhalten so gestört? Der Makropode 7(7), 131-132.
Schmidt, J. 1995, Vergleichende Untersuchungen zum Fortpflanzungsverhalten der Betta-Arten (Belontiidae, Anabantoidei), 2. unveränderte Aufl. 2020. Diss. Münster (Ruhmannsfelden), 1-323 – hier umfangreiche weitere Literaturangaben.
Vierke, J. 1982. Pflege, Zucht und systematische Einordnung von Betta unimaculata. Das Aquarium 16(6), Heft 156, 290-293.
Zellmer, H. 2020. Maulbrütende Kampffische:Action im Aquarium. Der Makropose 42(4), Titel, U2, 125-130.

Betta waseri von Pegan Nenas, Paar, Weibchen vorn, Intentionsbewegung Eierspucken

Betta waseri Krummenacher, 1986
aus: Der Makropode 27(3/4), 2005, S. 41-45.

Es wurden bei Betta waseri vom Fundort Pekan Nenas (zuvor von mir irrtümlich teilweise als Betta macrophthalma bezeichnet), Malaiische Halbinsel, 30 Laich- phasen vollständig beobachtet. Dafür standen zehn adulte Versuchspaare verschiedener Fundorte (und zu weiteren Beobachtungen über 150 Jungfische) zur Verfügung. An weiteren Einzelexemplaren von den Inseln Penang und Sumatra sowie von weiteren Fundorten von der Malaiischen Halbinsel konnte ich zusätzliche vergleichende Beobachtungen durchführen.

Charakterisierung von Betta waseri: Betta waseri zählt neben Betta anabatoides und Betta chloropharynx mit 20 cm Gesamtlänge zu den größten bekannten Kampffischen. Einzelne Exemplare der Art wurden über sechs Jahre alt. Auch Betta waseri besitzt – wie viele Kampffische – in der Normalfärbung drei dunkle Längsstreifen, deren untere zwei in einem Schwanzwurzelfleck münden. Betta waseri zeigt in der Grundfärbung in beiden Geschlechtern eine lehmgelbe Farbe. Die Rückenregion ist ebenfalls hell. Außerhalb der Laichperiode sind die Geschlechter kaum unterscheidbar. Linke (1987) und Ng (1993) bilden jeweils ein Exemplar mit etwas abweichender Zeichnung ab, doch ist diese Abweichung wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass es sich um Jungfische handelt. Die auf diesen Abbildungen erkennbaren Merkmale entsprechen eher der Jugendfärbung als den Merkmalen eigener Fundortvarianten/Populationen.
Die Iris ist rot, rotbraun oder rotgolden, mit jeweils einem schmalen, goldenen Saum zur Pupille und nach außen. Die Gesichtsmaske, mit zwei senkrechten Streifen unter dem Maul, die auch in mehrere Punkte aufgelöst sein können, unterscheidet Betta waseri von allen anderen Anabantiden, welche Querstreifen in der Gesichtsmaske tragen (Stand 2005, später wurden weitere Taxa der B. waseri-Gruppe beschrieben). Der mittlere Körperlängsstreifen als Fortsetzung des Oberlippenstreifens erscheint bei Betta waseri nur noch ausnahmsweise und nur angedeutet.
Die Normalfärbung ähnelt der von Betta anabatoides, die Prachtfärbung ist jedoch verschieden. Zur Balz färbt sich die Rückenregion des Betta waseri-Weibchens dunkel, sodass der obere Streifen nicht mehr in Erscheinung tritt. Die Bauchregion wird gleichzeitig heller; die Schuppenränder sind dann dunkel. Durch diese Färbung der Bauchregion entsteht der optische Eindruck, als ob die Eier durch die Bauchdecke schimmern würden. Laichbereite Weibchen sind an dem dicken Bauch gut erkennbar. Das Männchen ist im Prachtkleid einfarbig lehm- oder ockergelb, da die Streifenzeichnung fast vollständig verblasst. Auch beim Männchen ist der Zentralbereich der Schuppen etwas heller als der Rand (Glanzschuppen oder Tüpfel treten bei Betta waseri nicht auf). Die Iris ist rot gefärbt.
Eine eigene Laichfärbung ist nicht ausgebildet.
Die Beflossung der Art ist großflächig; die paarigen Flossen sind lang ausgezogen. Hier gibt es keine wesentlichen Unterschiede zu Betta pugnax und anderen nahe verwandten Formen. Die Flossen sind gelblich oder transparent, ohne deutliche Zeichnungselemente. Die Flossenstrahlen der Schwanzflosse sind ungeteilt, erst in hohem Alter (über vier Jahre) kann sich eine Aufteilung – wie sie bei beispielsweise bei Betta pugnax üblich ist – andeuten.
Die Maulspalte von Betta waseri ist tief. Auch Betta waseri weist viele Eigenheiten auf. Trotz dieser Unterschiede steht die Art verwandtschaftlich Betta anabatoides von Borneo/Kalimantan, Betta akarensis von Borneo und Betta chloropharynx von Bangka nahe. Die Verwandtschaft um Betta waseri fasst v. d. Voort (2004) zusammen.
Das Auge von Betta waseri ist bei adulten Exemplaren im Verhältnis zur Körperlänge relativ groß (das von B. anabatoides ist kleiner). Mit einem absoluten Durchmesser von mehr als sechs Millimetern ist es ausgesprochen groß. Deshalb liegt es nahe, den Lebensraum dieser Art in vornehmlich schattigen und dunklen Gewässern zu vermuten, was sich inzwischen bestätigte (Krummenacher 1986, Linke 1987). Die lehm- oder ockergelbe Körperfärbung ist ähnlich der von Betta anabatoides und manchen Varianten von Betta akarensis.

Balz: Die Balz von Betta waseri gleicht der von Betta pugnax, doch übernimmt die Intentionsbewegung Eispucken des Weibchens – als wesentliches Balzelement – eine ganz besondere Bedeutung. Der helle, laichgefüllte Bauch des Weibchens (s. o.) wird dem Männchen wiederholt und in auffälliger Weise präsentiert. Sofort nach einer Scheinpaarung oder echten Paarung erscheint beim Männchen die Streifenfärbung wieder, die nach einigen Sekunden erneut verblasst.

Laichen und erste Versorgung der Eier: Der Ablauf der Scheinpaarungen gleicht dem für Betta pugnax geschilderten Verhalten.
Während der echten Paarungen werden hingegen Unterschiede deutlich. Die Umschlingung des Weibchens während der Kopulation durch das Männchen ist bei Betta waseri u-förmig, denn das Männchen biegt die Schwanzflosse nach außen ab, und so ist die Umschlingung offen. Das Weibchen wird während der Paarung nicht oder nur wenig seitlich gedreht. Dabei fällt auf, dass sich die Paarung oft in der Mitte des Wassers oder sogar unter der Wasseroberfläche vollzieht. Während der Umschlingung in der Wassermitte steigen die Partner dann langsam – in der Laichstarre verharrend – an die Oberfläche auf. Die Paarung ist – im Gegensatz zu Betta pugnax – extrem kurz. Das Weibchen verlässt sofort nach der Kopulation die Umschlingung. Infolge des offenen U’s bei der Paarung kann das Weibchen direkt und ungehindert aus der Umschlingung herausschwimmen, ohne dass das Männchen in seiner Laichstarre die Umschlingung so weit wie bei anderen Maulbrü- tern öffnen muss.
Das Weibchen dreht sich schnell um und schnappt die Eier von der Afterflosse des Partners ins Maul. Nur selten fallen Eier zu Boden. Das Männchen erwacht deutlich später aus der Laichstarre. Verwechslungen der Eier mit kleinen Kieseln konnte ich bei Betta waseri nicht beobachten. Das Eierspucken ähnelt dem Verhalten von Betta pugnax, das Betta waseri-Männchen erwischt die Eier gut. Zwar schnappt auch das Weibchen bei dieser Art nach den Eiern, doch lässt es dem Männchen mehr Zeit und spuckt gezielter. Aus diesem Grunde ist Betta waseri die einzige Eier spuckende Betta-Art, bei der ich bisher mit Sicherheit beobachten konnte, dass bereits 40 Minuten nach der letzten Paarung alle Eier übergeben wurden.
Es kommt bei Betta waseri zu etwa einer Scheinpaarungen pro 10 min (max. 2,1) und ebenfalls zu einer echten Paarungen pro 10 min (max. 2,1). Die Laichphasen dauerten drei bis sechs Stunden.

Brutpflege: Die Maulbrutzeit ist mit 20 bis 23 Tagen relativ lang. Das maul- brütende Männchen wird von der Partnerin über den gesamten Brutp egezeitraum verteidigt. Die 30 bis über 100 Jung sche werden in mehreren Etappen aus dem Maul entlassen, sie werden von erwachsenen Artgenossen nicht beachtet. Im Alter von zehn Monaten werden die juvenilen geschlechtsreif; erst im Alter von 14 bis 18 Monaten beginnen die Männchen die Brut auszutragen. Nach frühestens zwei Jahren er- reichen die Fische ihre endgültige Körpergröße.
Verhalten nach dem Ablaichen und der Brutp ege: Das Verhalten nach dem Ablaichen und der Brutp ege gleicht dem bei Betta pugnax geschilderten Verhalten.

Literatur
Donoso-Büchner, R. 1988. Unverhoffte Nachzucht von Betta macrophthalma. Der Makropode 10(7), 105–106.
Donoso-Büchner, R. 1989. Das Labyrintherportrait Nr. 51. Betta macrophthalma Regan, 1910. Der Makropode 11(7/8), 117–122.
Krummenacher, R. 1986. Betta waseri spec. nov. aquaria 33(12), 177–182.
LinKe, H. 1987. Neu- und wiederimportierte Zierfische. Zwerg mit Streifen. Aquarium Heute 5(4), 5–7.
Ng, P. K. L. 1993. Schwarzwasserfische aus Nordselangor (Malaiische Halbinsel). DATZ 46(2), 112–117.
Ng, P. K. L. & Kottelat, M. 1994. Revision of the Betta waseri species group (Teleostei: Belontiidae). Raffles Bulletin of Zoology 42(3), 593–611.
Regan, C. T. 1910. The Asiatic Fishes of the Family Anabantidae. Proceedings of the Zoological Society of London 53(4), 767–787.
Schmidt, J. 1988a. Bemerkungen zur Morphologie und Taxonomie einiger seltener Kletterfische (Anabantidae, Pisces). V. Betta macrophthalma Regan, 1910 – Wasers großer maulbrütender Kampffisch. Der Makropode 10(7), 97–101.
Schmidt, J. 1988b. Betta macrophthalma Regan, 1910. Das Fortpflanzungsverhalten von Wasers Kampffisch. Der Makropode 10(7), 101–105.
Schmidt, J. 1994. Betta waseri … Nachtrag zum Labyrinthfischportrait Nr. 79. Der Makropode 16(1/2), 10.
Schmidt, J. 1995. 2020. Vergleichende Untersuchungen zum Fortpflanzungsverhalten der Betta-Arten (Belontiidae, Ananbantoidei). Solingen, 2. Aufl. Ruhmannsfelden.
Voort, S. v. d. 2004. Die großen, gelben Maulbrüter. Der Makropode 26(3/4), 88-89.Witte, K. E. 1992. Bestimmungsschlüssel für Kampffische (Teleostei: Belontiidae: Betta). Der Makropode 14(3/4), 34–35.

Ctenopoma acutirostre, Leopardbuschfisch
Ctenopoma kingsleyae, Kingsley-Buschfisch
Ctenopoma kingsleyae, Kingsley-Buschfisch
Ctenopoma maculatum
Ctenopoma muriei, Schwanzfleckbuschfisch
Ctenopoma nigropannosum
Ctenopoma pellegrinii
Ctenopoma pellegrinii, Avvildung G. A. Boulenger
Ctenopoma ocellata
Ctenopoma weeksii, Pfauenaugenbuschfisch
Ctenopoma weeksii (Syn. Anabas oxyrhynchus) Abbildung: G. A. Boulenger
Ctenops nobilis, Spitzkopfgurami

Gattung Ctenops, Spitzkopfgurami

Viele bringen auch bereits als Wildfänge aus der Natur Parasiten (Würmer) mit. Trotzdem ist ihre Pf]ege aufgrund des interessanten Brutpflegeverhaltens für Labyrinthfischfreunde durchaus attraktiv.
Art:
Ctenops nobilis, Spitzkopfgurami, 10 cm
Verbreitung: Ctenops nobilis in Indien und Bangladesh.
Der Spitzkopfgurami, Ctenops nobilis, gehört vor allem wegen seiner Spezialisierung auf lebende Futtertiere zu den schwierigen Aquarienfischen. Zudem werden oft mit Wurmlarven infizierte Wildfänge importiert. Es handelt sich hier um einen Maulbrüter im männlichen Geschlecht.
Besonderheiten: Die Importe von Ctenops nobilis waren bisher häufig von Wurmlarven befallen, weshalb noch keine dauerhafte Haltung im Aquarium gelang. Auch die Schokoladenguramis sind sehr anspruchsvoll und eine dauerhafte Haltung über mehrere Jahre kann schon als Erfolg gewertet werden. Diese Fische können nur dem erfahrenen und spezialisierten Aquarianer zur Pflege empfohlen werden. Letzterer kann jedoch noch zahlreiche neue Beobachtungen machen und wichtige Erkenntnisse gewinnen, denn im Wissen über diese Fische klaffen noch große Lücken.
Wasser: Für Ctenops: 12 bis 30 °dGH, bis 12 °dKH, pH-Wert 6 bis 8, 22 bis 26 °C, Klarwasser.
Zuchtwasser: Für Ctenops 12 bis 30 °dGH, bis 10 °dKH, pH-Wert 6,5 bis 8, 22 bis 26 °C, Klarwasser.

Ctenops nobilis, Spitzkopfgurami
Helostoma temminckii, Küssender Gurami

Gattung Helostoma, Küssender Gurami

Küssende Guramis weichen in vielen ihrer Eigenschaften vom Standardbild des Guramis ab. Diese Schwarmfische bilden keine dauerhaften Reviere und betreiben keine Brutpflege. Sie ernähren sich als Filtrierer von Feinstplankton. Die Fische sind aufgrund ihres außergewöhnlichen Kampf- und Balzverhaltens, bei dem die Münder in kussähnlicher Weise benutzt werden, als Aquarienfische sehr beliebt.
Art: Helostoma temminckii (Küssender Gurami, 20 cm), mit der grüngrauen Wildform und einer rosafarbenen sowie seltenen gelblichen und gefleckten Zuchtformen.
Verbreitung: Als Speisefisch in Südostasien weit verbreitet.
Lebensraum: In allen stehenden und langsam fließenden Gewässern, häufig in wasserpflanzenreichen Teichen. Lebensweise: Wanderfreudiger sowie friedlicher Schwarmfisch.
Nahrung: Allesfresser. Plankton, auch kleine andere Nahrung wie Anflug, Kleinkrebse, Wasserinsekten, Würmer und weiches Pflanzenmaterial sowie Algen.
Mein Tipp: Weil die Filtrierer in der Natur über den ganzen Tag verteilt Nahrung aufnehmen, ist im Aquarium eine mehrfache Fütterung am Tag – jeweils in kleinen Mengen – sinnvoll. Fortpflanzung: Nach der Paarung durch Umschlingung treibt der Laich an der Wasseroberfläche. Der Schlupf der Larven beginnt nach etwa einem Tag, der Beginn der Nahrungsaufnahme nach drei weiteren Tagen. Dazwischen wird der Dottervorrat aufgebraucht.
Besonderheiten: Auch die rosa Zuchtform hat als Speisefisch, beispielsweise auf Java, weite Verbreitung gefunden. Küssende Guramis sind innerartlich zeitweise recht streitbar, dabei kommt aber kein Fisch zu Schaden.
Haltung
Haltungsaquarium: Die relativ groß werdenden Fische müssen in größeren Aquarien ab 160 l Inhalt gepflegt werden. Der Küssende Gurami stellt keine besonderen Ansprüche und ist zur Vergesellschaftung gut geeignet. Eine Filterung über Motorpumpen stört eher, als dass sie nützlich wäre, häufige Wasserwechsel sind hingegen sehr sinnvoll.
Wasser: 4 bis 20 °dGH, pH-Wert 6 bis 7,5, 20 bis 28 °C.
Fütterung: Alle feinen Futterarten.
Zucht
Zuchtaquarium: Ansatz als Paar oder im Schwarm, im Haltungs- oder im Zuchtaquarium. Feinfiedrige Wasser- und Schwimmpflanzen schützen die Eier besser vor dem Zugriff der Eltern.
Wasser: 0 bis 12 °dGH, pH-Wert 6 bis 6,5, 22 bis 26 °C.
Fütterung der Elterntiere: Feines Lebend- und Frostfutter, auch Futterflocken mehrmals täglich in kleinen Portionen verabreicht.
Zuchtmethode: Günstig ist der Daueransatz eines Schwarms im Artaquarium. Nach etwa einwöchiger, reichlicher Fütterung und einem anschließenden 70 bis 80 %-igen Wasserwechsel laichen geschlechtsreife Fische nahezu auf Kommando. Die Eier, je Weibchen in fünfstelligen Zahlen, werden von den Eltern sofort nach dem Laichen verzehrt. Deshalb muss der Züchter bald eingreifen und die Eltern umsetzen oder die Eier abschöpfen. In der Regel laichen die Küsser nachts.
Aufzucht: Die sehr kleinen Jungfische benötigen entsprechend feine Erstnahrung. Pantoffel- und Rädertierchen sowie Schwebalgen. Schon nach einer Woche können zusätzlich andere Futterarten angeboten werden, sehr bald nehmen die Jungen auch kleine Futterflocken. Die Heranwachsenden müssen bald aufgrund ihrer großen Zahl auf mehrere Aufzuchtaquarien verteilt werden. Reichliche Fütterung und häufige Wasserwechsel sowie gute Filterung sind für ein gleichmäßiges und gesundes Wachstum wichtig.

Helostoma temminckii, Küssender Gurami
Helostoma temminckii, Küssender Gurami, Rosa Farbform
Helostoma temminckii, Küssender Gurami, Abbildung: P. Bleeker, 1879

Helostoma temminckii – der Küssende Gurami

Vom Küssenden Gurami existieren neben der olivsilbernen Wildform eine der in der Aquaristik weit verbreitete fleischfarbene Variante und die sehr seltene gelbe Farbform.
Die Art wurde von den Französischen Wissenschaftlern Cuvier & Valenciennes 1831 beschrieben; sie ist einem Niederländischen Arzt, Ichthyologen und Naturforscher gewidmet. Ursprünglich in Indonesien und Malaysia verbreitet, wurde die Art vom Menschen als Speisefisch über den gesamten Südostasiatischen Raum ausgebreitet. In der Natur lebt der Küssende Gurami in dicht verkrauteten und meist sumpfigen Uferbereichen der Fließgewässer, aber auch direkt in Sümpfen, in Tümpeln und in künstlichen Teichen. Lebensräume mit reichlicher Unterwasserflora werden von der Art bevorzugt.
Dieser wegen seines interessanten „Kuß“-Verhaltens bekannte Fisch bedient sich dieser Verhaltensäußerung in erster Linie um so die harmlos verlaufenden Zwistigkeiten mit artgleichen Tieren um Rangfolge und Weibchen auszutragen. Außerdem wird auch bei der Balz geküßt. In Anbetracht seiner späteren Größe von 30 cm ist der Küssende Gurami leider kein sonderlich gut geeigneter Aquarienfisch für den Anfänger, zumal die Fische in dem, in der Regel üblichen, Gesellschaftsaquarium am Futter leider zu kurz kommen. Sie filtern nämlich ständig das Wasser nach Plankton durch und schlürfen bei solcher Gelegenheit auch Flockenfutter ein, schwimmen diesem, sowie größerem Lebendfutter, jedoch kaum aktiv nach. Aus diesem Grund bietet sich gerade für den Küssenden Gurami die Pflege im Artaquarium an. Die Küsser fressen auch keine Aufwuchsalgen, wie es manchmal behauptet wird, sondern lutschen das tierische Leben aus dem Aufwuchs heraus, was bei oberflächlicher Betrachtung leicht als Abweiden der Algen fehlgedeutet werden kann. Hierbei wird natürlich ein Teil der Algen von den Küssenden Guramis mit aufgefressen. In einem Artaquarium, das wir mit robusten Pflanzen (z. B. Amazonasschwertpflanzen, Echinodorus, und Sumpfschrauben, Vallisneria) ausstatten, können wir bei guter Haltung erwachsene Küssende Guramis (mindestens 15 cm lang) auch zum Laichen bewegen.
Dies ist jedoch keine Sache für unser Wohnzimmeraquarium: Fühlen sich die Fische wohl, werden sie bei guter Fütterung eines Nachts wie von selbst zum Laichen schreiten, was einen großen Eiersegen, manchmal weit über 1000, ergibt.
Die Küssenden Guramis laichen frei, also ohne das bei den meisten Labyrinthfischen übliche Schaumnest, an allen möglichen Stellen des Aquariums, so daß sich morgens, wenn mehrere Paare gleichzeitig ablaichen, viele tausend öltröpfchenhaltige Eier an der Wasseroberfläche befinden. Außerhalb der Laichzeit ist das Männchen fast ständig mit Werbungen um das Weibchen beschäftigt. Wenn das Weibchen schließlich laichmotiviert ist, übernimmt es jedoch selbst die aktivere Rolle bei der Balz. Es treibt das Männchen durchs Aquarium und stupst es in die Bauchregion. Schließlich wedeln sich die Fische mit Schwanzschlägen Wasserschwälle zu und es kommt wiederholt zu „Kussphasen“. Vor der eigentlichen Paarung kommt es zu zahlreichen Scheinpaarungen, die als Einstimmung auf den eigentlichen Laichakt dienen. Bei der eigentlichen Paarung umschlingt das Männchen seine Partnerin etwa in der Körpermitte und dreht es dabei zur Seite. Unter gut sichtbarem Körperzittern geben die Guramis ihre Geschlechtsprodukte ins Wasser ab. Die Eier steigen zur Wasseroberfläche auf.
Nun müssen die Eltern aus dem Aquarium entfernt werden und wir können das Aquarium selbst in einen großen „Heuaufguß“ umgestalten, in dem unsere schon nach einem Tag schlüpfenden, aber erst nach dem dritten Tag freischwimmenden und fressenden Fischlarven genügend Nahrung finden.
Bei einem gutem Nahrungsangebot und häufigem Teilwasserwechsel (jeden zweiten bis dritten Tag 50 bis 70 % temperiertes Wasser gleicher chemischer Zusammensetzung des Aquariumwassers) wächst unsere vielköpfige Schar rasch heran, so daß sich sehr bald Fütterungsprobleme ergeben können. Gerade in dieser Zeit ist aber eine reichliche Fütterung notwendig, um Schäden für später sowie allzuviele Kümmerlingen zu vermeiden. Nach vier Wochen sind die Jungfische etwa 4 cm lang, erst im Alter von eineinhalb Jahren sind sie geschlechtsreif. Küssende Guramis können im Aquarium über zehn Jahre alt werden, in ihrer Heimat dienen sie als Speisefische …
Der Küssende Gurami ist also nur mit Einschränkungen ein guter Aquarienfisch, zumal es viele Labyrinthfische gibt, die wesentlich farbenfreudiger sind, kleiner bleiben und sehr interessante Brutpflegeverhaltensweisen zeigen, zum Beispiel Siamesische Schleierkampffische, Zwergfadenfische, Honigguramis und viele andere.

Literatur
Arnold, J. P. 1924. Helostoma temmincki Cuv. et Val. Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde 21(6), 117-119.
Becker, I. 1983. Neues über den Küssenden Gurami, Helostoma temmincki. Aquarien Terrarien 3O(4), 13O-131.
Brüning, C. 1924. Der küssende Gurami und seine Landsleute. Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde 21(7), 149-150.
Cuvier, G. & Valenciennes, M. 1831. Histoire naturelle des Poissons. Tome 7. Paris.
Dumont, P. 1976. Der Küssende Gurami. aquarien magazin 1O(12), 528-529.
Feist, E. 1979. Küssende Guramis sind zärtliche Eheleute. TI. 14(4), Nr. 48, 18-19.
Glaß, G. 1982. Gedanken zu Helostoma temminckii, dem Küssenden Gurami. Der Makropode 4(9), 117-118.
Holland, H. 1957. Meine Küssenden Gurami (Helostoma temminckii). Aquarien Terrarien 4(7), 196-197.
Honnold, C. 1963. Die Zucht des Küssenden Gurami. Tropische Fische 3(7), 254-26O.
König, C. 1982. Das Labyrinther-Portrait Nr. 1O. Helostoma temminckii (Cuvier et Valenciennes, 1831). Der Makropode 4(9), o.S.
Liem, K. F. 1967. Functional Morphology of the Head of the Anabantoid Teleost Fish Helostoma temmincki. Journal of Morphology 121, 135-158.
Miersch, G. 1988. Helostoma temmincki – der Küssende Gurami, Haltung und Zucht. Aquarien Terrarien 35(9), 3O4-3O5.
Paepke, H.-J. 1992. Einbürgerung fremdländischer Fischarten. DATZ 45(4), 262-265.
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Remus, P. 1983. Einige Ergänzungen zur Zucht von Helostoma temmincki. Aquarien Terrarien 3O(4), 127-129.
Richter, H.-J. 1968. Der Küssende Gurami, Helostoma temminckii (Cuvier & Valenciennes 1831). DATZ 21(4), 1O3-1O7.
Richter, H.-J. 1968. Haltung und Zucht des „Küssenden Gurami“ – Helostoma temminckii. Aquarien Terrarien 15(1), 6-9.
Ridgewell, D. 1988. Küsse in der Nacht – die Zucht von Helostoma temminckii. Der Makropode 1O(5), 65-67.
Ruzicka, J. & Eli†s, J. 1980. Helostoma temminckii Cuvier & Valenciennes, 1831, der Küssende Gurami. DATZ 33(7), 232-235.
Schmidt, J. 1985. Küssende Guramis: Kämpfen durch Küssen. Der Makropode 7(4), 64-65.
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Vierke, J. 1978. Fische, die nach Futter schöpfen. Ein wenig beachtetes Verhalten bei Fischen. aquarien magazin 12(6), 263-265.
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Helostoma temminckii, Küssender Gurami, Abbildung: van Raalten
Ludiocephalus aura, Goldfleck-Hechtkopffisch
Luciocephalus pulcher, Schöner Hechtkopffisch
Luciocephalus pulcher, Schöner Hechtkopffisch, Abildung: P. Bleeker, 1879
Aquarium der IGL auf einer Ausstellung, besetzt mit Paradiesfischen, Macropodus opercularis.
Macropodus hongkongensis, Hongkong-Makropode

Macropodus hongkongensis – der Hongkong-Makropode
aus ’Der Makropode’ 25(3/4), 2003, 62-71

Vom Festland Hongkongs wurde von Freyhof & Herder 2002 die neue Makropodenart, Macropodus hongkongensis, beschrieben. Dabei handelt es sich um eine farblich, gestaltlich und ökologisch von den anderen bekannten Formen, M. spechti (Syn. M. concolor), M. erythropterus, M. ocellatus (Syn. M. chinensis) und M. opercularis, abweichende Art.
Macropodus hongkongensis zeichnet sich durch sein Punktmuster auf dem Körper, seine straffere Beflossung und die Spezialisierung auf oligotrophe Sumpfgebiete aus. Während ökologischer Untersuchungen im Großraum Hongkong einschließlich der Festlandsregion fingen Dudgeon (1996) und Chan (1996) Macropodus opercularis sowie einen weiteren Makropoden, der zunächst als Schwarzer Makropode identifiziert wurde. Später konnten Chan & Töpfer (2000, Töpfer 2001) einen weiteren Nachweis erbringen. Nach eingehenden Studien gelangten verschiedene Ichthyologen zu der Überzeugung, dass es sich hier um eine neue Art handelt, die sich vom herkömmlichen Schwarzen Makropoden, M. spechti, sowie von den anderen, weniger ähnlichen Arten, eindeutig unterscheidet. Die nächstverwandte Art ist M. opercularis (Linné, 1758), die offensichtlich parallel M. spechti Ahl, 1937 und M. hongkongensis hervorbrachte. Die neue Art wurde nach ihrer Herkunft, der chinesischen Provinz Hongkong, benannt. Als deutschsprachige Bezeichnung ist entsprechend Hongkongmakropode vorgeschlagen.

Beschreibung
Die Körpergrundfärgung des Hongkongmakropoden ist beige bis lehmfarben. Die hellen Schuppen weisen jeweils an der Basis einen dunklen Fleck auf, der durch die aufliegende, transparente Schuppe sichtbar ist. Als direkte Folge der gleichmäßigem Anordnung der Schuppen erscheinen die Punkte meist in regelmäßigen Linien angeordnet.
Die vorderen, steiferen Weichstrahlen der Ventralen sind intensiver körperfarben, etwa gelbweiß. Sie laufen, im Unterschied zu den anderen Macropodus-Arten, nicht in einer anders gefärbten, helleren Spitze aus. Die Caudalis ist gleichfalls körperfarben mit „Leiterflossenmuster“ (Vierke 1988). Dorsalis und Analis sind körperfarben, nach außen dunkler gefärbt, die Dorsalis ist hell geran- det. Im mittleren Bereich der lyraförmigen Caudalis fin- den sich keine ausgezogenen Flossenstrahlen.
Der Opercularfleck ist auf dem hellen Grund deutlich erkennbar. Er ist intensiver ausgepägt als bei M. spechti, bei dem der Fleck meist von den dunklen Körperfarben überdeckt ist.
Die Iris ist schwarz, der Irisring ist gelb, bei M. opercularis und M. spechti ist er rot.
Der Schwarze Makropode, M. spechti, besitzt – im gegensatz zu M. hongkongensis – eine graue Körperfarbe (ohne rote Querstreifen wie bei M. opercularis), die sich bei den Männchen während der Balz schwarz verfärbt. Die Schwanzflosse ist ebenfalls dunkelgrau bis schwarz und zeigt ein Leiterflossenmuster. Zudem zeichnen sich die Schwanzflossen älterer Männchen duch zahlreiche längere Strahlen, die über die Zipfelende der Flosse hinausreichen, aus. Den gesamten Körper überzieht ein Netzmuster, das heißt die Schuppen sind dunkel gerandet. Die Bauchflossenfäden sind im anterioren, proximalen Bereich rot gefärbt und enden weiß. Diese deutlichen Unterschiede sind bei Makropoden, die in Alkohol konserviert wurden, und auch bei sehr jungen Fischen nicht derart ausgeprägt oder es sind kaum Unterschiede festzustellen.
„Dass beide Arten (M. hongkongensis und M. opercularis) nebeneinander im gleichen Gebiet vorkommen, ohne dass es zwischen ihnen zu einer natürlichen Bastardierung kommt, kann als weiteres Indiz dafür gelten, dass es sich um zwei gute Arten handelt“ (Töpfer 2001). Macropodus hongkongensis – in Hongkong, China, was etwa bei 22°40’ N liegt – und M. spechti – bei Hue, Zentral-Vietnam, bei 16°20’ N – sind disjunkt verbreitet.

Herkunft
„1996 erregte eine Mitteilung von Prof. D. Dudgeon aus Hongkong Aufsehen. Er berichtete, dass auch auf dem Festlandteil von Hongkong, den New Territories im Gebiet Tai Po, eine natürliche Population der Schwarzen Makropoden vorkommt. Es ist wahrscheinlich, dass der Hongkongmakropode auch in den angrenzenden Gebieten Chinas verbreitet ist. War das Problem der natürlichen Verbreitung immer noch nicht endgültig geklärt? Und die Probleme vergrößerten sich noch, denn die Schwarzen Makropoden von Zentralvietnam und von Hongkong unterscheiden sich in einigen Merkmalen ziemlich deutlich voneinander“ (Töpfer 2001). Hier unterschied Töpfer noch nicht zwischen dem Schwarzen von Hongkong- und dem Schwarzen von Vietnam.
Die Hongkongmakropoden sind Spezialisten der Sumpfgebiete und mögen keine Wasserströmung. Typisch ist, dass sie in nährstoffarmen, seichten (20 cm Tiefe oder weniger) Sumpfgebieten gefunden werden, welche mit Gräsern und Riedgräsern (Binsen) überwachsen sind und daher nur wenig Wasseroberfläche freigeben. Das Wasser ist weich und ein wenig säurehaltig sowie durch vermodernde organische Materie eher braungefärbt. Die Gewässer besitzen schlammige Böden, die manchmal Schichten von Eisenoxidablagerungen enthalten. Da Gebiete mit offenem Süßwasser in Hongkong extrem selten vorkommen, können solche Habitate dem gelegentlichen Beobachter wie trockenes Land erscheinen. Während der Trockenzeit gibt es nur so viel Wasser, dass die Fische gerade noch bedeckt sind. Die Fische sind gezwungen, sich in einigen, wenigen Restwasserhabitaten zu sammeln (Dudgeon 1996).
Im Gegensatz zu M. hongkongensis kommt M. opercularis in nahezu allen Süßgewässern Hongkongs vor, sowohl in den Neuen Territorien auf dem Festlandteil als auch auf den größeren, vorgelagerten Inseln. Er existiert in verschiedenen Habitaten, von Bächen über Sumpfgebiete bis hin zu Wasserbüffelsuhlen. Er toleriert organische Anreicherungen und sich verändernde Bedingungen. Die zwei Arten scheinen nicht in denselben Habitaten vorzukommen (obwohl sich ihr Verbreitungsgebiet über Hongkong hinweg sowie wahrscheinlich auf dem chinesischen Festland überschneidet) (Dudgeon 1996).
Es gelang Töpfer & Chan im Jahr 2000, drei weitere M. hongkongensis in den wasserberuhigten Zonen von Bächen und kleinen Flüssen der Bergregion zu fangen. Ursprünglich kamen die Hongkongmakropoden auch im Tiefland Hongkongs vor. Dieses Gebiet, unmittelbar an der Küste, wurde allerdings inzwischen entwässert oder ist durch Industriebauten zerstört.
Es lässt sich bei der Gewässeruntersuchung niemals sicher vorhersagen, ob in einem bestimmten Gewässer Hongkong- oder Operkelfleckmakropoden gefunden werden können, aber in den seltensten Fällen sind beide Arten im gleichen Gewässer vertreten. Die seltener vertretene Art dann ohnehin nur in Einzelexemlaren.
Es muss davon ausgegangen werden, dass M. hongkongensis sowohl im Tiefland in stehenden oder langsam fließenden Gewässern vorkommt als auch im Bergland in relativ schnell fließenden Gewässern, dort allerdings in ruhigen Abschnitten mit starkem Pflanzenbewuchs. Neben M. hongkongensis wurden in diesen Gewässern im Tai Po-Gebiet von Hongkong noch folgende Fischarten häufiger nachgewiesen: Parazacco spilurus, Nicholsicypris normalis, Barbus semifasciolatus, Misgurnus anguillicaudatus und Clarias fuscus.
Die Wasserwerte spielen für diese Fische sicher nicht die entscheidenden Rolle. Im Untersuchungszeitraum betrug die Lufttemperatur 29 °C, die Wassertemperatur 24 °C. Allerdings kann im Winter die Wassertemperatur auch für längere Zeit auf 15 °C fallen. Der pH-Wert lag bei 6,4 bis 6,5. Das Wasser war relativ weich, mit einer Gesamthärte von 4 bis 5 °dGH.

Pflege und Vermehrung
Weitere Informationen sind die Texten zu Macropodus opercularis zu entnahmen.

Diskussion
Macropodus hongkongensis unterscheidet sich von M. opercularis durch die Körperfärbung sowie die ökologische Einnischung und von M. ocellatus zusätzlich durch die Schwanzflossenform. Von M. spechti und M. erythropterus unterscheidet er sich durch die Strahlenwerte und den Habitus der unpaaren Flossen sowie durch das Punktmuster gegenüber dem Netzmuster, hinzu kommt die disjunkte Verbreitung, die mit unterschiedlichem Temperaturregimes gekoppelt ist.

Literatur
Chan, B. P. L. 1999. Black Paradise Fish salvaged from Sham Chung. Porcupine 19, 29.
Chan, B. P. L., & Töpfer, J. 2000. Bemerkungen zu einem neuen natürlichen Fundort des Schwarzen Makropo- den, Macropodus concolor Ahl, 1937. Der Makropode 22(9/10), 115-117.
Dudgeon, D. 1999. The Black Paradise Fish in Hong Kong (China): Preliminary observations and conservation significance. Labyrinth No. 105, 4-5.
Dudgeon, D., & Chan, E. W. C. 1996. Ecological Study of Freshwater Wetland Habitats in Hong Kong. Prepared for the Agriculture & Fisheries Department, Hong Kong Government. Hong Kong: The University of Hong Kong.
Freyhof, J., & Herder, F. 2002. Review of the paradise fishes of the genus Macropodus in Vietnam, with descrip- tion of two new species from Vietnam and southern China (Perciformes: Osphronemidae). Ichthyol. Explor. Freshwaters, München 13(2), 147-167.
Hau, B., Chan, B. P. L., & Crow, P. 1999. Macropodus concolor endangered at Sham Chung. Labyrinth No. 105, 8-9.
Herder, F. 2001. Makropoden. Datz Aquarien-Praxis 54(7), 2-4.
Herder, F., & Freyhof, J. 2001. Makropoden. Überraschendes und Neues von alten Bekannten. Datz 54(7), 20-23.
Paepke, H.-J. 1990. Die Otolithen der Macropodus-Arten (Pisces, Belontiidae). Mitt. Zool. Mus. Berlin 66, 79-90.
Paepke, H.-J. 1991a. Zur Phylogenie der Arten der Gattung Macropodus Lac. (Pisces, Belontiidae). Mitt. Zool. Mus.Berlin 67,25-38.
Paepke, H.-J. 1991b. Zur Kenntnis von Macropodus concolor Ahl, 1937. Der Makropode 13(7/8), 139-145.
Paepke, H.-J. 1994. Die Paradiesfische. Neue Brehm-Bücherei Bd. 616, Magdeburg, 144 p.
Pinter, H. 1986. Labyrinth Fish. New York, 273 p.
Seehaus, T. 2000. Paradiesfische Macropodus opercularis. Bunte Farben, prächtige Flossen. Aquarium live 4(5). 20-28.
Seehaus, T., & Schmidt, J. 2002. Ihr Hobby Makropoden – Paradiesfische. Ruhmannsfelden, 80 p.
Töpfer, J. 2001a. Ecke der Importe. Das Rätsel der Schwarzen Makropoden. Aquarium live 5(6), 18-25.
Töpfer, J. 2001b. Nachtrag zu dem Artikel: „Bemerkungen zu einem neuen natürlichen Fundort des Schwarzen Makropoden, Macropodus concolor Ahl, 1937“. Der Makropode 23(3/4), 55.
Vierke, J. 1983. Eine gute Art: Macropodus concolor Ahl, 1937. Der Makropode 5(9), 202-204.
Vierke, J. 1988. Betta climacura n. sp. aus Westborneo und Anmerkungen zu Betta taeniata Regan, 1910. das Aquarium 22(6), Heft 228, 335-340.
Weitere Literatur siehe bei Macropodus opercularis.

Macropodus ocellatus, Rundschwanzmakropode

Macropodus ocellatus – der Rundschwanzmakropode
überarbeitet aus ’Der Makropode’ 22(3/4), 2000, 32-35

Der wesentliche Grund, dass Macropodus ocellatus im aquaristischen Fachhandel kaum zu finden ist, ist einerseits, dass die Fische nur sehr vereinzelt importiert werden und andererseits, dass seine Zucht besondere Maßnahmen erfordert. Es ist die am wenigsten produktive Art der Gattung und gleichzeitig die, welche die größten Temperaturschwankungen für ihr Wohlergehen benötigt. Das sind Voraussetzungen, die bei der Aquarienhaltung nur schwer zu erfüllen sind.
Macropodus ocellatus wurde bereits 1913 erstmals nach Deutschland eingeführt und stieß sofort auf große Aufmerksamkeit bei den spezialisierten Aquarianern, verschwand dann aber ebenso schnell wieder. Es dauerte danach bis in die achtziger Jahre, bis die Aquaristik diese Art wiederentdeckte. Dem zugrunde lag eine Reise mit dem Ziel, den Fisch wiederzufinden, was schließlich auch 120 km südwestlich von Shanghai in der Nähe von Hangzhou gelang.
Neben Macropodus spechti (Syn. M. concolor) und Macropodus opercularis stellt eine die dritte Art seiner Gattung dar.
Aus der Kälte: Die Art stammt aus dem mittleren China und aus Korea, wobei die Nordgrenze ihrer Verbreitung etwa am Amur (Heliongjiang), also am 50. Breitengrad liegt. Die südliche Ausdehnung reicht bis zu den Chusan-(Zhoushan-)Inseln und dem Weichan-See.
Der auch als Chinesischer Makropode bezeichnete Rundschwanzmakropode, mit dem eine Zeitlang benutzten, Synonym Macropodus chinensis, besitzt das für Kletterfische (Anabantoidei) typische Labyrinthorgan, mit dessen Hilfe er auch Luftsauerstoff atmen kann.
Aufgrund seines riesigen Verbreitungsgebiets ist die Art enorm unterschiedlichen klimatischen Bedingungen ausgesetzt. Während die südlichen Vorkommen subtropischen Wetterbedingungen unterworfen sind, haben sich jene im Norden mit erheblich niedrigeren Temperaturen auseinanderzusetzen, im Winter einschließlich langer Zeiten geschlossener Eisdecken und Temperaturen bis -20 °C. Die Sommer sind dort kurz und heiß bis 30 °C, bei einem Mittel von 22 °C in Mittelchina. Nur während dieser Periode ist es Macropodus ocellatus möglich, sich fortzupflanzen.
Der Rundschwanzmakropode lebt hauptsächlich in den Ebenen, wo er stehende oder langsam fließende Gewässer wie Reisfelder und kleine Bewässerungskanäle besiedelt, die nur eine geringe Wassertiefe aufweisen. Auch ruhige Teiche bieten dem Fisch geeignete Lebensbedingungen. Für diese Habitate sind zwei submers wachsende Pflanzen typisch: insbesondere Ceratophyllum demersum und Myriophyllum spicatum, die beide auch in Europa vorkommen.
Unter den Fischen der Begleitfauna sind besonders bei uns bekannte Fische wie Rhodeus ocellatus, Ctenopharyngodon idella und Culter albunoides als Beispiele zu nennen. Des Weiteren findet sich die Chinesische Wollhandkrabbe, Eriocheir sinensis, häufig syntop mit Macropodus ocellatus. Weiter im Norden ist der Fisch sogar zusammen mit Carassius auratus, Erythroculter erythropterus und Channa argus warpachovski anzutreffen. Geschützt durch den Einfluss des naheliegenden Gelben Meeres ist die Wasservegetation auch jener in Europa vorkommenden sehr ähnlich: Hornkräuter, Laichkräuter und Binsen sind überall vorkommende Gewächse. In einigen Gegenden kommen sowohl Macropodus ocellatus als auch Macropodus opercularis vor, jedoch wird dann eine ausgeprägt unterschiedliche ökologische Einnischung deutlich. Hier hat es den Anschein, dass Macropodus ocellatus die niederen Lagen der Ebenen bevorzugt, während M. opercularis höher gelegene, aber auch geschütztere Habitate besiedelt.
Um die langen Winter zu überleben, sucht der Fisch tiefere Gewässerbereiche auf, in denen er zwischen Pflanzenresten unter der sich bildenden dicken Eisschicht Schutz findet. Sein Stoffwechsel verlangsamt sich und nur einige mit der Atmung verbundene Bewegungen verraten, dass der Fisch noch am Leben ist. Ungeachtet der extremen Wetterbedingungen bleibt das Wasser unter dem Eis frei und hält eine wenig um 4 °C schwankende Temperatur. Dies reicht unseren Makropoden zum Überleben aus. Wenn im Frühjahr das Eis getaut ist und die Temperaturen zu steigen beginnen, erwacht der Fisch aus seiner Lethargie und wandert im Schutz der die Ufer bewachsenden Pflanzen wieder in die wärmeren, flachen Gewässerbereiche. Nun beginnt der Fisch auch wieder mit der Suche nach Nahrung, die größtenteils aus im Wasser lebenden Kleinkrebsen, Insekten und Insektenlarven besteht. Er muss seine Kräfte zurückgewinnen, denn mit der neuen Jahreszeit beginnt auch die Zeit der Fortpflanzung.
Beschreibung: Die Männchen der Rundschwanzmakropode erreichen Längen von 8 bis 9 cm, die Weibchen bleiben 1 cm kleiner. Der Körper ist abgeflacht und etwas langgestreckt. Es ist ein Fisch von funkelnder Schönheit, dessen Farben sich zur Paarungszeit verstärken. Die Gelb- und Grüntöne vermischen sich mit Schwarz und bilden dadurch ein Muster aus verdeckten Linien. Der Augenfleck auf dem Kiemendeckel ist dunkel und mit einem feinen, goldfarbenen Saum scharf abgegrenzt. Das Weibchen ist deutlich unscheinbarer und verblasst in der Paarungszeit bis hellbeige oder zu fast weiß. Die unpaaren Flossen laufen spitz aus und können bei einigen Exemplaren über die Schwanzflosse hinausragen. Sie sind mit kleinen, bläulichen Flecken übersät, die mit dem Ziegelrot der Flossengrundfarbe kontrastieren und hauptsächlich für die auffällige Erscheinung des Fischs verantwortlich sind. Der Sexualdimorphismus ist schon bei subadulten Fischen erkennbar. Geschlechtsreife Weibchen zeichnen sich dann durch einen geschwolleneren Bauch aus.
Obwohl unser Fisch also Winterzeiten überstehen kann, bedeutet das nicht, dass er zwangsläufig ständig unter derartig extremen Bedingungen lebt. Macropodus ocellatus liebt vor allem ein großzügiges Raumangebot, sodass ein Aquarium von mindestens 120 l oder besser 160 l erforderlich ist, um eine Gruppe von mehreren Exemplaren zu pflegen. Um den natürlichen Ansprüchen des Fischs zu entsprechen, wird das Aquarium nicht beheizt und den jahreszeitlichen Wechseln ausgesetzt. Nur auf diese Weise lässt er sich bei guter Gesundheit erhalten. Eine gleichbleibende Temperatur, vor allem wenn sie zu hoch ist, führt hingegen zu diversen Geschwüren und Knötchen, die Infektionen den Weg ebnen.
Zu empfehlen ist ein pH-Wert nahe Neutral, das heißt 6,5 bis 7,5 und eine Wasserhärte zwischen 7 und 12 °dGH. Ein zu weiches und saures Wasser führt ebenfalls zu Geschwürbildung oder Pilzbefall. Im Aquarium zeigt Macropodus ocellatus sich gegenüber einer abnehmenden Qualität seiner Lebensumstände empfindlich, wohingegen er bei der Haltung in einer Freianlage derartige Veränderungen besser hinnimmt. Regelmäßige Wassererneuerungen sind in jedem Fall ratsam.
Auf diese Weise untergebracht, kann man das Ganze durch einen Schwarm Fische einer anderen Art, etwa Tanichthys albonudes, auflockern. Der beste Weg ist aber immer noch die Pflege in einem Artaquarium. Dieses kann mit relativ kälteunempfindlichen Pflanzen wie Ceratophyllum demersum, Elodea canadensis und Myriophyllum spp. ausgestattet werden. Das Gesamtbild wird dann noch mit einer Wurzel oder einem hochragenden, jedoch sicher befestigten Stein vervollständigt, um einen Eindruck von größerer optischer Tiefe im Aquarium zu schaffen. Die Makropoden bevorzugen einen dunklen Bodengrund. Es ist eine biologische Filterung in der Größenordnung von etwa 3⁄4 des Wasservolumens pro Stunde erforderlich. Die Strömung des Filterauslaufs wird so ins Aquarium geleitet, dass sie die Wasseroberfläche möglichst wenig stört, denn dies vertragen die Rundschwanzmakropoden überhaupt nicht.
Das Aquarium kann mit mehreren Exemplaren besetzt werden. Aus dieser Gruppe sondert sich ein dominantes Männchen ab, das ein kleines Revier absteckt, um dort mit dem Bau eines Schaumnests zu beginnen. Das intra- und interspezifische Verhalten ist weitgehend friedfertig. Es handelt sich hier um einen Fisch, der weitaus weniger aggressiv als Macropodus opercularis ist.
Warum nicht im Teich? Macropodus ocellatus muss eigentlich eher als Fisch für den Teich als für das Aquarium angesehen werden. Ein Aufenthalt im Freien während der Sommermonate ist jedoch das Mindeste, was man ihm zugestehen muss. Die Ideallösung für diesen Fisch bleibt aber ein offenliegender Teich, in dem er das ganze Jahr verbringen kann. Dieser sollte einen Sumpfbereich aufweisen, der am Rand mit Butomus umbellatus, Iris pseudacorus und Caltha palustris bepflanzt sein kann. Mit ein wenig Glück wachsen dort auch einige Stängel von Myosotis palustris und treiben ihre hübschen, hellblauen Blüten. Die Flachwasserbereiche heizen sich an schönen Tagen schnell auf und ermöglichen es den Fischen, im Schutz der Vegetation die Wärme der ersten Sonnenstrahlen zu genießen. Wenn der Teich wenigstens 80 bis 100 cm tief ist, so kann auch eine in einen Korb gepflanzte Nymphaea sp. eingebracht werden, die ihre großen Blätter an der Wasseroberfläche ausbreitet. Diese bilden von den Fischen geschätzte, schattige Versteckplätze, aus denen heraus sie allerlei Insekten erbeuten können. Das aus dem Teich verdunstende Wasser wird zum Teil vom Regen wieder ergänzt, zum Teil und vor allem im Sommer durch das Zuführen von mineralarmem Wasser. Die ins Wasser fallenden Kleininsekten bilden einen Teil der Nahrung für die Fische. Im Winter isoliert die Eisschicht die Tiefen des Teichs, in die sich die Makropoden zurückgezogen haben, um im Winterschlaf auf schönere Tage zu warten. Sind die Temperaturen dann wieder auf 12 bis 15 °C gestiegen, so erscheinen sie wieder unter der Oberfläche und nehmen ihre Aktivitäten erneut auf. Bei Werten von über 20 °C zeigen sie dann ihre ganze Vitalität. Dabei muss allerdings mit einigen Verlusten gerechnet werden, denn die schwächsten und ältesten Exemplare überleben die Härten des Winters oftmals nicht. Dies sind leider die Risiken einer solchen Haltung, doch dürfte es durchaus den natürlichen Bedingungen entsprechen.
Vermehrung: Die Zucht in der Freianlage ist möglich, jedoch müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein, damit sie erfolgreich verlaufen kann. Offensichtlich ist eine dem Jahresverlauf entsprechende Veränderung der Temperaturstruktur für einen Zuchterfolg von ausschlaggebender Bedeutung. Ein harter Winter und ein warmer Sommer sind natürliche Gegebenheiten, die erfüllt sein müssen, damit die Zucht im Freien gelingt. Damit zumindest einige der Jungfische eine Überlebenschance haben, dürfen sich keine anderen Fische im Teich befinden. Obwohl Goldfische oder Gambusen nicht mit unseren Rundschwanzmakropoden in Konkurrenz stehen, ist es doch sicher, dass sie den jungen Makropoden nach deren Freischwimmen nachstellen. Sollten unter diesen Umständen jedoch einige glückliche Jungfische überleben, werden diese mit Sicherheit zu besonders prächtigen Rundschwanzparadiesfischen heranwachsen. Diese Aussagen zur Haltung und Zucht im Gartenteich sind natürlich sehr vom Lokalklima abhängig. War es an meinem früheren Wohnort in Kamen durchaus möglich, die Fische ganzjährig draußen zu halten, so ist dieses an meinem jetzigen Wohnort im Bayerischen Wald in etwa 700 m ü. NN Höhe nicht mehr möglich. Auch die Vermehrung ist mir in den vergangenen Jahren nicht mehr gelungen.
Aus all diesen Gründen ist die Zucht im Aquarium erheblich einfacher und vor allem auch ergiebiger. Das natürliche Ansteigen der Tagestemperaturen reicht bereits aus, um das Männchen zur Fortpflanzung zu stimulieren. Mit Erreichen der 20 °C-Grenze beginnt es dann mit dem Bau eines Schaumnests, welches an der Wasseroberfläche zwischen Pflanzen wie Pistia stratiotes und Salvinia auricularia verankert wird. Das Weibchen zeigt sich währenddessen noch an den vor sich gehenden Aktivitäten desinteressiert und geht seinen eigenen Interessen – insbesondere der Nahrungssuche – nach. Dann beginnt das Männchen jedoch, dem Weibchen nachzustellen, sodass es den Anschein hat, als würde die Umschlingung jeden Moment erfolgen. Die Flossen sind währenddessen maximal gespreizt, und das Männchen fährt mit der Werbung um das Weibchen solange fort, bis es schließlich zum Laichen bereit ist. Kurz zuvor „verbleicht“ die Färbung des Weibchens und wird hellbeige, ja fast weiß. Der Kontrast zwischen den Farben ist durchaus attraktiv. Das Laichen erfolgt in aller Ruhe, direkt unter dem Schaumnest. Der Umschlingung folgt ein Drücken auf die Flanken des Weibchens und ein Schaukeln des Paars, wobei die Eier freigesetzt und sofort befruchtet werden. Diese steigen in Richtung Schaumnest auf und werden dort vom Männchen mit dem Maul eingesammelt und vorsichtig im Nest eingeordnet. Der Fisch ist wenig produktiv und 200 bis 300 Eier sind bereits ein gutes Ergebnis. Manche Weibchen können aber auch 600 oder gar bis 800 Eier laichen! Das Männchen kümmert sich von nun an bis zum Schlupf und dem Freischwimmen der Jungen allein um die Bewachung des Nests und die Brut. Zum Freischwimmen ist es dann ratsam, die Elternfische zu entfernen, um die Nachkommen in Ruhe zu lassen. Die stets in einem Aquarium vorhandenen Infusorien dienen den Jungen als erste Nahrung. Schon kurze Zeit später können fein ausgesiebtes Teichplankton, Artemia-Nauplien und Mikrowürmer ihre Ernährung vervollständigen. Mit Erreichen eines Alters von drei oder vier Wochen beginnt dann das kritische Stadium, während dessen sich bei den Jungfischen das Labyrinth bildet. Entgegen den immer wiederholten Vermutungen ist es nicht die kalte oder Zugluft, welche die Jungen zur Zeit der Labyrinthentwicklung sterben lässt, sondern eine zu geringe Luftfeuchtigkeit. Eine dichte Abdeckung des Aquariums ist aber in jedem Fall günstig, zumal die Makropoden sehr gut springen können.
Der Gesundheitszustand der Rundschwanzmakropoden muss regelmäßig überprüft werden. Wird dabei die Bildung von Geschwüren bemerkt, so müssen die befallenen Fische sofort separiert und die Haltungsbedingungen nach den folgenden Gesichtspunkten geprüft werden:
– den natürlichen Bedürfnissen entsprechende Haltungsbedingungen, insbesondere in Bezug auf die Temperatur,
– regelmäßige Erneuerung des Wassers und – ausgeglichene, aber abwechslungsreiche Ernährung.Da es sich um Fisch-Tbc handelt ist es hoffnungslos zu glauben, dass man die betroffenen Fische heilen könnte. Allenfalls kann man die Ausbreitung und damit die Anzahl der befallenen Exemplare eingrenzen. Infektionen mit Fischtuberculose, Mycobacterium spp., verlaufen in der Regel mit schlimmem Ausgang. Die Behandlung mit Sulfonamiden führt lediglich zu einer Unterdrückung der Erkrankung, ergibt jedoch vor allem gesund erscheinende Träger des Infektionskeims, welche später andere Fische infizieren. Tbc-infizierte Fische sind immer Todeskandidaten und das beste ist es, sie schmerzfrei zu töten. Die einzige Möglichkeit, eine Ausbreitung zu verhindern, besteht darin, das Schaumnest mit den Eiern und einem Minimum an Wasser nach dem Laichen zu entnehmen und die Eier in einem unkontaminierten Aquarium zur Entwicklung zu bringen. Diese Möglichkeit verspricht jedoch nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn das Nest innerhalb von wenigen Stunden nach dem Laichen umgesetzt wurde. Das ist eine Methode, die in gleicher Weise auch für den Zwergfadenfisch gilt, denn auch von ihm existieren ja leider kaum gesunde, tbc-freie Stämme.Fazit: Unter geeigneten Haltungsvoraussetzungen wird Macropodus ocellatus im Alter von acht bis zehn Monaten geschlechtsreif und erreicht ein Alter von drei bis vier Jahren. Allerdings sind die meisten Exemplare bereits in ihrem zweiten Lebensjahr nicht mehr fertil. Alte Männchen erkennt man daran, dass bei ihnen die Rücken- und die Afterflossen ein wenig wellig wirken und länger ausgezipelt sind. Für jene, die einmal einen anderen Fisch in ihren Teichen oder im Kaltwasseraquarium pflegen wollen, ist der Rundschwanzmakropode eine vielversprechende Alternative. Leider müssen wir uns um den Erhalt dieser faszinierenden Art in der IGL etwas Sorgen machen.

Macropodus ocellatus, Rundschwanzmakropode
Macropodus ocellatus, Abbildung: Bloch & Schneider
Macropodus opercularis, Paradiesfisch

Macropodus opercularis – der Paradiesfisch
aktualisiert aus ’Der Makropode’ 21(9/10), 1999, 100-105

Der Paradiesfisch Macropodus opercularis stammt aus dem Süden Chinas, aus Vietnam, Korea und von den Inseln Hainan und Taiwan. Hier bewohnt die Art unterschiedlichste Habitate, so zum Beispiel Reisfelder, Bewässerungskanäle und zeitweise sogar leicht brackige Gewässer. Aufgrund seiner in einer Nord-Süd-Achse verlaufenden Verbreitung ist der Makropode einem breiten Temperaturbereich angepasst.
Der Paradiesfisch ist den Aquarianern ein alter Bekannter. Und trotzdem hat er beständig seinen Platz behaupten können. Zum ersten Mal wurde er schon 1869 durch den französischen Konsul Simon aus Ningpo in China lebend nach Frankreich eingeführt und durch den pariser Ichthyologen P. Carbonnier kurze Zeit später erstmals im Aquarium nachgezüchtet. In Deutschland tauchte der wunderschöne Fisch erst 1876 auf.
Die Gattung Macropodus enthält noch die vier weiteren gültigen Arten: M. erythropterus (gelegentlich als Syn. von M. spechti eingestuft), hongkongensis, M. ocellatus (Syn. M. chinensis) und M. spechti (Syn. M. concolor). Die Bastardzucht zwischen diesen drei Arten ist möglich, jedoch nicht erstrebenswert, und wir tun gut daran, sie gegebenenfalls in unterschiedlichen Aquarien pflegen.
Der Paradiesfisch ist sicherlich der farbenprächtigste unter den fünf Makropoden. Die Männchen erreichen mit 9 cm eine respektable Größe; die Weibchen sind erheblich kleiner. Es sind sogar Ausnahmefälle von Männchen bekannt geworden, die dank ihrer prächtigen Flossen 11 cm Gesamtlänge überschritten. Der Körperbau ist kräftig und die lyraförmige Schwanzflosse wird durch lang ausgezogene Strahlen an ihrem Ober- und Unterrand verlängert.
Paradiesische Farben: Die Färbung der Paradiesfische ist recht variabel. Auf einer bräunlichgrünlichen Grundfarbe befinden sich blaue, rote oder grüne Bänder, und auf dem Kopf und dem Nacken befinden sich dunkelbraune Flecken. Die unpaaren Flossen sind in der Hauptsache rot mit zahlreichen blauen Einschlüssen. Die Verlängerung der Schwanzflosse ist bei den Weibchen weniger stark ausgeprägt, sie zeigen auch insgesamt weniger kräftige Farben. Die Brustflossen sind transparent, die Bauchflossen rotorange. Bei einigen Fischen dominieren die roten, bei anderen die blauen Farbanteile.
Es sind zahlreiche, fundortabhängige und ökologische Formen sowie Varianten festzustellen. So zeigt die natürliche Form von „Nankin“ (nach ihrem Vorkommen so bezeichnet) im Vergleich einen hohen und untersetzten Körperbau, wohingegen eine Form von „Hanoi“ eher langgestreckt ist. Diese Unterschiede gehen mit solchen in den Bändern auf den Körperseiten einher. Diese natürliche Schönheit hat eine beträchtliche Anzahl Personen zum Nachdenken gebracht, was in der Vermutung gipfelte, dass M. opercularis möglicherweise gar keine natürliche Art, sondern ein „Produkt“ chinesischer Züchter sei. Diese von Kreyenberg veröffentlichte These wird seitdem beinahe unermüdlich diskutiert. Tatsächlich ist der Paradiesfisch jedoch dermaßen farbig, dass mit ihm schon seit Beginn dieses Jahrhunderts regelrechte Schönheitswettbewerbe organisiert werden. In der Aquaristik sind nach und nach in Auswahlzucht entstandene Formen aufgetaucht. Sie unterscheiden sich in der Anzahl der den Körper überziehenden Bänder, deren Farbe und natürlich in ihrer Grundfarbe, wobei blau, rot, orange oder helle Töne vorherrschen können. Auch Albinos sind bekannt. In jüngerer Zeit tauchten auch Albinos und flächig einfarbige Varianten in rotorange oder blaugrün auf.
Die Pflege: Makropoden sind Fische mit Persönlichkeit. Der Paradiesfisch ist aktiv, lebhaft und zeigt ein gewisses Maß an Aggressivität seinen Artgenossen gegenüber. Der Pfleger ist somit gut beraten, ihm eine angemessene Umgebung zur Verfügung zu stellen. Ein Aquarium von 120 Litern Inhalt muss als Minimum für die angemessene Unterbringung von fünf bis acht Fischen gelten. In diesem Umfeld muss ausreichend freier Schwimmraum erhalten bleiben, in dem sich vor allem die Männchen in all ihrer Pracht von Farbe und Form zeigen können. Gelegentlich wird den Paradiesfischen von manchen Aquarianern eine gewisse Aggressivität nachgesagt. Tatsächlich zeigen die Fische nur ihr natürliches Revierverhalten, das hingegen von anderen Arten, beispielsweise manchen Cichliden oder Schlangenkopffischen, klaglos akzeptiert, ja sogar erwartet wird. Eines ist sicher: sollte es in zu kleinen oder versteckarmen Behältern zu Verletzungen von Artgenossen, insbesondere Weibchen, oder anderen Aquarienmitbewohnern kommen, dann handelt es sich um keinen Fehler der Fische, sondern um grobe Haltungsfehler. Darüber sollten auch manche Zoohändler, die gewisse Märchen über diese Fische verbreiten, dringend nachdenken.
Einige großwüchsige Pflanzen wie Vallisneria und Echinodorus verschaffen den Fischen einen Sicherheit vermittelnden Hintergrund. Des Weiteren kommen Moorkienholzwurzeln zum Einsatz. Den Mittelgrund statten wir mit widerstandsfähigen kleineren Pflanzen wie Anubias barteri var. nana aus und Elodea canadensis oder Myriophyllum spp. zieren die Seiten und den Vordergrund des Aquariums. Als Schwimmpflanze eignet sich vor allem Ceratopteris thalictroides gut, die abgeschattete Rückzugsmöglichkeiten für unterdrückte Exemplare schafft, zumindest solange, bis sie von dort von einem anderen Männchen vertrieben werden, welches hier gegebenenfalls sein Laichrevier zu gründen gedenkt. Es ist von Vorteil, solche Pflanzen auszuwählen, denen eine mäßig warme Umgebung zusagt, denn der Temperaturbereich liegt zwischen 20 und 24 °C. Somit kann auf eine Heizung verzichtet werden, wodurch die Fische jahreszeitlichen Schwankungen ausgesetzt sind, die sich ihrem Biorhythmus wiederum zuträglich erweisen. Es darf nicht vergessen werden, dass sie aus Gebieten stammen, in denen die Wassertemperaturen während des Winters auf recht niedrige Werte sinken und wo die Fische im Sommer auch hohen Werten widerstehen müssen. Schon aus diesem Grund ist es ratsam, Paradiesfische nicht mit anderen Fischen zu vergesellschaften, sondern ihnen stattdessen ein Artaquarium zuzugestehen. Soll trotzdem unbedingt wenigstens eine andere Art im gleichen Aquarium leben: das Kardinälchen, Tanichthys albonudes, lebt unter vergleichbaren Verhältnissen. Diese Fische können das Gesamtbild beleben – da sie jedoch nur 4 cm groß sind, kann es durchaus vorkommen, dass junge Exemplare von ausgewachsenen Makropoden als Beute betrachtet werden. Es empfiehlt sich also, die beiden Arten nur dann zusammen zu pflegen, wenn es sich noch um junge Makropoden handelt.
Wenn man das Aquarium etwas beheizt und die Werte bei etwa 24 °C hält, dann kommt auch eine Vergesellschaftung mit Barbus spp. infrage, die sehr widerstandsfähig sind. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass manche Barben eine Neigung zum Anknabbern der lang ausgezogenen Flossen anderer Fische haben. Angesichts der beschriebenen Probleme wird man einsehen, dass ein Artaquarium voraussichtlich doch die bessere Lösung darstellt.
Eine geeignete Wasserbeschaffenheit zu bieten, bereitet keine großen Schwierigkeiten, denn die verträglichen Werte liegen mit pH 7,0 und 10 bis 15 °dGH im Mittelbereich. Ein jahreszeitlich bedingtes Absinken der Temperaturen auf 10 bis 15 °C wird von den Fischen gut vertragen. Dieser Umstand eröffnet somit auch die Möglichkeit einer Haltung in einem draußen aufgestellten Aquarium, wodurch die natürlichen Temperaturschwankungen den Lebensbedingungen im heimatlichen Lebensraum der Fische noch näher kommen.
Allesfresser: Der Makropode ist ein Allesfresser, der ohne viel Zögern sämtliche angebotene Nahrung annimmt, sei sie nun trocken oder tiefgefroren. Gelegentliche Gaben von Lebendfutter lösen dann regelrechte Stürme der Begeisterung aus und offensichtlich kommt ein solches Futter der Gesundheit der Fische zugute. Makropoden leisten darüberhinaus einen aktiven Beitrag zum biologischen Gleichgewicht ihres Aquariums, indem sie gelegentlich auch Schnecken, Planarien und Hydren fressen.
Der Paradiesfisch zeigt sich als wenig anfällig für Erkrankungen. Regelmäßige Teilwasserwechsel von einem Viertel des Wasservolumens alle zwei Wochen tragen erheblich zu seinem dauerhaften Wohlbefinden bei.
Die Balz: Unter den zuvor beschriebenen Verhältnissen gepflegt, sind die Makropodenmännchen nahezu ständig mit der Partnerwerbung beschäftigt. Hier fangen aber auch die Probleme an. Die fortpflanzungsbereiten Männchen versuchen Laichreviere abzustecken. Unterdrückte Männchen haben darunter am meisten zu leiden und es ist ratsam, sie umzusetzen, bevor es zum Schlimmsten kommt. Nicht selten sind zwei dominierende Männchen zu beobachten, die einander gegenüberliegende Ecken des Aquariums besetzt halten und jeweils versuchen, ein Weibchen für sich zu interessieren.
Das aus Luftbläschen bestehende Schaumnest wird an der Wasseroberfläche unter Blättern der Pflanzen oder einfach auch an den Scheiben des Aquariums verankert und dient zur Aufnehme der Eier während ihrer Entwicklung. Solange die Bauarbeiten daran noch nicht abgeschlossen sind, wird das Weibchen nicht in der Nähe der Baustelle geduldet. Erst mit zunehmender Fertigstellung darf es sich mehr und mehr nähern. Kommt es jedoch zu nahe, so wird es mit Nachdruck weggedrängt oder sogar verbissen.
Die Nachzucht im Gesellschaftsaquarium ist möglich, jedoch ist es aussichtsreicher, sich von selbst gebildete Pärchen in ein Zuchtaquarium umzusetzen. Hierzu kann ein mindestens 60 l fassendes Behältnis dienen, dessen Wasser physikochemische Eigenschaften aufweist, die den natürlichen Bedingungen nahekommen.
Mit Beendigung der Arbeiten am Schaumnest geht das Männchen zum Werbungsverhalten über. Hat es bis noch vor kurzem das Weibchen weggejagt, so versucht es nun, es durch auf der Stelle ausgeführte schaukelnde Bewegungen mit aufgestellten Flossen anzulocken. Ist dies gelungen, so dirigiert es das Weibchen unter das Schaumnest, wo es umgehend zu den ersten Umschlingungen – den Scheinpaarungen – kommt, während derer jedoch noch keine Geschlechtsprodukte abgegeben werden.
Die Paarung: Hierzu wickelt das Männchen seinen Körper förmlich um den seiner Partnerin. Es nimmt dabei eine U-Form an und übt Druck auf die Flanken des Weibchens aus. Nach mehreren Versuchen werden schließlich einige Eier und Sperma ausgestoßen und die auf diese Weise befruchteten – im Wasser langsam nach oben schwebenden – Eier werden vom Männchen ins Maul eingesammelt und danach im Schaumnest deponiert. Die gesamte Laichphase kann ein bis drei Stunden dauern. Ist sie dann abgeschlossen, so wird das Weibchen wieder verjagt. Bei einem Aquarium ausreichender Größe versteckt sich
letzteres außerhalb des Gesichtsfelds des Männchens. Zu diesem Zeitpunkt sollte es am besten herausgegangen werden. Dann kann es in einem anderen Aquarium unbelästigt wieder zu Kräften kommen und schneller einen neuen Laichansatz bilden.
Die Brutpflege und Aufzucht: Das Männchen beschäftigt sich nun ausschließlich mit der Betreuung des Geleges, bettet Eier um und sammelt herausgefallene wieder ein. Spielt sich dies in einem Gesellschaftsaquarium ab, dann sorgt es zudem dafür, dass sich kein anderer Fisch aus der ihm zugewiesenen Ecke herauswagt. Nach Ablauf von 36 Stunden erscheinen die Larven, deren Anzahl zwischen 200 und 500 liegen kann. Das Männchen hat mit dieser undisziplinierten Schar seine liebe Müh und Not, denn die Larven wirbeln durch erste Bewegungsversuche ständig aus dem Nest heraus. Nach weiteren 24 Stunden, oder je nach der herrschenden Temperatur etwas mehr, haben die Larven ihre Dottervorräte aufgebraucht. Nach und nach nehmen die Jungfische ihre natürliche, waagerechte Schwimmlage ein, verlassen das Nest und damit auch den Schutz des väterlichen Reviers. Während sich der Vater über die gesamte Zeit zuvor überaus aufmerksam gegenüber seinem Nachwuchs zeigte, so verliert er nunmehr völlig das Interesse daran. Es ist sehr zu empfehlen, nun auch das Männchen herauszufangen, denn offensichtlich hat die väterliche Brutpflegemotivation ihre Grenzen.
Bei einer Nachzucht in einem Gesellschaftsaquarium ist die Anzahl der letztendlich aufwachsenden Jungfische naturgemäß sehr gering und dies obwohl sich gut ernährte Elternfische nur in geringem Maße an ihrem Nachwuchs vergreifen. Will man allerdings größere Mengen aufziehen, dann bietet sich hier eine gute Möglichkeit an. Kurz vor dem zu erwartenden Freischwimmen der Jungfische schöpft man das Schaumnest oder einen Teil davon mit einer großen Kelle heraus und transferiert es in ein Aufzuchtbecken, dessen Wasser mit dem des Zuchtaquariums physikochemisch identisch ist. Als erfahrener Züchter weiß man natürlich, dass nun jede Menge winziger Mäuler mit noch winzigerem Futter zu versorgen sind. Infusorien, Rädertierchen und ab dem dritten Tag frischgeschlüpfte Artemia-Nauplien sollten folglich in ausreichenden Mengen vorhanden sein, um täglich mehrmals füttern zu können.
Die Jungfische wachsen unter diesen Umständen schnell. Mit der Bildung des Labyrinthorgans ist eine kritische Lebensphase zu überwinden, was allein dadurch gewährleistet werden kann, dass man durch sorgfältiges Abdecken des Aufzuchtaquariums verhindert, dass die Jungfische kalte Atemluft aufnehmen können. Mit ausreichenden Mengen qualitativ hochwertigen Futters versorgt, wird man schon bald nicht mehr umhinkommen, den Nachwuchs nach Größen zu dritteln, damit die kleineren Exemplare ihr Wachstumsdefizit aufholen können. Kurze Zeit später zeigen die ersten Exemplare Farbe auf dem Kiemendeckel, dann erscheinen die Bänder auf den Körperseiten. Mit Erreichen eines Alters von etwa drei Monaten sind die vorgewachsenen Fische groß genug, um sie an andere Aquarianer abzugeben.
Innerhalb einer Gruppe von subadulten oder adulten Makropoden ist die intraspezifische Verträglichkeit im Allgemeinen als gut zu beschreiben, auch wenn bisweilen mit einigen Raufereien zu rechnen ist. Schon nach kurzer Zeit hat sich unter den Pfleglingen eine Rangordnung aus dominierenden und dominierten Exemplaren etabliert. Der Pfleger muss nur dann eingreifen, wenn für die unterdrückten Fische eine offensichtliche Lebensgefahr besteht. Handelt es sich um eine homogen zusammengesetzte Gruppe, sind die diesbezüglichen Probleme nur gering. Dieses empfindliche Gleichgewicht der Kräfte wird allerdings durch das Hinzusetzen eines oder gar mehrerer neuer Exemplare völlig umgeworfen, egal ob es sich dabei um fremde Fische oder solche aus dem gleichen Gelege handelt.
Die Sommerfrische im Aquarium im Garten oder auf dem Balkon: Das kleine „Plus“ ist im Falle unserer Makropoden der Umstand, dass die Fische mit unserem Wetter gut zurechtkommen und daher im Sommer draußen gehalten werden können. Sie überleben selbst eine kurzfristige herbstliche Eisbildung. Macropodus opercularis kann daher in einem günstig angelegten Teich das halbe Jahr über draußen verbringen. Also kann man seine Fische im Frühjahr, wenn die Temperaturen zu steigen beginnen, in die Sommerfrische entlassen. Diese Erholungspause vom Aquarienalltag wird sehr gut vertragen und führt zu vor Gesundheit strotzenden Fischen mit besonders kräftigen Farben. Diese Empfehlung trifft allerdings nur auf Exemplare zu, die der Wildform entsprechen. Aus Selektivzuchten entstandene Zuchtformen wie solche mit aufgehellten Farben und Albinos sind kälteempfindlicher und hinfälliger. Sie sollten unter ausreichendem Raumangebot einem drinnen aufgestellten Aquarium vorbehalten bleiben.
Verglichen mit der klassischen Pflege im Aquarium lässt die Beobachtung eines im Sommer in einem kleinen Teich gehaltenen Pärchens das Feststellen einiger veränderter Verhaltensweisen zu. Dieser Teich sollte nicht tiefer als 30 cm sein und wenigstens eine Grundfläche von 1 m2 haben. Eine im Topf eingesetzte einzelne Nymphaea reicht als Bepflanzung aus. Ihre großen Blätter bieten den Fischen Schutz und Schatten. Der Grund ist mit einer Schicht aus organischen Abfallstoffen bedeckt (die im Frühjahr, falls noch nicht vorhanden, in Form von etwas trockenem Laub eingebracht werden können) und die Wände sind alsbald mit Grünalgen überzogen. Für letzteren Umstand ist die hohe Intensität des einfallenden Sonnenlichts verantwortlich. Nehmen die Algen überhand, dann können sie gelegentlich mit der Hand ausgedünnt werden.
Mit dem Übergang vom Sommer zum Herbst werden die Kleinen mit einem feinmaschigen Kescher abgefischt. Das Zuchtpärchen wird noch für einige weitere Wochen draußen belassen, wohingegen die jungen Fischen in ein unbeheiztes Aufzuchtaquarium umsiedelten. Hierbei fällt auf, dass die draußen sich selbst überlassenen Nachzuchten im Vergleich zu in Aquarien aufgezogenen gleichen Alters nahezu die doppelte Körpergröße aufwiesen.
Mit Einsetzen der ersten Nachtfröste wird nun auch das Zuchtpärchen eingefangen. Es zeigt sich, dass in der Regel das Weibchen nur geringe Verletzungen aus den aggressiven Auseinandersetzungen mit dem Männchen davongetragen hat. Die Brutsaison kostete lediglich ein paar Schuppen. Beim Einfangen der Alttiere gehen auch noch einige weitere Jungfische mit ins Netz, jedoch waren diese in der Zwischenzeit nicht mehr nennenswert weitergewachsen. Hinsichtlich ihrer Farben erübrigt sich wohl jegliche weitere Schwärmerei, sie sind jenen von im Aquarium gehaltenen Makropoden in jeder Hinsicht deutlich überlegen. Bevor die Fische wieder in ein Aquarium eingegliedert werden, müssen sie sich erst einer Quarantänehaltung unterziehen, um ihren einwandfreien Gesundheitszustand sicherzustellen.
Abschließend sei also die Frage erlaubt: Warum nicht einmal Makropoden im Freiland halten? Garantiert kommen dabei keine zurückgeblieben Exemplare zustande.

Systematik
Unterordnung: Anabantoidei

  1. Familie: Anabantidae
  2. 1.1. Unterfamilie: Anabantinae
    Gattung: Anabas
  3. 1.2. Unterfamilie: Ctenopominae
    Gattungen: Ctenopoma, Microctenopoma, Sandelia
  4. Familie: Helostomatidae
  5. 2.1. Unterfamilie: Helostomatinae
    Gattung: Helostoma
  6. Familie: Osphronemidae
  7. 3.1. Unterfamilie: Belontiinae
    Gattung: Belontia
  8. 3.2. Unterfamilie: Macropodusinae
    Gattungen: Betta, Macropodus, Malpulutta, Parosphromenus, Pseudosphromenus, Trichopsis
    3.3. Unterfamilie: Luciocephalinae
  9. Gattungen: Colisa, Ctenops, Luciocephalus, Parasphaerichthys, Sphaerichthys,
    Trichogaster
    3.4. Unterfamilie: Osphroneminae
    Gattung: Osphronemus

  10. Literatur
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    Töpfer, J. 2008. Lacepède. 2. Teil: Seine Labyrinthfischgattungen Osphronemus, Trichopodus und Macropodus sowie die Gültigkeit der Namen. Der Makropode 30(2), 41-52.
Macropodus opercularis, Paradiesfisch, Paarung, Foto: in memoriam Heinz Bela
Macropodus opercularis, Paradiesfisch, Albino
Macropodus opercularis, Paradiesfisch, zwei junge Männchen
Macropodus spechti, Schwarzer Makropode, Syn. M. concolor
Macropodus spechti, Rotrückenmakropode, Syn. M. erythropterus
Macropodus spechti, Rotrückenmakropode, Syn. M. erythropterus
Malpulutta kretseri, Waldbachblüte,
weitere Informationen siehe oben.

„Waldbachblüten“, Malpulutta kretseri
(Anbantoidei, Belontiidae) von Sri Lanka
Kurzfassung der Fortpflanzungsverhaltens

Waldbachblüten oder De Kretsers Spitzschwanzmakropoden, sind auf Sri Lanka endemisch.
Das fortpflanzungsmotivierte Männchen errichtet ein Schaumnest an der Wasseroberfläche, im Zentrum seines Reviers. Das laichbereite Weibchen sucht ein Revier eines Männchens gezielt auf. Anfangs wird das Weibchen noch von den mehr aggressiv als fortpflanzungsmotivierten Männchen vertrieben. In diesem Stadium zeigt das Weibchen ein bisher unbekanntes Beschwichtigungsverhalten. Es stupst dem Männchen mit geöffnetem Maul in den Kiemendeckel- und Kehlbereich. Dieses Verhalten wird in der Aquaristik auch als „Küssen“ gedeutet.
Das weitere Verhalten entspricht weitgehend dem anderer brutpflegender nestbauender Kletterfische: Das Männchen balzt mit Flossenspreizen, Flossenwedeln und Führungsschwimmen. Das Weibchen beschwichtigt neben dem Kiemendeckelstupsen mit Flossenklemmen und schräger Körperhaltung. Während der Balz umschwimmen sich die Partner unter dem Nest. Zur Paarung umschlingt das Männchen das Weibchen in der Bauchregion. Zunächst kommt es aber nur zu Scheinpaarungen mit unvollständigen Umschlingungen und ohne Abgabe von Geschlechtsprodukten. Bei der echten Paarung wird das Weibchen von seinem Partner auf die Seite gedreht. Das Weibchen verharrt länger in der Laichstarre. Die Eier werden zunächst nur vom Männchen, später von beiden Partnern ins Maul eingesammelt, mit Schaumblasen ummantelt und ins Nest gespuckt. Nach dem Ablaichen wird das Weibchen vom Männchen vertrieben. Das Männchen übernimmt die Brutpflege allein. Die Larven schlüpfen bei 24 °C Wassertemperatur nach zwei Tagen, erst weitere drei Tage später schwimmen sie frei und beginnen mit der Nahrungssuche. Jetzt erlischt die Brutpflegemotivation des Vaters und er unterscheidet die Jungen nicht mehr von anderer Beute.
Durch die Ausweitung der Teeplantagen und vor allem die ständig zunehmende Ausbringung verschiedenster Pestizide sind auch die innerhalb von Naturschutzgebieten lebenden Malpulutta-Population stark von der Ausrottung bedroht.

Malpulutta-kretseri, Waldbachblüten-Paar, Küssen

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Jürgen Schmidt

Malpulutta kretseri, Waldbachblüte, Deraniyagala, 1937
Malpulutta kretseri, Waldbachblüte
Microctenopoma ansorgii, Orangebuschfisch
Microctenopoma ansorgii, Orangebuschfisch, Abbildung: G. A. Boulenger
Microctenopoma damasii, Perlmuttbuschfisch
Microctenopoma fascuiolatum, Gestreifter Buschfisch
Microctenopoma nanum, Zwergbuschfisch
Osohronemus goramy, Riesengurami, juv.
Osohronemus goramy, Riesengurami, ad.

Gattung Osphronemus, Gurami, Riesen- oder Speisegurami

Der bis 80 cm groß werdende Gurami, Osphronemus goramy, auch als Speise- oder Riesengurami bezeichnet, ist für die Haltung im Heimaquarium nicht geeignet. Trotzdem werden von diesem in Südostasien in großen Massen vermehrten Fisch regelmäßig kleine Jungfische importiert. Weil diese Jungfische Schokoladenguramis ähneln, werden sie recht häufig irrtümlich von Liebhabern erworben. Guramis sind aber als Jungfische äußerst aggressiv sodass selbst in einem sehr großen Aquarium nur ein Exemplar überlebt – und nach der Tötung der Artgenossen werden vergesellschaftete Fische verfolgt. Die erwachsenen Fische sind friedlicher. Diese werden in einigen Schauaquarien vorgestellt, aber auch dort bereiten diese Allesfresser aufgrund ihres erheblichen Stoffwechsels große Probleme bei der Wasserreinhaltung. Wenn also ein Aquarianer einen solchen Gurami großgefüttert hat, weil ihn die Art interessierte, dann ergeben sich später oft Probleme, den Fisch an andere Pfleger abzugeben.
Außerdem zählt gerade dieser Fisch zu den stressanfälligsten Fischen, die bereits beim Jagen mit dem Netz sterben können. Die Guramis wurden als Speisefisch im gesamten Südostasien verbreitet, denn ihr Fleisch gilt als sehr wohlschmeckend.
Die Männchen errichten Nester aus Pflanzenmaterial und Schaum, sie betreiben Brutpflege. Die Zucht ist in großen Schauaquarien und sogar bei Privatleuten in beheizten Teichen bereits gelungen.
Arten:
Osphronemus goramy (Riesen- oder Speisegurami, 80 cm)
Osphronemus exodon
Osphronemus laticlavius
Osphronemus septemfasciatus (alle über 60 cm)
Verbreitung: In nahezu allen Gewässern in Thailand, Vietnam, Kambodscha, Laos, Myanmar, Malaysia und Indonesien auf Borneo, Java, Sumatra und den meisten kleineren Sundainseln sowie den Philippinen. Vielerort als Speisefische ausgesetzt (Indien, Sri Lanka, Bangladesh, Neuguinea ….).
Lebensraum: Teiche, Bäche, Flüsse, Sümpfe, Reisfelder (Kulturfolger).
Lebensweise: Außerhalb der Laichzeit in lockeren Trupps. Stark an die Oberfläche gebunden, oft in der Nähe von Pflanzenbeständen. Männchen gründen Laichreviere.
Nahrung: Allesfresser, bevorzugt lebende Futtertiere.
Fortpflanzung: Schaumnestbauer, das Männchen errichtet ein Nest mit Pflanzenmaterial an der Oberfläche. Die Partner laichen unter einer Umschlingung direkt unter dem Nest. Die Eier landen durch eigenen Auftrieb, da sie Öltröpfchen enthalten, direkt im Nest. Der Vater übernimmt die Brutpflege allein, die Mutter ist nicht beteiligt und wird vom Männchen aggressiv vertrieben.
Haltung
Haltungsaquarium: Artaquarium ab 2000 L, Gesellschaftsaquarium ab 10000 l oder Warmwasserteiche. Verstecke, dichte Bepflanzung im Randbereich, Schilf und Schwimmpflanzen.
Wasser: bis 30 °dGH, pH-Wert 5 bis 8, 20 bis 30 °C.
Fütterung: Pflanzenfutter, Paprika, Gurken, Salat, Reis, im Winter vor allem Forellenpellets, auch Rinderherz.
Besonderheiten: Es handelt sich um sehr groß werdende, ungewöhnliche Fische die bereits in Zoos, aber auch Privat im Warmwasserteich gezüchtet wurden.
Achtung: Speisefisch, wird 80 cm groß!
Zucht
Zuchtaquarium: Circa ein 2000 l-Aquarium genügt für ein Paar. Die Männchen kämpfen in zu kleinen Aquarien heftig miteinander. Verstecke (Höhlen) sind für das Weibchen wichtig. Das Männchen benötigt viel pflanzliches Material für den Nestbau.
Wasser: 3 bis l5 °dGH, bis 10 °dKH, pH-Wert bis 7, 24 bis 30 °C.
Fütterung der Elterntiere: Allesfresser: grobe Nahrung, Forellenpellets, auch Pflanzliches ist wichtig.
Zuchtmethode: Ansatz im Paar, Weibchen nach dem Laichen entfernen, das Männchen nach dem Freischwimmen der Jungen (etwa drei Tage nach dem Laichen).
Aufzucht: Die Jungen bewältigen sofort feine Artemia-Nauplien. Besonderheiten: Die Jungen sind extrem aggressiv untereinander, deshalb wird sehr viel Platz für die Aufzucht benötigt.
Mein Tipp: Hände weg von diesem Fisch!

Osohronemus goramy, Riesengurami, ad.
Osohronemus goramy als Syn. Osohromenus olfax, Riesengurami, juvenil,
Abbildung: P. Bleeker, 1879
Osohronemus goramy als Syn. Osohromenus olfax, Riesengurami, adult,
Abbildung: P. Bleeker, 1879
Osohronemus goramy, Riesengurami, Goldform
Osohronemus goramy, Riesengurami, Weiße Form
Parasphaerichthys lineatus
Parashaerichthys ocellatus
Parashaerichthys ocellatus, Foto: in memoriam Dr. Walter Foersch

Gattung Parasphaerichthys, Burmesische Schokoladenguramis

Parasphaerichthys lineatus, 4 cm,
Parasphaerichthys ocellatus, Burmesische Schokoladenguramis, bis 6 cm
Verbreitung: Parasphaerichthys lineatus und P. ocellatus in Bangladesh und Mayanmar (Burma).
Fortpflanzung: Zu Parasphaerichthys ocellatus fehlen noch belegte Aussagen zur Fortpflanzungsbiologie, es spricht aber vieles dafür, dass es sich ebenfalls um einen Maulbrüter handelt. Überraschenderweise ist Parasphaerichthys linetus ein Schaumnestbauer Die Paarung erfolgt auch hier in einer Umschlingung.
Wasser: Für Parasphaerichthys: 12 bis 30 °dGH, bis 12 °dKH, pH-Wert 6 bis 8, 22 bis 26 °C, Klarwasser.
Zuchtwasser: Für Parasphaerichthys 12 bis 30 °dGH, bis 10 °dKH, pH-Wert 6,5 bis 8, 22 bis 26 °C, Klarwasser.
Die Vermehrung von Parasphaerichthys ocellatus ist bisher noch nicht gelungen.

Parosphromenus cf. alfredi, Alfred-Prchtgurami
Parorsphromenus allani, Allan Browns Prchtgurami

Parosphromenus bintan – Bintan-Prachtgurami
Das neue Labyrinthfischportrait Nr. 96
aus: Der Makropode

Wissenschaftlicher Name
Parosphromenus bintan Kottelat & Ng, 1998

Bedeutung des wiss. Namens
Parosphromenus: para (gr.) = neben, falsch oder abweichend; osphromenus = falsche Schreibweise für Osphronemus, Gattungsname für den Riesengurami O. gorami; falscher Osphromenus.
bintan: nach dem Bintan-Archipel zwischen Singapur und Sumatra gelegen.

Deutscher Name
Bintan-Prachtgurami
(Diese Namenswahl ist etwas problematisch, weil es sich ja um den gleichen Fisch handelt, den wir zuvor Deissners Prachtgurami nannten. Da es aber ja auch den echten P. deissneri gibt, würde eine Beibehaltung des alten deutschen Namens mit Sicherheit in Zukunft zu Verwechslungen führen, sodass nichts anderes als die Umbenennug übrigbleibt.

Erstbeschreibung
Kottelat, Maurice, & Ng, Peter K. L., 1998. Parosphromenus bintan, a new osphronemid fisch from Bintan and Bangka islands, Indonesia, with redescription of P. deissneri. Ichthyological Exploration of Freshwaters. An international journal for field-orientated ichthyology, München, 8(3), 263-272. (+ Titelfoto)

Synonyme
Keine, wurde jedoch lange mit Parosphromenus deissneri und später auch mit P. alfredi verwechselt.

Ersteinfuhr
1937 wurde die Art unter dem Namen Parosphromenus deissneri erstmals vom Aquarium Hamburg lebend nach Deutschland importiert (Arnold 1937).

Systematik
öberordnung Teleostei – Echte Knochenfische
Ordnung Perciformes – Barschartige
Unterordnung Anabantoidei – Labyrinthfischähnliche
Familie Belontiidae – Makropodenähnliche
Unterfamilie Macropodinae – Makropodenartige
Gattung Parosphromenus Bleeker, 1879 – Prachtguramis
Art P. bintan Kottela & Ng, 1998 – Bintan-Prachtgurami

Flossen- & Schuppenformeln
D XI-XIII/5-7, A XI-XIII/8-10, P 13, V I/5, C 12-14, mLR 28-29(+1-3), Ltr 9-10, Standardlänge bis 23,8 mm.

Beschreibung
Parosphromenus bintan erreicht etwa 4 cm Gesamtlänge. Die Art fällt durch ihre zwei schwarzen Längsstreifen – auf beigem Grund – in der Grundfärbung auf, die bei allen Prachtguramis in der Normalfärbung sichtbar sind. Ein Streifen beginnt am Maul, durchzieht das relativ große Auge und endet im unteren Teil der Schwanzflossenbasis. Der zweite Streifen verläuft parallel dazu. Er beginnt am Augenoberrand und endet in der oberen Schwanzwurzel. Die Körperunterseite ist – ebenso wie die Kehlregion – in der Regel wie die beiden Streifen dunkel gefärbt, der Rücken ist hell.
Balzende Männchen sind wesentlich intensiver gefärbt. Die dunklen Längsstreifen färben sich tiefschwarz, die dazwischen liegenden hellen Streifen werden cremeweiß oder beige, sogar bis reingelb. Die Rücken-, Schwanz- sowie Teile der Afterflosse sind nach außen mit einem schwarzen Band versehen. Die Flossenränder sind ebenfalls mit einem schwarzen Band umgeben, welches beidseitig weiß oder hellblau eingefasst ist. Die inneren Felder der unpaaren Flossen sind individuell und nach Fundorten unterschiedlich mit blauen oder rotorangen Farbanteilen versehen. Die Brustflossen sind transparent, die Bauchflossen blau bis blaugrün.
Das Weibchen ist in der Normalfärbung wie das Männchen längsgestreift, in der Balzfärbung wird es einfarbig lehmgelb bis beige, die Streifen können als Schachbrettmuster angedeutet bleiben, die Flossen sind transparent.

Verbreitung
Parosphromenus bintan wurde von Bangka und Bintan beschrieben, doch sind der Art auch Formen vom Festland, Südthailand und Malaysia sowie von Singapur zuzuordnen. Ob alle Formen von Sumatra dem in den Artrang erhobenen Parosphromenus sumatranus zuzuornen sind muss zunächst offen bleiben. Auch die sehr ähnlichen Prachtgurtamis von Borneo bleiben zunächst ohne sicheren Artnamen.

Lebensraum
Parosphromenus bintan wurde wie P. deissneri unter anderem in Bächen und Gräben mit dunkelbraunem Wasser, wie auch in zeitweise relativ schnell fließenden Gewässern angetroffen. Hierin halten sich die Prachtguramis vornehmlich zwischen der dichtwachsenden, krautigen Ufervegetation bis in 40 cm Wassertiefe versteckt. Parosphromenus bintan ist ein Schwarz- und Klarwasserfisch.

Haltung
Parosphromenus bintan kann wie P. deissneri und andere Prachtguramis in Gruppen aus etwa sechs Fischen in kleineren Aquarien ab circa 30 l Wasserinhalten gepflegt werden. Pärchen lassen sich bei sorgfältiger Wasserpflege schon in kleinen Behältern unterbringen. Dabei ist jedoch zu beachten, das diese Zwerge dann unbedingt in einem Artaquarium untergebracht werden müssen. Diese Aquarien müssen reichlich mit Pflanzen, Versteckmöglichkeiten eingerichtet sein. Die Wasserhärte muss zur Haltung unter 8 °dGH und 4 °KH liegen, die Wassertemperatur bei 22 bis 25 °C. Die elektrische Leitfähigkeit sollte 80 µS/cm nicht überschreiten, der pH-Wert sollte nicht über 6,2 steigen.
Die Ernährung erfolgt am besten ausschließlich mit Lebendfutter. Frostfutter wird nur in geringen Mengen angenommen und Trockenfutter meist völlig ignoriert.

Fortpflanzung & Zucht
Parosphromenus binten kann selbst in kleinen Aquarien ab 10 l Inhalt gezüchtet werden. Wichtig sind ein Büschel Javamoos und eine Höhle als Laichversteck, eine Kokosnussschale oder ein kleiner Keramiktopf, die schräg – günstigenfalls vom Pfleger eben noch einsehbar – aufgestellt wird. Zur erfolgreichen Vermehrung ist eine Gesamthärte bis maximal 4 °dGH erforderlich und eine Karbonathärte darf nicht vorhanden sein, da in härterem Wasser die Eier nicht am Höhlendach klebenbleiben. Am Boden liegende Eier entwickeln sich in der Regel nicht.
Das Wasser wird am besten über Torf gefiltert und muss sauer sein, pH-Wert 4,5 bis 5,5. Die Wassertemperatur kann bei 24 bis 25 °C liegen.
Jedes Prachtguramimännchen beansprucht eine Höhle und ihre nähere Umgebung als Revier. Notfalls wird auch ein günstiger Unterstand unter einem Stein oder einem Blatt akzeptiert. Wegen der Empfindlichkeit der Art und ihrer Neigung, kleine Reviere zu gründen, ist eine Vergesellschaftung von Prachtguramiarten untereinander oder gar mit anderen Fischen nicht empfehlenswert. Wer keine intensive Zucht betreiben möchte, kann die Prachtguramis auch im dichtbepflanzten Aquarium pflegen. Gelegentlich wachsen dann bei guter Wasserpflege sogar bei den Eltern einige Jungfische heran.
Auch die Weibchen sind etwas territorial. Sie bevorzugen meist einen bestimmten Unterstand, wechseln ihn aber oft und verteidigen ihn auch nicht intensiv. Auch Jungfische benötigen Verstecke. Erst im Alter von anderthalb bis zwei Jahren werden Prachtguramis geschlechtsreif.
Das Parosphromenus bintan-Männchen errichtet kein Schaumnest in seiner Höhle, es werden lediglich einige Luftblasen zwischen den am Höhlendach klebenden Eiern deponiert. Das laichmotivierte Männchen sucht verschiedene Weibchen gezielt auf und versucht, sie mit Flossenspreizen – bei intensiver Färbung – durch Führungsschwimmen in seine Höhle zu locken. Das Männchen balzt mit weit abgespreizten Flossen, bei intensivster Färbung. In dieser Balzphase stellt sich das Männchen manchmal regelrecht auf Kopf, dann schwimmt es wirklich kopfunter und flossenspreizend im Wasser vor dem angebalzten Weibchen. Laichwillige Weibchen färben sich blass und folgen dem Männchen bald. Schwimmt ein Weibchen anfangs mit dem Männchen in dessen Versteck, so flüchtet es aber zunächst bald wieder, da es noch nicht völlig zum Laichen motiviert ist. Später begutachtet das Weibchen die Höhle ausgiebig, bevor es nach einigem Hin und Her zu ersten Scheinpaarungen kommt. Dazu bildet das Männchen seitwärts liegend mit dem Körper eine u-förmige Schale, in die das Weibchen hineinschwimmt. Zur richtigen Umschlingung kommt es bei der Scheinpaarung aber noch nicht.
Auch später – bei echten Paarungen – bildet das Männchen zuerst die Schale und erst dann schwimmt das Weibchen hinein und wird fest umschlungen. Das Weibchen wird bei der Paarung nicht oder nur wenig seitlich gedreht, sodass die bei der Paarung vom Männchen sofort befruchteten Eier auf die Afterflosse oder den Bauch des Männchens fallen. Dieses öffnet seine Umschlingung nach der Paarung etwas, um das Weibchen zu entlassen, bleibt aber erheblich länger als jenes in der Laichstarre. Das Weibchen schwimmt aus der Umklammerung heraus und sammelt dann die Eier von der Afterflosse und dem Bauch des Männchens ins Maul. Auch herabsinkende Eier werden aufgeschnappt und anschließend an die Höhlendecke geklebt. Das etwas später aus der Laichstarre erwachende Männchen kümmert sich zunächst nicht um die Eier, sondern sichert – auch bei paarweiser Haltung – das Revier und schöpft eventuell Luft an der Oberfläche, um einige mit Maulsekret ummantelte Schaumblasen zu produzieren, die zwischen den Eiern am Höhlendach deponiert werden. Erst nach der Reviersicherung und dem Zufügen der Blasen zum Gelege (von einem Nest kann in diesem Fall kaum gesprochen werden) hilft es dem Weibchen beim Einsammeln der möglicherweise noch am Boden liegenden Eier. Bereits nach den ersten echten Paarungen verblasst die schöne Prachtfärbung des Männchens etwas. Das Weibchen behält die helle Balz- und Laichfärbung bis zum Ende der Laichphase.
Die gesamte Laichphase kann bis sieben Stunden dauern. Wird das Laichen durch die Nacht unterbrochen, so kann es am folgenden Morgen – nach erneuter kurzer Balz – fortgesetzt werden.
Es werden zwischen 40 und 100 der etwa 1 mm durchmessenden Eier vom Weibchen gelaicht.
Nach erfolgtem Laichen erscheinen die Längsstreifen des Weibchens wieder. Es wird daraufhin vom Männchen aus seiner Höhle vertrieben. Das Männchen übernimmt die Pflege der Eier und Larven gewöhnlich allein. Interessant sind Beobachtungen, wobei Weibchen dem Männchen Eier oder Larven stahlen und ohne Schaumnest in ihrer eigenen Höhle oder unter einem Pflanzenblatt ebenfalls erfolgreich pflegten. Schon nach zwei bis vier Tagen kann das Männchen mit dem gleichen oder einem anderen Weibchen erneut laichen, wenn sich noch frisch geschlüpfte Larven in der Höhle befinden. Die neuen Eier werden dann hinzugefügt. Die älteren Larven werden auch von fremden Weibchen nicht verfolgt.
Die Larven schlüpfen bei 24 °C Wassertemperatur erst nach etwa 56 bis 68 Stunden. Weitere drei bis vier Tage später schwimmen sie frei. Da ihr Dottervorrat jetzt aufgezehrt ist, müssen die jungen Prachtguramis mit frisch geschlüpften Artemia- oder Cyclops-Nauplien – die sie sofort bewältigen – und fein gesiebtem Tümpelfutter angefüttert werden. Eine Ernährung ausschließlich mit Salinenkrebschen ist auf Dauer schädlich, da dann wahrscheinlich Mangelerkrankungen bei den Fischen auftreten.
Erste dunkle Striche tauchen im Alter von vier Wochen in Rücken- und Afterflosse auf. Mit zwei Monaten bekommen die Zwerge die ersten Querstreifen. Im Alter von drei Monaten konnte eine Längsstreifung festgestellt werden.
Im Alter von etwa einem Jahr, wenn sie nahezu ausgewachsen sind, machen auch diese Prachtguramis leider eine Phase durch, in der sie sehr empfindlich auf Tbc/Bauchwassersucht und andere bakterielle Erkrankungen reagieren. Häufige Wasserwechsel und abwechslungsreiche Fütterung sind dann besonders wichtig.
Der Bintan-Prachtgurami ist nicht gerade leicht zu pflegen, doch sind die zu erwartenden Probleme vom fortgeschrittenen Aquarianer leicht zu bewältigen.

Literatur
Arnold, J. P. 1937. Parosphromenus deissneri Bleeker. Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde 34, 447-448.
Foersch, W. 1974. Beobachtungen bei der Zucht von Parosphromenus deissneri. DATZ 27(10), 338-343.
Foersch, W. 1974. Beobachtungen bei der Zucht von Parosphromenus deissneri (Bleeker, 1859) II. DATZ 27(11), 372-374.
Foersch, W 1977. Ein Labyrinthfisch mit öberraschungen… Parosphromenus deissneri. aquarien magazin 11(3), 113-118.
Foersch, W. 1978. Künstliche Aufzucht von Parosphromenus deissneri. aquarien magazin 12(1), 8-11.
Geck, J. 1992. Die Prachtguramis. DATZ 45(4), 216-219.
Geck, J. & Landvogt, R. 1984. Das Labyrinther-Portrait Nr. 24. Parosphromenus deissneri (Bleeker, 1859). Der Makropode 6(12), 238-242.
Gypser, K. H. 1974. Der Deissnerzwergmakropode (Parosphromenus deissneri Bleeker, 1859). TI. 8(3), Nr. 27, 7-8.
Horst, K. 1984. Natürliche Biotope. Die Heimat unserer Aquarienfische und -pflanzen. Aquarium Heute 2(2), 25-28.
Klausewitz, W. 1955. Parosphromenus deissneri Bleeker – zum ersten Male in Deutschland. DATZ 8(10), 257-258.
Klausewitz, W. 1955. See- und Süßwasserfische von Sumatra und Java. Senckenbergiana biologica 36(5/6), 309-323.
Kopic, G. 1995. Zuchttagebuch Teil 2. Der Makropode 17(5/6), 65-66.
Ladiges, W. 1955. Parosphromenus deissneri. DATZ 8(12), 333.
Linke, H. 1986. Zwei Zwerge aus Malaysia. TI. 21(6), Nr. 78, 11-13.
Linke, H. 1994. Neu im Aquarium. Hurra, der „echte“ Deissneri ist da. TI 27(1), Nr. 117, 57.
Richter, H.-J. 1977. Parosphromenus deissneri. Der Zwerggurami, ein seltener Labyrinthfisch. Aquarien Terrarien 24(3), 73, 92-94, 1O8.
Richter, H.-J. 1978. Ein seltener Gast: Der Zwergprachtgurami. Pflege und Zucht von Parosphromenus deissneri. aquarien magazin 12(8), 384-389.
Schmidt, J. 1989. Das Labyrintherportrait Nr. 48. Parosphromenus harveyi Brown, 1987. Der Makropode 11(4), 56-60.
Schmidt, J. 1989. Bemerkungen zu Kletterfischen. VII. Die Macropodinae im Museum für Naturkundliche Geschichte in Leiden, nebst Anmerkungen zu Macropodinae im Museum Amsterdam. Der Makropode 11(11/12), 171-180.
Vierke, J. 1990. Ein alter Unbekannter: Deissners Prachtzwerggurami. das Aqaurium 24(2), Heft 248, 16-19.

Parosphromenus deissneri, Deissner-Prchtgurami, Abbildung: P. Bleeker 1879

Parosphromenus deissneri – Deissner-Prachtgurami
Das neue Labyrinthfischportrait Nr. 24
aus: Der Makropode

Wissenschaftlicher Name
Parosphromenus deissneri (Bleeker, 1859)

Bedeutung des wiss. Namens
Parosphromenus: para (gr.) = neben, falsch oder abweichend; osphromenus = falsche Schreibweise für Osphronemus, Gattungsname für den Riesengurami O. gorami; falscher Osphromenus.
deissneri: Dedikationsname an Herrn Deissner, dem Bleeker (1859) zu danken hatte.

Deutscher Name
Deissners Prachtgurami

Erstbeschreibung
Bleeker, Pieter, 1859. Negende Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van Banka. Nat. Tijdschr. Ned. Ind. 18, Batavia, 376-378.

Synonyme
Osphromenus deissneri (Bleeker, 1859)
Polyacanthus deissneri (Günther, 1861)

Ersteinfuhr
1937 wurde die Art erstmals vom Aquarium Hamburg lebend nach Deutschland importiert (Arnold 1937). Aus heutiger Sicht handelte es sich wohl eher um P. Alfred, möglicherweise aber auch um P. bintan, jedenfalls um Prachtguramis ohne Schwanzflossenfaden.

Systematik
öberordnung Teleostei – Echte Knochenfische
Ordnung Perciformes – Barschartige
Unterordnung Anabantoidei – Labyrinthfischähnliche
Familie Belontiidae – Makropodenähnliche
Unterfamilie Macropodinae – Makropodenartige
Gattung Parosphromenus Bleeker, 1879 – Prachtguramis
Weitere Unterart:
Parosphromenus deissneri sumatranus (Klausewitz 1955b), heute hat dieses Taxon den Status einer eigenen Species.

Flossen- & Schuppenformeln
D X-XIII/5-8, A XI-XIII/6-10, P 13, V I/5, C 12-14, mLR 28-31(+1), Ltr 10, Gesamtlänge 36 mm. Schwanzflosse mit fadenförmigen Fortsatz, ähnlich P. filamentosus.

Beschreibung
Parosphromenus deissneri – mit seinen 3,5 bis 4 cm Gesamtlänge – fällt durch seine dezente schwarze Längsstreifung in der Grundfärbung auf, die bei allen Prachtguramis in der Normalfärbung sichtbar ist. Auf beigem Grund zeigt der Fisch – je nach Stimmung – zwei breite, dunkelbraun bis schwarz gefärbte Streifen. Ein Streifen beginnt am Maul, durchzieht das relativ große Auge und endet im unteren Teil der Schwanzflossenbasis. Der zweite Streifen verläuft parallel dazu. Er beginnt am Augenoberrand und endet in der oberen Schwanzwurzel. Die Körperunterseite ist – ebenso wie die Kehlregion – in der Regel wie die beiden Streifen dunkel gefärbt, der Rücken ist hell.
Balzende Männchen zeigen eine wesentlich intensivere Färbung. Die dunklen Längsstreifen färben sich tiefschwarz, die dazwischen liegenden hellen Streifen werden cremeweiß oder beige bis reingelb. Die Rücken-, Schwanz- sowie Teile der Afterflosse sind nach außen mit einem schwarzen Band versehen. Die Flossenränder sind ebenso mit einem schwarzen Band umgeben, welches beidseitig weiß oder hellblau eingefaßt ist. Die inneren Felder der unpaaren Flossen sind individuell und nach Fundorten unterschiedlich mit blauen oder rot-orangen Farbanteilen versehen. Die Brustflossen sind transparent, die Bauchflossen blau bis blaugrün.
Das Weibchen ist in der Normalfärbung wie das Männchen längsgestreift, in der Balzfärbung wird es einfarbig lehmgelb bis beige, die Streifen können als Schachbrettmuster angedeutet bleiben, die Flossen sind transparent.

Verbreitung
Parosphromenus deissneri wurde angeblich an mehreren Stellen in Südthailand, Malaysia, Singapur und Indonesien, auf den Inseln Bangka, Sumatra und Borneo gefunden, wobei es sich (bis auf Bangka) um Fehlbestimmungen handelte. Nach heutigem Kenntnisstand ist die Art auf Bangka endemisch.

Lebensraum
Parosphromenus deissneri wurde unter anderem in drei bis vier Kilometer langen Bächen und Gräben mit dunkelbraunem Wasser, wie auch in relativ schnell fließenden Gewässern angetroffen. Hier hielten sich die Fische vornehmlich zwischen der dichtwachsenden krautigen Ufervegetation in circa 20 bis 40 cm Wassertiefe auf. Die Art ist ein Klar- und Schwarzwasserfisch.

Haltung
Parosphromenus deissneri kann in Gruppen aus etwa sechs Fischen in kleineren Aquarien ab circa 30 l Wasserinhalten gepflegt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass diese Zwerge unbedingt in einem Artaquarium untergebracht werden müssen. Diese Aquarien sollten reichlich mit Pflanzen, Versteckmöglichkeiten, z. B. Höhlen, eingerichtet sein. Die Wasserhärte muss zur Haltung unter 8 °dGH und 4 °KH liegen (zur Zucht, s. u.), die Wassertemperatur bei 22 bis 25 °C. Die elektrische Leitfähigkeit darf 100 ~S/cm nicht überschreiten, der pH-Wert sollte 6,2 nicht übersteigen.
Die Ernährung sollte ausschließlich mit Lebendfutter erfolgen. Frostfutter wird nur in geringen Mengen angenommen und Trockenfutter wird meist völlig ignoriert.

Fortpflanzung & Zucht
Parosphromenus deissneri kann auch in kleinen Aquarien ab 10 l Inhalt gezüchtet werden. Wichtig ist ein Büschel Javamoos und eine Höhle als Laichmöglichkeit, z. B. eine Kokosnußschale, die schräg – vom Pfleger eben noch einsehbar – aufgestellt wird. Zur erfolgreichen Vermehrung ist eine Gesamthärte bis maximal 2 °dGH erforderlich und eine Karbonathärte darf nicht vorhanden sein, da in härterem Wasser die Eier nicht am Höhlendach kleben bleiben. Am Boden liegende Eier entwickeln sich nicht. Diese wesentlichen Erkenntnisse verdanken wir Herrn Dr. W. Foersch (1974a, b, 1977, 1978, aus heutiger Sicht für P. Alfred), der diese und viele andere Arten erstmals züchtete.
Das Wasser sollte über Torf gefiltert und sauer sein, pH-Wert 4,5 bis 5,5. Die Wassertemperatur sollte bei rund 24 °C liegen.
Jedes Prachtguramimännchen beansprucht eine Höhle und seine nähere Umgebung als Revier. Notfalls wird auch ein günstiger Unterstand unter einem Stein oder einem Blatt akzeptiert. Wegen der Empfindlichkeit der Art und ihrer Neigung, kleine Reviere zu gründen, ist eine Vergesellschaftung von Prachtguramiarten untereinander oder gar mit anderen Fischen nicht empfehlenswert. Wer keine intensive Zucht betreiben möchte, kann die Prachtguramis auch im dichtbepflanzten Aquarium pflegen. Gelegentlich wachsen dann bei guter Wasserpflege sogar bei den Eltern einige Jungfische heran.
Auch die Weibchen sind – wenn auch eingeschränkt – territorial. Sie bevorzugen meist einen bestimmten Unterstand, wechseln ihn aber oft und verteidigen ihn auch nicht intensiv. Auch Jungfische benötigen Verstecke. Erst im Alter von anderthalb bis zwei Jahren werden Prachtguramis geschlechtsreif.
Das Parosphromenus deissneri-Männchen errichtet kein Schaumnest in seiner Höhle, es werden lediglich einige Luftblasen zwischen den am Höhlendach klebenden Eiern deponiert. Das laichmotivierte Männchen sucht verschiedene Weibchen gezielt auf und versucht, sie mit Flossenspreizen – bei intensiver Färbung – durch Führungsschwimmen in seine Höhle zu locken. Laichwillige Weibchen färben sich blass und folgen dem Männchen bald. Schwimmt ein Weibchen anfangs mit dem Männchen in dessen Versteck, so flüchtet es zunächst bald wieder, da es noch nicht richtig zum Laichen motiviert ist. Später begutachtet das Weibchen die Höhle ausgiebig, bevor es nach einigem Hin und Her zu ersten Scheinpaarungen kommt. Dazu bildet das Männchen seitwärts liegend mit dem Körper eine u-förmige Schale, in die das Weibchen hinein schwimmt. Zur richtigen Umschlingung kommt es bei der Scheinpaarung aber noch nicht.
Auch später – bei echten Paarungen – bildet das Männchen zuerst die Schale, und erst dann schwimmt das Weibchen hinein und wird fest umschlungen. Das Weibchen wird bei der Paarung nicht oder nur wenig seitlich gedreht, sodass die bei der Paarung vom Männchen sofort befruchteten Eier auf die Afterflosse des Vaters geraten. Das Männchen öffnet seine Umschlingung nach der Paarung etwas, um das Weibchen zu entlassen, bleibt aber länger als letzteres in der Laichstarre. Das Weibchen schwimmt aus der Umklammerung heraus und nimmt dann die Eier von der Afterflosse des Männchens ins Maul. Auch herabsinkende Eier werden aufgeschnappt und dann an die Höhlendecke geklebt. Das etwas später aus der Laichstarre erwachende Männchen kümmert sich zunächst nicht um die Eier, sondern sichert – auch bei paarweiser Haltung – das Revier und schöpft eventuell Luft an der Oberfläche, um einige mit Maulsekret ummantelte Schaumblasen zu produzieren, die zwischen den Eiern am Höhlendach deponiert werden. Erst nach dem Zufügen der Blasen hilft es dem Weibchen beim Einsammeln der restlichen am Boden liegenden Eier. Bereits nach den ersten echten Paarungen verblaßt die schöne Prachtfärbung des Männchens etwas. Das Weibchen behält die helle Balz- und Laichfärbung bis zum Ende der Laichphase.
Die gesamte Laichphase kann bis zu sieben Stunden dauern. Wird das Ablaichen durch die Nacht unterbrochen, so kann es am folgenden Morgen – nach erneuter kurzer Balz – fortgesetzt werden.
Es werden zwischen 50 und 100 der etwa 1 mm durchmessenden Eier vom Weibchen abgelaicht.
Nach erfolgtem Ablaichen erscheinen die Längsstreifen des Weibchens wieder, das daraufhin vom Männchen aus seiner Höhle vertrieben wird. Das Männchen übernimmt die Pflege der Eier und Larven gewöhnlich allein. Allerdings konnte ich beobachten, daß Weibchen dem Männchen Eier oder Larven stahlen und ohne Schaumnest in ihrer eigenen Höhle oder unter einem Pflanzenblatt ebenfalls erfolgreich pflegten. Schon nach zwei bis vier Tagen kann das Männchen mit dem gleichen oder einem anderen Weibchen erneut ablaichen, wenn sich noch frisch geschlüpfte Larven in der Höhle befinden. Die neuen Eier werden dann hinzugefügt. Die älteren Larven werden auch von fremden Weibchen nicht verfolgt.
Die Larven schlüpfen bei 24 °C Wassertemperatur nach etwa 50 bis 70 Stunden. Erst weitere drei bis vier Tage später schwimmen sie frei. Da ihr Dottervorrat jetzt aufgezehrt ist, müssen sie mit frisch geschlüpften Artemia- oder Cyclops-Nauplien – die sie sofort bewältigen – und fein gesiebtem Tümpelfutter angefüttert werden. Eine Ernährung ausschließlich mit Artemia sp. ist auf die Dauer schädlich, da wahrscheinlich Mangelerkrankungen bei den Fischen auftreten.
Erste dunkle Striche tauchen im Alter von vier Wochen in Rücken- und Afterflosse auf. Mit zwei Monaten bekommen die Zwerge die ersten Querstreifen. Im Alter von drei Monaten konnte eine Längsstreifung festgestellt werden.
Foersch (1978) schreibt auch über die künstliche Aufzucht von Prachtguramis, doch sollten bei dieser Art – wegen der durchaus zu bewältigenden Probleme bei der Aufzucht – die Eltern erst nach dem Freischwimmen der Larven aus dem Zuchtaquarium entfernt werden. Gut ernährte Eltern verfolgen die Jungen nur in Ausnahmefällen als mögliche Beute. Wenn das neue Aquarium genauso eingerichtet ist, werden die gewohnten Standorte von den umgesetzten Eltern sofort wieder bezogen.
Häufige Wasserwechsel und abwechslungsreiche Fütterung sind besonders wichtig.
Deissners Prachtgurami ist nicht gerade leicht zu pflegen, doch sind die zu erwartenden Probleme vom fortgeschrittenen Aquarianer leicht „in den Griff zu bekommen“.

Literatur
Bleeker, P. 1859. Negende Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van Banka. Nat. Tijdschr. Ned. Ind. 18, Batavia, 359-378.
Bleeker, P. 1878. MÇmoire sur les poissons Ö pharyngiens labyrinthiformes de l’Inde ArchipÇlagique. Natuurkund. Verhandl. der Koningl. Akademie Deel XIX, Amsterdam, 56 S.
Böhm, O. 1980. Aus dem Leben einiger Labyrinthfische. DATZ 33(9), 294-298.
Foersch, W. 1974a. Beobachtungen bei der Zucht von Parosphromenus deissneri. DATZ 27(10), 338-343.
Foersch, W. 1974b. Beobachtungen bei der Zucht von Parosphromenus deissneri (Bleeker, 1859) II. DATZ 27(11), 372-374.
Foersch, W. 1977. Ein Labyrinthfisch mit öberraschungen… Parosphromenus deissneri. aquarien magazin 11(3), 113-118.
Foersch, W. 1978. Künstliche Aufzucht von Parosphromenus deissneri. aquarien magazin 12(1), 8-11.
Geck, J. 1992. Die Prachtguramis. DATZ 45(4), 216-219.
Geck, J. & Landvogt, R. 1984. Das Labyrinther-Portrait Nr. 24. Parosphromenus deissneri (Bleeker, 1859). Der Makropode 6(12), 238-242.
Geck, J. & Landvogt, R. 1984. Parosphromenus deissneri Portrait no 24. Le Macropode 1(10), 8-12.
Günther, A. C. L. G. 1861. Catalogue of the Acanthopteragian Fishes in the Collection of the British Museum. Vol. 3. London, 323 S.
Gypser, K. H. 1974. Der Deissnerzwergmakropode (Parosphromenus deissneri Bleeker, 1859). TI. 8(3), Nr. 27, 7-8.
Klausewitz, W. 1955a. Parosphromenus deissneri Bleeker – zum ersten Male in Deutschland. DATZ 8(1O), 257-258.
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Parosphomenus filamentosus, Faden-Prchtgurami

Parosphromenus filamentosus
der Fadenschwanzprachtgurami
überarbeitet aus Aquarium live

Prachtguramis sind mit 3 bis etwa 4 cm Totallänge wahre Zwerge unter den Labyrinthfischen. Es sind Bewohner der Schwarzwasser führenden Fließgewässer in den Waldgebieten Südostasiens. Dort leben sie in strömungsarmen Bereichen, meist versteckt zwischen der Ufervegetation oder unter dem ins Wasser gefallenen Laub.
Ihre Farbenpracht ist zum Teil beeindruckend, doch wird sie oftmals nur während der Balz der Männchen gezeigt. Dennoch vermögen es diese Winzlinge, den Liebhaber kleiner Fischarten in den Bann zu ziehen. Neben ihrer Farbenpracht ist ihr Verhalten äußerst interessant. Die Nachzucht dieser Fischchen ist schwierig, einige Arten sind jedoch etwas einfacher zu vermehren. Der Fadenschwanzprachtgurami ist eine für den Einstieg in die Pflege und Zucht von Prachtguramis gut geeignete Art, die dem Aquarianer viel Freude bereiten kann.
Der Fadenschwanzprachtgurami stammt aus Kalimantan, dem südlichen Teil der Insel Borneo
Dort lebt er in ruhigen Bereichen der Schwarzwasserflüsse und Bäche in der weiteren Umgebung der Stadt Banjarmasin. Der von Dr. Jörg Vierke 1981 als Parosphromenus filamentosus beschriebene Prachtgurami erreicht etwa 4 cm Totallänge. Namengebend ist der arttypische, bis zu 10 mm verlängerte Flossenstrahl, welcher bei beiden Geschlechtern wie ein Faden aus der Schwanzflosse ragt. Auch die Bauchflossen sind fadenartig verlängert. Doch auch andere Parosphromenus-Arten wie beispielsweise Parosphromenus paludicola und P. linkei besitzen einen fadenartigen Auszug in der Schwanzflosse. Parosphromenus filamentosus erinnert ein wenig an Rote Spitzschwanzmakropoden, Pseudosphromenus dayi, von Sri Lanka, mit dem er jedoch nur weitläufig verwandt ist. Während die Spitzschwanzmakropoden der Gattung Pseudosphromenus über ein gut ausgebildetes Labyrinthorgan zur Atmung von atmosphärischem Sauerstoff verfügen, besitzen Prachtguramis ein reduziertes und zur Luftatmung unzureichend entwickeltes Organ. Dies spiegelt sich auch in der Lebensweise der Fische wieder. Prachtguramis sind sauerstoffbedürftiger, sie sind daher selten in sauerstoffarmen Kleinstgewässern zu finden und veratmen ausschließlich den im Wasser gelösten Sauerstoff. Nur zur Errichtung eines Schaumnests schwimmt das Männchen zur Wasseroberfläche, um Luft zu schnappen. Diese wird dann zu kleinen, mit „Speichelsekret” umgebenen Schaumbläschen unter einer Höhlendecke zu einem winzigen Schaumnest zusammengetragen. Das Luftholen geschieht sehr hektisch. Dabei schwimmt das Männchen zunächst soweit wie möglich entlang von Gegenständen, die dem Fisch ein Sicherheitsgefühl vermitteln, nach oben, beim letzten zu überwindenden Stück schießt er zur Wasseroberfläche, schnappt Luft und schießt steil zum Bodengrund zurück. Dieses Verhalten sichert den Prachtguramis in der Natur das Überleben, denn Fressfeinde wimmeln überall. Räuberische Wasserinsekten und deren Larven, Raubfische wie Nanderbarsche, Nandus nebulosus, Hechtköpfe, Luciocephalus pulcher, L. Laura, verschiedene Schlangenkopffische, Channa spp., sowie viele andere verschmähen diese kleinen Fischchen nicht. Daher leben die Prachtguramis sehr bodenorientiert und lieben eine versteckreiche Umgebung. Vor allem Wildfänge können anfangs sehr schreckhaft sein.
Für die Pflege von Prachtguramis sind die Wasserwerte von entscheidender Bedeutung. Sehr weiches Wasser, etwa 0 bis 5 °dGH, 0 °dKH sowie ein saurer pH-Wert von 4 bis 5,5, sind für die Pflege und Zucht des Fadenschwanzprachtguramis ausreichend. Diese Fische vertragen zwar auch höhere Härtegrade, doch zeigen sie in einem Artaquarium mit huminsaurem und sehr weichem Wasser viel intensivere Farben und sind aktiver. Um die Gesamthärte zu senken, können wir Osmosewasser aus einer Umkehrosmoseanlage oder einfach das benötigte entmineralisierte Wasser, wie es im Baumarkt in kleinen handlichen 5 l-Kanistern angeboten wird, unserem Leitungswasser zugeben. Bei wenigen Weichwasseraquarien mit geringem Gesamtvolumen ist die Anschaffung einer
Osmoseanlage nicht unbedingt nötig. Der Wirkungsgrad der Osmoseanlage liegt bei etwa einem Teil Nutzwasser und drei Teilen mineralreichem Restwasser. Daher sollte sich
der Aquarianer die Anschaffung einer solchen
Anlage gut überlegen. Auf organische Belastungen des Wassers reagieren diese Fische mit schwarzen, schmutzig wirkenden Flecken am
Körper und in den Flossen, weshalb der Bodengrund von übermäßigen Futterresten und Stoffwechselprodukten durch regelmäßige Reinigungsmaßnahmen befreit werden muss. Alle drei bis fünf Wochen können wir auf diese Weise etwas Aquarienwasser erneuern. Für ein Paar der Fadenschwanzprachtguramis reicht ein Aquarium mit 40 cm, besser jedoch eines mit 60 cm Kantenlänge vollkommen aus. Die Wassertemperatur sollte sich zwischen 22 und 26 °C bewegen. Ein dunkler Bodengrund und eine Schwimmpflanzendecke, zum Beispiel mit Hornfarn, Ceratopteris cornuta, tragen wesentlich zum Wohlbefinden dieser Fische bei. Statt Sand und feinem Kies lassen sich auch andere Materialien wie Falllaub, das vertrocknete Herbstlaub der Rotbuche ist ideal, und Fasertorf, wie er für die Killifischpflege Verwendung findet, als Bodengrund verwenden. Auch Wurzelstücke und eine Steinhöhle oder eine Kokosnussschalenhöhle sollten nicht fehlen. Sehr dekorativ und natürlich wirkt auf diesen Materialien festgewachsenes Javamoos und Javafarn.
Saures Wasser: Torf, totes Holz und Falllaub sind für die Puf- ferung des pH-Werts sehr wichtig, da diese Materialien einem pH-Wersturz entgegenwirken. Je mehr dieser Materialien Verwendung finden, desto größer ist auch die Ausschüttung der Huminstoffe und der Huminsäure, welches sich auch am Grad der Wasserverfärbung ablesen lässt.
Reicht die von diesen Materialien abgegebene Huminsäure nicht aus, um den pH-Wert genügend abzusenken, so muss mit handelsüblichen verdünnten Säuren nachgeholfen werden. Die Zugabe von Säure muss sehr vorsichtig, in kleinen Schritten, vorgenommen werden. Dabei wird zunächst in einem 10 l-Eimer mit Aquarienwasser eine kleine Menge Säure, etwa 5 ml, zugegeben. Nach etwa drei Minuten messen wir den pH-Wert, ist er zu niedrig, so sind 5 ml in diesem Fall zu viel und es muss weniger Säure verwendet werden.
Ein kleiner Blubberfilter, luftbetriebener Schwammfilter, der das Wasser nicht allzu stark bewegen sollte, reicht als Filter aus. Als Futter kommen nur kleine Futtertiere infrage, wie etwa Hüpferlinge, Wasserflöhe und Artemia sowie deren Nauplien, kleine Mückenlarven oder andere Wasserinsektenlarven passender Größe. Nur gelegentlich sollten etwas Tubifex und Rote Mückenlarven angeboten werden, da diese bei übermäßiger Verfütterung zu ernsthaften Stoffwechselproblemen der Prachtguramis führen können. Frostfutter wird nach Gewöhnung angenommen, Trockenfutter hingegen so gut wie nie. Prachtguramimännchen sind zwar revierbildend, aber insgesamt recht friedlich, da nur die Bruthöhle und der nähere Bereich, vor allem gegen arteigene Fische, verteidigt wird.
Die Gesellschaft: Es ist durchaus möglich, mehrere Paare in einem Art- oder Gesellschaftsaquarium zu pflegen, welches jedoch mindestens 60 cm Kantenlänge aufweisen sollte. Darin finden etwa fünf Paare Platz. Auch eine Vergesellschaftung mit anderen friedlichen und kleinen Fischen, beispielsweise mit klein bleibenden Rasbora-Arten wie Boraras maculata, die ebenfalls Schwarzwasser bevorzugen, ist gut möglich.
In solchen Aquarien lassen sich die Fadenschwanzprachtguramis bei Imponierkämpfen, beim Balzen und Laichen beobachten, jedoch kommen kaum Jungfische durch, da diese von den Fischen oft als Bereicherung des Futterplans angesehen werden. Deshalb ist ein paarweiser Ansatz in einem speziellen Zuchtaquarium sinnvoll, in dem die oben empfohlenen Wasserparameter eingestellt werden.
Die Zucht: Die niedrige Gesamt- und Karbonathärte sowie der niedrige pH-Wert sind für eine gute Ei- und Larvalentwicklung wichtig. Im Wasser gelöste Huminstoffe regen das Paar zum Laichen an und wirken sich ebenfalls positiv auf die Entwicklung der Eier und Larven aus. In der Natur setzt die Laichzeit gegen Ende der Regenzeit ein. In der Trockenzeit führen viele Gewässer Niedrigwasser, dabei liegen der pH-Wert sowie die elektrische Leitfähigkeit in der Regel höher. Bei den starken Regenfällen in der Regenzeit treten viele Gewässer über die Ufer und weite Bereiche der Tiefebenen werden überflutet; dabei sinken der pH-Wert und die elektrische Leitfähigkeit. Die Wassertemperatur sinkt zunächst zu Beginn der Regenzeit etwas ab, steigt jedoch gegen Ende der Regenzeit wieder an. In der Trockenzeit liegen die Wassertemperaturen in der Regel am höchsten. Dies müssen wir auch bei einem Zuchtversuch berücksichtigen, indem wir die Wasserparameter entsprechend einstellen. Zur Zucht sollten wir nur Paare auswählen, die gesund und laichreif sind. Bei sehr jungen Zuchtpaaren sind nur sehr wenige Nachzuchten, etwa acht bis 15 Jungfische, zu erwarten. Ältere erwachsene Paare erbringen durchschnittlich etwa 25 bis 50 Jungfische pro Eigelege. Bei der Einrichtung des Aquariums müssen wir für ausreichend Versteckplätze sorgen, damit unterlegene Fische sich aus dem Weg schwimmen können. Dabei gilt die einfache Formel: „Aus den Augen – aus den Sinn”.
Männchen, die einen Unterstand als potenziellen Laichort erkoren haben, entwickeln sich zu kleinen Raufbolden, die sich jedoch in der Regel keine ernsthaften Verletzungen zufügen. Zerzauste Flossen und fehlende Schuppen sind schnell wieder regeneriert. Sind eine Rangordnung und der Besitzanspruch einer geeigneten Laichstelle zwischen den Kontrahenten geklärt, so kommt es meist nur noch zum Imponierverhalten, wobei die Flossen aufgestellt und die prächtigen Farben präsentiert werden. Die schlicht gefärbten Weibchen werden durch das Imponierverhalten der Männchen angelockt. Sind die Weibchen nicht laichreif, so werden sie schnell vertrieben. Laichreife Weibchen, unschwer an der größeren Leibesfülle zu erkennen, werden hingegen vom Männchen heftig umworben. Dabei sind die bei Prachtguramis sogenannten „sexy eyes“ zu beobachten, bei denen die Augen ein vertikales schwarzes Band aufweisen. In der Regel beginnt das Männchen nach dem Bezug einer Höhle mit dem Schaumnestbau. Jedoch ist dieses im Vergleich zu anderen Schaumnestern gut bekannter Labyrinthfische, wie etwa dem Siamesischen Kampffisch, sehr mickrig, da es aus nur wenigen Schaumblasen besteht. Im Vergleich zu anderen Prachtguramis ist es aber immer noch groß, denn manche Arten verzichten völlig auf ein Schaumnest und kleben die Eier einfach ans Höhlendach. Bei der anschließenden Balz versucht das Männchen, seine Auserkorene zu seinem Nest zu locken. Dabei verhält sich das Weibchen zunächst etwas zögerlich und wird anfangs noch vom Männchen vertrieben.
Doch das Weibchen wird bald zunehmend selbstsicherer und schwimmt mit dem Männchen
in die Höhle, wobei sich dieFische unterhalb des Nests zu umkreisen beginnen. Auf diese Weise wird der Laichvorgang eingeleitet, dies ist auch ein
wichtiger Punkt zur Synchronisation beider Partner.
Während zunächst die Umkreisungen von den Fischen immer wieder durch kurze Pausen unterbrochen werden, folgt schließlich die erste Scheinpaarung, bei der noch keinerlei Geschlechtsprodukte abgegeben werden. Nach weiteren Umkreisungen und Scheinpaarungen folgen nun auch echte Paarungen, bei denen, aus der Umschlingung der Fische heraus, bei beiden Geschlechtsprodukte ausgeschieden werden. Die großen, weißen Eier sind schwerer als Wasser und sinken zu Boden. Sowohl das Männchen als auch das Weibchen beteiligen sich am Einsammeln der Eier, die dann ins Schaumnest eingebettet werden. Beide Laichpartner umgeben die Eier mit einem leicht klebrigen „Speichelsekret“, wobei die Eier auch direkt an die Höhlendecke geheftet werden können, ohne von den Schaumblasen des Schaumnests umgeben zu sein. So gibt es einige Prachtguramiarten, bei denen der Schaumnestbau eine Art „Relikthandlung“ darstellt, bei der nur noch einige wenige Schaumblasen unter einem Höhlendach zusammengetragen werden. Ist der Eivorrat vollständig erschöpft, so folgen noch einige Scheinpaarungen und Umkreisungen. Letztendlich wird das Weibchen nicht mehr in der Höhle geduldet und vertrieben. Nun fangen wir das Weibchen aus dem Zuchtaquarium heraus und überlassen dem Männchen die Betreuung der Eier und Jungen.
Die Larven schlüpfen am dritten Tag, nach weiteren drei Tagen schwimmen sie frei. Zu diesem Zeitpunkt fangen wir nun auch das Männchen heraus. Gelegentlich entwickeln sich die Eier oder Larven nicht. Der Grund hierfür ist meist ein Piscinoodinium-Befall der Elternfische.
Dieser bei allen aus dem Schwarzwasser stammenden Fischarten sehr häufige Ektoparasit lässt sich gut mit einer einwöchigen Kochsalzbehandlung, zwei bis vier Teelöffel Kochsalz auf 10 l Wasser, oder mit handelsüblichen Medikamenten behandeln. Ein erneuter Zuchtversuch bringt dann meist den erhofften Erfolg. Ist der Dottersack der Jungfische aufgezehrt, so beginnen sie mit der Nahrungsaufnahme. Erstfutter sind Infusorien sowie feine Cyclops- und Artemia-Nauplien. Obwohl die Jungfische bereits Artemia-Nauplien bewältigen können, halte ich eine Fütterung mit Infusorien über die ersten drei bis vier Tage für sinnvoll, da einige Artemia-Sorten zu große Nauplien haben, bei deren Darreichung die Jungfische in Anwesenheit von Futter verhungern könnten. Eine leichte Wasserbewegung sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der Nahrung. Die Jungfische wachsen langsam, aber stetig. Besonders vorteilhaft wirkt sich die Fütterung mit feinem Tümpelfutter aus. So können die „Schiffchen”, die Eigelege der Schwarzen Stechmücke, ins Aquarium gegeben werden; die daraus schlüpfenden kleinen Mückenlarven sind ein gutes Futter. Nach etwa sieben Monaten können die jungen Fadenschwanzprachtguramis die Größe ihrer Eltern erreicht haben.
Der Pfleger von Prachtguramis sollte sich darüber im klaren sein, dass er eine kleine Kostbarkeit besitzt, denn durch die zunehmende Biotopzerstörung sind diese Schwarzwasserfische sehr gefährdet. Prachtguramis sind sicher keine „Anfängerfische“. Der Liebhaber besonderer Fische sollte sich aber mal an diese interessanten Fische heranwagen – es lohnt sich.

Steckbrief: Parosphromenus filamentosus – Fadenschwanzprachtgurami

Familie: Belontiidae Gattung: Parosphromenus Art: P. filamentosus Vierke, 1981 Deutscher Name: Fadenschwanzprachtgurami Herkunft: Südostasien, Borneo Größe: 4 cm, allerdings mit dem 1 cm langen Schwanzflossenfaden des Männchens gerechnet. Verhalten: Friedlich und scheu. Haltung: In einer Gruppe im Artaquarium ab 60 cm Länge, mit vielen Ver- steckmöglichkeiten. Wasser: pH-Wert 4-6, 0-4 °dKH, 1-8 °dGH, 23-27 °C. Fütterung: Lebendes Feinfutter bis etwa zur Mückenlarvengröße. Vermehrung: Das Männchen errichtet ein Schaumnest in einer Höhle. Das Paar laicht in der Höhle, die Brutpflege übernimmt das Männchen allein. Anmerkung: Prachtguramis sind anspruchsvolle Aquarienfische.

Literatur (Auswahl)
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Foersch, W. 1982a. Erste Erfahrungen mit Parosphromenus filamentosus (1). Das Aquarium 153, 126.
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Geck, J. 1984. Ein liebenswerter Zwerg. Der Makropode (1), 8.
Linke, H. 2013. Labyrinthische. Tetra Verlag, Berlin-Velten.
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Schmidt, J. 1988. Das Labyrintherportrait Nr. 48. Parosphromenus filamentosus Vierke, 1981. Der Makropode (6), 87.
Schmidt, J. 1989. Der Faden-Prachtgurami, Parosphromenus filamentosus Vierke, 1981. DATZ 42(10), 593.
Vierke, J. 1979. Ein neuer Labyrinthfisch von Borneo – Parosphromenus parvulus nov. spec. Das Aquarium 120, 247.
Vierke, J. 1981. Parosphromenus filamentosus nov. spec. aus SO-Borneo. Senckenbergiana biologica 61, 363.
Vierke, J. 1982a. Wieder ein neuer Prachtzwerggurami von Borneo. Das Aquarium, 153: 122.
Vierke, J. 1982b. Schön und pflegeleicht. Der Faden-Prachtzwerggurami aus Borneo. (Pflege und Zucht von Parosphromenus filamentosus.) Aquarien Magazin (5), 300.

Parosphromenus filamentosus, Faden-Prachtgurami
Parosphromenus harveyi, Harvey-Prchtgurami
Parosphromenus linkei, Linke-Prachtgurami
Parosphromenus nagyi, Nagy-Prachtgurami mit farbigen Flossenrändern
Parosphromenus nagyi, Nagy-Prachtgurami mit transparenten Flossenrändern,
hier ein Männchen von der Terra Typica.

Parosphromenus nagyi
– Saphirblaue Juwelen, Nagys Prachtgurami
aus: Aquarium live

Nagys Prachtgurami ist eine äußerst attraktive Art, die aber zum Leidwesen der Aquarianer ganz besondere Ansprüche an die Wasserqualität und die Aquarieneinrichtung stellt. Deshalb ist eine Vergesellschaftung des maximal 4 cm großen Zwergs mit anderen Fischen nicht zu empfehlen. Aquarianern, die trotzdem die Pflege dieses prachtvollen Zwergs versuchen möchten, seien diese Art besonders ans Herz gelegt.
Nahezu zeitgleich mit einem kleinen weinroten Kampffisch, Betta tussyae, beschrieb Dietrich Schaller einen neuen Prachtgurami, Parosphromenus nagyi. Nagy, Schaller und später auch weitere reisende Aquarianer und Wissenschaftler fanden die beiden Fischarten im gleichen Lebensraum, in Gesellschaft weiterer zum Teil seltener und anspruchsvoller Arten, so zum Beispiel Schokoladenguramis und verschiedene Bärblinge.
Natürlich werden solche Fische, die auf extrem weiches und saures sowie sehr sauberes Wasser angewiesen sind und zudem in der Zucht problematisch sind, immer Seltenheiten bleiben. Trotzdem gelingt die Zucht regelmäßig und der Bestand scheint in der Aquaristik gesichert. Nagys Prachtgurami, Parosphromenus nagyi, kann bei genügend vorhandenen Rückzugsmöglichkeiten ohne weiteres gemeinsam mit Zwergbärblingen, Rasbora maculata, oder Schokoladenguramis, Sphaerichthys osphromenoides, in Gesellschaftsaquarien gepflegt werden.

Die Pflege im Artaquarium

Parosphromenus nagyi kann in Gruppen aus etwa sechs Fischen in kleineren Aquarien ab circa 50 l Wasserinhalten untergebracht werden. Sichere Pärchen lassen sich bei sorgfältiger Wasserpflege auch schon in kleinen ab 20 l Wasser fassenden Behältern unterbringen; dies sollte aber nur von erfahrenen Aquarianer ausprobiert werden. Dabei ist außerdem zu beachten, daß diese kleinen Zwerge unbedingt in einem Artaquarium untergebracht werden müssen. Zudem müssen die Aquarien reichlich mit Pflanzen und anderen Versteckmöglichkeiten, beispielsweise Höhlen, eingerichtet sein. Die Wasserhärte muß zur Haltung unter 12 ¯dGH und 4 ¯KH liegen (günstig sind 5 ¯dGH), die Wassertemperatur bei 22 bis 26 ¯C. Die elektrische Leitfähigkeit darf 120 ÊS/cm nicht überschreiten, der pH-Wert sollte den Wert 6,0 nicht übersteigen.

Lebendfutter bevorzugt

Die Ernährung muß ausschließlich mit Lebendfutter und tiefgekühltem Futter lebenden Ursprungs erfolgen. Frostfutter wird nur in geringen Mengen angenommen und an Trockenfutter müssen die Fischlein mühsam gewöhnt werden, was in den Wintermonaten leider manchmal notwendig ist. Glücklicherweise stehen auch in den lebendfutterarmen Monaten Futtersorten wie Salinenkrebschen, Artemia salina, zur Verfügung. Auch Rädertierchen aus Dauereiern oder Zuchten werden gern verzehrt. Desweiteren werden von den Fischlein auch Grindalwürmchen gefressen, doch ist hier Vorsicht wegen möglicher Laichverfettung angezeigt.
Wer diese wenigen grundlegenden Regeln beachtet, wird viel Freude an den prachtvollen Fischen haben, die trotz ihrer Kleinheit über sechs Jahre alt werden können.

Der wissenschaftliche Name

Nagys Prachtgurami – früher wurden die Prachtguramis auch als Prachtzwerguramis oder Zwergprachtguramis bezeichnet, obwohl manche Labyrinthfische kleiner als diese Arten bleiben – heißt mit wissenschaftlichem Namen korrekt Parosphromenus nagyi (Schaller, 1985). Die Bedeutung des wissenschaftlichen Namens ist leicht zu erläutern. Der Gattungsname Parosphromenus gliedert sich in para (gr.), das bedeutet neben, falsch oder abweichend; und osphromenus (lat.) ist eine falsche Schreibweise für Osphronemus, dem Gattungsnamen des Riesenguramis O. gorami; der vollständige Name wäre also falscher Osphromenus. Der Artname P. nagyi ist ein Widmungsname (Dedikationsname) an einen Herrn Peter Nagy de Felsö Gör, Salzburg, der viele Aquarienfische und vor allem Labyrinthfische erstmals aus Südostasien nach Europa (ôsterreich) importierte.
Bleeker (1859) beschrieb den ersten Prachtgurami zunächst als Osphromenus deissneri und gründete erst 1879 die Gattung Parosphromenus, womit nun ersterer Name ein Synonym ist.

Typische Farben

Parosphromenus nagyi – mit seinen 3,5 bis 4 cm Gesamtlänge – fällt durch seine dezente schwarze Längsstreifung in der Grundfärbung auf, die bei allen Prachtguramis in der Normalfärbung sichtbar ist. Auf beigem Grund zeigt der Fisch – je nach Stimmung – zwei breite, dunkelbraun bis schwarz gefärbte Längsstreifen. Der mittlere Streifen beginnt am Maul, durchzieht das relativ große Auge und endet im unteren Teil der Schwanzflossenbasis. Der zweite Streifen verläuft parallel dazu. Er beginnt am Augenoberrand und endet in der oberen Schwanzwurzel. Die Körperunterseite ist – ebenso wie die Kehlregion – in der Regel wie die beiden Streifen dunkel gefärbt, der Rücken ist hell. In der Rückenflosse sind gelegentlich, vor allem bei Wildfängen, Flecken sichtbar, die aber wieder verschwinden können und von der Prachtfärbung überdeckt werden.
Balzende Männchen zeigen eine wesentlich intensivere Färbung. Der Körper färbt sich tiefschwarz, mit helleren, anthrazitfarbenen Bereichen an den Flanken. Die Rücken-, Schwanz- sowie Teile der Afterflosse sind nach außen mit einem schwarzen Band versehen. Die Flossenränder sind ebenso mit einem schwarzen Band umgeben, welches beidseitig weiß oder hellblau eingefaßt ist. Die inneren Felder der unpaaren Flossen sind individuell und nach Fundorten unterschiedlich mit leuchtenden blauen Farbanteilen versehen. Diese blauen Streifen leuchten wie beim Neonfisch. Die Brustflossen sind transparent, die Bauchflossen sind ebenfalls glänzend blau bis blaugrün.
Das Weibchen ist in der Normalfärbung wie das Männchen längsgestreift, in der Balzfärbung wird es einfarbig lehmgelb bis beige, die Streifen können als Schachbrettmuster angedeutet bleiben, sind aber meistens nicht sichtbar. Alle Flossen sind transparent.
Die Augeniris ist meist beige – mit einem schwarzen Längsbalken – und zur Pupille goldfarben gesäumt. Schaller bezeichnete diese Augenzeichnung als „sexy-eyes“. Auch alle anderen Parosphromenus-Arten zeigen dieses Muster; und verschiedentlich ist dieses Augenmuster auch bei Spitzschwanzmakropoden, den Pseudosphromenus-Arten zu beobachten. Zur Balz ist die Iris des Männchens dann orange-rot.

Die Verbreitung und der Lebensraum

Parosphromenus nagyi wurde bereits an mehreren Stellen auf der Malaiischen Halbinsel gefunden. Die Verbreitung findet sich jedoch nur auf der östlichen Halbinsel. Die Abgrenzungen sind im Süden die Falllinie der Gunong Beremban Bergs zum Meer, im Westen die höheren und trockeneren Gebiete, im Norden die Fallinie des Gunong Tapis Bergs zum Meer und im Osten das Meer.
Parosphromenus nagyi wurde in Malaysia unter anderem in Quellgewässern, Bächen und Gräben des Regenwalds mit dunkelbraunem Wasser, aber auch in relativ schnell fließenden Gewässern angetroffen. Hier hielten sich Nagys Prachtguramis vornehmlich in Fließgewässern in der überhängenden und dicht wachsenden krautigen Ufervegetation in circa 20 bis 40 cm Wassertiefe auf. Auch in den Wasserpflanzenpolstern und unter Fallaub im Wasser sind die Fische anzutreffen. Die Art ist ein Klar- und Schwarzwasserfisch. Nagys Prachtgurami fanden sich an den Fundorten in extrem weichem, saurem und unbelasteten Schwarzwasser. Die Heimatgewässer sind großteils stark beschattet und sehr dunkel sowie immer relativ kühl, mineralarm und oligotroph. Im getrübtem Weißwasser – wie es durch die Tropenwaldabholzungen immer häufiger wird – ist der Prachtgurami leider auf Dauer nicht überlebensfähig. Auch im Klarwasserbächen finden wir Nagys Prachtguramis nur während und nach der Regenzeit.
Die Prachtguramis sind meist sehr selten, können aber, da sie geselligkeitsliebend sind, zu entsprechenden Zeiten an bestimmten Orten gehäuft vorkommen. Die Prachtguramis finden sich in den tieferen Wasserschichten, etwa 20 bis 50 cm tief, während beispielsweise der Kampffisch Betta tussyae im gleichen Biotop nahe der Oberfläche lebt.

Die Balz und die Fortpflanzung

Von der vielfach berichteten Aggressivität mancher Labyrinthfische ist bei dieser Art nichts zu bemerken. Das Aggressionsverhalten beschränkt sich auf seitliches Drohen mit Flossen- und Kiemendeckelabspreizen und gelegentliche harmlose Bisse. Auch das Verhalten der Männchen den Weibchen gegenüber ist durchaus als friedlich zu bezeichnen.
Parosphromenus nagyi kann auch in kleinen Aquarien ab 10 l Inhalt gezüchtet werden. Wichtig ist ein Büschel Javamoos und eine Höhle als Ablaichmöglichkeit, etwa eine halbe Kokosnußschale, die schräg – vom Pfleger eben noch einsehbar – aufgestellt wird. Zur erfolgreichen Vermehrung ist eine Gesamthärte bis maximal 2 bis 3 °dGH erforderlich und eine Karbonathärte darf nicht meßbar sein, weil im harten Wasser die Eier nicht am Höhlendach kleben bleiben, und am Boden liegende Eier entwickeln sich nicht. Diese wesentlichen Ergebnisse wurden Herrn Dr. W. Foersch entdeckt, der diese und viele andere sogenannte Problemfische erstmals züchtete.
Zur Zucht wird das Wasser am besten über Torf gefiltert und muß sauer sein, pH-Wert 4 bis 5,5. Im Biotop wurde ein pH von 3,8 gemessen. Die Wassertemperatur liegt am besten bei rund 24 °C.
Jedes Prachtguramimännchen beansprucht eine Höhle und seine nähere Umgebung als Revier. Notfalls wird auch ein günstiger Unterstand unter einem Stein oder einem Blatt akzeptiert. Wegen der Empfindlichkeit der Art und ihrer Neigung, kleine Reviere zu gründen, ist eine Vergesellschaftung von Prachtguramiarten untereinander oder gar mit anderen Fischen nicht empfehlenswert; zumal sich nachträglich die Weibchen mancher Arten nicht mehr unterscheiden lassen. Wer keine intensive Zucht betreiben möchte, kann die Prachtguramis auch im dichtbepflanzten Aquarium pflegen. Gelegentlich wachsen dann bei guter Wasserpflege sogar bei den Eltern einige Jungfische heran, da die Prachtguramis ihrem Nachwuchs nicht sonderlich nachstellen, vor allem dann, wenn sie angemessen mit Lebendfutter ernährt werden. Manche Weibchen fressen bei mangelnder Bewachung durch das Männchen ihren frisch abgelegten Laich. Auch die Weibchen sind – wenn auch eingeschränkt – territorial. Sie bevorzugen meist einen bestimmten Unterstand, wechseln ihn aber oft und verteidigen ihn auch nicht intensiv. Auch Jungfische benötigen Verstecke. Erst im Alter von anderthalb bis zwei Jahren werden Prachtguramis geschlechtsreif.
Das Parosphromenus nagyi-Männchen errichtet kein Schaumnest in seiner Höhle, es werden lediglich einige Luftblasen zwischen den am Höhlendach klebenden Eiern deponiert. Das laichmotivierte Männchen sucht verschiedene Weibchen gezielt auf und versucht, sie mit Flossenspreizen – bei intensiver Färbung – durch Führungsschwimmen in seine Höhle zu locken. Laichwillige Weibchen färben sich blaß und folgen dem Männchen bald. Schwimmt ein Weibchen anfangs mit dem Männchen in dessen Versteck, so flüchtet es zunächst bald wieder, da es noch nicht richtig zum Laichen motiviert ist. Später begutachtet das Weibchen die Höhle ausgiebig, bevor es nach einigem Hin und Her zu ersten Scheinpaarungen kommt. Dazu bildet das Männchen seitwärts liegend mit dem Körper eine U-förmige Schale, in die das Weibchen hinein schwimmt. Zur richtigen Umschlingung kommt es bei dieser vorläufigen Scheinpaarung jedoch noch nicht.
Auch später – bei echten Paarungen – bildet das Männchen zuerst die Schale, und erst dann schwimmt das Weibchen hinein und wird fest umschlungen. Das Weibchen wird bei der Paarung nicht oder nur wenig seitlich gedreht, so daß die bei der Paarung vom Männchen sofort befruchteten Eier auf die Afterflosse des Vaters geraten. Das Männchen öffnet seine Umschlingung nach der Paarung etwas, um das Weibchen zu entlassen, bleibt aber länger als letzteres in der Laichstarre. Das Weibchen schwimmt aus der Umklammerung heraus und nimmt dann die Eier von der Afterflosse des Männchens ins Maul. Auch herabsinkende Eier werden aufgeschnappt und dann an die Höhlendecke geklebt. Das etwas später aus der Laichstarre erwachende Männchen kümmert sich meist zunächst nicht um die Eier, sondern sichert – auch bei paarweiser Haltung – das Revier und schöpft eventuell Luft an der Oberfläche um einige mit Maulsekret ummantelte Schaumblasen zu produzieren, die zwischen den Eiern am Höhlendach deponiert werden. Erst nach dem Zufügen der Blasen hilft es dem Weibchen beim Einsammeln der restlichen am Boden liegenden Eier. Bereits nach den ersten echten Paarungen verblasst die schöne Prachtfärbung des Männchens etwas. Das Weibchen behält die helle Balz- und Laichfärbung bis zum Ende der Laichphase.
Bei den folgenden Paarungen werden oft viele der bereits ans Höhlendach geklebten Eier wieder herabgestoßen, sodass schließlich ein kleiner Eihaufen am Höhlenboden liegt.
Die gesamte Laichphase kann bis zu sieben Stunden dauern. Wird das Laichen durch die Nacht unterbrochen, so kann es am folgenden Morgen – nach erneuter kurzer Balz – fortgesetzt werden.
Es werden zwischen 30 und 80 der etwa 1 mm durchmessenden Eier vom Weibchen gelaicht.
Nach erfolgtem Ablaichen erscheinen die Längsstreifen des Weibchens wieder, das daraufhin vom Männchen aus seiner Höhle vertrieben wird. Das Männchen färbt sich ebenfalls um und übernimmt die Pflege der Eier und Larven gewöhnlich allein. Allerdings konnten wir beobachten, dass Weibchen dem Männchen Eier oder Larven stahlen und ohne Schaumnest in ihrer eigenen Höhle oder unter einem Pflanzenblatt ebenfalls erfolgreich pflegten. Schon nach zwei bis vier Tagen kann das Männchen mit dem gleichen oder einem anderen Weibchen erneut ablaichen, wenn sich noch frisch geschlüpfte Larven in der Höhle befinden. Die neuen Eier werden dann hinzugefügt. Die älteren Larven werden auch von fremden Weibchen nicht verfolgt.
Die Larven schlüpfen bei 24 °C Wassertemperatur nach etwa 50 bis 70 Stunden. Erst weitere drei bis vier Tage später schwimmen sie frei. Da ihr Dottervorrat jetzt aufgezehrt ist, müssen sie mit frisch geschlüpften Artemia- oder Cyclops-Nauplien – die sie sofort bewältigen – und fein gesiebtem Tümpelfutter angefüttert werden. Eine Ernährung ausschließlich mit Salinenkrebschen ist auf Dauer schädlich, weil dann wahrscheinlich Mangelerkrankungen bei den Fischen auftreten.
Erste dunkle Striche tauchen im Alter von vier Wochen in Rücken- und Afterflosse auf. Mit zwei Monaten bekommen die Zwerge die ersten Querstreifen. Im Alter von drei Monaten konnte eine Längsstreifung festgestellt werden.
Die Prachtguramieltern werden erst nach dem Freischwimmen der Larven aus dem Zuchtaquarium entfernt. Gut ernährte Eltern verfolgen die Jungen nur in Ausnahmefällen als mögliche Beute. Wenn das neue Aquarium genauso eingerichtet ist, werden die gewohnten Standorte von den umgesetzten Eltern sofort wieder bezogen.

Krankheiten…

Obwohl die Prachtguramis zu den Labyrinthfischen gehören, schöpfen sie meist keine Luft zum Atmen. Lediglich für den Schaumnestbau halt das Männchen Luft von der Wasseroberfläche. Dabei benimmt es sich aber sehr scheu und schreckhaft. Deshalb ist anzunehmen, dass die Fischlein beim Luftschöpfen besonders gefährdet sind, von Räubern gefressen zu werden. Dadurch wird ihre Anpassung verständlich, dass ihr Atemlabyrinth stark reduziert ist und die Fische sich erneut auf die Kiemenatmung spezialisierten.
Einmal machten wir eine interessante, aber traurige Beobachtung. Das schönste Nagy-Männchen war erstaunlicherweise beim Luftholen zu beobachten. Parosphromenus-Arten konnten bisher nicht beim Luftschöpfen an der Wasseroberfläche beobachtet werden. Am folgenden Morgen lag dieser Fisch, noch immer in der Prachtfärbung, tot im Aquarium. Das Maul war wie bei Atemnot weit aufgerissen. Ein befreundeter Aquarianer wies uns darauf hin, daß diese Anzeichen en Hinweis auf einen möglichen Gehirntumor seien, aber ebenso kommen auch Innenparasiten im Gehirn oder an den Kiemen als Todesursache infrage. Bei solch kleinen Fischlein ist eine Sektion zur Ermittlung der Ursache schwierig und so muß die Lösung dieses Problems leider offen bleiben.

Fazit: Da er unter den schwierigen Prachtguramis zu den leichteren Arten gehört, sollten sich erfahrenere Aquarianer und Züchter dringend dieser sehr schönen Art annehmen, um sie der Aquaristik bleibend erhalten zu können. Dies auch, nachdem ihr „Sensationswert“ als relativ neue Art inzwischen geschwunden ist!

Prachtguramis: Die Gattung Parosphromenus besteht aus vielen Arten. Sie wurde 1879 von Bleeker aufgestellt. Einzige Art war damals und lange Zeit danach P. deissneri. Die ersten bekannten P. deissneri kamen von der Insel Bangka, heute kennen wir auch Fische der Gattung von der Malaiischen Halbinsel sowie den Inseln Borneo und Sumatra. Parosphromenus deissneri von Sumatra wurde auch als eigene Unterart P. deissneri sumatranus beschrieben, auch diese wird heute als eigene Art aufgefasst. Dr. W. Foersch schuf mit seinen Zuchten mit dieser Art die Grundlagen für die Zucht aller Prachtguramis.
Erst 1952 wurde von Tweedie mit Parosphromenus paludicola eine zweite Art beschrieben. Diese Art besitzt die längste Rückenflosse innerhalb der Gattung. Ihre perlmutterfarbene Körperfärbung mit roten Anflügen in den Flossen wirkt recht apart. Außerdem hat sie eine rhombenförmige Schwanzflosse.
Eine der kleinsten Prachtgurami-Arten ist Parosphromenus parvulus von Borneo. In der Prachtfärbung ist das Männchen schwarz-braun, die Kehle und der Bauch sind schwarz. Auf den Kiemendeckeln treten rote Punkte auf. Auch in der Anale sind rote Punkte sichtbar.
Eine weitere Art von Borneo ist der Faden-Prachtgurami, Parosphromenus filamentosus. Bei dieser Art sind vor allem bei den Männchen die Bauchflossen und die Schwanzflosse lang ausgezipfelt.
Zwei Arten wurden ohne umfassende Beschreibung vorgestellt. Der ebenfalls in den Flossen blaue Parosphromenus harveyi ist zu P. nagyi sehr ähnlich, behält aber zur Balz die schwarzen Längsstreifen. Deshalb wird er auch in die Nähe von Parosphromenus deissneri gestellt, denn Harveys Prachtgurami fehlen quasi lediglich die roten Farbanteile in den Flossen. Er stammt ebenfalls von der Malaiischen Halbinsel. In der Nachzucht erwies sich diese Art als weniger produktiv als die anderen Arten der Gattung.
Die zweite Art Parosphromenus allani aus Sarawak im Norden der Insel Borneo ist durch eine rosarote Grundfärbung mit den zwei typischen Längsstreifen charakterisiert. Im Inneren der Schwanzflosse befindet sich ein dreieckiger schwarzer Fleck, der rotbraun gesäumt ist. Außerdem zeigt das Männchen in der Prachtfärbung in der Schwanz- und der Afterflosse ein zusätzliches blaues Band, das parallel zur äußeren Einfassung verläuft.
1991 wurden gleich drei neue Arten von Borneo beschrieben. Parosphromenus anjunganensis hat einfarbig rotbraune unpaarige Flossen mit einer schmalen opalisierenden Einfassung. Auch die Bauchflossen sind rotbraun. Der Körper hat die drei typischen dunklen Längsstreifen, die bei allen Arten der Gattung vorhanden sind.
Mit nur etwa drei Zentimetern Gesamtlänge ist Parosphromenus ornaticauda derzeit die kleinste bekannte Prachtguramiart. Diese Art ist schlanker als alle bisher beschriebenen Prachtguramis. Auffällig sind der hellblaue Flossensaum und der prächtige namengebende rot-orangene Fleck in der Schwanzflosse.
Die dritte der neuen Arten ist Parosphromenus linkei. Bei diesen Fischen ist ähnliche wie bei P. filamentosus die Schwanzflosse zipfelig verlängert. Auffällig sind die blaugrünen Flecken an den Körperseiten den Männchen. Diese Flecken haben diese Prachtguramis mit manchen Kampffischen, Betta brownorum und Betta coccina, gemeinsam.
Kürzlich wurde von reisenden Aquarianern wieder eine Neue Art, die sowohl rotbraune Flossen als auch Flankenflecke hat, importiert. Weitere Arten und Farbvarianten kommen über den Zoofachhandel in unsere Aquarien. Die Abbildungen geben einige dieser Formen wider.

Literatur
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Parosphromenus ornaticauda, Rotflossen-Prchtgurami
Parosphromenus paludicola, Moor-Prachtguram
Parosphromenus paludicola, Moor- oder Tweedie-Prachtgurami,
Abbildung: Tweedie 1952
Parosphromenus quindecium, der vierzehnte Prachtgurami
Parosphromenus rubrimontis, Rotberg-Prachtgurami
Parosphromenus cf. tweediei, Tweedie-Prachtgurami

Steckbrief: Parosphromenus tweediei – Tweedies Prachtgurami

Familie: Belontiidae
Gattung: Parosphromenus Bleeker, 1879
Art: P. tweediei Kottelat & Ng, 2005
Synonyme: Wurde viele Jahre auch unter der Bezeichnung „P. deissneri“ geführt.
Deutscher Name: Tweedies Prachtgurami
Herkunft: State Johor, im Südwesten von West-Malaysia. Größe: bis 3,5 cm Verhalten: Friedlich, sollte nur im Artaquarium gepflegt werden.
Haltung: Für die Entfaltung der sehr schönen Prachtguramis sollte die Art nur mit gleichfalls kleinen, sehr friedlichen Arten gepflegt wer- den. Dafür sind Aquarien ab 54 l Inhalt mit stellenweise dichter Bepflanzung empfehlenswert.
Wasser: Dieser Fisch benötigt für eine optimale Pflege weiches, saures bis stark saures Wasser.
Fütterung: Die Fische fressen nur lebendes Futter. Empfehlenswert sind Wasserflöhe, Artemia-Nauplien, seltener Grindalwürmer und Cyclops.
Vermehrung: Durch Umschlingen der Partner unter einem Schaumnest. Meist in kleinen Höhlen und zwischen Pflanzen, oft in Bodennähe. Die aufschwimmenden Larven nehmen als Erstfutter problemlos frisch geschlüpfte Nauplien von Artemia.
Anmerkungen: Die Fische sollten nur in weichem, saurem und biologisch sehr sauberem Wasser mit leichten Zugaben von Huminstoffen gepflegt werden. Dafür ist eine Torffilterung empfehlenswert.

Parosphromenus tweediei, Abb.: Tweedie 1952
Pseudosphromenus cupanus, Schwarzer Spitzschwanzmakropode, Abbildung: Schreitmüller
Pseudosphromenus dayi, Roter Spitzschwanzmakropode, Foto: in memoriam Manfred Quambusch
Sandelia bainsii, Bains-Kapbuschfisch

Sandelia bainsii Castelnau, 1861 – Bains-Kapbuschfisch
us „Das Labyrinthfischportrait Nr. 72“ ’Der Makropode’ 23(11/12), 2001, 175-181

Wissenschaftlicher Name
Sandelia bainsii Castelnau, 1861

Bedeutung des wissenschaftlichen Namens
Sandelia: Dedikationsname für einen Bantu-Häuptling der Xhosa des Stamms der Gaika, Sandeli (1820-1878).
bainsii: Dedikationsname für den Geologen A. G. Bain.

Deutscher Name
Bains Kapbuschfisch (Westlicher Kaplabyrinthfisch)

Erstbeschreibung
Castelnau, F. L. 1861. Mémoire sur les Poissons de L’Afrique australe. Paris, 1-78, I-VII. [ref. 767]
(Typenmaterial unbekannt)

Synonyme
Anabas bainsii Boulenger, 1916
Ctenopoma microlepidotum Günther, 1861 Spirobranchus bainsii Cuvier, 1829
Ungültiger Name: Ctenopoma bainsii

Flossen- und Schuppenformeln
D XV-XVII/9-10, A VII-VIII/9-10 (Vierke 1978)
mLR 33-35 (Boulenger 1916), 30-32 (Jubb 1967, Vierke 1978) [Gesamtlänge über 30 cm (Schaller, mdl.)]

Ersteinfuhr
1973 durch D. Schaller, München (Baensch & Riehl 1985).

Beschreibung
Sandelia bainsii ist grau bis beige mit dunklerem Kopfbereich und neun bis elf angedeuteten Querstreifen. Auf der Schwanzwurzel können zwei Streifen zu einem Fleck verdichtet sein. Sowohl die lebenden wie auch die frisch konservierten Fische sind dunkler als Sandelia capensis. Nach Vierke (1978) ist die Lebendfärbung ein dunkles Graugrün, mit gelegentlich olivgrünen Schuppen an den Flanken, unterseits sind die Fische heller. Von der Augenunterseite zieht gelegentlich ein dunkler Streifen schräg nach hinten zum Winkel des Praeoperculums. Waren die seinerzeit von Castelnau (1891) untersuchten Fische lediglich 8 inch, also etwa 20 cm lang (Vierke 1978), so können diese Kapbuschfische in der Natur dennoch Gesamtlängen von über 30 cm erreichen (Schaller, mdl.). Der Fisch wirkt langgestreckt und besitzt relativ kleine Schuppen, die – wie bei anderen Buschfischen – teilweise ctenoid sowie teilweise cycloid sind. Das Maul ist groß, die Maulspalte reicht bis unter das Auge. Äußere, sekundäre Geschlechtsmerkmale wurden bisher nicht beschrieben.
Die Labyrinthorgane der Sandelia-Arten sind wesentlich kleiner als jene der Buschfische und Anabas-Arten. Ihre Kiemendeckel sind schwächer bewehrt, die Hinterkiemendeckel, die Subopercula, überhaupt nicht (Barnard 1943).

Verbreitung
Die Art ist insgesamt sehr selten und wurde in Südafrika in der Nähe der Städte East London (= Port Elizabeth, Buffalo River), Grahamstown (Kowie River) und King Williamstown gefunden. Ausschließlich im Süßwasser im Bereich des Kaps der Guten Hoffnung. Allerdings gibt es keine „Verbreitungslücke“ – wie es gelegentlich geschrieben steht –, im Osten Afrikas grenzen die Verbreitungsgebiete von Ctenopoma und Microctenopoma sowie Sandelia direkt aneinander oder überschneiden sich wahrscheinlich sogar. Lediglich in Südwestafrika fehlen die Busch- und Kapbuschfische in den großen Wüstenregionen naturgemäß.

Lebensraum
Es ist lediglich bekannt, dass sich die Fische in größeren Seen und Fließgewässern aufhalten (Armitage 1990, 1993 a, b, c, Cambray 1993 a, b).

Pflege im Aquarium
Da Bains Kapbuschfisch nur gelegentlich im Aquarium gepflegt wurde, ist zu diesem Thema nur wenig bekannt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich vor allem die Erfahrungen mit Sandelia capensis sowie großen Ctenopoma-Arten, ja selbst mit Anabas testudineus, auf S. bainsii übertragen lassen.
Die Fische benötigen große Aquarien ab 150 cm Länge. Eine kräftige Strömung infolge intensiver Filterung oder – weniger gut – eine gute Durchlüftung sind dem Wohlbefinden der Kapbuschfische sehr förderlich. Es wird eine weite Wasserparameterspanne vertragen: pH-Wert 6,5 bis 8,0, 10 bis 30 °dGH, bei 2 bis 10 °dKH. Die Wassertemperatur kann der Zimmertemperatur entsprechen; 20 °C gelten als ideal, vertragen werden 15 bis 26 °C.
Das Aquarium kann mit größeren Steinen und Moorkienholz gestaltet sein, auch große, robuste Pflanzen wie Speerblätter werden von den Fischen nicht beschädigt. Es ist jedoch hilfreich, die Pflanzen in Töpfen zu kultivieren. Die Fische können – auch im Sommer – nicht im Gartenteich gehalten werden!
Kapbuschfische gelten als Räuber, entsprechend sind kleine Fische, Großinsekten und deren Larven sowie Regenwürmer gute Futtersorten. Die Fische können an Tablettenfutter sowie Forellenpellets, aber auch an Goldfischsticks, Flockenfutter, gefrorene Mückenlarven aller Sorten und große Artemien gewöhnt werden.

Zucht
Auch zur Zucht ist kaum etwas bekannt, sicher ist aus Naturbeobachtungen, dass es sich um „Freilaicher“ handelt. Möglicherweise lassen sich die Erfahrungen mit Sandelia capensis auf S. bainsii übertragen.
Kapbuschfische können bereits ab 5 cm Länge geschlechtsreif werden. Wie bei allen Labyrinthern wird das Weibchen bei der Paarung vom Männchen in der Bauchregion umschlungen. Die zunächst im Wasser schwebenden Eier bleiben an Wasserpflanzen und anderen Gegenständen kleben. Die Kleinen, unter 1 mm durchmessenden Eier werden vom Männchen bewacht. Bei 24 °C Wassertemperatur schlüpfen die Larven etwa 35 Stunden nach dem Laichen. Erst nach dem dritten Tag nach dem Schlupf haben sie ihren Dottervorrat verzehrt und schwimmen frei. Die Aufzucht erfolgt mit feinstem lebendem „Staubfutter“, nach etwa einer Woche können frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien angeboten werden (Baensch & Riehl 1985).

Schutz
Sandelia bainsii gilt in seiner Heimat als vom Aussterben bedroht, deshalb ist auch der Export, selbst von in Aquarien erzielten Nachzuchten, verboten. Da die Pflege im Aquarium absolut nichts mit der Gefährdung der Art zu tun hat, handelt es sich hier um eine jener fragwürdigen Entscheidungen im Bereich des Naturschutzes.

Jahresdia 72: W. Foersch, Text: J. Schmidt

Literatur
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Sandelia capensis, Kapbuschfisch
Sphaerichthys acrostoma, Spitzköpfiger Schokoladengurami, Foto: Otto Michael Nann

Gattung Sphaerichthys, Schokoladenguramis

Über diese Gruppe anspruchsvoller maulbrütender Labyrinthfische wurden erst in jüngerer Zeit einige Kenntnisse gesammelt. Alle Arten sind sehr heikel, weil sie schnell auf Wasserverschlechterungen reagieren und zudem leicht erkranken.
Arten:
Sphaerichthys acrostoma, Spitzköpfiger Schokoladengurami, 6 cm,
Sphaerichthys osphromenoides, Schokoladengurami, 6 cm,
Sphaerichthys selatanensis, Silber- oder Längsstreifen-Schokoladengurami, 6 cm,
Sphaerichthys vaillanti, Vaillant-Schokoladengurami, 5 cm
Verbreitung: Sphaerichthys osphromenoides in Malaysia und Indonesien (Borneo und Sumatra) und S. acrostoma, S. selatanensis sowie S. vaillanti ausschließlich auf Borneo. Lebensraum: Gräben, Bäche, Teiche und Sümpfe, fast ausschließlich im Schwarzwasser, selten im Klarwasser.
Lebensweise: Bodenorientiert und sehr versteckt lebend, selten in größeren Gruppen.
Nahrung: Lebende Tiere aller zu bewältigenden Größen.
Fortpflanzung: Die meisten dieser Guramis sind Maulbrüter im männlichen Geschlecht. Lediglich bei S. osphromenoides trägt in der Regel das Weibchen die Brut aus, aber auch hierzu gibt es bereits abweichende Beobachtungen. Die Eier werden vom maulbrütenden Partner direkt ins Maul gesammelt, die Maulbrutpflegezeit dauert circa zwölf Tage.
Haltung
Haltungsaquarium: Artaquarium ab 80 l. Moorkienholz und lockere Bepflanzung als Versteckmöglichkeiten. Schwimmpflanzen und eine schwache Beleuchtung bewirken ein dunkles Aquarium, das besonders von diesen Fischen bevorzugt wird. Eine Filterung ist notwendig, darf aber nur eine geringe Strömung verursachen.
Wasser: Für Sphaerichthys bis 10 °dGH und unter 1 °dKH(!), pH-Wert 3,8 bis 6,0, 20 bis 24 °C, Schwarzwasser.
Fütterung: Lebend- und Frostfutter. Nur in Ausnahmefällen können die Fische an Futterflocken gewöhnt werden.
Besonderheiten: Heikle Pfleglinge, die oft auch spezielle Ansprüche an die Nahrung stellen und nur bestimmte Futterarten annehmen oder einen ständigen Wechsel der Futtersorten verlangen.
Zucht
Zuchtaquarium: Die Zuchtversuche erfolgen am besten im speziell für diese Fische eingerichteten Haltungsaquarium, um den empfindlichen Fischen ein unnötiges Umsetzen zu ersparen. Brutpflegende Fische mit vollem Maul können in einem Behälter mit Wasser vorsichtig umgesetzt werden. Besser ist es, die entlassene Brut aus dem Haltungsaquarium herauszufischen (nachts von der Oberfläche). Zur Einrichtung siehe bei „Haltungsaquarium“.
Zuchtwasser: Für Sphaerichthys bis 3 °dGH, keine dKH, pH-Wert 3 bis 4,8, 22 bis 25 °C, Schwarzwasser ist erforderlich.
Fütterung der Elterntiere: Lebend- und Frostfutter, besonders Mücken- und Eintagsfliegenlarven.
Hinweis: Nie Tubifex oder Rote Mückenlarven verfüttern, da sie oft mit Giften belastet sind und Krankheiten sowie Verfettung verursachen!
Zuchtmethode: Eine spezielle Zuchtmethode gibt es nicht! Am besten ist es für den Aquarianer, den Fischen möglichst gute Bedingungen im Haltungsaquarium zu schaffen und dann sehr viel Geduld zu haben.
Häufige Wasserwechsel könnten die Laichbereitschaft stimulieren.
Aufzucht: Die aus dem Maul entlassenen Jungen bewältigen sofort Artemia-Nauplien. Eine vielseitige Ernährung mit anderem, feinen Lebendfutter zusätzlich ist jedoch notwendig, um Mangelerkrankungen vorzubeugen.
Besonderheiten: Die Nachzucht dieser Fische ist noch immer eine Seltenheit, vielleicht versuchen Sie es ja einmal?

Sphaerichthys acrostoma, Spitzköpfiger Schokoladengurami, maulbrütend
Sphaerichthys osphromenoides, Schokoladengurami,
Sphaerichthys osphromenoides, Schokoladengurami,
hier die Abbildung zum Synonym Osphromenus malayanus aus: Duncker 1904
Sphaerichthys selatanensis, Lämgsstreofem- oder Selatan_Schokoladengurami
Sphaerichthys vaillanti, Vaillant- oder Bunter Schokoladengurami,

Sphaerichthys vaillanti – Vaillant-Schokogurami
Das Labyrinthfischportrait Nr. 110
überarbeitet aus ’Der Makropode’ 21(3/4), 1999, 24-27

Wissenschaftlicher Name
Sphaerichthys vaillanti Pellegrin, 1930

Bedeutung des wiss. Namens
Sphaerichthys: sphaera (gr.) = runder Körper; ichthys (gr.) = Fisch. vaillanti: Dedikation zu Ehren von Prof. M. L. Vaillant, der den Fisch zuerst fing und konserviert importierte.

Deutscher Name
Vaillants Schokoladengurami

Erstbeschreibung
Pellegrin, Jacques, 1930. Description d’un anabantidÇ nouveau de Borneo appartenant au genre Sphaerichthys. Bulletin Soc. zool. France 55, Paris, 242-244.

Systematik
öberordnung: …. Teleostei (Echte Knochenfische)
Ordnung: …….. Perciformes (Barschartige)
Unterordnung: … Anabantoidei (Labyrinthfischähnliche)
Familie: …….. Belontiidae (Makropodenähnliche)
Unterfamilie: … Macropodinae (Makropodenartige)
Gattung: …….. Sphaerichthys Canestrini, 1860 (Schokoladenguramis)
Art: ………… Sphaerichthys vaillanti Pellegrin, 1930 (Vaillants Schokoladengurami)
(Diese Systematik heute nicht mehr gültig.)

Flossen- & Schuppenformeln
D VII-VIII/7-9, A VIII-XI/16-19, P 11-12, V I/5, C 13-14, mLR 27-29, Ltr 14-16, Gesamtlänge bis 6 cm.
(Nach Vaillant 1893: D VII/7, A XI/18, V I/5, mLR 27, Ltr 16.)
(Nach Pellegrin 1930: D VII-VIII/7-8, A IX-XI 16-18, P 11, VI/5, mLR 27-29, 39 cm Länge)

Synonyme
Keine.
Die Species wurde aber von Vaillant (1893) zunächst irrtümlich als Osphromenus nobilis bestimmt, sodass die Synonyme von Ctenops nobilis auch im Zusammenhang mit Sphaerichthys vaillanti genannt werden müssen.
Diese Verwechslung ist gar nicht verwunderlich, wenn wir die éhnlichkeit vor allem der Jungfische beider Arten bedenken, wie in dem Vortrag von Klaus Weißenberg in St. Martin sehr schön gezeigt wurde (Weißenberg 1999, mündl.).

Ersteinfuhr
Kottelat brachte 1994 konservierte und einige wenige lebende Exemplare mit. In die Aquaristik gelangte die Art aber erst durch den Import von Perrin 1995 nach Frankreich.

Beschreibung
Vaillant (1893) schrieb: (…) „213. Osphromenus nobilis, Mc Clelland.
Il est douteux que six exemplaires recuillis par M. Chaper appartiennent bien Ö cette espäce, mais ils paraissent si jeunes, le plus grand mesure 31+8= 39 millimätres, les plus petit 22+6=28 millimätres, que j’hÇsite Ö considärer ce Poisson comme nouveau, ätant donnäe l’exträme variabilitÇ que präsentent le Labyrinthicidae de ce groupe, mäme pour des caractäres d’ordinaire importants, ainsi le nombre des äpines.
Ces animaux appartiennent aux Ö museau pointu, Ö dorsale rÇduite, rappelant bien l’aspect des Poissons figurÇs sous le nom de Ctenops striatus, K. v. H. (Bleeker. Atlas Ichth. Ind. Neerland. Pl. CCCXCVI; Osphrom. Pl. II, fig 4) et d’Osphromenus nobilis, Mc Clelland (Day. fishes of India. Pl. LXXVIII, fig. 3).
La formule de l’anale est asses diffÇrente de celle donnÇe par Day pour cette mäme espäce: V 23-25. On remarquera toutefois que le noombre total des äpines et rayons concorde assez pour l’un comme pour l’autre.
Je n’ai pu distinguer de ligne latÇrale, saufÖ la partie postärieure du corps et chez quelques individus.
La coloration se rapproche plutot de celle indiquäe par Day. Elle est d’un rouge sombre, cuiveux; une ligne argentäe s’Çtend de l’oeil au pÇdoncule caudal; une autre, plus brillante encore, descend de la mandibule Ö la nageoire ventral et se prolonge par une sÇrie de points de chaque cïtÇ de l’abdomen, dont elle suit la courbure; une dizaine de raies transversales zäbrent le corps, elles sont surtout distinctes dans leur moitÇ infÇrieure.
L’espäce n’a ÇtÇ signaläe jusqu’ici que du continent Indien.
Millimätres. 1:100
Longueur 31 „
Hauteur 12 39
‘paisseur 4 13
Longueur de la täte 11 35
“ de la nageoire caudale 8 26
“ du museau 3,5 32
Diamätre de l’oeil 3 27
Espace interorbitaire 3 27
Habitat – Sebroeang (Chaper). Coll. Mus., 91-509, 510, 511, 512, 513, 514.“
Linke (1998) gibt sinngemäß folgende Beschreibung: Während Jungfische die bereits erwähnten éhnlichkeiten zu Ctenops nobilis und den anderen Sphaerichthys-Arten zeigen, sind die erwachsenen Weibchen völlig abweichend gefärbt. Auffallend sind die acht bis zehn Querstreifen, die beim Männchen nur undeutlich ausgeprägt sind und von der hell- bis dunkelbraunen Körperfärbung und dem weißen bis silbernen Längsstreifen überdeckt werden. Die Weibchen zeigen im Prachtkleid die Längsstreifen die prächtig rot-orange und blau-grün abwechseln; am Kopf und in der Kehlregion zeigt das Weibchen zudem eine intensive Rot-Orange-Färbung. Die Querstreifen können hellgelb gerandet sein. Die Weibchen bleiben ein wenig kleiner als die Männchen.
Perrin (1998) schreibt: „Das Männchen zeigt ein braunbeiges Kleid mit einer hellen Mittellinie. Ein dunkler Fleck ist auf dem Schwanzstiel zu sehen und ein schwarzer horizontaler Strich verläuft über den Kopf vom Ende der Schnauze bis zum Auge. Die unpaarigen Flossen zeigen leichte Tupfen, hervorgehoben durch eine schmale, cremeweiße Borte, Manchmal wird der Körper durch einige helle, kaum sichtbare Streifen senkrecht durchquert. Das Weibchen übertrifft alle Erwartungen. Die Grundfarbe ist braunrot mit senkrechten schwarzen Strichen, die unter Lichteinwirkung grün reflektieren.
Die Kiemendeckel sind grünlich. ein dunkler fleck ist auf der äußersten Spitze der Afterflosse zu sehen. Der dunkle Strich von der Schnauze zum Auge ist auch vorhanden. Eine cremeweiße Borte schmückt den Rand der unpaarigen Flossen, die selbst rauchfarben sind.
Von oben betrachtet, haben beide Geschlechter einen schmalen Streifen auf der Oberseite des Kopfes; er reicht vom Ende der Schnauze bis zur Basis der Rückenflosse. Bei Streß durchquert eine helle Linie das Auge und die Mette des Körpers. Der vordere Teil bleibt hell und die hintere Hälfte verdunkelt sich.

Verbreitung
„Sebroeang“ (Vaillant 1893), bei der Ortschaft „Semitau“ (Perrin 1996), in Richtung Lanjak, an einem Nebenfluß des Kapuas; Borneo.

Lebensraum
Aktuell ist uns nur ein Fundort bekannt. Der erwähnte Nebenfluß ist zur Trockenzeit etwa 3 m und zur Regenzeit etwas 20 m Breit. Es befinden sich keine Wasser- und Uferpflanzen im und am Fluß. Die Fische verstecken sich vornehmlich zwischen dem ins Wasser gefallenen Totholz. Wasserwert (Perrin 1998): pH-Wert 5,3, 20 ÊS/cm elektrische Leitfähigkeit, bei einer Wassertemperatur von 29,5 ¯C. Das Wasser war klar und leicht bernsteinfarben.

Pflege im Aquarium
Die Wasserwerte sollten jenen am Fundort angeglichen werden, doch kann Vaillant Schokoladengurami durchaus als tolerant bezeichnet werden, sofern das Wasser nicht organisch verunreinigt ist. Größere Aquarien ab 1 m länge sind empfehlenswert, da darin die Wasserqualität stabiler ist und die zeitweise sehr aggressiven Fisch sich darin besser aus dem Weg schwimmen können. Bei Foersch (1979), Korthaus (1979) und Vierke (1979a, b) sind wertvolle Angaben zu nahe verwandten Arten, die unter ähnlichen ökologischen Bedingungen leben, zu entnehmen.

Zucht
Bei O. Perrin (1998) gelang die Pflege und Zucht bei folgenden Wasserwerten ohne größere Probleme: pH-Wert 4,3 bis 4,8, 40 bis 50 ÊS/cm elektrische Leitfähigkeit, 28 ¯C Temperatur, in einem 140 l-Aquarium.
Perrin (1998) schriebt: (…, leicht verändert) „Eine Gruppe dieser Fische lebt ohne Schwierigkeiten zusammen. Trotzdem wird ein Pärchen in der Gruppe dominant bleiben und sich durchsetzen. Die gemeinsame Pflege mit Sphaerichthys osphromenoides ist möglich, aber nicht unbedingt die beste Lösung, da ich eine gewisse Aggressivität zwischen den beiden Arten bemerkt habe.
Zur Balz ist es das Weibchen, das die Initiative ergreift. Es besetzt ein Brutrevier und übernimmt die Verteidigung. Das Weibchen wählt auch seinen Partner. Das Ablaichen geschieht am Abend, kurz bevor die Beleuchtung ausgeschaltet wird. Die Balz wird vom Weibchen begonnen, selbst wenn das Männchen manchmal die Initiative zu ergreifen versucht. Es macht Front zum Männchen, alle flossen gespannt, so daß es scheint, als wollte es angreifen. Nach einigen Berührungen der Flanken seines Partners mit der Schnauze und einigen Präsentationen Flanke an Flanke, aber in entgegengesetzter Richtung, Kopf an Schwanz – das alles indem sie enge Kreise schwimmen – stößt das Weibchen mit einem Mal sämtliche Eier aus, die zu Boden fallen. Die Befruchtung durch das Männchen findet schon beim Ablaichen statt, denn es ist dabei bei ihm ein leichtes Körperzittern zu beobachten.
Die Umschlingungen des Weibchens durch das Männchen, welches seinen Körper leicht zu einem U krümmt, geschieht schnell. Das Balzen kann ungefähr eine Stunde dauern, aber auch kürzer und nach nur etwa 30 Minuten beendet sein. Die Eier sind cremeweiß.
In der Zeit, in der sich das Weibchen ein bißchen erholt, beginnt das Männchen die Eier in sein Maul aufzunehmen. Der Kehlsack des Männchens hat sich dann etwas gedehnt, um sie alle aufnehmen zu können.
Während der Balz reckt das Männchen mehrfach seinen Kopf und Bläht die Kehle zu einem „Scheinmaulbrüten“. Nach dem Ablaichen wird ein Ei nach dem anderen ins Maul aufgenommen; das Männchen scheint sich dabei anstrengen zu müssen, sie alle aufzunehmen und zu verstauen. Damit ist die Laichphase beendet; das Weibchen wird blaß und verliert seine dunkeln Querstreifen.
Während der ersten Tage des Brütens scheint das Männchen ständig ein bißchen Luft bei den Eiern zu lassen. Es kommt mehrmals pro Minute an die Oberfläche, um eine Luftblase auszustoßen und sogleich ein andere wieder aufzunehmen. Während der Brutzeit, die 18 bis 23 Tage dauert, nimmt das Männchen keine Nahrung zu sich. Es kommt zum Weibchen, das eine Zeitlang an der Seite des Männchens bleibt. Die erwachsenen Fische fressen die Jungfische (auch der Vater)!“
Es ist also besser, das Männchen nach zwei Wochen zu isolieren. Dabei muß es in einem Behälter transportiert werden und immer unter Wasser bleiben, damit es die Jungen nicht verfrüht ausspuckt oder gar verschluckt. Die Jungen werden über einen längeren Zeitraum von ein bis drei Tagen in mehreren Schüben aus dem Maul entlassen. Die Jungfrischzahl schwankte bisher zwischen zehn und 70. Artemia-Nauplien sind ein geeignetes Erstfutter.

Literatur
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Wührer, G. 1984. Literaturdienst. Der Makropode 6(5), 101-103.

Trichogaster bejeus

Gattung Trichogaster (Syn. Colisa), kleine Fadenfische, kleine Guramis

Die kleinbleibenden Fadenfische oder Guramis sind farbenprächtige und friedfertige Fische, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittenen Aquarianer zu begeistern vermögen. Alle fünf Arten sind problemlos zu pflegen und die aufopfernde Brutpflege der Männchen weckt das Interesse von Aquarianern und Wissenschaftlern.

Arten:
Trichogaster bejeus (Indischer Gurami, 9 cm)
Trichogaster chuna (Honiggurami, 4 cm)
Trichogaster fasciatus (Gestreifter Fadenfisch, 10 cm)
Trichogaster labiosa (Dicklippiger Fadenfisch, 9 cm)
Trichogaster lalius (Zwergfadenfisch, Lalius, bis 6 cm)
Von fast allen Arten gibt es teilweise sogar mehrere Zucht- und Farbformen.
Verbreitung: Die Trichogaster-Arten sind in Indien, Pakistan, Bangladesh und Myanamar (ehemals Burma) verbreitet. Auf Sri Lanka fehlen sie.
Lebensraum: Fadenfische leben in fast allen stehenden und langsamerfließenden Gewässern in den oberen Wasserschichten. Aufgrund ihrer Labyrinthatmung haben sich besonders die Fadenfische der Gattungen Colisa und Trichogaster zu echten Kulturfolgern entwickelt. In den teilweise extrem warmen und sauerstoffarmen Reisfeldern sowie in den leider oft erheblich verschmutzten Klongs der Siedlungen sind diese Fische nahezu ständig zu finden. Aber auch in den Teichen, Gräben und selbst den Uferregionen der großen Ströme fehlen sie nicht.
Lebensweise: Hier handelt es sich um typische schaumnestbauende Arten mit Vaterfamilien. Zur Fortpflanzungsperiode gründen die Männchen Reviere und errichten in deren Zentrum ihre kompakten Schaumnester an der Wasseroberfläche. Artgenossen und Fremdfische werden vertrieben und selbst das Weibchen wird nur zur Paarung in der Nestnähe geduldet.
Die Jungfische bilden große Schwärme, die Erwachsenen können sich außerhalb der Fortpflanzungszeit zu größeren, lockeren Gruppen zusammenfinden.
Nahrung: Feine lebende Nahrung aller Art, bis etwa 2 cm Länge. Die Kahmhaut von der Oberfläche wird gelegentlich „eingeschlürft“ Auch manche Algen und weiche Pflanzenteile werden gelegentlich verzehrt.
Fortpflanzung: Der Laich treibt von selbst an der Oberfläche und wird vom Männchen im Nest gesammelt und betreut. Die Larven schlüpfen bereits nach einem Tag und nehmen nach weiteren zwei Tagen ihre erste feine Nahrung auf. Besonderheiten: Zur Nahrungsaufnahme oder zur Brutpflege können die Trichogaster-Arten – ähnlich dem Schützenfisch – spucken und auf diese Weise Nahrung oder Eier ins Wasser spülen. Die Nahrung wird dann verzehrt; die winzigen, glasigen Eier schweben kurz im Wasser, sind so für den Vater besser sichtbar, mit dem Maul eingesammelt und werden daraufhin im Nest verstaut.

Haltung

Haltungsaquarium: Ein Honigguramipaar ist mit einem 60 l-Aquarium zufrieden, den anderen Arten müssen je Paar mindesten 80 1 zur Verfügung stehen. Sehr empfehlenswert ist die Pflege mehrerer Fadenfische, die Weibchen möglichst in der Überzahl, im größeren Aquarium. Dort grenzen die Männchen ihre Reviere gegeneinander ab und sind deshalb fast ständig in ihrer prächtigen Balz- und Brutpflegefärbung zu sehen. Für die Weibchen und schwächeren Männchen müssen allerdings viele Verstecke vorhanden sein, die aber durch eine dichte Bepflanzung und einige Schwimmpflanzen leicht zu schaffen sind. Bei regelmäßigen Wasserwechseln ist eine Filterung nicht notwendig, sie stört sogar eher durch die verursachte Wasserbewegung.
Wasser: 2 bis 20 °dGH, bis 8 °dKH, pH-Wert 6 bis 7,5, 20 bis 28 °C.
Fütterung: Alle Futtersorten mit ins recht kleine Maul passender Größe.

Zucht
Zuchtaquarium: Die Zucht ist im Artaquarium ab 80 l (60 l für T. chuna) einfach. Das Schaumnest mit den Eiern kann auch, bei der Fortpflanzung im Gesellschaftsaquarium, mit einer Schale abgeschöpft und in ein Aufzuchtaquarium übertragen werden. Verstecke für die Weibchen sind wichtig, aus kleinen Aquarien wird das Weibchen nach dem Laichen herausgefangen, weil es sonst vom Männchen bei der Revierverteidigung getötet werden könnte. An der Oberfläche sollten Schwimmpflanzen vorhanden sein, die vom Männchen oft in das Schaumnest einbezogen werden. Trichogaster lalius benötigt zusätzlich viel feines Pflanzenmaterial, zum Beispiel Javamoos, Vesicularia dubyana, das vom Männchen zusammengetragen und in den Nestbau einbezogen wird. Fehlen diese Pflanzen, dann zerrupft das Männchen den wertvollen Pflanzenbestand aus Mangel an Nistmaterial.
Wasser: 0 bis 15 °dGH, bis 4 °dKH, pH-Wert 6,0 bis 7,0, 22 bis 30 °C.
Fütterung der Elterntiere: Lebend- und Frostfutter, besonders Mückenlarven, ergänzt durch Flockenfutter.
Zuchtmethode: Ansatz eines Paars, das zuvor etwa eine Woche getrennt wurde,oder Daueransatz im Artaquarium. Das Weibchen direkt nach dem Laichen herausfangen, das Männchen erst nach dem Freischwimmen der Jungen, etwa drei Tage nach dem Laichen. Nach dem Freischwimmen der Jungfische erlischt die Brutpflegemotivation des Vaters und er beginnt die Kleinen als Nahrung zu betrachten. Auch der Vater muss jetzt herausgefangen werden.
Aufzucht: Die sehr kleinen Jungfische benötigen naturgemäß sehr feines Erstfutter, das durch Räder- und Pantoffeltierchen geliefert werden kann. Feine Futterflocken und Artemia-Nauplien sind zu grob und können erst nach etwa einer Woche zusätzlich angeboten werden. Mindestens dreimal täglich füttern und möglichst oft, mindestens einmal täglich, Anteile des Wassers erneuern!
Besonderheiten: Weil die kleinen Fadenfische schnell zur Fortpflanzung schreiten, werden sie häufig in der Literatur dem Anfänger zu ersten Zuchtversuchen empfohlen. Bei der Aufzucht der winzigen Jungen entstehen dann aber oft Probleme, die selbst von Fortgeschrittenen nur schwer zu bewältigen sind. Vor allem die Jungfische der Honigguramis sind sehr winzig und brauchen kleinstes Erstfutter wie Räder- und Pantoffeltierchen.
Mein Tipp: Es ist sinnvoll, zuerst Zuchtversuche mit leichter zücht- und aufziehbaren Labyrinthfischen wie Siamesischen Kampffischen, Betta splendens, oder Paradiesfischen, Macropodus opercularis, zu unternehmen und erst dann weitere Erfahrungen mit etwas anspruchsvolleren Arten zu sammeln. Denn die Jungfische solcher Arten bewältigen sofort nach dem Freischwimmen die Nauplien der Salinenkrebschen.

Trichogaster chuna, Honiggurami, Männchen, Syn. Colisa chuna

Trichogaster chuna – der Honiggurami
überarbeitet aus ’Der Makropode’ 21(7/8), 1999, 78-84

Zur Nomenklatur: Die Taxa Trichogaster sota und T. chuna (Syn. Colisa und Trichopodus) wurden beide in dem Buch „An Account of the Fishes found in the River Ganges and its Branches“ (Edinburgh & London, i-vii + 1-405, Pls. 1-39) von Francis Hamilton (zuvor Buchanan) im Jahr 1822 beschrieben. Erstere „Art“ findet erstmals auf Seite 120 und erneut auf Seite 372 Erwähnung, zweitere auf Seite 121. Für beide Taxa wurde damals kein Typus bekannt oder hinterlegt und sie sind ausschließlich durch die Beschreibung und die Tafeln bekannt. Aufgrund der Tatsache, dass T. sota eine Seite vor T. chuna beschrieben wurde, könnte man davon ausgehen, dass dieser Name Priorität genießt. Da es sich aber um die simultane Beschreibung von Synonyma handelt, muss Artikel 24 der Internationalen Regeln für Zoologische Nomenklatur zur Anwendung kommen, welcher besagt, dass in diesem Fall der erste Revisor den gültigen Namen festlegt. 1984 ging Vierke davon aus, dass dieser erste Revisor beider Taxa Menon (1974) gewesen sei, der als gültigen Namen T. sota gewählt hatte. Dabei wurde jedoch übersehen, dass Day bereits 1877 die synonyme Natur beider Namen erkannte und daher als erster Revisor gelten muss. Er wählte T. chuna (Syn. Colisa chuna) als gültigen Namen und betrachtete T. sota als mögliche Varietät. 1989 machten Schaller & Kottelat einige Anmerkungen zu diesen Sachverhalt, aber erst 1997 klärte Paepke die Problematik abschließend.

Allgemeines: Obwohl dieser kleine Gurami einfach zu pflegen ist und mit seinen Farben durchaus an einen Korallenfisch erinnert, erregt er nicht gerade die Aufmerksamkeit der Massen. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass er in kahlen Verkaufsaquarien nicht besonders attraktiv aussieht. Und doch – bringt der Aquarianer den Honiggurami in ein Aquarium mit den ihm zusagenden Bedingungen, dann wird aus dem hässlichen Entlein schnell ein überaus hübsch anzuschauendes Schmuckstück – es bedarf nur ein wenig Geduld.
Da diese Art aus der Familie Belontiidae schon 1822 von Hamilton unter der Bezeichnung Trichogaster chuna wissenschaftlich beschrieben wurde, dauerte es noch lange, bis 1962, bis er schließlich auch Einzug in die Aquaristik hielt. In dem Zeitraum von 1832 bis 1984 trug er den Namen Colisa chuna. Aufgrund eines Irrtums in seiner wissenschaftlichen Beschreibung war jedoch das Männchen Colisa chuna und das Weibchen Colisa sota getauft worden. Sicherlich kann dieser Fisch bis heute nicht als „Modeerscheinung“ bezeichnet werden, wenngleich er sich schon immer einer gewissen Beliebtheit unter den Aquarianern erfreute.

Eine weite Verbreitung: Dem frühen Ichthyologen Francis Day (1877) zufolge, dem ersten Beschreiber des Dicklippigen Fadenfischs, Trichogaster labiosa, kommt T. chuna im Assam-Tal im Nordosten Indiens vor. Der Lebensraum besteht hier aus den zerklüfteten Ebenen zu Füßen des Himalaya und erstreckt sich vom Strom des Brahmaputra in der Nähe von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh, über den Fluss Hooghly bis nach Bengalen westlich von Calcutta. Auch ist er in den Unterläufen der Wassersysteme des Ganges und des Jammu (= Jamuna) verbreitet, die sich nahe ihrer Mündung vereinen. Gelegentlich kommt diese Art in der Gesellschaft von Trichogaster lalius sowie T. fasciatus vor und somit sind die Lebensansprüche dieser drei Guramis einander sehr ähnlich.
Der Lebensraum von Trichogaster chuna besteht in der Regel aus kleinen, schmalen Wasserläufen mit geringer Strömung, gelegentlich aber auch größeren Bächen. Er bewohnt des Weiteren Gräben und tiefere Bereiche stehender Gewässer, die mit Reis- und anderen überschwemmten Feldern in Verbindung stehen. Hier hält sich der Fisch meist im Schutz von Schwimmpflanzen auf, die er gleichzeitig als Ankerpunkte für sein Schaumnest verwendet. Grundsätzlich sind diese Gewässer weich, Gesamthärte unter 5 °dH, und leicht sauer, pH-Wert 6,0 bis 6,8, meist aber auch sauerstoffarm und nicht selten mit Trübstoffen sowie organisch verschmutzt. An für Fische geeignetem Futter herrscht hier kein Mangel, denn es gibt jede Menge Algen, Mückenlarven und Würmer aller Art. Die Wassertemperaturen schwanken zwischen 20 und mehr als 30 °C, in Abhängigkeit vom jeweiligen Standort und der Jahreszeit.

Der kleinste der Gattung: Die Gattung Trichogaster (Syn. Colisa) besteht derzeit aus fünf sehr farbenprächtigen Arten, nämlich Trichogaster bejeus, T. fasciatus, T. labiosa, T. lalius und T. chuna, wobei letzterer einer der kleinsten Vertreter der Labyrinthische ist. Er überschreitet kaum eine Länge von 4 cm und besitzt einen seitlich abgeflachten, eiförmigen Körper. Wie bei den allermeisten Arten zeigt auch hier das Männchen die auffälligeren Farben. Von kurz hinter dem Auge zieht sich außerhalb der Prachtfärbung ein breiter, mehr oder weniger dunkler, brauner Streifen bis in den Ansatz der Schwanzflosse. Das Rotorange des Körpers setzt sich teilweise auf den unpaaren Flossen fort. Die Kopfunterseite zeigt eine Zone schwärzlicher Färbung mit blauschwarzem Glanz, die sich schräg über den Kiemendeckel verlaufend bis auf die vordersten Strahlen der Afterflosse ausdehnt. Der obere Bereich der Rückenflosse ist in der Prachtfärbung zitronen- bis goldgelb, während ihr Grund bläulich, türkis oder grünlich bis weiß erscheint. Die Bauchflossen sind zu langen Fäden umgestaltet, die sich in silbriger oder goldgelber Färbung präsentieren. Sie werden von dem Fisch vornehmlich als Geschmacksorgane eingesetzt, die im trüben Wasser das Finden der Nahrung und der Geschlechtspartner ermöglichen. Diese fädigen Bauchflossen dienen jedoch kaum als Tastorgane, wie es in der älteren Literatur gelegentlich vermutet wurde.
Das Weibchen zeigt seinerseits eine unauffällige Färbung aus bräunlichen oder beigen bis ockerfarbenen Tönen, in der Normalfärbung ebenfalls mit einem mittel- bis dunkelbraunen Längsstreifen. Seine Flossen sind durchsichtig oder leicht bräunlich gefärbt. Diese Färbung zeigen auch die Jungtiere sowie unterdrückte und erschreckte Männchen und hat zu dem Namen „Honiggurami“ geführt. Seit einigen Jahren existiert eine weniger kontrastreich gefärbte Zuchtform mit überwiegend gelben Tönen, der „Zitronengurami“. Eine weitere, rein orange Zuchtform war Anfang der 1990er Jahre in der Aquaristik vertreten, scheint aber wieder verschwunden zu sein. (Möglicherweise wurde die Art mit Trichogaster labiosa-Goldform gekreuzt, jedenfalls gibt es heute noch auffällig kleine und einfarbige Zuchtformen des Dicklippigen Fadenfischs, die ähnlichen Ursprungs sein könnten.)
Hinsichtlich seiner Eingewöhnung zeigt sich Trichogaster chuna als wenig anspruchsvoll. Ein Aquarium von 80 cm Länge und nur 30 cm Höhe und Tiefe ist bereits bestens geeignet. Es wird mit einem dunklen Bodengrund, einigen Moorkienwurzeln und einer dichten Vegetation ausgestattet, die nicht nur unterdrückten Männchen und verfolgten Weibchen Versteckmöglichkeiten bietet, sondern auch noch attraktiv aussieht.
Nahezu neutrales Wasser mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 7,2 bei mäßiger Härte, 5 bis 7 °dGH, scheint den Fischen bereits auszureichen. Der verträgliche Temperaturbereich liegt zwischen 20 und 30 °C, wobei 23 bis 26 °C optimal sind. Das Aquarium muss unbedingt abgedeckt sein, damit die darüber befindliche Luftschicht stets erwärmt und zugfrei ist. Dies scheint besonders während der Labyrinthbildung bei Jungfischen, im Alter von etwa zwei Wochen, wichtig zu sein. Die Abdeckung darf jedoch andererseits nicht hermetisch abschließen, da ansonsten eine Lufterneuerung über der Wasseroberfläche unmöglich gemacht wird. Während auf eine zusätzliche Belüftung verzichtet werden kann, sollte die Filterung zur Stabilisierung der Wasserqualität so angelegt sein, dass keine Strudel entstehen. In zweiwöchentlichen Abständen sind Erneuerungen von mehr als 50 % des Wassers nötig.

Ein robuster Fisch: Unter optimalen Bedingungen gepflegt, erweist sich Trichogaster chuna als robuster als die Mehrheit der anderen Vertreter seiner Gattung. Trotzdem hat eine abrupte Verschlechterung der Wasserqualität auch bei diesem Fisch verheerende gesundheitliche Auswirkungen. Es kann dann in der Folge zu verschiedenen bakteriellen Infektionen kommen, die sich häufig als – die bei Guramis berüchtigten – Geschwüre bemerkbar machen. Auch wird einem Piscinoodinium-Befall der Weg bereitet, was sich in einem gräulichen, scheinbar auf der Haut liegenden Schleier äußert, der mit dunklen und gelblichen Punkten durchsetzt ist. Der erkrankte Fisch reibt sich, wo er nur kann und zeigt eine deutlich erhöhte Atemfrequenz. Wird rechtzeitig eine Behandlung mit den entsprechenden Medikamenten (Salz, Methylblau, Malachitgrün, Formaldehyd …) eingeleitet, dann verschwinden die Krankheitsanzeichen nach kurzer Zeit wieder.
Ist er gesund, ist der Honiggurami ein angenehmer Pflegling mit weitgehend friedfertigen Motivation. Er eignet sich daher auch gut für ein Gesellschaftsaquarium, sofern er dort nicht mit großwüchsigen Arten oder sehr lebhaften Fischen wie den aktiveren Arten der Gattungen „Danio“ oder „Barbus“ zusammenleben muss, die ihm das Leben schwer machen können. Fühlt er sich von einem anderen Fisch unter Druck gesetzt, dann zieht er sich in eine dunkle Ecke zurück, aus der er dann freiwillig kaum noch hervorkommt. Natürlich ist der Honiggurami bestens für ein asiatisches Regionalaquarium geeignet, in dem er zusammen mit ebenso ruhigen und verwandten Fischen wie Trichogaster lalius, T. fasciatus, Trichopodus leerii oder auch manchen Rasbora- Arten leben kann. Es können durchaus mehrere Pärchen gemeinsam gepflegt werden, obwohl die Männchen nur mühsam die Anwesenheit von Geschlechtsgenossen akzeptieren. Sie ergehen sich in häufigen Imponierschauen mit Flossenspreizen und Umschwimmen in herrlichen Farben. Nur höchst selten kommt es zu echten Raufereien, die dann allerdings nur geringe Schäden verursachen und der Unterlegene flüchtet alsbald zwischen den Schutz der dichten Aquarienbepflanzung.

Die Balz: Möchte ein Männchen ein Nest bauen, dann zeigt es anderen gegenüber Imponiergehabe und bietet auch erheblich größeren Fischen Kontra, um sich ein eigenes Revier zu sichern. Bei gut eingewöhnten Honigguramis kommt es fast unvermeidlich zur Balz und zum Laichen.
Zur gezielten Zucht bietet sich ein langgestrecktes Zuchtaquarium von geringer Höhe an, das wie das bereits weiter oben beschriebene Haltungsaquarium eingerichtet wird. Belüftung und Filterung sind hier unangebracht. Der Wasserstand sollte 20 cm nicht überschreiten, das Wasser selbst kann sehr weich (2 bis 3 °dGH) und schwach sauer (pH-Wert 6,5) sein, auch ist es sinnvoll, die Temperatur auf 26 bis 28 °C anzuheben. Hier darf keinesfalls die Abdeckung vergessen werden, um die Temperatur der Atemluft auf dem gleichen Wert wie dem des Wassers zu halten.
In diesem Zuchtaquarium werden das schönste Männchen und ein angesichts seiner Rundungen als laichbereit zu erkennendes Weibchen zusammengesetzt. Alsbald baut das Männchen in zügig voranschreitender Weise ein Schaumnest, das – nur leicht an umgebenden Pflanzen verankert – an der Wasseroberfläche schwimmt. Dieses Bauwerk befindet sich dabei an einer Stelle, die ihm besonders geeignet erscheint, und der Bau ist strikte „Männersache“. Während dieser Zeit hält sich das Weibchen mehr oder weniger versteckt im Schutz zwischen den Pflanzen auf, denn es wird noch nicht in der Nähe der Nestbaustelle geduldet. Von hier aus beobachtet es jedoch alles, was sein Partner tätigt. Letzterer schnappt an der Wasseroberfläche Luft, die er mit Speichel zu einem Schaum vermischt. Die von Schleim umgebenen, kleinen Bläschen spuckt er einzeln an die Oberfläche, sodass sie dort bald zwischen den Schwimmpflanzen einen kleinen Schaumberg bilden. Dieses Schaumnest nimmt nur eine Grüße bis 5 cm Durchmesser ein, ähnelt dem des Zwergfadenfischs, Trichogaster lalius, ist jedoch im Vergleich weniger aufwendig. So enthält es beispielsweise keine Pflanzenteile zur Verstärkung und zerfällt sehr leicht wieder. In der Natur ist das Nest viel größer.
Interessant ist auch, dass der Honiggurami jede Blase des Nests einzeln Produziert, während die anderen Vertreter der Männchen aus der Fadenfischverwandtschaft nach jedem Luftschöpfen eine ganze Traube Blasen produzieren können. In diesem einen Merkmal gleichen die Honigguramis also erstaunlicherweise eher den schaumnestbauenden Kampffischen als ihren Gattungsgenossen.
Der Abschluss der Bauarbeiten ist gleichzeitig die Einladung zur Paarung an das Weibchen. Das Männchen zeigt sich dabei sehr nachdrücklich. Mit Führungsschwimmen versucht es das Weibchen zum Nest zu locken. Dabei stellt es sich manchmal balzend senkrecht ins Wasser: den Kopf nach oben, die Schwanzflosse also nach unten und die Bauchflossenfäden weit noch vorn ausgestreckt. Auch dieses Balzverhalten ist bei Labyrinthfischen einmalig (Kopf- oder Schwanzstand gibt es allerdings auch bei Par- und Pseudosphromenus), es grenzt den Honiggurami deutlich von den anderen Fadenfischen ab. Weigert sich das Weibchen anfangs noch zu laichen, so kommt es zu einer wilden Hetzjagd, während der es durchaus auch ein wenig herumgeschubst wird. Nähert es sich hingegen dem Männchen vorsichtig von selbst, so wird es gewöhnlich gut behandelt. Das Männchen schwimmt ihm entgegen und führt seinen „Tanz“ in der Senkrechten auf, bei dem es imponierend seine Flossen aufstellt. Seine Erregung erreicht nun ihren Höhepunkt und führt zur Ausprägung überragender Farben.
Unter dem Bauwerk umschlingt das Männchen seine Partnerin in der Bauchregion. Im Gegensatz zu anderen Fadenfischen, die sich meist in senkrechter Ausrichtung paaren, erfolgt die Paarung beim Honiggurami gewöhnlich in waagerechter Lage. Nach einigen Übungsläufen, während derer keine Eier und kein Sperma ausgestoßen werden (den sogenannten Scheinparungen), umschlingt das Männchen das Weibchen und übt dabei Druck auf dessen Unterbauch aus. Beide Fische drehen sich gemeinsam langsam auf den Rücken und verbleiben einige Augenblicke in dieser Position. Während der Umschlingung stößt das Weibchen eine kleine Reihe von weniger als 1 mm durchmessenden, glasigen Eiern aus, die das Männchen während dieser Paarung sofort befruchtet. Dann lässt sich das Weibchen – das auf den Betrachter ein wenig erschöpft wirkt – aus der Umklammerung gleiten, „um wieder zu Atem zu kommen“. Gleichzeitig sammelt das Männchen die verstreut an der Oberfläche schwimmenden Eier in seinem Maul ein und verteilt sie nach seinem Gutdünken zwischen den Bläschen des Schaumnests. Später – nach Abschluss der Laichphase – wird es sie aber an einer Stelle im Nest konzentrieren, sodass es die Eier „im Klumpen“ besser betreuen und verteidigen kann.
Während der Paarung tolerieren die beiden Guramis keinerlei Zuschauer, auch nicht aus der Ferne – und erst recht keine Artgenossen. Sie benötigen ihre Abgeschiedenheit, weswegen es sich empfiehlt, sie zu isolieren, denn in einem Gesellschaftsaquarium kann ein laichendes Pärchen ansonsten gut zwei Drittel des zur Verfügung stehenden Raums für sich beanspruchen. Im Laufe von einem knappen Dutzend Laichakten – in 15- bis 20-minütigen Abständen – kommen in der Laichphase insgesamt 200 bis 250 Eier zusammen. Der Zeitraum, in dem es im Abstand weniger Tage nacheinander zu weiteren Laichphasen kommt, wird Laichperiode genannt. Dem schließt sich dann ein längerer Zeitraum ohne Laichen an. Diese – in der Natur von Regen- und Trockenzeiten gesteuerte Periodik – verschwindet aber unter Aquarienbedingungen bald, sodass die Honigguramis im Heimaquarium bei guter Fütterung uns Wasserqualität fast wöchentlich zum Laichen schreiten können.
Nachdem das Laichen abgeschlossen ist, sinken die beide Partner erschöpft auf den Grund des Aquariums. Nach einigen Momenten der Erholung finden sie jedoch schnell ihre Energie wieder.

Die Aufzucht: Auch wenn das Weibchen nun vom Männchen ignoriert wird, sollte es doch herausgefangen und in einem anderen Aquarium untergebracht werden, denn das Männchen widmet von nun an seine ganze Aufmerksamkeit seinem Nachwuchs. Dies beinhaltet allerdings nur wenige Instandhaltungsarbeiten am Schaumnest selbst und zerplatzte Bläschen werden nur selten ersetzt. Erweist sich das Nest als nicht groß genug, dann werden Eier und Larven solange von einem Platz zu einem anderen umsortiert, bis daraus freischwimmende Jungfische geworden sind.
In jedem Fall erscheint es sinnvoll, weitere Fische aus dem Aquarium zu entfernen, damit sich der überaus aufmerksame Vater in aller Ruhe um diese Pflegemaßnahmen kümmern kann. Die winzigen Larven schlüpfen bereits nach 24 bis 36 Stunden. Sie zählen zu den winzigsten Jungen, die wir unter den Süßwasserfischen kennen, und sind entsprechend schwer aufzuziehen. Die Larven heften sich mittels eines für das menschliche Augen unsichtbaren Klebeorgans am Kopf an das Schaumnest oder an Schwimmpflanzen. Obwohl sie kaum größer als 1 mm sind, zeigen sie schon eine dunkle Pigmentierung. Der Körper ist zunächst fast schwarz, hellt dann aber zusehend auf und ist dann nahezu durchsichtig. Nach weiteren 36 bis 48 Stunden beginnen die kleinen Kommata damit, frei umherzuschwimmen.
Mit dem Freischwimmen beginnt auch die Fütterung der Jungfische, wobei mehrmals täglich feinstes Teichplankton verabreicht werden muss. Die kleinen Honigguramis zählen zu den winzigsten Jungen der Süßwasserfische überhaupt. Ist es einerseits leicht, die Honigguramis zum Laichen zu bewegen, so ist die Fütterung der Jungen ein echtes Problem. Die Futtermenge muss dabei zudem für ihre Ernährung genügend sein, gleichzeitig aber so knapp wie möglich bemessen werden, um jedwede unnötige Verschmutzung des Wassers zu vermeiden. Um sicherzustellen, dass auch alles Futter gefressen wird, ist es sinnvoll, den Wasserstand soweit zu senken, dass die Jungfische im wahrsten Sinne des Wortes im Futter schwimmen. Vier bis fünf Tage später sind sie dann in der Lage, frischgeschlüpfte Artemia- oder tiefgefrorene Cyclops-Nauplien zu verzehren. Nach und nach kann nun auch wieder der Wasserstand erhöht werden und gleichzeitig wird eine kräftige Belüftung in Betrieb genommen. Die Bildung des Labyrinthorgans nimmt wenigstens drei Monate in Anspruch. Während dieser Zeit ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Luftschicht über dem Wasser die gleiche Temperatur wie das Wasser selbst aufweist und möglichst geringen Temperaturschwankungen unterworfen ist.
Bei einer abwechslungsreichen Ernährung mit passendem Lebendfutter verläuft das Wachstum schnell, oft jedoch auch unregelmäßig, sodass einige Jungfische schon bald doppelt so groß wie ihre Geschwister sind. Wenn diese eine Länge von 10 mm erreicht haben, so erscheint auch der dunkle Längsstreifen, der im Jugendalter oben und unten silbern gerandet ist. Im Alter von zwei bis drei Monaten können die jungen Honigguramis dann gemäß ihrer Größe auf andere Aquarien verteilt werden. Theoretisch sollten die Nachzuchten im Alter von fünf Monaten ausgewachsen sein, obwohl sie erst mit acht bis neun Monaten fortpflanzungsfähig werden. Zu diesem Zeitpunkt beginnen dann auch die Männchen, in aller Schönheit miteinander zu rivalisieren. Honigguramis werden etwa drei Jahre alt.
Trichogaster chuna ist wahrhaft liebenswert. Seine Schönheit, seine Widerstandsfähigkeit und sein erschwinglicher Anschaffungspreis machen ihn zu einem Fisch, der jederzeit seinen Platz in einem regionalen Gesellschaftsaquarium finden dürfte. Darüberhinaus ist er tatsächlich die Verkörperung der – ansonsten oft nicht zutreffenden – Maxime „Alles Kleine ist friedlich“!

Literatur:
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Trichogaster chuna, Honiggurami, Weibchen, Syn. Colisa chuna
Trichogaster chuna, Abbildung: Regan 1910
Trichogaster chuna, Zitronen-Honiggurami
Trichogaster chuna, Gold-Honiggurami
Trichogaster fasciatus, Gestreifter Fadenfisch

Trichogaster fasciatus – der Gestreifte Fadenfisch

Der Gestreifte Fadenfisch, Trichogaster fasciatus (Syn. Colisa fasciata), vermag in seiner Beliebtheit nicht mit seinen kleineren Verwandten, dem Zwergfadenfisch und dem Honiggurami, mitzuhalten. Dabei hat sein rot-blaues Streifenkleid durchaus seinen Reiz. Und – gesünder als seine Verwandten sind diese Fische allemal!
Die Heimat der Gestreiften: Trichogaster fasciatus kommt in Indien, im Industrietiefland Pandschab und in den Tiefländern an der Koromandelküste, im Süden vom Krischnafluss bis hin zum Gangesdelta sowie in Bangladesh und Assam vor. Oft findet er sich auch am oberen Ganges, nördlich von Delhi. Desweiteren wurden – etwas zweifelhafte – Fundorte in Myanmar und Westthailand bekannt, wobei es sich sicherlich um Verwechslungen mit C. labiosa handelt.
Ein prächtiger Fisch: Der Gestreifte Fadenfisch ist der größte Vertreter der Trichogaster-Arten. Er erreicht in der Natur eine Länge von circa 12 cm, wohingegen die Aquarienform oft schon mit 9 cm Länge ausgewachsen ist. Der Körper ist im hinteren Bereich seitlich zusammengedrückt und im Gegensatz zu den anderen Arten sehr langgestreckt. Von oben betrachtet wirkt er wie eine Kaulquappe: dicker Kopf und magerer Hinterleib.
Die Grundfarbe des Fischkörpers ist eine hell- bis rötlichbraune Färbung. Auf allen Körperseiten befinden sich mehrere, leicht schräg nach hinten verlaufende blaue oder grünlich irisierende Streifen von unregelmäßiger Stärke. Die Färbung zwischen den Streifen ist von einem intensiveren Rotbraun oder auch Orangerot.
Sehen wir uns die Flossen an, so sind auf den unpaaren Flossen dunkle Flecken zu erkennen. Die hinteren Teile der Rücken-, After- und Schwanzflosse sind rot bis karminrot gefärbt. Die Afterflosse weist eine blaue Färbung auf, die von einem orangeroten Band abgeschlossen wird. Die Bauchflossenfäden sind ebenfalls rot oder orange. Charakteristisch für die Männchen sind die spitz ausgezogenen Rücken- und Afterflosse, deren Zipfel jeweils über die Schwanzflosse hinausreichen kann. Die Weibchen sind dagegen nicht so intensiv gefärbt; doch sind auch die blauen Streifen auf dem beigebraunen Körper vorhanden. Die Rücken- und Afterflosse ist jedoch jeweils abgerundet. Am intensivsten wird die Färbung während der Laichphase gezeigt, dann ist selbst die Kehle des Männchens stark blau gefärbt.
Pflege und Zucht: Im allgemeinen ist Trichogaster fasciatus sehr friedlich und kann selbst mit kleinen Fischen vergesellschaftet werden. Kommt es aber zur Balz und Paarung, so ändert sich dieses Verhalten und die Männchen werden gegenüber anderen Mitbewohnern sehr aggressiv. Ein gut bepflanztes 150 l-Aquarium reicht jedoch voll und ganz aus. Eine dichte Schwimmpflanzendecke darf nicht fehlen.
Die Wasserbeschaffenheit spielt eine untergeordnete Rolle. Die Fische vertragen weiches, aber auch hartes Wasser. Die Wassertemperatur kann im Bereich von 22 bis 28 °C liegen. Die Fütterung ist auch recht unproblematisch. So wird alles Lebende gefressen und auch Trockenfutter angenommen. Um gesunde und schön gefärbte Nachzuchten zu erhalten, sollte der Aquarianer möglichst nur Lebendfutter sowie alle Arten von Würmern reichen, das letztere nicht zu oft, da eine Verfettung eintreten kann.
Das Laichen selber geschieht ohne unser besonderes Zutun. Haben wir die geeignete Temperatur, eine Schwimmpflanzendecke, wenig Bewegung des Wassers (durch Filterausströmer), so werden wir eines Tages erkennen, dass das Männchen aus Luftblasen ein Nest baut. Das Nest ist sehr flach und unregelmäßig. Zwischendurch balzt das Männchen immer wieder das Weibchen,
in einer Breitstellung mit gespreizten Flossen, in seinen schönsten Farben an und versucht es durch Führungsschwimmen unter sein Nest zu locken. Ist das Weibchen laichbereit, so wird es das Männchen von selbst immer im rechten Winkel anschwimmen, um seine Bereitschaft zu signalisieren. Hat das Nest noch nicht die gewünschte Form und Größe, dann wird das Weibchen verjagt.
Sind nun beide bereit, so werden wir sehen, wie das Weibchen durch leichte Maulstupser in die Körperseite des Männchens den Umschlingungsreflex auslöst. Der Körper des Männchens umschlingt das Weibchen und dreht es nach einigen Sekunden auf den Rücken, sodass sich die übereinanderliegenden Geschlechtsöffnungen der Fische direkt unterhalb des Nests befinden. Nun ist zu erkennen, dass das Männchen in dieser Stellung nochmals seinen Körper enger um das Weibchen drückt, um zu signalisieren, dass die Geschlechtsprodukte abgegeben werden sollen.
Eng umschlungen: Plötzlich bemerkt der Betrachter circa 50 Eier, die aus der Geschlechtsöffnung des Weibchens ausgestoßen werden. Eine solche Umklammerung dauert bis 30 Sekunden. Danach ist das Männchen bestrebt, mit dem Maul alle Eier aufzunehmen, um sie dann in das Schaumnest aus Luftblasen einzulagern. Gut genährte Weibchen haben einen Eivorrat von circa 700 Eiern.
Nach dem Laichen beginnt die Arbeit des Vaters. Neben dem Verjagen von Mitbewohnern, die dem Nest zu nahe kommen, werden die Laichkörner immer wieder umgeschichtet, verpilzte Eier entfernt und neue Luftblasen hinzugeführt. Je nach Temperatur verlassen die Embryonen nach etwa 24 Stunden die Eihülle. Nach etwa zwei Tagen ist der Dottersack der Jungbrut aufgezehrt und das freie Schwimmen und die Futtersuche beginnen. In dieser Phase sollte das Männchen herausgefangen werden.
Die Erstnahrung besteht aus Infusorien – meist das leicht und in Mengen ziehbare Pantoffeltierchen. Es werden mehrere Kulturen benötigt, um die Jungfische sattzubekommen. Nach einer Woche wird dieses Problem geringer, da schon frisch geschlüpfte Salinenkrebschen zu verfüttern sind. Doch sind immer noch Infusorien für im Wachstum zurückbleibende Trichogaster fasciatus-Junge bereitzuhalten. Bei regelmäßigen Wasserwechseln in geringen Mengen wird der stolze Züchter bald einen gesunden T. fasciatus-Schwarm sein eigen nennen können. Abnehmer gibt es für die – schon im Jugendkleid – attraktiven Fische allemal.

Steckbrief: Trichogaster faciatus

Familie: Belontiidae
Gattung: Trichogaster
Art: Trichogaster fasciatus Bloch & Schneider, 1801 Synonyme: Colas fasciata, Colisa ponticeriana, Colisa bejeus, Polyacanthus fasciatus, Trichopodus colisa, Trichopodus cotra. Trichogaster bejeus ist aber eine eigene Art! Deutscher Name: Gestreifter Fadenfisch, Gestreifter Gurami Herkunft: Indien, Bangladesh Größe: Bis 12 cm Gesamtlänge Verhalten: Friedlicher Einzelgänger, zur Fortpflanzungszeit sind die Männchen allerdings territorial und entsprechend aggressiv. Haltung: Für ein Paar oder Trio, ein Männchen und zwei Weib- chen, wird ein 1 m-Aquarium mit reich strukturierter Einrich- tung benötigt.  Wasser: pH-Wert leicht sauer bis neutral, 5,5 bis 7, Härte: 2 bis 16 °dGH und 0 bis 6 °dKH, 22 bis 28 °C. Fütterung: Gestreifte Fadenfische akzeptieren nahezu alle Futtersorten, die in ihre kleinen Mäuler passen. Vermehrung: Schaumnestbauer, das Männchen übernimmt die Brutpflege allein. Ein niedriger Wasserstand von 25 bis 30 cm ist günstig. Ausführliche Daten zur Zucht und Aufzucht sind den Texten bei Trichogaster lalius und Trichopodus leerii zu entnehmen.Anmerkungen: Eine robuste Art, die besser für die Aquaristik geeignet ist als ihre kleineren Gattungsgenossen. Siehe auch den Text zu Trichogaster lalius weiter unten.

Trichogaster fasciatus, Gestreifter Fadenfisch, Abbildung: M. E. Bloch
Trichogaster cf. labiosa, Dicklippiger Fadenfisch
(Hinweis: Alle zzt. unter den Namen Trichogaster labiosa und Colisa labiosa im Zoohandel verkauft werden sind mit hoher Wahrscheinlichkeit unter falschem Namen im Handel.)

Steckbrief: Trichogaster labiosa – Dicklippiger Fadenfisch

Unterordnung: Anabantoidei, Labyrinthfischähnliche
Familie: Belontiidae
Unterfamilie: Trichogasterinae
Gattung: Trichogaster
Art: Colisa labiosa (Day, 1877)
Synonyme: Colisa labiosa, Trichogaster labiosus, Trichopus labiosus u. v. a. m.
Deutscher Name: Dicklippiger Fadenfisch, Wulstlippiger Gurami
Herkunft: Bangladesh, Ostindien und Myanmar
Größe: bis 9 cm Länge
Verhalten: Ruhige und verträgliche Art, zur Laichzeit verteidigen die Männchen ein Revier. Für größere Gesellschaftsaquarien gut geeignet.
Haltung: Dicht bepflanzte Aquarien ab etwa 100 l.
Wasser: keine besonderen Ansprüche
Fütterung: Alle gängigen Futtersorten passender Größen (Flockenfutter, Frost- und Lebendfutter, Futtertabletten).
Vermehrung: Ohne Probleme möglich. Das Männchen baut ein Schaumnest, betreut die Eier und später die Larven bis zum Freischwimmen.

Aquarium, besetzt mit Trichogaster labiosa, Dicklippiger Fadenfisch, Goldform.
Trichogaster labiosa, Dicklippiger Fadenfisch, Goldform
Trichogaster lalius, Zwergfadenfisch, junges Männchen
Trichogaster lalius, Zwergfadenfisch,
Männchen mit schönen, regelmäßigen Streifen.
Trichogaster lalius, Zwergfadenfisch, Weibchen

Trichogaster lalius (Syn. Colisa lalia) Hamilton, 1822 – der Zwergfadenfisch
Das Labyrinthfischportrait Nr. 109 (ex 9)
überarbeitet aus ’Der Makropode’ 24(9/10), 2002, 224-231

Wissenschaftlicher Name
Trichogaster lalius Hamilton, 1822

Bedeutung des wissenschaftlichen Namens
Trichogaster: Trichom für Faden und Master für Bauch: Fadenbauch
Colisa: nach der indischen Bezeichnung „kholisha“. lalia: nach der Bezeichnung „lal“ im Ooriah-Dialekt.
Einheimischer Name der Wildform: Kholisha lal.

Deutsche Namen
Zwergfadenfisch, Zwerggurami oder Lalius.

Erstbeschreibung
Hamilton, Francis 1822. An account of the fishes found in the river Ganges and its branches. Edinburgh, London, 1-405 + 39 plates.

Synonyme
Colisa lalia (Hamilton, 1822)
Trichopodus unicolor Hamilton, 1822 
Colisa lalius Cuvier & Valenciennes, 1831 Trichogaster fasciatus Günther, 1861 (nicht Trichogaster fasciatus Bloch & Schneider, 1801) Trichogaster unicolor Günther, 1861
Trichogaster lalius Myers, 1923

Ersteinfuhr
1903 durch Stüve (Riehl & Baensch 1997).

Flossen- & Schuppenformeln
D XV-XVII/7-10, A XVII-XVIII/13-17, P 14, V I/5, C 13-15, mLR 27- 28(+1-3), Ltr 13-15, Standardlänge bis 5 cm.

Beschreibung
Der Körper von Trichogaster lalius ist hochrückig, gedrungen und seitlich stark zusammengedrückt. Das Männchen erreicht etwa 5,5 cm Gesamtlänge, das Weibchen 4,5 cm. Zudem wirkt der Körper von Trichogaster lalius eiförmig und seitlich abgeflacht. Rücken- und Afterflosse sind lang und weisen zahlreiche Flossenstrahlen auf. Anhand der langen Rückenflosse sind die Arten der Gattung Trichogaster gut von den anderen Fadenfischen der Gattung Trichopodus zu unterscheiden. Letztere haben eine viel kürzere Rückenflosse, die jedoch dafür meist länger ausgezogen ist. Die Bauchflossen der Fadenfische sind – namensgebend – in fadenartige Organe umgewandelt, die in erster Linie als Geschmackssinnesorgan dienen. Die oft vermutete Funktion als Tastorgan ist hingegen eher nebensächlich.
Trichogaster lalius-Weibchen sind bei weitem nicht so farbig wie die Männchen und bleiben auch etwas kleiner. Bei den Männchen der Wildform ist der Körper rot und metallischblau quergestreift, ebenso wie die Schwanzflosse sowie die hinteren Bereiche der Rücken- und Afterflosse. Die Brust, der Bauch und die Kiemendeckel imponierender oder balzender Männchen werden leuchtend dunkelblau, auch die vorderen Abschnitte der Rücken- und Afterflossen sind blau. Wie bei allen Trichogaster-Arten setzen Rücken- und Afterflosse weit vorn an und enden erst beim Schwanzstielansatz. Die Schwanzflosse ist abgerundet und in der Mitte leicht eingebuchtet, homocerc. Die Brustflossen sind transparent und fächerförmig. Der erste Strahl der Bauchflossen ist fadenförmig ausgezogen und erreicht etwas mehr als die halbe Körperlänge. Die fadenartigen Bauchflossen sind gelb. Der Rest der Bauchflosse ist nahezu vollständig zurückgebildet. Die Augeniris der Männchen ist rot, mit einem schwarzen Querbalken. Beim Weibchen ist die Iris silbern bis goldfarben. Die Weibchen der Wildform und der Zuchtformen sind blasser, silbrig und beigegelb quergestreift oder einfarbig und die Bauch- sowie Brustbereiche sind ebenfalls silbern.
Von Züchtern wurden zahlreiche Farbformen als erbfeste Mutationen herausselektiert; die bekanntesten sind Rote- (Portrait Nr. 9), Neon-Blaue-, Blaue-, Pfauen- und Regenbogen-Fadenfische oder -Guramis.
Die Fische werden selten mehr als eineinhalb Jahre alt. Folglich ist darauf zu achten, wirklich junge und gesunde Fische zu erwerben.

Verbreitungsgebiet
Indien: Der Lalius stammt vor allem aus den nordöstlichen Indischen Regionen Bengalen und Assam. In seinen Herkunftsgebieten ist die Art insbesondere in den großen Ebenen des Ganges und des Brahmaputra verbreitet. Hier leben die Fische in den Gewässern der gigantischen Flussdeltas der Mündungen in den Indischen Ozean. Der Mensch schuf mit den Reisfeldern und Bewässerungsgräben zahlreiche neue Lebensräume. Der Zwergfadenfisch ist dort nicht selten und ist als echter Kulturfolger aufzufassen.
Das Klima der Herkunftsländer ist von hohen Temperaturen sowie häufigen und reichlichen Niederschlägen geprägt. Die Gewässer sind in der Regel sehr warm, trüb und sauerstoffarm. Die Wassertemperatur ist folglich enormen Schwankungen unterworfen und bewegt sich in der Saison in Bereichen zwischen 14 und 40 °C.

Lebensraum
Zur Trockenzeit leben Trichogaster lalius in großen Gruppen in den Unterläufen großer Flüsse und in Kanälen. Mit Beginn der infolge der Monsunregen folgenden Überschwemmungen besiedeln die Zwergfadenfische die entstandenen Flachwasserzonen und Reisfelder. Das Wasser in den flachen Bereichen erwärmt sich in der Folge rasch. Hier bauen die Fische ihre Nester und pflanzen sich fort. Sie laichen im schwach trüben Wasser bei pH-Werten zwischen 5,8 und 8,5, einer Gesamthärte 1,4 bis 2,8 °dGH und einer Temperatur zwischen 24,5 und 26 °C (Vierke 1980, König 1982). Die Laichperiode erstreckt sich über die Monate von April bis Oktober. Die Schaumnester werden vorzugsweise zwischen Pflanzen errichtet. Im tieferen Wasser lehnen sie sich auch an Schwimmpflanzen an. Nur selten ist Trichogaster lalius in Gewässern ohne Unterwasserpflanzen anzutreffen, dann befinden sich aber mindestens untergetauchte Überwasserpflanzen im Wasser. Die durch die Regenfälle neu entstandenen Lebensräume entsprechen Heuaufgüssen im Großformat, sie bieten zahllosen Einzellern optimale Entwicklungsbedingungen. Diese Infusorien dienen den frischgeschlüpften Zwergfadenfischen als erste Nahrung (König 1982).

Pflege
Trichogaster lalius ist ein gut geeigneter, kleinbleibender Aquarienfisch. Bei der Pflege von Trichogaster lalius im Gesellschaftsaquarium sind diese Fische ein Farbwunder, das schnell alle Blicke auf sich zieht. Mit ihrem friedlichen Naturell und ihrer geringen Größe eignen sich die Zwergfadenfische für nahezu jede Gesellschaft. Ihr Fortpflanzungsverhalten kann als spektakulär gelten und aufgrund der Farbenvielfalt spezialisieren sich manche Züchter und Anfänger auf Trichogaster lalius.
Gesunde Trichogaster lalius sind recht leicht zu halten und zu pflegen. An die chemisch-physikalischen Parameter des Was- sers stellen sie keine besonderen Anforderungen. Die Wassertemperatur muss allerdings etwas höher liegen, als es in den meisten Gesellschaftsaquarien üblich ist; aber auch hier sind die Zwergfadenfische sehr anpassungsfähig. In der Natur leben sie teilweise unter sehr extrem hohen Temperaturverhältnissen, die im Aquarium aber nicht nachvollzogen werden sollten, weil die Fische sonst nicht sonderlich alt werden. Denn in der Natur leben sie oft nur eine Saison, also eine Regenzeit zum Wachstum und eine weitere zur Fortpflanzung – das ist insgesamt meist weniger als ein Jahr. Im Aquarium werden sie, bei 24 °C Wassertemperatur, dennoch in Ausnahmefällen bis zu drei Jahre alt, bei höheren Temperaturen entsprechend weniger. Zwar sind die Fische bei hohen Haltungstemperaturen viel lebhafter und zeigen oft auch schönere Farben, doch sind sie
dann viel anfälliger für Krankheiten – die bei den Zwergfadenfischen ohnehin ein großes Problem darstellen – und sie altern viel schneller.
Zwergfadenfische sind problemlos in nahezu jedem Gesellschaftsaquarium mit nicht allzu großen Beifischen zu pflegen. Schon hier baut das Männchen oft ein Nest und ver-teidigt sein Revier vehement auch gegen größere Fische. Besser kommen die Zwergfadenfische allerdings in nicht zu kleinen Artaquarien, ab 60 cm Länge, zur Geltung. Die Männchen zeigen sich dann ständig in harmlose Revierkämpfe verwickelt und versuchen sich gegenseitig Nistmaterial aus den Nestern zu entwenden. Auch die Weibchen können den größeren Männchen gegenüber recht aggressiv werden. Wichtig sind in jedem Fall eine dichte Bepflanzung – auch mit Schwimmpflanzen – und genügend Versteckmöglichkeiten für die oft von den Männchen gejagten Weibchen.
An die Wasserwerte werden keine besonderen Ansprüche gestellt. Mittelhartes Wasser und eine Temperatur um 25 °C genügen. Die elektrische Leitfähigkeit sollte nach Möglichkeit etwa 200 μS/cm nicht übersteigen. Eichen- oder Torfextrakt verbessern das Wohlbefinden der Zwergfadenfische ebenfalls (König 1982).
Ursprünglich wurde der Zwergfadenfisch als Fisch für den Anfänger in der Aquaristik angesehen. Tatsächlich sind gesunde Fische dieser Art ausgesprochen attraktive Pfleg- linge, die keine gehobenen Ansprüche an die Wasserqualität oder die Ernährung stellen. Deshalb gehört dieser prächtige Fisch bereits seit den Anfängen der Aquaristik zum Standardrepertoire in unseren Heimaquarien. Auch heute noch sind die Fische in jeder Zoohandlung zu finden, allerdings gilt es heute einen ganz wesentlichen Aspekt zu berücksichtigen: Die Fische gelangen nämlich meist nicht mehr als Wildfänge, sondern als kommerzielle Massennachzuchten in unsere Aquarien. Dies hat sich leider als ein entscheidender Nachteil erwiesen. Die Fische werden in Südostasien mit „Kraftnahrung“, unter ständigem Medikamenteneinsatz, in sogenannten „Dampfzuchten“ vermehrt. Für den Transport erhalten die Fische dann „vorsorglich“ noch einmal eine – ohnehin nicht genau abgemessene – Portion Antibiotika ins Wasser.
Gelangen diese Fische dann in das Wasser unserer Aqua- rien, so konnten sie zuvor aufgrund des ständigen Einsatzes von Medikamenten kein Immunsystem aufbauen und wenn sie dann mit anderen Fischen zusammengesetzt werden, so infizieren sie sich in der Regel sofort. Die dann häufigen ektoparasitäten Krankheiten wie beispielsweise Piscinoodinium und Ichthyophthirius sind dabei – bei Früherkennung – relativ gut heilbar. Anders ist es hingegen mit Krankheiten wie der Fischtuberkulose, die praktisch nicht heilbar ist. Diese Krankheit äußert sich mit den üblichen Erscheinungen: Bauchwassersucht, Glotzaugen, Schuppensträube, Geschwüre sowie Bewegungs- und Fressunlust, die in unterschiedlicher Kombination auftreten können. Da im Prinzip alle Importfische direkt mit Tbc infiziert sind, sind leider auch alle diese Fische unheilbare Todeskandidaten. Sehen Sie bei Ihrem Fachhändler also noch so prächtige Zwergfadenfische, so seien Sie äußerst vorsichtig. Mindestens folgende drei Punkte müssen beim Erwerb von Trichogaster lalius unbedingt berücksichtigt werden:
– Erwerben Sie nur Fische, die völlig gesund erscheinen.
– Nehmen Sie in jedem Fall nur Fische mit, die auch beim Zoofachhändler nur im Artaquarium untergebracht sind.
– Beobachten Sie die Fische zunächst für einige Zeit beim Händler, bevor Sie sie erwerben.
Noch besser ist der Erwerb von einem IGL-Züchter, aber eine absolute Sicherheit gibt es leider nie. Ist dieses Haupthindernis – der Erwerb gesunder Fische – überwunden, dann sind bereits alle wesentlichen Probleme beseitigt. Die erste Unterbringung der Zwergfadenfische muss immer zunächst ein Quarantäneaquarium sein, auch wenn die zuvor genannten Auswahlkriterien berücksichtigt wurden. Trotzdem kann das Quarantäneaquarium mit einigen Wasserpflanzen und Verstecken, beispielsweise aus Moorkienholz, attraktiv eingerichtet sein. Auf einen Bodengrund ist allerdings zu verzichten. Damit sich die Fische dann nicht in der Bodenscheibe spiegeln, kann diese beispielsweise mit Schieferplatten abgedeckt werden.
Nach vier Wochen Quarantäne können die Fische – sofern keine Probleme aufgetreten sind – in ein Gesellschaftsaquarium überführt werden. Dieses Gesellschaftsaquarium sollte dicht bepflanzt sein und die anderen Fische müssen friedfertig und nicht zu groß sein. Auch Flossenzupfer, wie Sumatrabarben, dürfen nicht unter der Gesellschaft vertreten sein. Als ideal haben sich kleine Bärblinge, wie Brachydanio- oder Rasbora-Arten (im weiteren Sinne), kleine Schmerlen der Gattungen Botia oder Pangio sowie auch kleinbleibende Welse (vor allem wenn nicht Wert auf ein gleiches Herkunftsland gelegt wird) erwiesen. Auch andere Labyrinthfische wie beispielsweise andere Trichogaster-Arten, kleinere Kampffische, Betta spp., oder eine Art der Knurrenden Guramis, Trichopsis spp., wären gut geeignet.
Als Bepflanzung ist eine Kombination aus Hygrophila-Arten wie H. difformis und H. polysperma für den Hintergrund, aus niedrig bleibenden Cryptocoryne-Arten für den Vordergrund sowie aus Schwimmpflanzen wie Ceratophyllum demersum, Ceratopteris thalictroides und Riccia fluitans ideal. Die Schwimm- und Schwimmblattpflanzen sind nicht nur wichtig, um den Lichteinfall etwas zu dämpfen, weil dann die Farben der Zwergfadenfische besser wirken, sondern auch deshalb, weil Teile der Pflanzen vom Männchen in das spätere Schaumnest eingebaut werden. Das Wasser sollte sauber und klar sein, doch mögen die Fische keine starke Strömung – und Blasen aus Ausströmern oder Diffusoren wirken ebenfalls sehr störend und zerstören eventuell sogar die von den Männchen mühsam errichteten Schaumnester.
Zwergfadenfische geben sich sogar mit normalem Flockenfutter zufrieden. Trotzdem ist Lebendfutter, insbesondere im Hinblick auf Zuchtversuche, dringend zu empfehlen. Auch dann stellt der Zwergfadenfisch keine besonderen Anforderungen an das Futter, es muss allerdings in sein kleines Maul passen. Flockenfutter ist eine ausgezeichnete Grundlage, Mückenlarven, Wasserflöhe oder Salinenkrebsnauplien dürfen als Ergänzung aber keinesfalls fehlen, um eine ausreichende Abwechslung zu schaffen und in der Folge möglichen Mangelerkrankungen vorzubeugen (Schmidt 2000).

Zucht
Bei guter Ernährung wird das Weibchen bald einen Laichansatz zeigen. Beim Laichansatz befindet sich der dicke Bauch mehr an den Körperseiten, bei einer krankhaften Bauchwassersucht oder bei Verfettung befindet sich die Verdickung meist mehr an der Körperunterseite. Weist das Weibchen also einen echten Laichansatz auf, dann wird sich auch das Männchen bald dafür interessieren und es umwerben. Das Männchen errichtet ein Schaumnest an einer geschützten Stelle an der Wasseroberfläche. Die Schaumblasen werden derart erstellt, indem das Männchen am Oberflächenfilm in mehreren Schlucken Luft schöpft, diese Luft im Maul mit Maulsekret ummantelt und die daraus entstehenden Blasen wieder an die Oberfläche spuckt. Dann trägt das Männchen aus dem ganzen Aquarium feine Wasserpflanzenteile zusammen – die notfalls auch von gesunden Pflanzen abgerupft werden – und deponiert sie im Schaumnest.
Paarweise oder in Artaquarien gehalten, beispielsweise zwei Männchen mit drei Weibchen oder drei Männchen und vier bis fünf Weibchen (Vierke 1980), schreitet Trichogaster lalius bald zur Fortpflanzung. Meist genügt schon eine Temperaturerhöhung auf 27 bis 28 °C, um das Laichen auszulösen. Das Männchen baut sein kunstvolles Schaumnest, unter kunstfertigem Einbezug vieler Pflanzenteile. Es werden feine Pflanzenteile und -wurzeln herbeigeschafft und ins Nest eingebaut. Vom Aquarianer ist dafür zu sorgen, dass genügend Nistmaterial vorhanden ist. Das Nest wird mit Schaumblasen errichtet, mit Pflanzen ausgestattet und mit weiteren Blasen unterlegt. Das Nest ist rund, mit einem Durchmesser von 5 bis 11 cm. Es ragt bis etwa 3 cm über die Wasseroberfläche auf und taucht, bei Einbau von reichlichem Pflanzenmaterial, circa 2 cm tief ein.
Sobald das Nest nach etwa zweitägiger Arbeit fertig ist, balzt das Männchen mit gespreizten Flossen und Imponiergehabe, um ein laichmotiviertes Weibchen anzulocken. Das Männchen versucht, seine Angebetete unter das Nest zu leiten und stupst ihr auffordend in die Flanken.
Hin und wieder wird bei der Balz eine Pause eingelegt, dann zeigt das Männchen wieder seine volle Pracht und kontrolliert die Reaktionen des Weibchens. Meist erübrigt sich die Mühe des Männchens, denn das Weibchen sucht von selbst das Laichrevier unter dem Nest auf. Dabei neigt es den Körper beschwichtigend nach unten.
Das Weibchen sucht das Männchen bereits während des Nestbaus auf, wird in dieser Phase aber noch vertrieben. Jetzt ist es wichtig, dass das Aquarium groß genug ist und genügend Verstecke für das Weibchen vorhanden sind, sonst kann es zu tödlichen Unfällen kommen. Nun wirkt das Männchen äußerst aggressiv, sollte es allerdings zu Verletzungen des Weibchens kommen, so liegt dies nicht nur an dem – durchaus natürlichen – Verhalten der Fische, sondern an Pflegefehlern des Aquarianers. Das Weibchen versucht aber immer wieder in das Revier des Männchens einzudringen und wird schließlich vom Männchen gedul- det. Kommt das Weibchen nicht von selbst in das Revier des Männchens, so wird es jetzt durch Führungsschwimmen angelockt.
Wird das Weibchen vom Revierinhaber nicht vertrieben, so schwimmt es das Männchen, nun den Kopf nach oben gerichtet, im rechten Winkel an. Mit besänftigenden Stupsern in die Schwanz- und Bauchregion bringt es das Männchen zum Anlegen der gespreizten Flossen. Nun drängt es sich an die Seite des Männchens und löst mit diesem Berührungsreiz die Umschlingung aus. Sekundenlang verharren beide Partner in der Umschlingung, dann dreht sich das Paar so, dass das Weibchen in eine Rückenposition gelangt. Es entlässt etwa 20 bis 50 glasigdurchsichtige Eier, die gleichzeitig vom Männchen befruchtet werden. Die Eier steigen, dank Öltröpfchengehalts, selbsttätig ins Nest und zur Wasseroberfläche auf. Das Männchen löst nun die Umschlingung und sucht im Umfeld des Nests nach abgedrifteten Eiern. Diese werden mit dem Maul eingesammelt und, mit neuen Schaumblasen unterlegt, ins Nest gegeben. Bald folgt ein weiterer Laichakt. In der gesamten Laichphase gibt das Weibchen 300 bis 800 Eier ab (König 1982). Zunächst gelingen den Fischen keine richtigen Paarungen. Die Partner umschwimmen sich und versuchen sich zu umschlingen, aber das misslingt jetzt noch. Diese misslungenen Paarungen werden als Scheinpaarungen bezeichnet. Bei einer echten Paarung schwimmt das Weibchen dem Männchen in die Flanke, das Männchen umschlingt seine Partnerin u-förmig in der Bauchregion und dreht sie auf den Rücken. Unter leichtem Zittern treten die Geschlechtsprodukte aus. Die Eier sind leichter als Wasser, sehr winzig und fast glasklar durchsichtig (s. o.). Die Eier schweben zur Oberfläche und werden vom Männchen ins Maul
gesammelt und im Nest an einer Stelle konzentriert. Das Weibchen wird nach jeder einzelnen Paarung – dem Laichakt – vom Männchen vertrieben. In einer Laichphase, die aus mehreren Laichakten besteht, kommt es zu mehreren solchen Paarungen, abschließend wieder zu Scheinpaarungen. Diese gesamte Laichphase dauert etwa zwei bis drei Stunden.
Nach Beendigung der Laichphase verlässt das Weibchen das Laichrevier freiwillig, ansonsten wird es vom Männchen durch Bisse vertrieben. Der Vater übernimmt die Brutpflege allein. Er kümmert sich allein um die Eier und das Nest. Um die schwer erkennbaren Eier zu finden und im Nest zu konzentrieren, spuckt das Männchen etwas Wasser über die Oberfläche und die zurückfallenden Wassertropfen reißen dann die Eier mit unter die Oberfläche und nun kann der Vater sie erkennen, ins Maul einsammeln und ins Nest spucken. Auch die nach etwa drei Tagen schlüpfenden Jungen werden weiter vom Vater betreut, bis sie freischwimmen und Nest sowie Revier verlassen.
Zur Brutpflege des Vaters gehört das Umschichten der Brut mit dem Maul, das Ausbessern des Nests und das Unterlegen mit feinen Blasen, die hinter den Kiemendeckeln hervorgeprest werden (operdular aeration). Abgestorbene oder verpilzte Eier beziehungsweise Larven werden gefressen. Eindringlinge ins Revier werden vehement angegriffen, auch wesentlich größere Fische. Dabei stößt das Männchen Knurrgeräusche aus, die für das menschliche Ohr aber kaum wahrnehmbar sind. Wahrscheinlich wirkt dieses Knurren als Warnsignal, denn selbst große, räuberische Fische verlassen dann das Revier des Trichogaster-Männchens meist fluchtartig. Im Dunkeln sieht das Männchen allerdings nichts und so können Laichräuber – vor allem jene, die sich nach dem Geruch orientieren, wie Schnecken oder Welse – nachts durchaus Erfolg haben.
Die Larven schlüpfen bei etwa 27 °C Wassertemperatur bereits nach einem Tag, bleiben zunächst aber noch drei weitere Tage lang im Nest. Dann beginnen sie unter zappelnden, zunächst unkoordinierten Bewegungen auszuschwärmen. Vorerst versucht der Vater, die freischwimmenden Jungen mit dem Maul ins Nest zurückzubringen. Aber bald verliert er sein Interesse. Nun könnte er die Brut sogar als Bereicherung seines Speisezettels betrachten. Deshalb ist es sinnvoll, die Jungfische spätestens nach dem Freischwimmen zu entfernen und in ein nicht zu kleines Aufzuchtaquarium zu überführen. Die Jungen werden mit Infusorien angefüttert und erreichen nach acht Wochen etwa 3,5 cm Länge. Sie zeigen dann schon eine gute Färbung.

Literatur
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Steckbrief – Trichogaster lalius
Familie: Belontiidae
Gattung: Trichogaster
Art: T. lalius
Hekunft: Ost-indien, Bangladesh
Körpergröße: 5 (bei Zuchtformen bis 6) cm
Verhalten: Friedfertige Art, Männchen gründen allerdings Reviere, die sie verteidigen.
Haltung: Ein Aquarium ab 60 cm Länge genügt für ein Paar.
Wasser: Im Neutralbereich, pH-Wert 7,0, zwischen 10 und 15 °dGH, Temperatur bei 24 °C und mehr.
Nahrung: Akzeptiert nahezu alle Futtersorten, die in sein kleines Maul passen.
Anmerkung: Im Handel meist nur paarweise erhältlich.Leider sind die aus südostasiatischen Nachzuchten stammenden Zwergfadenfische oft krank.

Trichogaster lalius, Zwergfadenfisch, Blaue oder Neonform
Trichogaster lalius, Zwergfadenfisch, Regenbogenform
Trichogaster lalius, Zwergfadenfisch, Rote Form
Trichopodus leerii, Mosaikfadenfisch, Männchen,
Bleeker beschrieb diese Art in seiner Erstbeschhreibung mit seiner Widmung an Dr. de Leer mit ii,
T. leeri ist also ein Synonym, die richtige Schreibweise ist T. leerii.

Gattung Trichopodus (Syn. Trichogaster), Guramis oder Fadenfische

Guramis oder Fadenfische zählen zu den Aquarienfischen der ersten Stunde und sie konnten diesen Status in unseren Aquarien behaupten. Diese anpassungsfähigen Fische sind in genügend großen Aquarien ausgesprochen friedlich, sowohl gegenüber Artgenossen als auch zur Gesellschaft. Alle fünf Trichopodus-, die den Trichogaster-Arten sehr ähneln, sind Schaumnestbauer. Die Männchen betreiben eine intensive Brutpflege und Revierverteidigung. Vom Blauen Fadenfisch, Trichopodus trichopterus, existieren zahlreiche Zuchtformen.
Arten:
Trichopodus leerii (Mosailcfadenfisch, 10 bis 14 cm)
Trichopodus microlepis (Mondscheingurami, 11 bis 15 cm)
Trichopodus pectoralis (Schaufelfadenfisch, 20 cm)
Trichopodus poptae (Popaa-Fadenfisch, unbekannt)
Trichopodus trichopterus (Gepunkteter Fadenfisch, Blauer Gurami, mit vielen Farb-Zuchtformen, die eigene Namen erhielten, 10 bis 14 cm). Verbreitung: Südostasien (Hinterindien und Sunda-Archipel).
Lebensraum: Die Fadenfische oder Guramis leben in nahezu allen stehenden und langsam fließenden Gewässern Südostasiens. Sehr häufig auch in verschmutzten und sauerstoffarmen Biotopen, beispielsweise in ungespritzten Reisfeldern. Das Wasser ist oft mineralarm und kann Temperaturen über 30 °C erreichen.
Lebensweise: Jungfische und Erwachsene bilden außerhalb der Fortpflanzungszeit große Schwärme. Die Männchen gründen später Reviere und dulden keine Rivalen – auch noch nicht laichbereite Weibchen werden zunächst aggressiv vertrieben.
Nahrung: Kleine Wassertiere, Anflug, auch Samen und weiche Pflanzenteile.
Fortpflanzung: Schaumnestbau, teilweise mit Pflanzenteilen, der Laich wird vom Männchen im Nest gesammelt und betreut. Die Larven schlüpfen nach einem Tag und schwimmen zwei Tage später frei.
Besonderheiten: Der Mondscheingurami baut sein Nest vornehmlich aus Pflanzenteilen, die mit feinen Schaumblasen unterlegt werden.

Haltung
Haltungsaquarium: Weil Guramis relativ groß werden, sind für alle Arten Aquarien ab 160 l Wasserinhalt erforderlich, in denen, bei angemessener Gliederung der Aquarieneinrichtung, circa zwei Paare gepflegt werden können. Die Kombination verschiedener Arten sichert eher einen Pflegeerfolg als das Halten mehrerer Individuen der gleichen Art, weil sich bei diesen die Männchen eher mit Artgenossen in Revierkämpfe verstricken. Bei regelmäßigem Wasserwechsel und reichhaltiger Bepflanzung des Aquariums kann auf eine Filterung verzichtet werden, weil die Fische Wasserbewegungen nicht lieben. Eine zu starke Strömung behindert zudem den Schaumnestbau.
Wasser: 2 bis 20°dGH, pH-Wert 5 bis 7,5, 20 bis 30 °C.
Fütterung: Alle Futtersorten.
Zucht
Zuchtaquarium: Im Artaquarium ab 160 l können Zuchtversuche unternommen werden. Die Zucht von Trichopodus trichopterus ist leicht, sie wird über T. leerii und T. microlepis bis T. pectoralis immer schwieriger. Das Zuchtaquarium sollte sehr dicht bepflanzt sein, um einen zu häufigen Sichtkontakt der Partner zu vermeiden.
Wasser: 0 bis 16 °dGH, 0 bis 8 °dKH, pH-Wert 5 bis 6,8, 22 bis 28 °C.
Fütterung der Elterntiere: Lebend- und Frostfutter, vor allem Schwarze und Weiße Mückenlarven. Aber auch Nahrung pflanzlichen Ursprungs ist wichtig.
Zuchtmethode: Daueransatz im Artaquarium oder die Partner vor dem Zuchtansatz für etwa eine Woche trennen und gut füttern. Schaumnester mit Eiern können abgeschöpft und die Jungfische getrennt von den Eltern aufgezogen werden. Besser ist es, das Weibchen nach dem Laichen herauszufangen, denn das Männchen übernimmt die sorgfältige Brutpflege allein. Nach dem Freischwimmen der Jungen, drei Tage nach dem Laichen, muss auch das Männchen entfernt werden, weil es nun beginnt, die Jungfische zu verzehren.
Aufzucht: Die Jungfische benötigen äußerst feine Nahrung als Erstfutter. Räder- und Pantoffeltierchen haben sich bewährt. Nach etwa zehn Tagen können zusätzlich Nauplien von Artemia und Cyclops angeboten werden. Auch sehr feines Flockenfutter kann jetzt zur Erweiterung des Speisezettels verfüttert werden. Jetzt muss auch eine kräftige Filterung im Aquarium installiert werden. Häufige Wasserwechsel und das Verteilen der Brut auf mehrere Aufzuchtaquarien sichern ein gleichmäßiges sowie gesundes Wachstum und fördern die Wuchsgeschwindigkeit. Besonderheiten: Um den Schaumnestbau des Männchens zu unterstützen, müssen sich Schwimmpflanzen oder Schwimmblattpflanzen im Aquarium befinden, unter deren Blättern das Nest besonders gern errichtet wird. Für Trichopodus microlepis muss außerdem viel feines Pflanzenmaterial, beispielsweise Javamoos, V. dubyana, vorhanden sein, weil das Nest vornehmlich daraus errichtet wird.

Trichopodus leerii, Mosaikfadenfisch, Weibchen
Trichopodus leerii, Mosaikfadenfisch, Männchen

Trichopodus leerii – der Mosaikfadenfisch
aktualisiert und erweitert aus ’Aquarium live’ 1998, 2(2), 1, 36-41.

Gespannte Erwartung und Vorfreude des Aquarianers gehen wohl jedem Laichen der Aquarienfische voraus, jedoch nimmt dieses freudige Ereignis beim Mosaikfadenfisch, Trichopodus leerii (Syn. Trichogaster leerbi), ganz besondere Dimensionen an.
Seit seiner Ersteinfuhr nach Europa, genauer nach Rotterdam, Niederlande, im Jahr 1933, hat sich der Erfolgszug des Trichopodus leerii zu keinem Zeitpunkt abgeschwächt – die Aquarianer lieben ihn einfach. Insbesondere im Gesellschaftsaquarium hat er einen festen Platz, denn mit seiner feuerroten Brust sorgt er für eine Erweiterung des allgemeinen Farbenspiels im Gesellschafts- oder im Artaquarium. Die schwarze Binde, die sich durch das Auge zieht, verleiht ihm andererseits auch etwas von einem Banditen. Im deutlichen Gegensatz dazu steht sein prächtiges Kleid aus silbernen Perlen, was ihm insgesamt den Ausdruck eines adeligen Streiters für Recht und Ordnung verleiht.
Und so verhält er sich auch! Einerseits drückt er sich heimlich zwischen die Vegetation, andererseits ahndet er rücksichtslos Regelverstöße – wie das Überschreiten unsichtbarer Reviergrenzen – durch das Jagen der Kontrahenten durchs gesamte Aquarium.
Paarweise Pflege: Ausgewachsen erreicht der Mosaikfadenfisch bis 12 cm Länge. Das Männchen besitzt eine scharlachrote Brust, seine Rückenflosse ist verlängert und auch die Afterflosse ist vergrößert und wirkt„ausgefranst“, sodass der Eindruck eines Saums um den Körper entsteht.
Das Weibchen bleibt im Vergleich dazu etwas kleiner und es fehlt ihm das leuchtende Rot der Brust sowie der Bauchflossenfäden. Seine Rückenflosse ist nur mäßig groß und rundlicher geformt. Daraus ließe sich schließen, dass die Unterscheidung der Geschlechter einfach sei, jedoch bedarf es in der Praxis schon des genauen Hinschauens und erwachsener Exemplare, um mit Sicherheit sagen zu können, wer hier was ist.
Im Aquarium werden viele Fische in Gruppen gepflegt, zum Beispiel Corydoras, andere in größeren Schwärmen wie viele Barden und Salmler. Für erstere gilt ein Minimum von sechs Fischen, für weitere ein Minimum von zwölf. Bei Trichopodus leerii ist das anders – man hält entweder ein oder mehrere Pärchen. Um diese zusammenzustellen, können am besten einzelne Exemplare mit Aquarienfreunden getauscht werden. Mosaikfadenfische sind untereinander und auch gegenüber anderen Fischen relativ friedlich. Trotzdem musste ich einmal die Erfahrung machen, dass sich ein laichmotiviertes Männchen auf ein Weibchen stürzte und es so schnell umbrachte, dass ich nicht einmal mehr Zeit zum Eingreifen hatte. Vorkommnisse dieser Art sind jedoch eine Ausnahmeerscheinung, selbst die gelegentlichen Streitigkeiten zwischen den Männchen sind nicht von dauerhafter Natur.Meist werden Mosaikfadenfische in einem Gesellschaftsaquarium gepflegt. Hierbei ist jedoch ein umsichtiges Vorgehen erforderlich. Werden sie zum Beispiel zusammen mit sehr lebhaften Fischen wie etwa einigen Buntbarschen gepflegt, vergreifen sich diese nicht selten an den langen Brustfäden der Labyrinther. Kommt es dazu, verliert das schöne Männchen oft seine prächtigen Farben, verkriecht sich in einer abgelegenen Ecke, stellt das Fressen ein und siecht dahin. Auch die Vergesellschaftung mit besonders fressgierigen Mitbewohnern ist eine riskante Angelegenheit, denn diese lassen den diesbezüglich eher gemächlichen Fadenfischen möglicherweise nicht genügend Futter übrig.Welcher Typ Gesellschaftsaquarium ist demzufolge denn nun der richtige? Zum Beispiel ein Aquarium, das aus- schließlich Anabantoiden beherbergt, also Labyrinthfische im engeren Sinne. Wir wollen aber nicht zu engstirnig sein und deshalb auch solche Aquarien zulassen, die mit anderen ruhigen Fischen bevölkert sind, welche die gleichen Ansprüche stellen (z. B. Bärblinge oder Schmerlen).
Zu „normalen“ Zeiten spielt die Größe des Aquariums für diesen Fisch keine bedeutende Rolle. Unter guten Bedingungen gepflegte Trichopodus beginnen jedoch eines Tages mit dem Laichgeschäft und dann ändert sich alles. Nun kann bei diesem Labyrinthfisch nur noch dann von einem annehmbaren Verhalten seinen Mitbewohnern gegenüber gesprochen werden, wenn das Mosaikfadenfischmännchen über einen gewissen persönlichen Freiraum verfügen kann. Im Fall eines Mosaikfadenfischs bedeutet dies, dass mindestens 200 l in einem Aquarium notwendig sind und dass dessen Breite wenigstens der Höhe entspricht. Dieses muss mit einer dichten, gut im Boden verwurzelten Vegetation ausgestattet sein, wobei sich einige Pflanzen auch gern an der Oberfläche ausbreiten dürfen. Mit Pflanzenarten wie Ludwigia repens, Totals rotundifolia und anderen ist dies einfach zu realisieren. Entscheiden Sie sich zudem für Schwimmpflanzen, ist Sumatrafarn, Ceratopteris thalictroides, eine erstklassige Wahl.
Diese Art der Bepflanzung sorgt für eine Dämpfung des Lichts und führt dazu, dass sich die Fische in ihrem künstlichen Lebensraum sicherfühlen. Um auch dem eigenen ästhetischen Empfinden Genüge zu tun, können noch einige Moorkienholzstücke oder Steine in die Einrichtung einbezogen werden.
In der Literatur steht nachzulesen, dass Trichopodus leerii gewöhnlich in sehr schwach mineralisiertem und mehr oder weniger saurem Wasser anzutreffen ist. Kann ein solches Wasser auch für die dann erforderlichen, zweiwöchentlichen, über 50 %-igen Wasserwechsel geboten werden, so ist es umso besser. Ansonsten scheint sich der Mosaikfadenfisch jedoch auch in Wasser recht wohl zu fühlen, dessen Härte zwischen 8 und 15 °dGH liegt. Diese Spanne erlaubt zudem eine gute Auswahl an geeigneten Gesellschaftsfischen. Je nach Besatzdichte des Aquariums sind dann über 50 %-ige Teilwasserwechsel sogar einmal wöchentlich erforderlich.
Und die Filterung? Grundsätzlich sollte jedes Aquarium über eine Filteranlage verfügen und sei es lediglich zum Umwälzen des Wassers. Nur auf diese Weise sind ein gleichmäßiges Temperaturgefüge und begrenzte Schwankungen einzelner physicochemischer Parameter, wie dem pH-Wert, zu erzielen.
Grundsätzlich ist aber die Pflege von Labyrinthfischen auch in filter- und strömungslosen Aquarien gut möglich, da sich die Fische mit Sauerstoff aus der Atmosphäre versorgen. Eine gleichmäßige Erwärmung des Wassers kann auch durch eine Bodengrundheizung erfolgen.
Stille Wasser …: Labyrinthfische mögen keine Strömung. Dementsprechend muss die Umwälzung durch den Filter auf die Hälfte bis drei Viertel der tatsächlichen Wassermenge des Aquariums pro Stunde beschränkt sein. Allenfalls können als Obergrenze noch 100 % der Wassermenge pro Stunde gelten, keinesfalls aber mehr. Damit ist natürlich auch verbunden, dass der eventuell installierte Ausströmer keine starke Strömung verursachen darf, was dazu führt, dass sich Schwebstoffe auf den Blättern der Pflanzen ablagern können. Und das mögen diese gar nicht so gern.
Die Wassertemperatur wird am besten auf etwa 24 °C eingeregelt. Lediglich während der Fortpflanzungsphase und bei der Aufzucht von Jungfischen kann dieser Wert in einem Zuchtaquarium auf 26 bis 28 °C angehoben werden.
Labyrinthfische steigen regelmäßig an die Wasseroberfläche auf, um nach Luft zu schnappen, denn neben ihren Kiemen verfügen sie noch über ein weiteres Atmungsorgan: das Labyrinth. Diese Atemluft muss eine Temperatur aufweisen, die der des Wassers so nahe wie möglich kommt und die einen erhöhten Feuchtigkeitsgehalt hat. Um diese Bedingungen zu schaffen, sind zwei Maßnahmen erforderlich:
das Aquariumabdecken,und
das Aquarium in einem Raum aufstellen, in dem die Umgebungstemperaturen nicht zu niedrig sind.
Der Mosaikfadenfisch ist ein Allesfresser, der praktisch jede Futterform akzeptiert, solange sie nur in sein kleines Maul passt. Dessen ungeachtet hat er eine unbestreitbare Vorliebe für lebendes Futter. Demzufolge dürfen ihm seine Rationen an Roten Mückenlarven, Salinenkrebschen und so weiter nicht vorenthalten werden. Darüberhinaus kann ihm auch tiefgefrorenes, gefriergetrocknetes und Flockenfutter angeboten werden.
Balz: Ob nun im Gesellschafts- oder im Artaquarium – eines Tages schreiten die Mosaikfadenfische zur Fortpflanzung. Die ersten Anzeichen machen sich dadurch bemerkbar, dass das Männchen mit voll entfalteten Flossen sein Weibchen umschwimmt und ihm immer wieder mit der Schnauze sachte in die Flanken stößt. Der Beobachter kann dann davon ausgehen, dass das Laichen kurz bevorsteht. Möchte der Aquarianer, dass aus dem Gelege Jungfische groß werden, ist es nun höchste Zeit zum Reagieren, das heißt zum Umsetzen des Pärchens in ein mindestens 80 l fassendes Zuchtaquarium. Dessen Wasserstand wird auf ungefähr 20 cm gesenkt und die Temperatur auf 26 bis 28 °C eingestellt. Ansonsten erhält es genau die gleiche Einrichtung wie ein solches für andere schaumnestbauende Labyrinthfische. Diese besteht aus einer Schicht feinen Sands als Bodengrund, einem kleinen Innenfilter, dessen Ausströmöffnung über die Wasseroberfläche hinausragt, der natürlich keine nennenswerte Strömung verursacht und dessen Ansaugöffnung mit einer Schaumstoffpatrone gesichert ist, damit keine Jungfische eingesaugt werden können, sowie ein oder zwei schöne Büschel Javamoos und reichlich Sumatrafarn und andere Schwimmpflanzen an der Wasseroberfläche.
Beim Mosaikfadenfisch ist es nicht erforderlich, die beiden Partner anfangs voneinander getrenntzuhalten wie es bei Betta splendens sinnvoll sein kann. Der untere Hinterleib des Weibchens schwillt beim Laichansatz mit Hunderten von Eiern deutlich und innerhalb weniger Tage an. Dies geht so weit, dass es das Männchen geradezu zum Laichen „anbettelt“. Handelt es sich um ein schwächliches Männchen, hat es dann nicht genügend Zeit, um noch ein Nest zu bauen. Folglich treiben die Eier nach der Paarung einfach ungeschützt an der Wasseroberfläche.
Verläuft jedoch alles nach Plan, dann ist die Situation eine völlig andere. Das Verhalten des Männchens ändert sich in gravierender Weise. Es verjagt das Weibchen aus dem Bereich, den es als Laichrevier ausgewählt hat, damit es dort ungestört an der Wasseroberfläche ein Schaumnest bauen kann. Durch seine unermüdlichen Bemühungen kann dieses Nest beeindruckende 20 cm im Durchmesser und eine Höhe von über 1 cm erreichen. Es besteht aus kleinen Bläschen, die das Männchen in seinem Maul formt, indem es an der Oberfläche Luft schnappt, diese mit Sekret aus dem Maul ummantelt und dem Nest hinzufügt. Pflanzenteile werden dabei nicht eingebaut, oft wird das Nest aber in Anlehnung an eine Schwimmpflanze oder an ein – an der Oberfläche flutendes – Seerosenblatt errichtet. Das Weibchen wird währenddessen ziemlich rücksichtslos von der Baustelle ferngehalten.
Das Nest wächst auf diese Weise dank der unermüdlichen Arbeit des Männchens zusehends. Inzwischen nähert sich das Weibchen immer wieder und stupst dem Männchen in die Flanken. Wenn letzteres aufhört, das Weibchen daraufhin zu vertreiben, steht das Laichen unmittelbar bevor.
Gelaicht wird rücklings: Das Männchen formt unter seinem Schaumnest durch ein Auf-die-Seiten-legen und seitliches Durchbiegen seiner Flanken eine sichelförmige Schale, in die sich das Weibchen „hineinkuschelt“. Daraufhin hält es das Männchen fest und dreht sich mit ihm um 180°, sodass es auf den Rücken gerät. In diesem Moment durchläuft ein Zittern die Körper der Partner, das mit einer Kontraktion des Männchens und dem Ausstoß der Spermien abschließt. Im gleichen Moment folgt dem eine Wolke von Eiern aus den Eileitern des Weibchens, die auf diese Weise sofort vollständig befruchtet werden. Sie enthalten jeweils ein winziges Tröpfchen Öl und steigen daher wie ein „umgedrehter Regen“ zur Oberfläche auf. Das Männchen lässt seine Partnerin los und beginnt, die Eier mit dem Maul einzusammeln und in sein Schaumnest einzusortieren. Letztendlich werden auf diese Weise nahezu eintausend Eier zusammen kommen.
Das Männchen verjagt zwischenzeitlich auch wieder das Weibchen, damit es keine Gelegenheit findet, die Eier zu fressen. Aus dem Nest gewirbelte Eier werden eingesammelt und an ihren Platz zurückbefördert. Über einen Zeitraum von gut zwei Stunden wechseln sich Umarmungen sowie Nest- und Eierpflegearbeiten ab. Danach ist das Weibchen sichtlich erschöpft, hat einen eingefallenen Bauch, und es versucht, sich weiteren Annäherungen sei- tens des unermüdlich erscheinenden Männchens zu ent- ziehen. Der ganze Vorgang ist sicherlich einer der spektakulärsten und interessantesten Abläufe, welche die Aquaristik zu bieten hat.
Das Schaumnest bedarf von jetzt an der stetigen Pflege durch das Männchen, dem das Weibchen nun nur noch im Wege zu sein scheint; deshalb kann es gleich herausgefangen und umgesetzt werden.
Vierundzwanzig Stunden nach der Laichphase sind bereits etwa 3 mm kleine, kommaförmige, bewegungsaktive, dunkle „Etwasse“ im Schaumnest zu er- kennen. Zwei Tage später haben die Larven ihre Dottervorräte resorbiert und beginnen frei herumzuschwimmen. Das Interesse des Männchens am Schaumnest hält jedoch unvermindert an und es hindert die Jungfische am Verlassen des Nests. Bald kann der Vater die ausschwärmenden Jungen jedoch nicht mehr bei- sammenhalten. Das Interesse des Vaters am Schaumnest und der Brutpflege lässt nun nach und er verlässt die Brut. Jetzt ist es daher an der Zeit, auch das Männchen herauszufangen.
Nun hat der Züchter jede Menge Jungfische mit einem unersättlichen Appetit. Diesen stillt er zunächst mit Infusorien und, sobald sie auf eine entsprechende Größe herangewachsen sind, mit Artemia-Nauplien. Das Wachstum verläuft schnell, dabei aber ungleichmäßig, sodass die Jungfische hin und wieder nach Größen sortiert werden müssen. Diese und andere Eingriffe müssen allerdings zwischen der dritten Lebenswoche und dem Ende des ersten Lebensmonats vermieden werden, da sich in dieser Zeit das Labyrinth bildet und die Jungfische etwas empfindlich sind. Wann diese Entwicklungsstufe abgeschlossen ist, ist daran zu erkennen, dass die Jungfische nun ebenfalls zur Wasseroberfläche aufsteigen und dort nach Luft schnappen. Im Alter von acht Wochen sind sie dann schon bis auf 4 cm Länge herangewachsen. Und nach sieben bis acht Monaten sind die Ersten bereits geschlechtsreif.
Die Zucht ist somit relativ einfach, setzt jedoch voraus, dass die Mosaikfadenfische nicht ausschließlich in einem Gesellschaftsaquarium schwimmen. Zumindest gelegentlich sollten Sie ihnen in einem Zuchtaquarium die Möglichkeit geben, ihr vollständiges Verhaltensrepertoire für eine erfolgreiche Fortpflanzung zu entfalten. Es stellt nicht nur die Fische zufrieden, sondern beschert auch dem Besitzer ein überaus beeindruckendes Schauspiel.

Mosaikfadenfischzucht – Zusammenfassung
Diese Fische vermehre ich hauptsächlich während des Sommerhalbjahrs. Dazu trenne ich ein etwa zehn Monate altes Pärchen über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen. Während dieser Zeit achte ich verstärkt auf eine gute Ernährung des Weibchens, was sich positiv auf die Reifung seiner Gonaden auswirkt. Wenn es einen deutlich runden Bauch zeigt – auch zwischen den Mahlzeiten – wird es wieder mit seinem Partner in einem etwa 80 l großen Aquarium zusammengebracht. Unter diesen Bedingungen dauert es nicht lange, bis sich die beiden Fische zur Fortpflanzung entschließen, meist am nächsten oder übernächsten Tag. Das Männchen zeigt sich ein wenig aggressiv. Es baut sein Schaumnest gewöhnlich in einer Ecke des Aquariums. Das Laichen nimmt etwa zwei Stunden in Anspruch, und rund dreißig Stunden danach schlüpfen die winzigen Larven, die zunächst bewegungslos im Nest verbleiben. Drei Tage später haben sie sich zu frei schwimmenden Jungfischen weiterentwickelt. Als Erstfutter erhalten sie Infusorien, die ich selbst in einem im Garten aufgestellten, sonnenbeschienenen Pflanzenaquarium kultiviere. Schon kurz darauf, nach weiteren sieben bis zehn Tagen, bekommen sie zusätzlich Artemien, wobei es anhand der orangegefärbten Bäuche der Jung- fische einfach zu erkennen ist, ob sie diese schon fressen oder noch nicht. Sowie die Jungfische mit dem Freischwimmen beginnen, wird der Wasserstand durch die Zufuhr von Frischwasser nach und nach angehoben. Nachdem dann die kritische Phase während der Bildung des Labyrinths überwunden ist und sich die Fische somit auf dem Weg des Heranwachsend befinden, ziehen sie in ein 160 l-Aquarium um. Zu diesem Zeitpunkt findet auch die große Auslese statt, denn ich ziehe nur die ungefähr fünfzig am besten entwickelten Fische weiter auf. Trichopodus leerii benötigen einen gewissen Bewegungsfreiraum und regelmäßige Teilwasserwechsel von über 50 %, um gut heranzuwachsen. Ihr Lebensraum muss daher tadellos in Ordnung sein.

Fazit: Ursprünglich in Südostasien beheimatet, handelt es sich um einen Aquarienfisch, dessen Erfolgszug unendlich zu sein scheint. Ruhig und friedfertig, einfach zu halten, verwandelt sich der Mosaikfadenfisch zur Fortpflanzungszeit in einen mit Perlen und Feuer geschmückten Ritter und sorgt dadurch für eines der schönsten Ereignisse, die ein Aquarianer beobachten kann!

Steckbrief – Trichopodus leerii
Unterordnung: Anabantoidei
Familie: Belontiidae
Unterfamilie: Trichopodusinae
Gattung: Trichopodus Bloch & Schneider, 1801.
Art: T. leerii Bleeker, 1852
Synonyme: Osphromenus trichopterus, Trichopus leeri , Trichogaster leerii
Deutsche Namen: Mosaikfadenfisch, Perlengurami
Herkunft: Malaysia, Indonesien: Sumatra und Borneo,stehende Gewässer.
Wasser: pH-Wert Neutral, Härte 5 bis 18 °dGH
Temperatur: 23 bis 28 °C.
Ernährung: Alle üblichen Futtersorten passender Größen.
Vergesellschaftung: Vorsicht bei Barben, sonst relativ unproblematisch.
Fortpflanzung: Baut ein Schaumnest, das Männchen betreibt Brutpflege, das Weibchen laicht über 700 Eier.
Anmerkung: Aquarium dicht verschließen, um Zugluft oder ein Herausspringen zu vermeiden.

Literatur:
Schmidt, J. 2008. Ihr Hobby Gutamis und Fadenfische. 3. Aufl. Ruhmannsfelden, 1-80.

Trichopodus leerii, Mosaikfadenfisch, Weibchen, Abbildung: Regan 1910
Trichopodus leerii-Paar
Trichopodus microlepis, Mondscheingurami
Trichopodus pectoralis (Syn. T. pectoralis cantoris), Schaufelfadenfisch

Der Schaufelfadenfisch, Trichopodus pectoralis und sein Synonym Trichopodus cantoris

Unsere klassischen Labyrinthische wie die Faden- oder di Paradiesfische kamen in der letzten Zeit in unserem Magazin ein wenig kurz. Angesichts zahlreicher und teilweise spektakulärer Neubeschreibungen bei Betta, Channa und Parosphromenus ist das durchaus nachvollziehbar. Dennoch dürfen die Klassiker nicht aus unserer Zeitschrift verschwinden. Deshalb befasse ich mich hier mit dem etwas weniger bekannten Schaufelfadenfisch und trage einleitend einige nomenklatorische Neuigkeiten nach.
Lange war dieser Fisch als Trichopodus pectoralis Regan, 1910 bekannt. Aber Paepke (2009a) veröffentlichte eine Revision – Abstract (Übersetzug): „Zusammenfassung – der Schlangenhautgurami, wie der Schaufelfadenfisch im englischen Sprachraum genannt wird, wurde zweimal beschrieben: Zuerst von Günther (1861) als Osphromenus (hier Syn. von Trichopodus) trichopterus var. cantoris. Der Name wurde teilweise bis in die frühen zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts verwendet. Aber bereits 1905 erhob Köhler dieses Taxon auf Artenebene als Osphromenus cantoris. Regan (1910) beschrieb dieselbe Art erneut als Trichopodus pectoralis. Beide Autoren, Günther und Regan, betonten unterschiedliche Balz- und Nicht-Balz-)Farbmuster der Art. Als Trichogaster pectoralis (Regan, 1910) war die Art jahrzehntelang bekannt. Mit der Neueinführung des Gattungsnamens Trichopodus auch für die weiteren südostasiatischen Gouramiarten Trichopterus microlepis, T. leerii und T. trichopterus ist der älteste verfügbare Name für den Schlangenhautgurami Trichopodus cantoris (Günther, 1861). Trichopus cantoris Sauvage, 1884 ist höchstwahrscheinlich ein Synonym von Trichopodus leerii (Bleeker, 1852), während Osphronemus saigonensis Borodin, 1930 ohne Frage ein Synonym von Trichopodus cantoris (Günther, 1861) ist.“ Damit wäre ein anderer wissenschaftlicher Name für den Schaufelfadenfisch zutreffend gewesen.
Aber hierzu ergänzte Paepke dann bereits 2009(b): „Kurzfassung: Hiermit werden einige Aussagen in meiner jüngsten Publikation von 2009a korrigiert. Die Korrektur ist notwendig, weil ich für meine Studien fast nur Literaturquellen nutzen konnte, denn der wichtige Holotypus von Osphromenus trichopterus var. cantoris Günther, 1861, um dessen Ausleihe vom BMNH ich zu Beginn meiner Arbeit gebeten hatte, galt damals als verschollen. Erst nach der Veröffentlichung meiner Ergebnisse wurde ich darüber informiert, dass dieses wichtige Belegstück BMNH 1860.3.19.319 in der Zwischenzeit doch noch in der Fischsammlung des BMNH entdeckt wurde. Anhand einer elektronischen Abbildung konnte ich feststellen, dass es einer anderen als der vermuteten Art angehört. Daraus folgt:

  1. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Schaufelfadenfisches ist nicht Osphromenus trichopterus var. cantoris Günther, 1861, wie es von zahlreichen Autoren von 1897 bis in die 1920er-Jahre hinein und von mir selbst angenommen wurde, sondern Trichopodus pectoralis Regan, 1910.
  2. Das auf einem einzigen lackierten Trockenfisch von etwa 93 mm SL basierenden Taxon Osphromenus trichopterus var. cantoris Günther, 1861 scheint in der Tat eine ungewöhnliche „Variante“ des Punktierten Guramis, Trichopodus trichopterus (Pallas, 1770) zu sein und bezieht sich nicht auf jene Art, die später von Regan (1910) als Trichopodus pectoralis beschrieben wurde. Meines Wissens wurde diese Variante später nie wiedergefunden.
  3. Folglich ist der Name Osphronemus saigonensis Borodin, 1930 kein Synonym zu Osphromenus trichopterus var. cantoris Günther, 1861, beziehungsweise zu Trichopodus cantoris (Günther, 1861) sondern zu Trichopodus pectoralis Regan, 1910. Meine Aussage zu Trichopus cantoris Sauvage, 1884 bleibt von diesen Änderungen unberührt“ (Paepke 2009b).
    Auch Töpfer, J. & Schindler, I. ergänzten 2009:„Kurzfassung Die Literatur zur Typusart der Gattung Trichopodus Lacépède, 1801 wurde überprüft. Unter Berücksichtigung der aktuellen Ausgabe der Internationalen Regeln für die zoologische Nomenklatur (ICZN) kommen wir zum Ergebnis, dass die erste und damit valide Festlegung der Typusart durch Bleeker (1879) erfolgte. Als gültige Typusart der Gattung Trichopodus hat somit Labrus trichopterus Pallas, 1770, zu gelten. Die taxonomisch valide Gattung Trichopodus enthält die folgenden Arten: T. trichopterus, T. leerii, T. microlepis und T. cantoris.“ Es fehl jedoch der daraus zu ziehende, wesentliche Schluss: somit bleibt Triochopodus pectoralis gültig!
    Später (2014) kam noch die Art T. poptae hinzu (s. u.), die aber noch nicht aquaristisch verfügbar ist.

Trichopodus pectoralis im Aquarium

Jeder Aquarianer kennt nicht den Gepunkteten oder Blauen Fadenfisch Trichopodus trichopterus oder den Mosaikfadenfisc, Trichopodus leerii. Oft werden sie noch mit Ihrem Gattungssynonym Trichogaster (heute der gültige Name für die ehemaligen Colisa) benannt. Beide Fadenfische sind Labyrinthfische, die ihre ganze Pracht erst in größeren Aquarien ab 1,2 m Länge und bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 29 °C zeigen. Aber über die anderen Trichopodus-Arten, den Schaufelfadenfisch, Trichopodus pectoralis, Synonym Trichogaster cantoris, Trichopodus microlepis und insbesondere Trichopodus poptae ist weniger bis gar nichts bekannt.
Hier soll es um Trichopodus pectoralis gehen. Nicht nur, dass diese Fische selten zu erhalten sind, auch in der Literatur ist nur wenig über dies Schaufelfadenfische zu lesen, ganz zu schweigen von ausführlichen Artikeln.
Das Auffälligste, was bei den Literaturstudien in Auge fällt, ist die Endgröße von Trichopodus pectoralis, die 25 cm Länge überschreiten kann. Nur wenige Aquarianer wollen solch große Fische, die zudem noch recht aktiv schwimmen, pflegen.
Ein Zuchtpaar bringt man in großen Aquarien ab 300 l Inhalt unter, füllt es dicht mit Wasserpflanzen und bringt den Wasserstand auf nur knapp 15 cm Höhe unter. Auch etwas jünger, bei etwa 15 cm Länge sind sie geschlechtsreif und solch große Fische nehmen nicht jeden Aquarianer für sich ein. Wer nur ein Aquarium mit 80 l Inhalt zur Verfügung hat, wird an diesem Fisch bestimmt keinen Gefallen finden. Das gilt ebenso für die anderen Trichopodus-Arten, die ja auch nicht gerade klein bleibe und dennoch leider viel zu oft in zu kleineren Aquarien zu sehen sind.
Die Heimatländer von Trichopodus pectoralis sind Kambodscha, Laos, Südvietnam, Thailand und Westmalaysia, früher vermutlich auch Singapur. Die Grundfärbung der Fische ist bräunlich bis olivgrün. Den ganzen Körper überziehen schwarze, unregelmäßige Querbinden, die von der Rückenpartie schräg nach unten verlaufen. Die Bauchgegend ist gelblich bis goldfarben. Bei den Jungfischen verläuft vom Auge bis zur Schwanzwurzel eine dunkle, gezackte Binde. Den Abschluss dieser Binde, die dunkelbraun bis schwarz ist, bildet in der Schwanzwurzel ein etwa 6 mm großer, schwarzer Fleck, der jedoch mit dem Ende der Längswande verschmelzen kann. Diese Binde ist bei älteren Schaufelfadenfischen nur noch angedeutet und verschwindet in der Laichfärbung. Die Flossen sind zur Balz rauchgrau, fast durchsichtig wirkend gefärbt, wobei die Afterflosse einen hellbraunen Saum zeigt.
Geschlechtsunterschiede sind bei jüngeren Fischen nur an der Rückenflosse erkennbar, jedoch auch nur bedingt: Bei Weibchen ist sie gerundet, bei Männchen spitz ausgezogen. Möchte der angehende Züchter sichergehen, so muss er sich schon gedulden, bis die Fische etwa 12 cm Größe erreicht haben. Dann ist das Merkmal eindeutig, das Männchen hat eine lange, spitz auslaufende Rückenflosse, während die des Weibchens kurz und rund ist. Zuem ist das Weibchen nach der Geschlechtsreife auch an der volleren Bauchpartie zu erkennen.
Allerdings wirken die Jungfische bis etwa 10 cm am Länge am schönsten. Später wirkt die Körüerzeichnung verwaschener und aus der gelblichen Grundfarbe wird ein Grau.
Weil die Schaufelfadenfische selten importiert und auch selten nachgezogen werden, sind sie im Vergleich zu anderen Fadenfischen meist verhältnismäßig teuer. Es ist daher wünschenswert, dass Trichopodus pectoralis in größeren Mengen nachgezogen wird, damit dieser Fisch zumindest unter den Labyrinthfischfreunden eine größere Verbreitung findet, denn auch diese Art steht den anderen Trichopodus an Schönheit kaum nach.
Wie schon erwähnt, ist es nicht angebracht, diese Fische in zu kleine Becken zu setzen. Da die Schaufelfadenfische keine besonderen Ansprüche an die Wasserhärte und den pH-Wert legen, kann einfach Leitungswasser verwendet werden. Hier steht allerdings ohnehin weiches Wasser zur Verfügung, es hates eine Härte von etwa 6 °dGH und einen pH- Wert von 5,5 bis 6,7, im Tagesverlauf ansteigend. Meine Aquarien sind im Sommer nicht beheizt. Im Winter schaltet sich die Heizung erst dann ein, falls die Wassertemperatur unter 15 °C sinkt. Das vertragen die Schaufelfadenfische durchaus gut und die Fische wirken besonders vital. Die Haltung mit Temperaturschwankungen entspricht sicher auch eher den natürlichen Verhältnissen als eine dauerhaft konstante Temperatur.
Die Trichopodus pectoralis sind bei Einzelhaltung eher scheue Fische. Deshalb bitte sich eine Vergesellschaftung mit zutraulichen Fischen an, gleichzeitig sind sie zeitweise aggressiv, was bei der Aquarieneinrichtung zu beachten ist. Moorkienwurzeln und eine dichte, gute Versteckmöglichkeiten bietende Bepflanzung sind folglich selbstverständlich.
Wenn die Fische so gepflegt werden, dann ist bei einer Temperaturerhöhung auf mehr als 25 °C das Laichen kaum noch zu verhindern. Voraussetzung ist natürlich, dass in dem Aquarium jetzt keine andere Fische mehr untergebracht sind.
Als Malzelement ist oft Maulzerren zu beobachten, jedoch nicht nach der Art der Cichliden, sondern eher so, wie es die Küssenden Guramis, Helostoma temminckii, praktizieren. Die Lippen werden dabei aufeinandergepresst oder besser gesagt aneinander gesogen. Es kann also auch bei dieser Art von einem küssenden Labyrinthfisch gesprochen werden (Richter 1968). Die Laichvorbereitungen beginnen damit, dass das Männchen entweder unter Schwimmblättern oder unter Verwendung von schwimmenden Pflanzenteilen ein meist relativ kleines Schaumnest haut. Es hat einen Durchmesser von 6 bis 10 cm und erreicht eine Höhe bis 1 cm. Gelaicht wird meist während der Mittagszeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Labyrinthern wirkt sich eine Störung bei diesen Fischen meist negativ aus. Das Liebesspiel wird dann sofort abgebrochen und die Verstecke aufgesucht, deshalb gibt es nur so wenige Laichfotos von dieser Art. Es ist also angebracht, das Laichen nur aus der Entfernung zu beobachten und Geräusche, auch im kompletten Gebäude, zu vermeiden. Doch dann erlebt der Beobachter, wie nach einigen Scheinpaarungen in der Umschlingung unter dem Schaumnest regelrecht Wolken von Eiern abgegeben werden.
Nach der Malzphase schwimmen beide Fische Seite an Seite unter das Schaumnest. Nach einigen einleitenden Umklammerungsversuchen, den sogenannten Scheinpaarungen, kommt es dann zur ersten echten Paarung. Das Männchen umschlingt seine Partnerin vollständig mit seinem Körper und dreht sie auf den Rücken, sodass der Bauch nach oben zeigt und bringt seine Geschlechtsöffnung in die Nähe jener des Weibchens. Die Form, die das Männchen dabei einnimmt, erinnert an ein auf den Kopf gestelltes U. Unter einer Reihe von zitternden Bewegungen drückt es auf die Flanken des Weibchens und Eier sowie Spermien werden beim Laichakt gleichzeitig ausgegeben. Die Umschlingung, also die eigentliche Paarung, wird auch noch für einige Sekunden nach der Abgabe der Eier bewegungslos aufrechterhalten – dies wird als Laichstarre bezeichnet. Die winzigen Eier verfügen im Inneren über ein aus Fett bestehendes Tröpfchen und steigen daher sofort zur Wasseroberfläche auf. Bald kommt das Weibchen zurück und es erfolgt die nächste Paarung. Auf diese Weise erstreckt sich das gesamte Laichen, die Laichphase, über mehrere Stunden, bis letztendlich der Vorrat an Eizellen beim Weibchen erschöpft istDie Eier steigen selbsttätig nach oben, und zwar fast ausschließlich in das Schaumnest. Nur sehr wenige verteilen sich unter der Wasseroberfläche und werden erst später vom Männchen eingesammelt. Die Eier wirken hellbernsteinfarben, fast glasklar. Die Laichphase dauert in der Regel zwei bis drei Stunden. Hin und wieder wird eine kleine Pause eingelegt. Nach dem Laichen verhalten sich die Eltern, als hätten sie überhaupt nicht gelaicht, es erfolgt kein Jagen des Weibchens durch das Mädchen, sofern das Aquarium groß genug ist. Auch die Laichpflege wird vom Vater schnell abgebrochen, sobald er gestört wird.
Die Jungfische schlüpfen nach etwa 36 Stunden und werden von den Eltern nicht beachtet, sie werden auch dann nicht gefressen, wenn
die die Elternfische nicht gut gefüttert werden, um das Wasser nicht zu belasten. Die Fütterung der älteren Fisch sollte entsprechend ihrer Größe mit großen Wasserflöhen und Mückenlarvcn erfolgen. Es hat sich aber auch bewährt, nach der Eiablage den Laich aus dem Aquarium zu entnehme und in ein großes Aufzuehtaquarium zu überführen. Der Wassersland beträgt zunächst nur 10 cm, also gerade so hoch, dass der schwach eingestellte Luftausströmer gut unter der Wasseroberfläche verschwindet. Bis zum Freischwimmen der Jungfische nach etwa drei Tagen ist keine weitere Beachtung nötig. Spätestens einen Tag nach dem Freischwimmen muss mit Rädertierehen angefüttert werden. Es sind oft weit über 500, ja sogar bis 3000 Junge. Dementsprechend ist auch der Futterverbrauch hoch. Wichtig ist, dass auch immer genügend Futter vorhanden ist und trotzdem die Wasserqualität nicht kippt. Die Jungen müssen immer im Futter stehen. Es hat sich gezeigt, dass eine Fütterung mit Piädertierchen über zehn bis zwölf Tage eine gute Wirkung auf das Wachstum der Jungfische hat. Erst danach wird zur Fütterung mit Nauplien übergegangen.
Achtung: Werden die Jungfische während den ersten drei Wochen auch nur einmal unregelmäßig gefüttert, so hat man keine Freude mit der Brut.
Noch bei einer Größe von 2,5 cm sterben die Jungfische schnell, die einmal einige Stunden ohne Futter waren. Man erkennt diese Tiere an den dunklen Flossen und kann beobachten, dass sie von Tag zu Tag im Rücken immer mehr einfallen. Bei guter Fütterung erreichen die Jungfische nach acht bis zehn Wochen bereits eine Länge von ungefähr 5 cm. Danach sind die Jungen wesentlich robuster, wie Aquarianer es von Trichopodus kennen.
Im Aufzuchtaquarium wird jeden Tag mit Frischwasser um weitere 2 cm aufgefüllt. Ist das Becken dann voll, so haben die Jungen bereits eine Länge von 1 cm erreicht, dann mit dem Schlauch täglich der angesammelte Mulm abgezogen und Frischwasser aufgefüllt werden.
Für die Aufzucht sind Aquarien ohne Bodengrund, in denen einige Pflanzen in Blumentöpfen untergebracht sind, am geeignetsten. So kann der Mulm immer gut absaugt werden. Gut hat sich dabei auch bewährt, einige größere Schnecken ins Aquarium einzubringen, die den anfallenden Mulm erst einmal weiterverarbeiten. Der Mulm wirbelt dann nicht mehr so stark im Wasser umher, sondern bleibt am Bodengrund liegen.
Genauso, wie auch wir Menschen uns in einem Raum, der sehr lange nicht gelüftet wurde, nicht besonders wohlfühlen, geht es den Fischen in einem Aquarium, in dem Hunderte oder gar Tausende von Jungfischen schwimmen, und das keinen Wasserwechsel erhält. Diese Grundregel darf bei der Aufzucht nie vergessen werden. Die Schaufelfadenfische danken es uns, indem sie schnell zu prächtigen Exemplaren heranwachsen.

Literatur
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Paepke, H.-J. 2009a. The Nomenclature of Trichopodus pectoralis Regan, 1910; Trichopus cantoris Sauvage, 1884 and Osphronemus saignensis Borodin, 1830 (Teleostei: Perciformes: Osphronemidae). Vertebrate Zoology 59(1), 53–60. (Hier ist umfangreiche, weitere zitierte Literatur zu finden.)
Paepke, H.-J. 2009b. Again: The Nomenclature of Trichopodus pectoralis Regan, 1910; Trichopus cantoris Sauvage, 1884 and Osphronemus saignensis Borodin, 1830 – a necessary correction (Teleostei: Perciformes: Osphronemidae). Vertebrate Zoology 59(2), 143–145.
Radmer, A. 1979. Trichogaster pectoralis. Der Makropode 1(4), 24-25.
Regan, C. T. 1910. The Asiatic Fishes of the Family Anabantidae. Proceedings of the Zoological Society of London 53(4), 767-787.
Richter, H.-J. 1968. Der Schaufelfadenfisch – Trichogaster pectoralis. Aquarien Terrarien 15(11), 370-371.
Risto, R. 1987. Bemerkungen zum Schaufelfadenfisch. Der Makropode 9(11), 186-187. Le Macropode 5(4), 87-88.
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Töpfer, J. & Schindler, I. 2009. On the type species of Trichopodus (Teleostei: Perciformes: Osphronemidae). Vertebrate Zoology 59(1), 49–51.
de.wikipedia.org/wiki/Theodore_Edward_Cantor
de.other.wiki/wiki/Canna_Maria_Louise_Popta

Trichopodus pectoralis (Syn. Trichogaster cantoris), Schaufelfadenfisch, Abbildung: Regan 1910
Trichopodus cf. poptae, ähnlich dem Popta-Fadenfisch, Foto: Uwe Renninger

Trichopodus poptae Low, Tan, & Britz, 2014

Abstrakt (Übersetzung): „Trichopodus poptae, eine neue Art, unterscheidet sich von allen anderen Arten der Gattung durch ein fast nicht erkennbares Farbmuster, mit Ausnahme eines einzelnen schwarzen Flecks an der Basis der Schwanzflosse. weniger seitliche Schuppen, 34 bis 38 versus 40 bis 65, weniger Rückenflossenstrahlen als bei T. pectoralis, 14 bis 16 vs. 17 bis 18, mehr Rückenflossenstacheln als T. microlepis, 6 bis 7 vs. 3 bis 4, sowie insgesamt weniger Afterflossenstrahlen als T. microlepis und T. pectoralis, 38 bis 41 vs. 44 bis 50. Ein künstlicher Schlüssel zur Gattung wird mitgeliefert“ (s. Originalquelle Low, Tan, & Britz, 2014).
Literatur
Low, Bi W., Tan, H. H., & Britz, R. 2014. Trichopodus poptae, a new anabantoid fish from Borneo (Teleostei: Osphronemidae). Ichthyol. Explor. Freshwaters 25(1), 69-77.
de.other.wiki/wiki/Canna_Maria_Louise_Popta

Trichopodus trichopterus, Gepunkteter Fadenfisch
Trichopodus trichopterus, Gepunkteter Fadenfisch, Abbildung: P. Bleeker 1879,
Synonym: Trichogaster trichogpterus,
einen ausführlichen Artikel finden Sie weiter oben, auf Seite 2 in dieser Spalte:
Der Herr des Reisfelds – Trichopodus trichopterus
Trichopodus trichopterus, Gepunkteter Fadenfisch
Trichopodus trichopterus, Gepunkteter Fadenfisch, balzendes Männchen
Trichopodus trichopterus, sumatranus Sumatrafadenfisch, „Blau“
Trichopodus trichopteruns trichopterus, Gepunkteter Fadenfisch, „Braun“
Trichopodus trichopteruns, Gepunkteter Fadenfisch, Balz- und Laichfärbung
Trichopodus trichopterus, Coxby- oder Marmor-Fadenfisch
Trichopodus trichopterus, Goldfadenfisch
Trichopodus trichopterus, Silberfadenfisch
Trichopsis pumila, Knurrender Zwerggurami

Gattung Trichopsis, Knurrende Guramis

Der Name dieser Fische deutet bereits ihre Fähigkeit zur Lauterzeugung in für den Menschen gut wahrnehmbaren Frequenzen an. Nahezu alle Kletterfische sind zur Lauterzeugung fähig, das Knurren der Knurrenden Guramis ist allerdings besonders laut und noch weit abseits vom Aquarium wahrnehmbar. Neben dieser Besonderheit handelt es sich um attraktive Fische, die aber in der Vergesellschaftung etwas heikel sind, da sie aggressiv sein können.
Arten:
Trichopsis pumila (Knurrender Zwerggurami, 4 cm)
Trichopsis schalleri (Schabers Knurrender Gurami, 6 cm)
Trichopsis vittata (Knurrender Gurami, 7 cm)
Verbreitung: In nahezu allen Gewässern in Thailand (alle drei Arten), in Vietnam,
Malaysia und Indonesien (Borneo, Java und Sumatra nur T. vittata).
Lebensraum: Teiche, Bäche, Flüsse, Sümpfe, Reisfelder (Kulturfolger).
Lebensweise: Außerhalb der Laichzeit in lockeren Trupps. Stark an die Oberfläche gebunden, lebt oft in der Nähe von Pflanzenbeständen. Die Männchen gründen Laichreviere.
Nahrung: Allesfresser, bevorzugt lebende Futtertiere.
Fortpflanzung: Schaumnestbauer, das Männchen errichtet ein Nest an der Oberfläche oder in einer Höhle. Die Partner laichen unter Umschlingung. Das Männchen schnappt das Eipaket und bringt es im Nest unter – es übernimmt die Brutpflege allein. Das Weibchen übernimmt die Revierverteidigung. Nach vier Tagen schwimmen die Jungen frei.
Haltung
Haltungsaquarium: Artaquarium ab 60 1, Gesellschaftsaquarium ab 80 1, Verstecke, dichte Bepflanzung im Randbereich, Schwimmpflanzen. Manche Trichopsis vittata-lndividuen belästigen allerdings andere Fische. Die anderen Knurrer sind absolut friedlich.
Wasser: 2 bis 15 °dGH, pH-Wert 5 bis 7,5, 20 bis 25 °C.
Fütterung: Lebend-, Frost-, Granulat- und Flockenfutter.
Besonderheiten: Es handelt sich um attraktive Fische, die auch dem Anfänger empfohlen werden können. Die Vertreter ancher Trichopsis vittata-Populationen können aber aggressiv sein und den Aquarienmitinsassen lästig werden.
Achtung: Bereits Fische von etwa halber Körpergröße der Knurrenden Guramis werden von ihnen als Nahrung angesehen!
Zucht
Zuchtaquarium: Circa ein 60 l-Aquarium genügt für ein Paar. Die Männchen kämpfen in zu kleinen Aquarien miteinander. Verstecke (Höhlen) und Schwimmpflanzen sind für das Weibchen und den Schaumnestbau wichtig.
Wasser: 3 bis 10 °dGH, bis 5 °dKH, pH-Wert 5 bis 6,8, 20 bis 24 °C.
Fütterung der Elterntiere: Lebend- und Frostfutter, auch gröbere Nahrung.
Zuchtmethode: Ansatz im Paar, Weibchen nach dem Laichen entfernen, das Männchen nach dem Freischwimmen der Jungen (zwei Tage nach dem Laichen). Aufzucht: Die Jungen bewältigen sofort feine Artemia-Nauplien, zur Vorsicht sollten in den ersten drei Tagen Rädertierchen zugefüttert werden. Besonderheiten: Trichopsis pumila und T schalleri sind in Pflege und Zucht etwas heikler als der robuste T. vittata.

Trichopsis schalleri, Schallers Knurrender Gurami
Trichopsis vitttata, Knurrender Gurami, als Syn. Ctenops-striatus, Abbildung: P. Bleeker 1879

Trichopsis vittata – der Knurrende Gurami

Auch diese Art wurde von Curvier & Valenciennes 1831 beschrieben. Den Namen erhielt die Gattung von Bleeker (1859), weil sie den Trichopodus-Arten ähnelt. Der Artname bezieht sich auf die Längsstreifen. Diese Art ist weit verbreitet, sie wurde in Vietnam, Thailand, Malaysia und Indonesien nachgewiesen. Die Lebensräume sind völlig unterschiedliche Gewässer, da die Art anpassungsfähig und robust ist. Es wurden sogar schon Knurrende Guramis in den völlig verschmutzten Klongs von Bangkok gefunden; diese Fische sind aber stark mit Parasiten infiziert. In natürlichen Lebensräumen bevorzugen die Fische verkrautete Gewässer, wo sie sich gern unter den Schwimmblättern der Wasserpflanzen aufhalten.
Zur Pflege und Zucht für zwei Paare genügt bereits ein 30 l-Aquarium. Im Sommer kommt ein solches Aquarium ohne zusätzliche Heizung aus. Die Wassertemperatur schwankt dementsprechend zwischen 22 und 27 °C. Günstig ist, wenn die Oberfläche mit Schwimmfarnen, zum Beispiel Ceratopteris thalictroides oder Salvinia auriculata, zugewachsen ist. Auch das Teichlebermoos, Riccia fluitans, ist zum Oberflächenbewuchs gut geeignet. Die Bewuchshöhe an der Oberfläche kann durchaus fünf Zentimeter Stärke überschreiten, trotzdem wachsen darunter Javamoos, und robuste Wasserkelche, wie Cryptocoryne beckettii, sehr gut. Ein eigener Bodengrund ist nicht erforderlich, wenn sich die Sumpfpflanzen in eigenen Töpfen befinden, doch ist es gut, wenn die Bodenscheibe mit etwas Fasertorf oder vor der Verwendung trocken gesammeltem Rotbuchenlaub abgedeckt ist. Zusätzliche Versteckmöglichkeiten sind vor allem für die Weibchen, manchmal aber auch für das schwächere Männchen wichtig. Weiches Aquarienwasser, das nur leicht gefiltert werden muß, ist wichtig. Dafür sind häufige Teilwasserwechsel für die Knurrenden Guramis und die Wasserpflanzen günstig. Bald beziehen alle Fische eigene feste Verstecke. Diese Minireviere werden auch von den Weibchen verteidigt, wenn das dominante Männchen kurzzeitig eindringt, flüchten sie aber. Zeitweise sind die Knurrenden Guramis recht aggressiv, sowohl untereinander als auch gegenüber eventuell vergesellschafteten Fischen. Kleine Fische werden sogar als Beute angesehen und selbst Fische, die nicht ins Maul passen, werden manchmal zerbissen, also Vorsicht bei der Vergesellschaftung! Zwar überwiegt das Imponierverhalten mit Flossenspreizen und heftigem Knurren, aber auch in Beschädigungskämpfen zerreißen sich die Fische gegenseitig die Flossenpracht. Am Körper treten aber nur selten Verletzungen auf und wenn einmal eine Schuppe fehlt, dann wird sie bei den recht widerstandsfähigen Fischen schnell regeneriert. Beim Imponieren und bei den Kämpfen äußern die Knurrenden Guramis laute Geräusche, die aber besser als Knarren bezeichnet werden können. Diese Laute sind auch bei der Balz der Fische von beiden Geschlechtern zu vernehmen. Das Knarren dient zur Balz, zur Revierabgrenzung und zur Verteidigung von Beute.
Etwa im Vier- bis Achtwochenrhythmus finden sich im Aquarium kleine bis winzige Schaumnester, meist unter Wasserpflanzenblättern mit Eiern.

Trichopsis vittata, Knurrender Gurami

Zur Balz zeigt das Männchen seiner Partnerin mit umschwimmen unter Flossenspreizen und kräftigem Knarren sein Interesse. Unter Stupsen ans Maul, an die Kehle und die Flanke wird das anfangs aggressive Männchen vom Weibchen besänftigt und bald kommt es zu ersten Scheinpaarungen. Das Ablaichen mit Umschlingungen erfolgt meist nachmittags. Während der kurzen Paarung gibt das Weibchen die Eier in kleinen Eipaketen zu jeweils fünf bis 20 Eiern ab. Insgesamt können nur 50 aber auch weit über 200 Eier von einem Weibchen abgelaicht werden. Das Männchen befruchtet die vom Weibchen ausgestoßenen Eier noch während der Umschlingung. Das Männchen schnappt das Eipaket ins Maul, ummantelt es mit Maulsekret und Schaumblasen und deponiert sie im Schaumnest. Nach dem Ablaichen übernimmt das Männchen die Brutpflege allein. Das Weibchen kann aber die Revierverteidigung im weiteren Umfeld übernehmen und manchmal ersetzt es ein Männchen, das aus irgendwelchen Gründen bei der Brutpflege ausfällt. Oft fressen die Weibchen aber auch ihren eigenen Laich oder die Brut. Das Männchen betreut die 50 bis 200 schlüpfenden Larven etwa vier Tage lang, bis sie freischwimmen. Jetzt können die Eltern entfernt oder die Jungfische mit einem Schlauch abgesaugt werden. Letzteres ist meist sinnvoller, damit die Eltern im Haltungsaquarium bleiben können und die Jungen direkt im Aufzuchtbehälter landen. Nach dem Freischwimmen werden die Jungen ohnehin am besten gesondert aufgezogen. Im Aquarium verbleibende Larven haben dank der dichten Schwimmpflanzendecke ebenfalls gute öberlebenschancen, zumal auch den erwachsenen Fischen am Besten manchmal lebende frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien gereicht werden sollten. In den ersten zehn Tagen müssen die Jungen außerdem ein spezielles Jungfischfutter erhalten. Das können Räder- und Pantoffeltierchen sein, aber auch ProtogenGranulat, Liquifry oder PreisMikroplan sind geeignete Futtersorten, die allerdings niemals überdosiert werden dürfen, weil sonst das Wasser zu schnell verdirbt. Nach wenigen Tagen werden von den Jungen aber schon winzige Wasserflöhe und Cyclops-Nauplien bewältigt.
Hin und wieder kommt es zu größeren Pausen von zwei bis drei Monaten oder sogar mehr bis zum nächsten Ablaichen, vor allem wenn es im Winter kühler ist und sparsamer gefüttert wird. Diese Zeit läßt sich durch kurzzeitiges Absenken der Temperatur auf 20 °C, Senkung des Wasserspiegels und folgender langsamer Erhöhung der Wassertemperatur aus 28 bis 30 °C verkürzen, danach laichen die Fische prompt.
Im Alter von etwa acht bis neun Monaten sind die jungen Knurrer geschlechtsreif. Die Knurrende Guramis können sieben Jahre alt werden, eventuell werden Einzelexemplare sogar noch wesentlich älter. Die Geschlechter sind leicht zu unterscheiden, die Männchen haben großflächigere sowie länger ausgezipfelte Flossen und bei den Weibchen ist der helle Laichansatz durch die dünnen Flankenbeschuppung erkennbar.
Jürgen Schmidt

Trichopsis sp. vom „Kaeng Krachan Dam“

Schlangenkopffische – Channiformes

Diese Seite mit Fotos zu Schlangenkopffischen wird seit Januar 2021 eingerichtet. In Zukunft sollen weitere Fotos & Texte nachgereicht werden. Wir bitten um Ihre Geduld und viel Freude beim Betrachten der ersten Einträge.

Der erst 2019 in Kerala, Indien, entdeckte Schlangenkopffisch Aenigmachanna gollum gehört zur neuen Familie der Aenigmachannidae. Foto: Ralf Britz

Aenigmachannidae – neue Familie für den Gollum-Schlangenkopffisch

Eine neue Familie der Knochenfische wurde von Senckenberg-Wissenschaftler Ralf Britz mit einem internationalen Team beschrieben. Die unterirdisch in wasserführenden Gesteinen lebenden Fische wurden erst 2019 in Südindien entdeckt. Sie konnten nun mittels computertomographischen, molekulargenetischen und morphologischen Untersuchungen einer neuen Familie zugeordnet werden. Die Analyse der Forschenden zeigt zudem, dass sich die neue Familie der Aenigmachannidae schon früh von ihrer Schwestergruppe Channidae getrennt hat und heute ein sogenanntes „lebendes Fossil“ ist.
Entlang des Küstensaumes der Western Ghats, einem Gebirge im Westen Indiens, hat sich eine endemische Fauna von Grundwasser bewohnenden Organismen entwickelt. „Bislang gibt es dort zehn bekannte Fischarten. Die erste Art aus diesem Habitat wurde bereits 1950 beschrieben. Die jüngste Entdeckung liegt erst ein Jahr zurück: Der Knochenfisch Aenigmachanna gollum, benannt nach Tolkiens ‚Herr der Ringe’- Figur Gollum“, erklärt Dr. Ralf Britz von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden und fährt fort: „Diesen, äußerlich an einen Schlangenkopffisch erinnernden, Fisch haben wir nun mit neuen Methoden detailliert unter die Lupe genommen.“Anhand von computertomographischen, molekulargenetischen und morphologischen Untersuchungen konnten Britz und seine internationalen Kollegen einige signifikante Unterschiede zwischen der untersuchten Art und weiteren Vertretern der Schlangenkopffische aus der Familie Channidae feststellen. „Besonders auffällig sind die verkürzte Schwimmblase, die schon in der Körpermitte endet und das Fehlen des akzessorischen Atmungsorgans“, erläutert der Dresdner Biologe und fährt fort: „Die morphologischen, aber auch genetischen Unterschiede sind so groß, dass wir Aenigmachanna gollum einer eigenen, neuen Familie, den Aenigmachannidae, zugeordnet haben!“Die Forschenden schreiben zudem in ihrer Studie, dass der schlanke, etwa zehn Zentimeter lange Fisch einige evolutionär sehr ursprüngliche Merkmale aufweist. Eine Erklärung hierfür könnte die Entwicklungsgeschichte des Tiers sein: Die phylogenetische Analyse zeigt, dass die neue Familie und deren Schwestergruppe Channidae sich vor mindestens 34 oder sogar 109 Millionen Jahren getrennt haben. „Es erscheint plausibel, dass die Aenigmachannidae eine evolutionäre Linie sind, die das Auseinanderbrechen des Superkontinents Gondwana vor etwa 100 Millionen Jahren überlebte und dann mit dem indischen Subkontinent nach Norden driftete – man kann die Tiere daher auch als ‚lebende Fossilien’ innerhalb der Schlangenkopffische bezeichnen“, ergänzt Britz.Die besondere Lebensweise der Fische könnte auch zu deren Bedrohung werden: Die zwei Arten der neu beschriebenen Familie leben unterirdisch in wasserführenden Lateritgesteinen. „Diese Grundwasservorkommen werden für mehr als sechs Millionen private Brunnen genutzt – eine gesteigerte Wasserentnahme würde den Knochenfischen buchstäblich die Lebensgrundlage entziehen“, schließt Britz.
PM: Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden

Originalpublikation:
Ralf Britz, Neelesh Dahanukar, V.K. Anoop, Siby Philip, Brett Clark, Rajeev Raghavan & Lukas Rüber 2020. Aenigmachannidae, a new family of snakehead fishes (Teleostei: Channoidei) from subterranean waters of South India. Scientific Reports.
https://doi.org/10.1038/s41598-020-73129-6

Aenigmachanna gollum ist als Höhlenbewohner unauffällig gefärbt und wenig gezeichnet.
Originalfoto: Ralf Britz et al. 2019

Aenigmachanna – höhlenbewohnende Schlangenkopffische aus Indien

Die neuen, aus Kerala gemeldeten, troglobitischen Fischarten wurden größtenteils aus Brunnen im Gürtel mit Lateritböden am Fuße der Western Ghats gesammelt. Die Grundwasserressourcen dieser Region stehen aufgrund der massiven Umstellung der natürlichen Feuchtgebiete auf Landwirtschaft und Urbanisierung unter erheblichem ökologischem Druck.
Britz et al schreiben bereits Aenigmachanna gollum und somit zugleich eine neue Gattung und Art aus Kerala in Südindien; „Es ist die erste unterirdisch lebende Art der Familie Channidae. Die neue Gattung hat zahlreiche abgeleitete und einzigartige Eigenschaften, die sie eindeutig sowohl von der asiatischen Channa Scopoli als auch von der afrikanischen Parachanna Teugels & Daget trennen. A. gollum hat unter den Schlangenkopffischen einen sehr schlanken, aalähnlichen Körper.“

Aenigmachanna gollum Britz, Vanoop, Dahanukar & Raghavan, 2019 – eine neue Gattung und Art unterirdisch lebender Schlangenkopffische (Teleostei: Channidae) aus Kerala und Aenigmachanna mahabali Kumar, Basheer & Ravi, 2019 – eine neue, höhlenbewohnende Schlangenkopffischart aus Kerala in Südindien

Kommentar von Jürgen Schmidt, Ruhmannsfelden

Veränderungen im Körperbau, die normalerweise mit einem unterirdischen Leben verbunden sind, wie eine Verkleinerung oder das Verschwinden der Augen und eine Verbesserung der nicht visuellen Sinne (Geschmack, Geruch, mechanosensorische Systeme/Seitenlinienorgan), fehlen bei A. gollum und A. mahabali. Sie teilen jedoch mit unterirdischen Fischen eine leichte Verringerung seiner Köderfärbung im Vergleich zu oberirdisch lebenden Schlangenkopffischen.
Unterirdisch lebende Fische, die den größten Teil ihres Lebens in Höhlen oder unterirdischen Hohlräumen verbringen, wurden bereits auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis gefunden, gehäuft in tropischen und subtropischen Regionen. Die Entdeckungsrate neuer, unterirdisch lebender Fischarten hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, von 102 bekannten Species im Jahr 2000 auf heute gut 250. Kerala, im Südwesten Indiens, scheint dabei ein Schwerpunkt der unterirdischen Fischvielfalt zu sein.
Schlangenkopffische der Familie Channidae sind luftatmende Knochenfische, die durch einen länglichen Körper, langgestreckte Rücken- und Afterflossen ohne Stacheln, große Mäuler mit gut entwickelten Zähnen und ein gut entwickeltes Epibranchial-, Hyomandibular- und gefaltete Gewebe über dem Parasphenoid gekennzeichnet sind. Es dient der Unterstützung der Riemenatmung in Form eines zusätzlichen, luftatmenden Organs, den Labyrinth. Die Familie umfasst drei rezente Gattungen: Parachanna in Afrika, Channa im Nahen Osten und in Asien sowie die kürzlich beschriebene Aenigmachanna, die nur aus der Tiefebene westlich der Western Ghats in Kerala bekannt ist.
Anhand eines Fischs, der im April 2018 aus einem Brunnen im Distrikt Pathanamthitta in Kerala gefamgen wurde, wurde bei der folgenden Untersuchung festgestellt, dass es sich um eine Schlangenkopffischart handelt, die eine troglomorphe Merkmale aufweist (Körpermerkmale, die auf eine unterirdische Lebensweise hindeuten). Die von den Autoren befragten Anwohner im Bereich des Brunnens bestritten, obwohl sie mit oberirdisch lebenden Schlangenköpffischen vertraut waren, zuvor ähnliche Fische gesehen zu haben. Eine detaillierte Untersuchung dieses Exemplars ergab, dass es sich deutlich von allen bekannten Schlangenköpffischarten unterscheidet. Versuche, weitere Exemplare zu sammeln, erwiesen sich zunächst als erfolglos.
Ralf Britz et al. beschrieben 2019 anhand von zwei Fischen, die in Oorakam bei Malappuram in Kerala gefunden wurden, die bemerkenswerte neue Gattung und Art troglobiotischer Schlangenkopffische: Aenigmachanna gollum.
Aenigmachanna mahabali aus Pathanamthitta ähnelt dieser Art in mehreren Punkten, unterscheidet sich jedoch in anderen Merkmalen von der ersten Art. Sein Körper ist schlank und länglich. Die Schwanzflosse ist lanzettlich mit 14 verzweigten Strahlen.
Der Körper ist gleichmäßig rotbraun gefärbt, wobei die Färbung der Oberseite bis zur Afterflosse hin cremefarben verblasst. Die Schuppen auf der Wange weisen reflektierende, silberne Bereiche auf, welche Flecken mit dunklem Pigment umgeben, während sie auf den Kiemendeckenl fast vollständig silbrig sind. Die Schuppen am Körper sind grundsätzlich auf etwa ein Drittel der Schuppenlänge gefärbt, mit klaren, hinteren Rändern, die das Erscheinungsbild einer Reihe von Flecken entlang der Seite zeigen und jeweils eine Linie andeuten. Die Flossen sind transparent bis gelblich, mit schwachen Flecken in der Rückenflosse und einem Fleck an der Basis jedes Rückenflossenstrahls.
Aenigmachanna mahabali ist nur von einem einzigen Ort bekannt, einem Brunnen in Peringara in der Nähe von Thiruvalla im Distrikt Pathana-mthitta, Kerala, Indien. Als der Fisch im Hochsommer gefunden wurde, befand sich die Wasseroberfläche im Brunnen in einer Tiefe von etwa 5 m unter der Bodenoberfläche. Er kam ans Licht, als das normalerweise klare Wasser im Brunnen plötzlich schlammig und der Brunnen abgelassen wurde, um die Reinigung zu erleichtern. Peringara liegt in einem großen, natürlichen Feuchtgebiet, das an das Tiefland von Kuttanad angrenzt, die „Reisschale“ von Kerala.
Bedeutung des Namens: In der Mythologie von Kerala war Mahabali ein König, der drei Reiche erobern ließ und von Vamana, einem Avatar von Vishnu, in die Unterwelt verbannt wurde. Er darf jedoch einmal im Jahr in das Reich der Sterblichen zurückkehren, was mit dem Fest von Onam gefeiert wird.
Mit Aenigmachanna gollum und A. mahabali sind nun zwei echt troglobiotische Schlangenkopffische bekannt. Aenigmachanna zeigen troglomorphe Merkmale wie eine Modifikation der Gesamtmorphologie in eine aalförmigere Form und die Entwicklung filamentöser Verlängerungen der Brustflossenstrahlen. Das Fehlen von porösen Seitenlinienschuppen wird auch von anderen troglobytischen Fischarten gezeigt. Beide Aenigmachanna behalten jedoch auch ihren vollständig pigmentierten Körper und funktionelle Augen, die im Vergleich zu anderen Channa nicht reduziert sind.
Es ist so, dass oberflächenbewohnender Channa stirbt, wenn er daran gehindert wird, Luft an der Oberfläche zu atmen. Es ist jedoch eine Vermutung, ob Aenigmachanna einen Zwang zur Luftatmungs aufweist. Nachder einzige Fisch ins Labor gebracht worden war, wurde der A. mahabali über Nacht in einem Aquarium gehalten, er stieg während einer Stunde fortdauernder Beobachtung nicht an die Oberfläche. Vielmehr blieb er entweder unten unter einem Stück Schwamm oder in einem Winkel mit dem Kopf nach oben unter dem Filter. Die Autoren stellten auch fest, dass die A. mahabali im Gegensatz zu A. gollum keinen Auftrieb zu haben schien und seine Position in der Wassersäule beibehalten konnte, eine Röntgenaufnahme ergab zudem eine große Schwimmblase in der Körperhöhle.
Bemerkenswert ist die Entdeckung von zwei Arten einer bisher unbekannten Gattung in so kurzer Zeit. Die Typuslokalitäten sind durch eine Entfernung von über 200 km und durch die Palghat-Lücke getrennt, eine biogeografische Barriere, die in der Evolutionsgeschichte verschiedener Wirbeltiergruppen von Buschfröschen bis zu asiatischen Elefanten von Bedeutung ist. Es wird angenommen, dass sich die Palghat-Lücke im frühen Miozän gebildet hat und es besteht die Hoffnung, dass ein tieferes Verständnis der Evolutionsgeschichte von Aenigmachanna zu einem besseren Verständnis der Evolutionsgeschichte der Gattung Channa führen wird.
Abschließend bleibt festzustellen, dass diese faszinierenden höhlenbewohnenden Fische der Aquaristik aufgrund ihrer Seltenheit wohl vorenthalten bleiben müssen. Dies ist aus naheliegenden Artschutzgründen auch richtig so. Vielleicht gelingt ja nach Wiederfunden und legalen Naturentnahmen die Nachzucht vor Ort – hoffen wir es! Den meisten Labyrinthfischfreunden ist diese hochinteressante neue Gattung in ihrer Aufmerksamkeit bisher wohl entgangen, dennoch sei an dieser Stelle einmal darauf hingewiesen. Wenn wir die Fische schon nicht pflegen können, dann können wir immerhin etwas darüber lesen und weiterlesen (s. u.).

Literatur
Britz, R., Anoop, V. K., Dahanukar, N., & Raghavan, R. 2019. The subterranean Aenigmachanna gollum, a new genus and spe- cies of snakehead (Teleostei: Channidae) from Kerala, South India. Zootaxa 4603(2), 377–388.
doi.org/10.11646/zootaxa.4603.2.10
Kumar, R. G., Basheer, V. S., & Ravi, C. 2019. Aenigmachanna mahabali, a new troglophilic Snakehead. Zootaxa 4638(3), 410-418.
doi.org/10.11646/zootaxa.4638.3.6
(Bei diesen beiden Quellen gibt es zahlreiche weitere Literaturhinweise.)

Astyanax jordanii (Syn. Anoptichthys), der Blinde Höhlensammler ist ein bewährter Aquarienfisch, an dem interessierte Aquarianer die Pflege von Höhlenbewohnern übern können.
Channa argus warpachowskii aus Ostasien, dem Amur. Zeichnung: Berg 1949

Channa argus – Amur Schlangenkopf

Erstbeschreibung: Cantor, T. E. 1842
Als Ophicephalus argus. ’Allgemeine Merkmale von Chusan mit Anmerkungen zur Fauna und Flora dieser Insel’. Annalen und Zeitschrift für Naturgeschichte, Band IX, S. 484.

Synonyma: Ophicephalus argus, Ophiocephalus argus, Ophicephalus nigricans, Ophicephalus pekinensis.

Flossenformel: D: 48-53 A: 30-38 C: 14 V: Verhältnis (Körper-/Kopflänge): 2,9-3,2 * Ll: 60-75
(* Obwohl sich mit zunehmendem Alter des Fischs seine relativen Anteile ändern)

Beschreibung:
Die Oberseite hat eine bräunlichgrüne Hintergrundfarbe und zahlreiche (9-13) schwarze Flecken. Diese haben eine hellere Mitte, die manchmal weiß über der Seitenlinie eingefasst ist. Unter der Rückenbasis befinden sich altersabhängige Balken. Der Mittelteil ist gelblichgrau, während der rötlichweiße Bauch über dem Anal-Streifen aufweist, abhängig vom Alter.
Die oberen Teile des Kopfs haben drei gepaarte Balken und an den Seiten sind zwei breite Streifen zu sehen; Eine beginnt an der Schnauze und läuft durch das Auge zur Kiemendecke, während sich die untere nach unten krümmt und am Rand der Kiemendecke endet.
Die Flossen sind gelb, die Rücken-, Anal- und Schwanzflossen sind schwarz gefleckt.
Größe: Die größte in der Literatur aufgezeichnete Größe beträgt 800 mm und ein acht Jahre alter Fisch wurde mit 760 mm erfasst.

Unterarten:
Channa argus kimurai (Shih, 1936)
Dieser Fisch wurde aus zwei Exemplaren mit Längen von 185 und 250 mm beschrieben und kann durch seine Variation der Körperproportionen unterschieden werden. Insbesondere das untere Rückenprofil und Unterschiede in der Anordnung der Zähne. Die Körperfarbe ist ganz weiß, ein deutlicher Kontrast zu Channa argus argus. Oberhalb der Seitenlinie haben einige der Schuppen ein graues Zentrum. Die unbaren Flossen sind grau getippt.

Channa argus warpachowskii (Berg, 1949)
Diese größere Variante kann eine Länge von 800 mm und ein Gewicht von 7 kg erreichen. Unterschiede sind; überdurchschnittlich hohe Strahlenzahlen in den Rücken- (50-53) und Afterflossen (33-38) sowie in kleineren Schuppen. Die unregelmäßigen Flecken an der Seite des Körpers sind dunkelbraun, schwarz umrandet und der untere Teil des Kopfes ist mit kleinen, dunkelbraunen Flecken bedeckt.

Verbreitung: In der ursprünglichen Beschreibung wurde C. argus aus Chusan, China, gemeldet, und dies wurde von Shih (1936) bestätigt, der erklärte, dass es der dominierende Schlangenkopf in China ist. Dieser Schlangenkopf kommt in Flüssen, Bächen und Teichen in ganz China von Yunnan bis Peking vor.
Von Shih (1936) wurde geschrieben, dass C. argus kimurai den Fluss Kialing in der Provinz Szechuan, ebenfalls in China, besiedelt, wo er in den Reisfeldern sowie in Gebirgsbächen üblich sein soll. Reeves (1927) gibt an, dass C. argus im Nordosten Chinas und Koreas zu finden ist. Von weiter nördlich bis nach Russland in der Region des Amur kommt der robustere C. argus warpachowskii vor, der in vielen Ländern, einschließlich der ehemaligen Tschechoslowakei, erfolgreich eingeführt wurde.

Pflege: Offensichtlich wird ein sehr großes und robustes Aquarium benötigt, um einen Fisch dieser Größe zu halten, sodass die meisten Exemplare eher in öffentlichen Aquarien gezeigt werden.
Channa argus warpachowskii wurden in Teichen unter Eis am Leben erhalten und auch Frank (1970) erwähnt, dass sie Temperaturen von 40 °C überstanden haben, aber im Aquarium ist eine Temperatur zwischen 14 und 22 °C ausreichend. Sorgfältig gepflegte Wasserbedingungen sind aufgrund ihrer Überlebensfähigkeit in den schwersten Lebensräumen nicht unbedingt erforderlich.
Im Chimkurgan-Stausee der ehemaligen UdSSR wurde Cawarpachowskii von Amanov (1974) untersucht, wo festgestellt wurde, dass sich C. argus von über 20 cm Länge ausschließlich von Fischen ernähren, darunter kleine Cypriniden wie Rotfedern und Weißbrassen, während jüngere Fische sich von wirbellosen Tieren und Chironomidenlarven ernähren und großen Mengen Kaulquappen.

Zucht: Die Geschlechtsbestimmung dieses Fischs durch sein äußeres Erscheinungsbild ist schwierig und kann nur durchgeführt werden, wenn die Fische ausgewachsen sind und die Männchen größer sind als die Weibchen. Trotz dieser Tatsache wird Channa argus warpachowskii bei einer ungefähren Länge von 30 cm geschlechtsreif, wenn sie ein Alter von 2zwei Jahren erreicht hat.
Wenn eine Zucht versucht werden soll, wird ein Aquarium oder Teich mit mindestens 3000 l Inhalt benötigt. Frank (1970) erwähnt, dass dieser Fisch, wenn er nicht in großzügigen Räumen gehalten wird, aufgrund von Platzmangel verkümmert wird und die größeren Exemplare eine schüchterne Natur entwickeln.
Beobachtungen von Schlangenkopffischbrut in ihrem natürlichen Lebensraum zeigen, dass ein großes, schwimmendes Nest (bis 100 cm Durchmesser) aus Pflanzenfragmenten besteht. Dies kann meist in ziemlich flachem Wasser mit dichter Vegetation gefunden werden. Nach dem Laichen werden durchschnittlich 50000 Eier befruchtet. Fast drei Viertel des Eigehalts bestehen aus Öl, sodass die Eier frei zum Nest an die Wasseroberfläche schweben. Hier werden sie vom Männchen bewacht. Bei einer Temperatur zwischen 23 und 25 °C sowie nach 36 Stunden schlüpfen sie aus dem Ei.
Drei Tage später haben die Jungfische ihren Dottersack aufgenommen und werden mit einer Größe von 7 bis 8 mm nach kleinen Wassertieren suchen. Danach verbrauchen sie große Mengen kleinerer Fische, Kaulquappen usw. und erreichen nach Ablauf des ersten Jahres eine Länge von 20 cm.
Aufgrund seiner sehr guten Wachstumsrate ist er zu einem beliebten Speisefisch geworden. Derzeit gibt es mehrere Forscher in den USA und in China, die zu Studien über diesen Fisch beitragen.

Channa asiatica aus Thailand, Asiatischer Schlangenkopffisch

Channa asiatica – Asiatischer Schlangenkopffisch

Erstbeschreibung: Linne, C. 1758
Gymnotus asiaticus, Systema Naturae, Vol.1, S.246.

Synonyme: Gymnotus asiaticus, Sternarchus asiaticus, Channa asiatic, Channa asiaticus, Channa fasciata, Channa formosana, Channa ocellata, Channa sinensis

Schuppenformel: D: 43-46 A: 28-30 C: gerundet
Höhen-/Längenverhältnis: 3,3-4,0 Ll: 52-58
Beschreibung: Die unpaaren Flossen sind bräunlicholiv bis grau gefärbt. Der Rücken weist zahlreiche verstreute weiß-silber-goldfarbene Flecken auf, während die Afterflosse ähnliche weiße und silberne Flecken wie der Körper aufweisen. Die Brustflossen sind transparent.
Die gesamte Grundkörperfarbe ist bräunlicholiv. Es gibt acht bis elf v-förmige, breite Bänder und einen dunkelbraunen Augenfleck, der an der Basis des Schwanzes mit Gold umringt ist. Die Bauchregion ist weiß mit jeweils einem weiteren Fleck an der Basis der Brustflosse. Funkelnde, perlmuttartige Flecken bedecken den Körper. Goldflecken schmücken den Kopf und die Flanken. Es gibt zwei breite Streifen, die vom Auge bis zum Rand des Augenflecks verlaufen.
Jugendfärbung: Bei einer Größe von 150 mm ist die gesamte Körperfarbe orangebraun und hellt sich darunter cremeweiß auf. Jungfische weisen ein deutlicheres, aber ähnliches Muster wie Erwachsene auf.
Größe: Ein mittelgroßer Schlangenkopf, der eine Länge von 30 cm erreicht.
Farbform: Bei einigen importierten Aquarienfischen scheint der Afterflosse die bekannte Pigmentierung zu fehlen.

Verbreitung: Diese Art, die sich leicht durch ihr Farbmuster und das Fehlen von Bauchflossen auszeichnet, kommt in Teichen, Seen und Flüssen im Südosten Chinas bis zum Norden Thailands vor. Sie ist auch von der Insel Hainan bekannt, aber nicht im Norden des Jangtse oder in der Provinz Szechuan zu finden (Shih 1936).

Pflege: Aufgrund ihrer angemessenen Größe kann ein kompatibles Paar in einem 120 x 45 x 30 cm großen Aquarium zusammen gehalten werden. Die durchschnittliche Aquarientemperatur kann 21 bis 26 °C betragen und die Wasserbedingungen sind ausreichend. In der Natur frisst dieser Fisch kleine Fische, Garnelen und in kleinen Mengen sogar pflanzliches Material. Eine ähnliche Ernährung hält diesen Fisch in einem gesunden Zustand. Es ist von Natur aus recht scheu.

Zucht: Es wird ein großes, gut bepflanztes Aquarium ab 120 x 45 x 30 cm mit eingefahrenem Wasser bei einer Temperatur von etwa 21 °C empfohlen. Wenn sich die Laichzeit nähert, ändert das Weibchen seine Farbe. Ihre helleren Flossenanteile färben sich rosa, während alle ihre Markierungen noch auffälliger werden. Das Männchen wird dunkler, spreizt seine Kiemendecken und seine Flossen ab. Das Männchen zeigt dann silberne Punkte auf der Afterflosse. Die Balzaktivität dauert bis zwölf Stunden. Die beiden Fische suchen sich schließlich und umschlingen ihre Körper zu einer Kugel, die beim Laichen an die Oberfläche steigt, sich umdreht und dann auf den Boden sinkt. Alle Eier werden in einem Laichakt abgegeben.
Es wird kein Schaumnest gebildet und aus den großen, schwimmenden Eier schlüpfen innerhalb von 36 bis 72 Stunden und bei einer Temperatur von 26 °C die Larven. Es wird ein gewisses Maß an elterlicher Fürsorge beobachtet (Breder & Rosen 1966), wobei die Männchen Nachzügler, die sich von der Hauptschule entfernen, ins Maul. Auch greifen sie Fremdfische und den Pfleger hinter der Aquarienscheibe an. Der Dottersack wird von den Larven in vier Tagen absorbiert und die Brut kann innerhalb einer Woche freischwimmen, die Jungen sind dann 6 bis 7 mm lang.
Selbst mit 90 % Wasserwechsel jeden zweiten Tag und einer großen Menge an Nahrung (Cyclops und Artemia) reichte dies nicht aus, um die 300er Brut aufzuziehen. Eine große Anzahl von Jungfischen wurde aus dem Aquarium entfernt, wobei die Flossen beschädigt waren und infolge Kämpfen und Kannibalismus fehlten, wobei die Elternfische ihre Jungen nicht zu fressen schienen.

Channa bankanensis, Bangka-Schlangenkopffisch

Channa bankanensis – Bangka-Schlangenkopffisch

Erstbeschreibung: Bleeker, P. 1852 Ophiocephalus bankanensis. N. bijdr. ichth. Banka. Natuurkundig Tijdschrift Voor Nederlandsch Indie III, p. 726.

Synonym: Ophiocephalus bankanensis.

Flossenformel: D: 39-42 A: 29-31 C: 10-12
Verhältnis: 3,4, Ll: 64-65

Beschreibung: Er zeichnet sich durch seinen rundlichen, stumpfen Kopf aus. Es gibt acht bis neun Schuppenreihen zwischen dem Auge und dem unteren Rand des Kiemendeckels. Die Färbung der Rücken- und Afterflosse ist hell, aber sie verdunkeln sich zum oberen Rand der Flosse. Die Schwanzflosse ist violett. Alle vertikalen, unpaarigen Flossen zeigen Reihen schwarzer Flecken, wobei dieses Muster in den paarigen Brustflossen schräg angelegt ist.
Die seitliche Pigmentierung des Körpers ist rötlichviolett und verschmilzt im unteren, cremefarbenen Bauchbereich. Auf dem mittleren Oberkörper ist eine Reihe von Flecken aufgedruckt, die aus einer Gruppe schwarzer Flecken an den Seiten bestehen und manchmal ein Band bilden. Ein ähnlicher Fleck findet sich auf dem Kiemedeckel, während an der Unterseite des Körpers kleinere Flecken zu finden sind. Ein Band, bestehend aus schwarzen Flecken, verläuft vom Auge nach unten zum unteren Riemendeckel. Der obere Teil des Kopfs hat schwarze Flecken, auf der Unterseite befinden sich kleinere.

Unterschiede in der Jugendfärbung: Die Flecken sind kleiner und in zwei abwechselnden Reihen an der Körperseite angeordnet. eine über, eine unter der Seitenlinie. Die Flossen sind viel dunkler, die Brustflossen sind schwarz mit unregelmäßigen weißen Punkten und Streifen.
Weber & de Beaufort (1922) untersuchten junge Exemplare in Alkohol konserviert, die ebenfalls drei dunkle, schräge Streifen hinter dem Auge zeigten und ein seitliches Band, das aus getrennten, dunklen Flecken bestand, die mit einem gelben Rand versehen waren.

Größe: Größtes Exemplar 235 mm.

Verbreitung: Das Verbreitungsgebiet von Channa bankanensis befindet sich im indonesischen Archipel insbesondere in den Binnengewässern Südsumatras ist er zu finden. Bleeker (1879) beschrieb diesen Fisch aus Banjarmasin im Süden Borneos und von der Insel Bangka vor der Südostküste Sumatras. De Beaufort (1939) berichtete über eine Lokalität nur 100 km östlich auf der Insel Biliton. Ng & Lin (1990) fanden diese Art zum ersten Mal auf der Malaiischen Halbinsel im Torfsumpfwald in Selangor in Schwarzwasser bei einem pH-Wert 2,8 bis 2,9.

Pflege: Obwohl nichts über die Pflege im Aquarium bekannt ist, kennen wir die Bedingungen eines Gebiets seines Lebensraums auf Sumatra, wo er gelegentlich als Speisefisch gezüchtet wird. Die Teiche haben dort unterschiedliche Wasserbedingungen mit pH-Werten von 4,0 bis 7,4, einer Farbe zwischen Braun und Grau und manchmal Temperaturen bis 37 °C. ‚Sirko-muda‘, er ernährt sich von Fischen, Garnelen und Wasserinsektenlarven.

Zucht: Einige der Einheimischen nutzen ihre Fischzucht zusammen mit dem Reisanbau, andere Zuchtgewässer haben ein reiches Pflanzenwachstum, hauptsächlich in den stagnierenden Gewässern in neutralen pH-Wertbereichen. Dies schafft wertvolle Brutstätten für die Schlangenköpffische, insbesondere in den warmen Sommern, wenn der Wasserstand in vielen Fällen auf 0,5 m absinkt. Dieses flache Wasser ist besonders wichtig für die Aufzucht der Jungfische und die Kultivierung der Rädertierchen, von denen sie sich ernähren.

Channa bleheri, Heiko-Bleher-Schlangenkopffisch

Channa bleheri – Bleher-Schlangenkopffisch

Erstbeschreibung: Channa bleheri Vierke, J. 1991 Ein farbenfroher neuer Schlangenkopffisch aus Assam: Channa bleheri spec. nov. Das Aquarium Vol, 259, Januar.

Beschreibung: Die gesamte Grundfarbe ist bräunlich mit einer hellbeigefarbenen Unterseite. Unter dem Kopf befinden sich dunkle Flecken mit den typischen, dunklen Streifen auf den Brustflossen. Es gibt leichte schwarze Flecken zwischen roten Bereichen auf der Schwanzflosse. Die vertikale Flossen haben einen braunroten äußeren und einen nach innen folgenden, blauen Rand.
Größe: 113 bis 115,9 mm.
Fundort: Assam, Indien.

Channa gachua, Brauner Schlangenkopffisch, Männchen,
Foto: Manfred Quambusch, in memoriam

Channa gachua – Brauner Schlangenkopffisch

Erstbeschreibung: Hamilton, F. 1822. Ophiocephalus gachua. An account of the Fishes found in the River Ganges and its Branches. Publ. Archibald Constable, 68-69.
Sensu dato, im weiteren Sinne, also im Artkonzept vor der Aufteilung durch Britz et al.

Synonyma (sensu lato): Ophiocephalus aurantiacus, Ophiocephalus cora-mota, Ophiocephalus fusca, Ophiocephalus gachua, Ophiocephalus harcourtbutleri, Ophiocephalus kelaartii, Ophiocephalus limbatus, Ophiocephalus marginatus, Ophiocephalus montanus, Ophiocephalus surakartensis.

Flossenformel: D: 30-37 A: 20-24 C: 16 P: 15
Verhältnis: 2.9-3.25, Ll: 40-45

Beschreibung: Der Rücken ist grünlichgrau, die Analis blassblaugrün, beide sind schwarz umrandet. Die Oberkante hat einen roten, orangen bis gelben Seitenrand und die Unterkante ein weißes Seitenband. Die abgerundete Schwanzflosse ist grünlich, ebenfalls marginal umrandet, zuerst schwarz und dann rot mit blaugrünen Zwischenräumen. Die Brustflossen haben eine Ziegelfarbe mit mehreren Reihen blauer Flecken. Der Oberkörper trägt dunkle Bänder, die schräg nach vorn über den Rücken verlaufen. Aufgrund seiner großen geografischen Verbreitung handelt es sich bei der Beschreibung um eine von Hamilton beschriebene Form, die aus Bengalen in Indien stammt.
Größe: Die größte aufgezeichnete Länge beträgt 300 mm.

Unterarten und Farbvarianten:
Der angesehene Ichthyologe von Sri Lanka, P. E. P. Deraniyagala, verwies in einem 1945 verfassten Artikel auf das bekannte Synonym Ophiocephalus kelaarti (Gunther 1861), das aus jugendlichen Exemplaren aus Sri Lanka beschrieben wurde. Dieses Taxon wird, sensu stricto, im engeren Sinne, allerdings als Vertreter der Gattung Channa, heute als gültig betrachtet. Signifikante, morphometrische Unterschiede zwischen C. kelaartii und C. gachua sind: ein etwas tieferer Körper, eine größere laterale Schuppenzahl und eine längere Schwanz- und Brustflosse. Nach Myers & Shapovalov (1931) wurde dieser Fisch zu Channa gachua kelaartii (Gunther 1861), nach Britz zu C. kelaartii.

C. gachua von Sri Lanka sensu lato, C. kelaartii sensu stricto
Die srilankische Variante hat eine unterdurchschnittliche Anzahl an Rückenflossenstrahlen und eine geringere durchschnittliche Länge zwischen 125 und 150 mm. Die Oberkörperfarbe ist braun mit W-förmigen Querbalken. Der Rand der Rückenflosse ist orange mit weißlicher Spitze, mit ein oder zwei Augenfleck-Markierungen. Die Afterflosse ist grünblau, der äußere Rand graubraun und ein orange oder roter innerer Streifen. Der äußere Rand der Schwanzflosse ist orangerot. Auf dem Kopf ist ein dunkler Seitenstreifen zu sehen, der von der Schnauze über das Auge bis zum Riemendeckel verläuft.

Es werden mehrere andere Farbvarianten aufgezeichnet:
C. gachua, chinesische Form
Der Körper ist bräunlicholiv. Die Flossen sind gelblich gespenkelt, wobei die Schwanzflosse und der Rücken winzige, weiße Flecken aufweisen.

C. gachua, bengalische Form
In Francis Hamiltons: „Bericht über die Fische der Ganges-Region und ihrer Seitenarme“ (Original siehe unter Erstbeschreibung) wird auf Seite 69 eine „bestimmte Art mit Zweifel“ beschrieben, Ophiocephalus aurantiacus, die mehrere Autoren seitdem synonmisierten. Die gesamte Körperfarbe ist orange mit einigen unregelmäßigen Flecken von rötlichem Farbton, insbesondere an den Seiten des Kopfes, des Brustkorbs und an der Schwanzflosse.

C. gachua, Thailand-Form
Fowler (1934) gibt an, dass der Rücken einen leuchtendroten Rand hat (der weiß wird, wenn er in Alkohol konserviert wird), der vordere Teil des Bauches ist grünlichweiß und der hintere violettweiß. Der Rücken ist mattgelb und braun gesprenkelt. Die Analis ist an der Basis grünlich. Smith (1945) fand jedoch eine Besonderheit in der Anzahl der Seitenlinienschuppen. Worin ein Bruch in der Linie auftrat und sie dann wieder aufgenommen wurde, erschienen mehrere unterschiedliche Zählungen, einschließlich Unterschieden in der Anzahl zwischen den beiden Seiten des Körpers eines Individuums. Diese Form wird, sensu stricto, als Channa limbata aufgefasst.
Exemplare aus Koh Chang (Golf von Siam) haben eine tiefschwarze Körperfarbe.

Varianten in der Jugendfärbung:
Der junge C. gachua von Sri Lanka (sensu stricto C. kelaartii) hat einen blassen, rotgelben Oberkörper mit einer dunkelgrauen unteren Hälfte. Ein vages orangefarbenes Seitenband verläuft von der Schnauze bis zur Schwanzwurzel. Alle Flossen sind hellgelb. Bei 23 mm zeigt der Fisch einen Occellus (manchmal zwei) mit einer orangefarbenen Aura auf der Rückseite der Rückenflosse, die er trägt, bis er zwischen 44 und 56 mm lang ist. Bei den von Shaw & Shebbeare (1937) gefundenen Jungen war dieser Ocellus nie vorhanden. Die dunkleren Querbalken sind auffälliger (verschwinden bei erwachsenen Fischen) und oft sind einige schwarze Flecken über den Körper verstreut (Weber & de Beaufort 1922).

Verbreitung: Diese erstreckt sich über ein riesiges Gebiet Südasiens, vom Iran bis nach China und bis Bali. Der Fisch kommt in allen Lebensräumen vor, von Gebirgsbächen bis zu verschmutzten Teichen und Brackwasser. Seine Winterhärte und Fähigkeit, Land bei Nässe zu überqueren, hat dazu beigetragen, dass er in der Lage ist, nahezu alle Gebiete zu bevölkern.

Pflege: Aufgrund seiner „handlichen“ Aquariengröße ist es möglich, C. gachua mit anderen Fischen ähnlicher Größe und Verhalten zu vergesellschaften. Ein Aquarium mit einer Größe von 120 x 40 x 30 cm kann ein Paar dieser Fische tragen. Es kann eine einfache Aquarieneinrichtung verwendet werden und in den meisten Fällen ist ein Filter nicht erforderlich, sofern regelmäßig Wasser gewechselt wird.
Ng & Lim (1989) bemerkten ihre Beweglichkeit an Land und ihre Fähigkeit, sich wie ein Frosch durch Hüpfen fortzubewegen und betonten die Notwendigkeit, das Aquarium sehr gut abzudecken.
Aufgrund seiner erstaunlichen Fähigkeit, belastete Biotope und sogar Gewässer mit Gezeiteneinfluss zu bewohnen, sind die Fische recht anspruchslos, auch pH-Werte sind unwichtig. Die Temperaturen sollen von durchschnittlichen Aquariennormen sein, aber Channa gachua von Sri Lanka wurde sogar aus den heißen Quellen von Kanniya, Sri Lanka, aufgezeichnet.
C. gachua ist Karnivor, mit es werden alle Arten von Krustentieren, Insekten und Fischbrut verzehrt, obwohl im Aquarium auch andere Futtersorten ergänzt werden können.

Zucht: Die Laichzeit ist zonal und hängt sehr stark von den äußeren Faktoren ab, die mit ihrer Umgebung verbunden sind. Channa gachua baut kein Nest an der Wasseroberfläche. Das Männchen schöpft ein kleines Loch im Schlamm, nicht weit vom Rand des Teichs entfernt, im seichten Wasser.
Das Balzen beginnt normalerweise am Morgen und dauert den ganzen Tag. In einem einzigen Laichakt werden zwischen 1500 und 2000 Eier gelaicht und dann in den Kehlsack des Vaters überführt. Die Eier haben eine goldgelbe Farbe und messen nach dem Anschwellen 1 bis 1,5 mm. Eine Ölkugel macht ein Viertel des Eies aus und dies treigt die Brut effektiv nach oben. Das Schlüpfen erfolgt etwa 17 Stunden später. Am 12. Tag ist bei einer Größe von 5 mm (in der Natur vielleicht 10 mm) der Dottersack verbraucht. Das Futter im 35- bis 105-mm-Stadium besteht aus kleinen Insektenlarven, Daphnien und Hüpferlingen (Mookerjee 1950).
C. gachua „mit Bauchflossen“, die von einem von uns Clark (mdl. Mitt.) aus Vijaweda, Indien, mitgebracht wurden, inkubierten die Eier ebenfalls im Maul. Nach starker Fütterung von Weißen Mückenlarven in einem Aquarium mit Wasser auf Torfbasis wurde das maulbrütende Männchen beobachtet. Nach zehn Tagen wurden 60 bis 80 june Jungfische aus dem Maul entlassen, die ungefähr 5 mm lang waren und einen Monat später eine Länge von 10 mm erreichten. Nach weiteren zwei Monaten tauchte das Paar erneut auf und produzierte diesmal eine umfangreichere Brut von 100 bis 120.

Channa gachua, Abbildung: Bleeke 1869
Channa harcourtbutleri, Inlé-See-Schlangenkopffisch

Channa harcoubutleri – Inlé-See-Schlangenkopffisch

Es handelt sich um eine Art, die circa 15 cm Länge erreicht. Sie ist sehr farbenfroh, mit ihrer geringen Größe, eignet sie sich für Aquarien ab 150 l Inhalt, besser mehr. Es handelt sich um eine ziemlich seltene und wenig bekannte Art, aber seit einiger Zeit ist sie regelmäßig bei Importeuren aus Myanmar erhältlich.
Es ist eine Zwei-Eltern-Art, bei der die Brut vom Männchen im Maul ausgetragen wird. Das Weibchen ernährt die Jungen mit Nähreiern und verteidigt das äußere Revier. Die Art ist lokal als „nga ohn-ma“ bekannt. Ihr wissenschaftlicher Name ist Sir Harcourt Butler gewidmet, welcher der Gouverneur der heimischen Region der Art war.
Es soll ein ziemlich aggressiver Channa sein, selbst wenn sich das Paar bereits gebildet hat. Gefahr besteht vor allem dann, wenn keine spezielle, gehaltvolle Nahrung zur Verfügung steht.
Sie ist am Inlé-See in Myanmar (ehemals Burma) endemisch, also in der subtropischen Zone. Es wird daher eine kühle Zeit im Winter um 18 °C und eine wärmere um 26 bis 28 °C im Sommer benötigt.
Während der Brutzeit intensivieren sich die Farben der Flossen. Das Weibchen legt mehr als hundert Eier, die das Männchen einige Tage lang im Maul inkubiert.
Sobald die Jungen ausgespuckt sind, bewacht das Männchen die Brut, während das Weibchen sterile Eier legt, um die Jungen damit zu füttern. Es bleibt während der Aufzucht in der Nähe der Brut, um ihren großen Appetit zu stillen.
Nach ungefähr zehn Tagen nach dem Entlassen aus dem Maul kommen die Jungen zum ersten Mal an die Oberfläche, um erstmals Luft zu schnappen.
Die Art ist ein sehr enger Verwandter von Channa gachua. Tatsächlich galt ihr Name lange Zeit als bloßes Synonym für C. gachua. Aber Ng, Ng & Britz konnten 1999 zeigen, dass C. harcourtbutleri eine gültige Art ist. Die beiden Arten sehen sich jedoch sehr ähnlich. C. harcourtbutleri hat einen schmaleren Kopf und (leider hängt es von der Stimmung ab und ist nicht immer eindeutig) einen dunkel gesprenkelten Hals (einfarbig bei C. gachua). Außerdem fehlt bei Jungtieren von C. harcourtbutleri eine Bauchflosse, die typisch für Jungtiere von C. gachua ist. Es gibt andere kleine Unterschiede im Muster, aber aufgrund der Änderung der Färbung sind diese extrem Abhängig von der Stimmung. Bei den meisten Schlangenkopffischen sind diese Unterschiede für Identifikationszwecke nicht von Nutzen. Es sollte auch bedacht werden, dass es mehr als wahrscheinlich ist, dass sich viele beschriebene Populationen und Arten, die gegenwärtig als C. gachua bezeichnet werden, sich in Zukunft als eigenständige Arten herausstellen werden, sodass es sehr schwierig ist, von einem Muster zu sprechen und von Färbungen, die typisch für C. gachua seien.
Channa harcourtbutleri kommt in Myanmar in höheren Lagen als C. gachua vor. Es ist daher vorzuziehen, diese Fische nicht das ganze Jahr über bei hohen tropischen Temperaturen zu halten. Was das Wasser betrifft, so sind die Fische sehr anspruchslos, aber ein sehr weiches und saures Wasser sollte vermieden werden. Die übliche Länge von C. harcourtbutleri liegt zwischen 8 und 15 cm, das größte bisher bekannte Exemplar war 18,5 cm lang.
Im September 2019 gab mir Stéphane Mauffré sechs junge Exemplare einer Schlangenkopffischart, etwa 5 bis 6 cm groß, die mir schon im Beutel zeigten, dass die Fische ziemlich aggressiv sind … Sie kamen, ungeheizt, in ein 250 l-Aquarium. Im Allgemeinen schwankt die Temperatur zwischen 18 und 22 °C, im Sommer kann sie bei heißem Wetter gelegentlich auf 24 bis 25 °C ansteigen.

Literatur
Dantec, M. 2020. Ma première expérience de maintenance avec Channa harcourtbutleri . Le Macropode N° 01/2020, 22-26.
Dantec, M. 2020. Pour en savoir un peu plus sur l’espèce. Le Macropode N° 01/2020, 26-28.
Dantec, M. 2021. Meine ersten Erfahrungen mit Channa harcourtbutleri. Um mehr über die Art zu erfahren … Der Makropose 20-23.
Ng, H. H., Ng, P. K. L. & Britz, R. 1999. Channa harcourtbutleri (Annandale, 1918): a valid species of snakehead (Perciformes: Channidae) from Myanmar. J. South Asian Nat. Hist. 4(1), 57-63 (Ref. 44371).

Channa harcourtbutleri, Inlé-See-Schlangenkopffisch,
brutpflegendes Männchen
Channa kelaartii,
s. str., siehe bei Channa gachua s. l. von Sri Lanka

Channa kelaartii

Abstract (Übersetzung): Der Zwergschlangenkopf Channa gachua (Hamilton, 1822) (Typuslokalität Bengalen) wurde aus einem weiten Bereich gemeldet, vom Iran bis Taiwan und von Nordindien bis Sri Lanka. In ihrer Publikation zeigen die Autoren anhand eines integrativen taxonomischen Ansatzes, dass der zuvor als C. gachua bezeichnete srilankische Schlangenkopffisch tatsächlich eine eigenständige Art, für die der Name C. kelaartii (Günther, 1861) verfügbar ist. Channa kelaartii ist in Bächen und Teichen im gesamten Tiefland Sri Lankas weit verbreitet und ist auch aus den östlichen Abflüssen der südlichen Halbinsel Indien erfasst. Er unterscheidet sich von allen anderen Arten der C. gachua-Artengruppe durch die Kombination der Kopfform. Anzahl der Rücken- und Analstrahlen, Anzahl der Schuppen, das Vorhandensein von Bauchflossen und die Lebendfärbung bei Erwachsenen. Ferner unterscheidet sich C. kelaartii genetisch von topotypischem C. gachua durch einen unkorrigierten paarweisen Abstand von 7,9 bis 8,8 % für das Gen der mitochondrialen Cytochrom-C-Oxidase-Untereinheit 1 (cox1).
Aus:
Sudasinghe, H., Pethiyagoda, R., Meegaskumbura, M., Maduwage, K., & Britz, R. 2020. Channa kelaartii, a valid species of dwarf snakehead from Sri Lanka and southern peninsular India (Teleostei: Channidae). Vertebrale Zoology 70(2), 157–170.

Channa lucius, Schlanker Schlangenkopffisch

Channa lucius – Schlanker (Teufels-)Schlangenkopffisch

Erstbeschreibung: Cuvier, G., & Valenciennes, A. 1831. Ophicephalus lucius Ophicephales. Histoire Naturelle Poissons VII, 416-417.

Synonyma: Ophiocephalus lucius, Ophiocephalus polylepis, Ophiocephalus bistriatus, Ophiocephalus bivittatus, Channa bistriata.

Merkmale: Der schmale Kopf, das konkave Rückenprofil und das charakteristische Körpermuster unterscheiden diese Art von allen anderen Channidae (Tweedie 1949).
Schuppenformel: D: 39-43 A: 27-30 C: 13
Verhältnis: 3.0-3.5, Ll: 58-65

Beschreibung: Die Rücken- und Afterflossen sind transparent bis hellgelb, die Schwanzflosse ist beige bis grau. Alle Flossen sind mit Reihen schwarzer und weißer Punkte gefleckt oder gestreift. Die Brustflossen sind weiß und braun.
Die Pigmentierung des Oberkörpers ist dunkel mit runden, schwarzen Flecken, meist mit hellem, metallicweißem Hof, die unregelmäßig angeordnet sind. In der Mitte sind die Markierungen mehr oder weniger blasser und verschwinden manchmal. Der Bauch ist heller und weist dunkle Streifen auf.
Auf dem Kopf sind runde, schwarze Flecken zu sehen, die im oberen Teil unregelmäßig angeordnet sind und ähnliche Flecken auf den Wangen.
Unterschiede in der Jugendfärbung: Diese Art wird in jungen Jahren aufgrund der Ähnlichkeit ihrer Markierungen häufig mit C.micropeltes verwechselt, obwohl eine genaue Prüfung der Position der durch das Auge verlaufenden Streifen die Identifizierung erleichtert:
a) Bei C. lucia verläuft das untere Band durch das Auge,
b) während C. micropeltes den oberen Streifen durch das Auge hat.
Channa lucia hat bei einer Länge von 50 mm und einen insgesamt schlichten, silbernen Körper mit zwei deutlichen, ununterbrochenen Linien, die von den Lippen entlang der Gesamtlänge des Körpers verlaufen. Der obere Streifen führt in den oberen Sektor der Schwanzwurzel, während das untere Band parallel zum ersteren, unteren Teil dieser Flosse verläuft. Alle Flossen, einschließlich der nahezu perfekt gerundeten Schwanzflosse, sind zu diesem Zeitpunkt nicht markiert.
Die Färbung des Oberkörpers ist bräunlich, wobei die Mitte jedes Flecks durch dunklere, schräge Streifen gebildet wird. Der Mittelteil ist gelblich. Ein schwarzes, seitlich unterbrochenes Band verläuft vom Auge bis zur Schwanzflossebwurzel und bildet zwei Reihen abwechselnd großer Flecken. Diese wiederum erzeugen einen leichten Zick-Zick-Bereich zwischen ihnen. Der untere Teil des Körpers hat ähnliche dunkle Streifen.
Wenn der Fisch wächst und länger als 5 cm wird, zerfallen die beiden schwarzen Streifen in separate Flecken und der Hintergrund färbt sich zum Rücken hin hellbraun oder orange. Bauchseite ist er cremeweiß und es erscheinen dunkle Flecken auf dem Bauch. Die Rücken-, After- und Schwanzflosse sind jeweils stark mit Flecken und Punkten markiert. Die Brustflossen sind mit weißen Markierungen gesprenkelt und die Bauchflossen werden dunkel gefleckt. Die Augen sind klein, der obere und untere Rand ist hell und der Mittelteil dunkel, passend zum unteren Streifen. Die Nasenröhrchen sind sehr kurz und kaum sichtbar.
Größe: Smith (1945) gibt an, dass dieser Fisch einen schlangenartigeren Kopf als andere verwandte Channa-Arten hat und eine Länge von 400 mm erreicht.

Verbreitung: Channa lucia ist aus dem indo-australischen Archipel (Weber & deBeaufort 1922), Thailand und Vietnam weithin bekannt. Es wird sogar von Funden in China berichtet, er ist aber in China nicht weit verbreitet. Weitere Informationen zu Standorten finden Sie im Folgenden, auf: Balikpan: Weber and de Beaufort (1922), Billiton: Beaufort (1939), Borneo: Bleeker (1850), Vaillant(1902), Steindachner (1901) und Hardenberg (1936), in China: Reeves (1927), Java: Vaas (1952), in Korea: Reeves (1927), auf der Malaiischen Halbinsel: Dunker (1904), Herre & Myers (1937), Johnson (1967), Tweedie (1933) & (1949), in Sarawak: Karoli (1882), Singapur: Herre and Myers (1937), in Thailand: Fowler (1934), Geisler et al. (1979) und Hora (1923), in Vietnam: Kuronuma (1961).
Durch eine Bevölkerungsumfrage zu drei verschiedenen Biotopen in Thailand fanden Geisler et al. (1979) heraus, dass C. lucia in einem Waldstrom in Lam Pi, Zentralbereich der Südhalbinsel Thailand, am produktivsten war. Dies scheint ein typischer Biotop zu sein, Obwohl ein Luftatmer, von dem auch bekannt ist, dass er im sauren, malaiischen Schwarzwasser lebt (Johnson 1967), bevorzugt er saubereres, stärker fließendes Wasser gegenüber einem Sand- oder Kiesbett. Hier hat die Wasserchemie einen pH-Wert von 6 bis 7,2, eine Gesamthärte von 0,13 bis 1,2 °dH und eine Temperatur von 26 °C. Abgesehen von den kleinen Fischen, die im Bach gefunden wurden, waren (stellenweise 40 cm Tiefe) Garnelen, Macrobrachium app., aller Größen vorhanden, die vermutlich den Hauptanteil der Nahrung der Fische ausmachen.

Pflege: Um die natürliche Umgebung dieses Schlangenkopffischs nachzubilden, wird ein größeres Aquarium ab 2 m Länge benötigt, das entweder mit einem großen internen oder externen, kräftigen Filter ausgestattet sein muss.

Channa lucius, Abbildung: Bleeker 1869
Channa lucius, Syn. Channa polylepis, Abbildung: Bleeker 1869

Channa maculatus – Gefleckter Schlangenkopffisch

Erstbeschreibung: Lacépède, B. G. E. 1803 Bostrychus maculatus. Histoire Naturelle Des Poissons. Vol. III, S. 140, 143.

Synonyma: Bostrychus maculatus, Ophiocephalus guentheri, Ophiocephalus aspilotus und Ophiocephalus taneatus.

Daten: D 43-46, A 26-30,
Verhältnis: 2,6-3,1. Ltr. 55-56.

Beschreibung: Der Körper ähnelt dem von Channa argus, aber der Kopf ist deutlich länger (Shih 1936). Die Schwanzflosse ist rund und zeigt meist einen kleinen Punkt in der Mitte. Mit etwa 40 cm Länge ist dieser Fisch ausgereift. Die Farbe des Rückens ist bräunlichschwarz, die oberen zwei Drittel sind dunkel mit etwa zehn bis 13 dunklen Flecken an der Basis der Flosse. Die Afterflosse ist bräunlich bis dunkelgrau, wird am Rand heller und ist dunkel gestreift, ebenso wie die bräunlichschwarze Schwanzflosse. Die Brustflossen sind dunkelgrau, orangefarben und entspringen an der Basis der Flosse zu einem leichten Punkt. Die Bauchflossen sind schlicht grau. Die grundlegende Oberkörperfärbung ist dunkelbraun mit doppelten, manchmal dreifachen Reihen eng beieinanderliegenden, dunklen Flecken, es sind bis zehn, manchmal silberfarben eingefasst, direkt unter der Rückenflosse. Beginnend hinter den Kiemendeckeln und mit dem Auge auf den grauweißen Mittelteil besitzen sie zehn große Flecken, die in einem Punkt enden, der mit dem hinteren Rand der Rückenflosse übereinstimmt. Weitere zwei vollständige, dunkle Bänder kreuzen den Schwanzflossenstiel. Der untere Seitenabschnitt weist eine Reihe von etwa elf Flecken auf, die etwas kleiner als die der mittlere Reihe sind. Einige der Fische haben schmale, dunkle Streifen auf der Afterflosse. Auf dem Kopf verschmelzen die oberen Flecken am Körper zu einem Band, beginnend am oberen Kiemendeckel, der sich bis zum Auge fortsetzt. Dies setzt sich auch in der mittleren Fleckenreihe fort, die vom Auge bis zur Brustbasis unregelmäßig ausgeprägt sind. Manchmal gibt es bis vier unregelmäßige Stellen auf der Oberseite des Kopfes mit einem feinen Silber-Gold-Rand. Die Augen sind klein, die äußeren Ränder grau. Die Nasenlöcherröhren sind kaum sichtbar und nicht verlängert.

Unterart: Channa maculata aspilota Erstbeschreibung: Sauvage, H. E., & Dabry de Thiersant, S. 1874. Ophicephalus aspilotus. Anmerkungen zu den poissons des eaux douces de la Chine. Ann. Sci. Nat. Paris Zool. ser. 1, Vol.6, Teil 5, S. 4.
Diagnose: Blanc (1963) stellt diesen Fisch synonym mit Channa maculata. Sofern dies berechtigt ist, sollte der Fisch zumindest zum Status einer bestimmten Variante berechtigt sein.

Verbreitung: Channa maculata ist ein in den südchinesischen Provinzen Hunnan, Fujian und Canton weit verbreiteter Fisch [einschließlich Hongkong; Reeves (1927)], wo er häufig in großer Zahl auf den Märkten verkauft wird (Nichols 1943, Herre & Myers 1931). Weiter südwestlich wurde er von der Insel Hainan (Herre 1932) und auch von Vietnam (Kuronuma 1961) aufgesammelt. Außerdem kommt der Fisch in Japan, Vietnam, sowie auf Taiwan und den Philippinen vor. Angaben zu Indien oder Sri Lanka beruhen auf Verwechslungen, in der Regel mit Channa pannaw.

Aquarienhaltung: In seinen heimischen Gewässern lebt dieser Schlangenkopf in Teichen, Seen und Gräben, die normalerweise einen Sand- oder Schlammboden aufweisen. Florian Krieger hat die Haltung und Zucht im ’Der Makropose“ ausführlich geschildert.

Channa marulia marulius, Großer Schlangenkopffisch, Jungfisch circa 10 cm lang
Channa marulia marulius, Großer Schlangenkopffisch, junger Fisch circa 18 cm lang

Die Channa marulius-Gruppe

Abstract (Übersetzung): Der taxonomische Status der großen Schlangenköpfe der Channa marulius-Gruppe, die auf Sri Lanka vorkommen, wurde von den Autoren überprüft und geklärt. Auf der Insel werden zwei Arten erkannt, die sowohl auf der morphologischen als auch auf der molekularen Differenzierung (Cytochrom-C-Oxidase-Untereinheit 1: cox1) beruhen: C. marulius Hamilton aus der nördlichen Trockenzone und C. ara Deraniyagala aus der mittleren und unteren Region des Mahaweli-Beckens.
Channa ara ist auf Sri Lanka endemisch und kann von den Kongeneren der C. marulius-Gruppe, C. marulius, C. aurolineata und C. auroflammea, durch weniger Rücken- und Afterflossenstrahlen, weniger Seitenlinienschuppen und weniger Wirbel unterschieden werden: von C. marulioides durch ein anderes erwachsenes Farbmuster und von C. pseudomarulius durch mehr Wirbel.
Am cox1-Barcode-Ort unterscheidet sich Channa ara zu mindestens 3,6 % genetisch von C. marulius und zu mindestens 8 % von den anderen beschriebenen Arten der Gruppe. Exemplare aus der südwestlichen Feuchtzone in Sri Lanka stellen einen rätselhaften dritten Bestandteil der Vielfalt der C. marulius-Gruppe dar, die in dieser Studie aufgedeckt und hier als Chana cf. ara identifiziert wurde. Während es C. marulius genetisch ähnlicher ist, vgl. C. cf. ara besitzt weniger Rücken- und Afterflossenstrahlen, weniger Seitenlinienschuppen und weniger Wirbel und ist daher morphologisch C. ara ähnlicher. Channa ara kann von C. cf. ara unterschieden werden, vgl. C. ara jedoch durch Unterschiede in der Anzahl der Schuppenzahlen, dem Farbmuster bei Erwachsenen und durch einen unkorrigierten, paarweisen, genetischen Abstand von 3,7 % in cox1-Sequenzen. Zudem wurde ein Neotypus für Ophicephalus marulius ara Deraniyagala festgelegt.
Sudasinghe, H., Adamson, E. A. S., Tharindu Ranasinghe, R. H., Meegaskumbura, M., Chiho Ikebe, C., & Britz, R. 2020. Unexpected species diversity within Sri Lanka’s snakehead fishes of the Channa marulius group (Teleostei: Channidae). Zootaxa 4747(1), doi.org/10.11646/zootaxa.4747.1.4

Channa marulius marulius. Großer Schlangenkopffisch,
junge aber erwachsene Fische circa 45 cm lang

Channa marulia marulius – Großer Augenfleck- Schlangenkopffisch

Beim Besuch einer größeren Aquaristikhandlung bei Witten vor etlichen Jahren fiel mir ein attraktiver Schlangenkopffisch auf. Der Fisch wurde dort als „Crenicichla maurulius“ bezeichnet, doch war die Art leicht von den im gleichen Aquarium gehaltenen tatsächlichen Crenicichla-Arten zu unterscheiden. Verwechslungen von Channa und Crenicichla sollen schon oft vorgekommen sein, wofür der relativ ähnliche Habitus der Fische sicher die Ursache ist.
Eine Nachbestimmung der neuerworbenen Fische erwies sich als leicht. Hamilton (1822) hat seiner Artbeschreibung auf den Seiten 65 bis 66 drei aufschlußreiche Zeichnungen beigegeben, die jede Verwechslungsmöglichkeit ausschließen. Zwar ist zur Artbeschreibung die Tafel XXII angegeben: die Abbildungen sind aber auf Tafel XVII zu finden. Da im Druck der „Gangetic Fishes“ einige Tafeln fortgelassen wurden, kam es wiederholt zu Missverständnissen oder zu fehlerhaften Nachbestimmungen. Hora (1929) klärte die meisten Irrtümer auf und ergänzte fehlende Zeichnungen. Synonyma sind: Channa marulius, Ophiocephalus aurolineatus, Ophiocephalus theophrasti, Ophicephalus marulius, Ophiocephalus marulius, Ophiocephalus grandinosus und Ophicephalus leucopunctatus (part.). Nora Brede & Pascal Antler (2009) gehen in ihrem lesenswerten Buch nur am Rande auf die großen Arten ein, aus aquaristischer Sicht ist es tatsächlich sinnvoller, die kleiderbleibenden Arten ausführlicher zu schildern. Frank Schäfer (2017) bildet in seiner Übersicht hingegen alle bis dato bekannten Schlangenkopffische ab. Trotz der einfachen Bestimmung von Channa maruiia ist in alten Auflagen des Aquarien-Atlas’ Band 2 von (Baensch & Riehl 1985) eine völlig andere Art, vermutlich Channa punctata (Bloch, 1793), abgebildet.
Entfernt ähnlich ist hingegen Channa marulioides Bleeker, 1851 aus Südostasien, aber Querbalken und Muster sind anders. Besonders charakteristisch für Channa marulia aus dem indischen Raum sind die metallisch glänzenden, schrägen Querbalken am Körper und der typische, orange gesäumte Augenfleck in der oberen Hälfte der Schwanzflosse. Bei meinen Fischen war die Schwanzflosse in typischer Weise nach oben, hinten, schräg abgeflacht. Dieses Merkmal ist in keiner mir zur Verfügung stehenden Zeichnung sichtbar und wird auch in Texten nicht erwähnt. Im großen Verbreitungsgebiet sollte das Vorkommen weiterer Varianten jedoch nicht ungewöhnlich sein. Aufgrund der leichten Identifizierbarkeit der Art gibt es auch nur wenige Synonyma (s. o.), doch wurde Channa marulia von Hamilton unter dem Gattungssynonym Ophiocephalus beschrieben. Nach Day (1889) könnten allerdings Channa leucopunctata (Sykes 1841) und Channa pseuaomarulia (Günther 1861) Unterarten von Channa marulia sein. Zumindest von Channa leucopunctata ist aber heute der Artstatus anerkannt.
Eine zweite Unterart von Sri Lanka ist Channa marulia ara Deraniyagala, 1945. Bei Vierke (1978)
ist eine Zeichnung dieser Unterart zu finden, die sich nach Deraniyagala durch eine andere Körperzeichnung und durch „nur“ 49 Rückenflossenstrahlen von der Stammform unterscheidet. Nach Hamilton (1822) besitzt Channa marulia 52 bis 54 Dorsalstrahlen, doch ist bei Vierke (1978) eine erweiterte Angabe von 45 bis 55 Strahlen zu finden, was vermutlich auf Day (1878) zurückzuführen ist: „D 45-55. P 18, V 6, A 28-36. C 14. mLR 60-70. Ltr. 17-181/2.“ Hamilton (1822) nennt: „Schuppenformel: D 45-55 A 23-36 C 15, Verhältnis: 3,1-4,0, Ltr. 56-70.“ Längenangaben sind bei den alten Autoren nicht zu finden (4 feet nach Smith 1945). Bei Vierke (1978) taucht dann die Angabe 120 cm auf. Lange konnten selbst in seltenen Fällen nur 80 cm belegt werden, doch sind heute tatsächlich solch große Einzelexemplare, bis 122 cm, aus Teichzuchten bekannt. Für die zwei seinerzeit von Thailand vorgelegten Exemplare gibt Smith (1945) nur 27 und 40 cm Totallänge an. Nach Smith soll die Art in Thailand sehr selten sein, was durch fehlende aktuelle Belege erhärtet wird. In Indien und Sri Lanka ist Channa marulia dagegen ausgesprochen häufig und ein beliebter Speisefisch, im weiteren großen Verbreitungsgebiet in Südostasien eher selten.
Nach Hamilton ist die Art in allen Gewässertypen zu finden, meidet jedoch Brackwasser, während sie nach Vierke vor allem tiefere Flüsse bewohnt.
Alle vertikalen, unpaarigen Flossen können tief- oder hellblau und mit zahlreichen weißen und goldenen Flecken verziert sein. Der abgerundete Schwanz hat jedoch an der Wurzel der Flosse auf seiner Oberseite einen schwarzen Fleck, der von einem weißgoldenen Ring umgeben ist. Die nicht markierten Brustflossen sind dunkel und groß. Die Tönung des Oberkörpers ist grün, schwarz oder meist dunkelbraun, gekennzeichnet durch dunkle, unregelmäßige Querbänder, die den Rücken kreuzen. Im Mittelteil sind vier bis sechs große, schwarze, unregelmäßige Flecken zu sehen. Der gelblichweiße untere Teil weist zahlreiche weiße Flecken auf.
Unterschiede in der Jugendfärbung: In der von Francis Hamilton beschriebenen indischen Form haben die jungen Fische die dunklen Kreuzbänder für Erwachsene, die in einem orangefarbenen Seitenstreifen vom Auge zum Schwanz enden. Der Schwanzfleck hat eine orangefarbene Aura und es gibt mehrere blasse Streifen in der Rückenflosse.
Ein junger Channa marulia ara trägt einen gelben Seitenstreifen und einen ähnlichen orangefarbenen Ocellus. Auf dem dunklen Rücken und der gelben Analis erscheinen braune Punkte und auf der dunklen Schwanzflosse befinden sich etwa fünf dunkle, vertikale Streifen. Die Flossen haben keine Farbe.

Unterarten:
Channa marulia ara (Deraniyagala, 1945), diese Form von Sri Lanka unterscheidet sich darin, dass sie unterdurchschnittliche Strahlenzahleb der Rücken- (45 bis 49) und Afterflosse (23 bis 31) aufweist. Dieser größte und seltenste Schlangenkopf auf Sri Lanka hat eine große Farbvariabilität und Deraniyagala (1929) gibt an, dass der Fisch in wenigen Minuten seinen Farbton vollständig verändern kann. Allgemeine Farbunterschiede bestehen darin, dass der obere Teil des Körpers blassoliv, der mittlere hellmessinggelb und der untere Oberkörper dunkelgelb ist. Die Flecken ähneln dem indischen Typ, obwohl ein dunkelviolettes Seitenband vom Auge bis zum Ende der Schwanzflosse verläuft. Dieses Band kann sich enorm ausdehnen, bis es den gesamten Körperbereich dominiert und den Anschein eines „anderen, schwarzen“ Fischs erweckt. Es gibt ein oder zwei violette Bänder auf der Oberseite des Kopfes. Der dunkle Augenfleck in der Schwanzflosse fehlt normalerweise bei Exemplaren, die länger als 260 mm sind.

Channa maurulia leucopunctata (Sykes, 1841), der Fisch hat einen langen, rundlichen Körper, einen flachen Kopf und eine komprimierte, ovale Schwanzflosse. Sykes (1841) berichtet, dass sich dieser Fisch in folgenden Punkten unterscheidet:

  1. Mit weniger Strahlen in der Brustflosse.
  2. Fehlen eines Augenflecks in der Schwanzflosse.
  3. Dorsalis, Analis und Caudalia sind posterior stärker verjüngt und
  4. mit zahlreichen weißen Flecken versehen.
  5. Flossenformel: D 47-53, A 28-35, C 13, P 15-17, Ltr. 59-60. Alle unpaaren, vertikalen Flossen sind dunkel und mit weißen Flecken gesprenkelt. Die Körperhintergrundfarbe ist ein rötlichbraunes Schwarz, das teilweise mit Weiß gesprenkelt ist. Im Mittelteil erstreckt sich eine schwache Längslinie vom oberen Ansatz der Brustflosse bis zum Schwanz, Länge bis 950 mm.

Verbreitung: Die Verbreitung dieses Fischs umfasst ein großes Gebiet Südostasiens von Sri Lanka über Indien und China bis nach Korea. Es gab Berichte von Sumatra und Borneo, doch ist zu vermuten, dass die fraglichen Fische der ähnlichen Art C. marulioides zuzuordnen sind.
Oberstleutnant W. H. Sykes (1841) registriert diesen Fisch aus dem Gebiet innerhalb Indiens, dem Deccan, in einer Höhe von nicht weniger als 457 m.
In Indien wurden Standorte von C. marulia marulia von Hamilton (1822), Jhingran (1982), Chattopadhyay (1975) und Shaw & Shebbeare (1937) aufgezeichnet, während Hauptautoren der Standorte von C. marulia ara in Sri Lanka sind Deraniyagala (1929) und Munroe (1955). Smith (1945) erwähnt, dass es der seltenste in Thailand gefundene „Schlangenkopffisch“ sei, während Kottelat (1985) C. marulia aus dem benachbarten Kambodscha registrierte. Er wird auch allgemein China und Korea gutgeschrieben, mit spärlichen Informationen, die von Nichols (1943) uns Reeves (1927) aufgeführt wurden.

Wasserqualität und Endgröße: Gleichzeitig soll Channa marulia gegen Wasserverschmutzung unempfindlich sein, was ich für meine Fische leider nicht bestätigen kann, denn bereits einen Tag nach dem Erwerb musste ich den Verlust eines Exempiares hinnehmen, das die Veränderung der Wasserverhältnisse (zum Positiven) leider nicht überlebt hatte. Die im Handel erhältlichen Fische waren mit etwa 10 cm Länge noch relativ klein. Ihre Jugend ist auch an den verhältnismäßig großen Augen gut erkennbar. Mit Spannung erwarte ich ihre „Endgröße“. Schließlich bestätigte es sich doch, dass es sich bei Channa marulia um die größte Schlangenkopfart handelt, wie Vierke annahm, zumindest zählt sie zu diesen Arten. Immerhin sind auch von Channa micropeltes und Channa striata Längen von über 100 cm belegbar. Ein solches Channa micropeltes-Exemplar lebte beispielsweise lange im Löbbecke-Museum und Aquazoo in Düsseldorf allerdings unter „falschem Namen“.

Färbung: Eine Farbbeschreibung der attraktiven Fische ist problematisch, da die Art stimmungs- und altersabhängig häufig ihre Färbungen und Zeichnungsmuster ändert. Eindeutige Bezüge zwischen Färbung und Stimmung der Fische konnte ich noch nicht sicher feststellen. Unterschiedliche Jugendfärbungen und Eigenheiten der Unterarten und Fundwortformen sind aufgelistet.

Pflege: Channa marulia kommt in Teichen, tiefem Süßwasser und gelegentlich in brackigen Flüssen in Indien vor, wo er als sehr wichtiger Speisefisch kultiviert wird. Hier werden die Jungfische in freier Wildbahn gefangen und in Bewässerungsbrunnen angefüttert.
Auf Sri Lanka ist er in den tieferen Flüssen und Bächen zu finden. Obwohl gesagt wird, dass er ein gutes Haustier sei, benötigt dieser Schlangenkopffisch ein sehr großes, robustes Aquarium oder idealerweise einen Teich, um unter menschlicher Obhut gehalten werden zu können. Das Wasser erfordert eine Temperatur zwischen 17 und 32 °C.
Es wurde behauptet, dass er ein kämpferischer Fisch wäre und zwei Erwachsene des gleichen Geschlechts nicht zusammengehalten werden könnten. Andererseits hielt ich vier Exemplare (zwei Paare) von Jugend an gemeinsam im 2 m-Aquarium bis zur Länge von 80 cm des größten Fischs, ohne dass es jemals zu Problemen kam.

Vermehrung: Die Laichzeit dauert auf Sri Lanka von April bis Juni. Ein geschützter, verkrauteter Fluss mit einer Tiefe von nicht mehr als 1 m wird bevorzugt. Die becherartigen Nester werden von beiden Elternteilen in der Nähe von Stängeln und Schilf sowie Wasserpflanzen etwa 0,6 m vom Flussufer entfernt angelegt. Nach dem Laichen (Temperatur 28 bis 31 °C) wechseln sich Männchen und Weibchen ab, um ihre Nachkommen eifrig zu beschützen.
Die befruchteten, orangefarbenen Eier durchmessen 2 mm und enthalten eine einzige Ölkugel, die es dem Ei ermöglicht, an der Oberfläche zu schweben. Chako und Kuriyan (1947) berichten, dass 500 goldgelbe Eier von indischen Fischen produziert werden. Diese schlüpfen nach 54 Stunden bei 17 bei 26 °C und 30 Stunden bei 28 bis 32 °C. Die Larven schlüpfen in einer Größe von 5 mm und zeigen ein schnelles Wachstum, wobei sie nach drei Wochen eine Länge von 26 mm und nach elf Wochen eine Länge von 90 mm erreichen (Deraniyagala 1929). Channa marulia ist jedoch für seinen Kannibalismus-Tendenzen bekannt, insbesondere in jungen Jahren. Jhingran (1982) bemerkte dies insbesondere bei Fischen, die in Bewässerungsbrunnen gezüchtet wurden, wo Ergebnisse von Untersuchungen zeigten, dass nur 10 % des ursprünglichen Bestands überlebten (allerdings fehlten Angaben zu den verabreichten Futtermengen).
Über die Fortpflanzung der Art ist nicht viel weiteres bekannt. Nach Vierke (1978) soll Channa marulia in der Natur auf Sri Lanka zwischen April und Juni laichen. Dabei richten beide Eltern den Nistplatz her. wobei sie Pflanzen durch Abbeißen aus dem Nestbereich entfernen. Eigentlich kann von einem Nest gar nicht die Rede sein, da die etwa 2 mm durchmessenden orangefarbenen Eier wegen ihres Ölgehalts nach dem Laichen zur Oberfläche aufsteigen und dort von den Eltern betreut und verteidigt werden. Der Schlupf der 26 mm langen Larven soll nach etwa 20 Tagen erfolgen. Nach elf Wochen können die Jungfische bereits eine Länge von 9 cm erreichen.

„Geschichten“: Über Channa marulia, den „Pia chon ngu hao“, sind in Südasien zahlreiche Fabeln verbreitet, welche die Beliebtheit dieser Fische, die mancherorts als Haustiere gepflegt werden, zeigen (nach Hamilton [1882], Day [1878] und Smith [1945]):
Diesen Schlangenkopf als gut oder schlecht zu bezeichnen, bringt allemal Unglück. Die Karen von Ta- rin in Myanmar verzehren sein vorzügliches Fleisch nicht, denn der Schlangenkopffisch könnte ia ein wegen seines sündigen Lebenswandels verwandelter Mensch sein. Auch wird derjenige, der sein Fleisch trotzdem genießt, wiederum in einen Löwen verwandelt (die ja einmal bis nach Indien verbreitet waren). Und nicht zuletzt wird dem Schlangenkopffischbiss die Giftigkeit eines Kobrabisses nachgesagt!
Über den Wahrheitsgehalt dieser Erzählungen möge sich jeder sein eigenes Urteil bilden: ich jedenfalls werde in Zukunft einen vorbildlichen Lebenswandel führen, um meinen Fischen nicht eines Tages im Aquarium Gesellschaft leisten zu müssen.

Literatur (Auswahl)
Baensch. H. A., & Riehl, R. 19851. Aquarien-Atlas, Band 2. Melle.
Brede, N., & Antler, P. 2009. Schlangenkopf-Fische. Die Gattungen Channa und Parachanna. Natur und Tier-Verlag, Münster, 1-62.
Day, F. 1878. The Fishes of India, Vol. 1 & 2. London.
Deraniyagaia. P. E. P. 1945. A new Subspecies among some Ophicepnalids ot Ceylon and India. Spolia Zeylanica 24, pari 2.
Dietel, A. 1987. Channa obscura und seine Verwandten. Aquarien Terrarien 34(10), 335-337.
Hamilton, F. 1822. An Account of the Fisches found in the River Ganges and its Branches. Edinburgh.
Hora, S. L. 1929. An Aid to the Study of Hamilton-Buchanan’s „Gangetrc Fishes“. Memoirs of the Indian Museum 9(4), 169-192.
Schäfer, F. 2017. Schlangenkopffische – alle Arten. AqualogNews Bookazine 3, 24-99.
Schmidt, J. 1989. Channa marulia marulia, der Augenfleck-Schlangenkopf. DATZ 42(2), 72-73.
Smith, H. M. 1945. The Fresn-Water Fishes of Siam or Tnailand. Washington.
Vierke, J. 1978. Labyrinthfische und verwandte Arten. Wuppertal-Elberfeld.

Channa marulius marulius, Großer Schlangenkopffisch, 3 Abb.: Hamilton 1822

Channa auroflammea

Abstract (Übersetzung): Channa auroflammea ist eine neue Süßwasserfischart der C. marulius-Gruppe aus dem Mekong-System. Sie wurde bisher als C. marulius eingestuft, C. cf. marulius oder C. aff. marulius. Channa auroflammea unterscheidet sich leicht von C. marulius und anderen Mitgliedern der C. marulius-Gruppe durch ein anderes Farbmuster sowie eine DNA-Barcode-Sequenz, die mindestens 6,5 % von anderen Mitgliedern der Gruppe abweicht. Ein Vergleich der Anzahl der Wirbel, Rückenflossenstrahlen und Seitenlinienschuppen zeigt, dass diese Anzahl im Mekong-C. auroflammea niedriger ist als bei C. aurolineata aus Salween und Irrawaddy-Chindwin, höher als in der C. marulius-Gruppe und den Arten C. pseudomarulius und C. marulioides, aber ähnlich wie bei C. marulius.
Channa auroflammea ist aus dem Mekong und den Nebenflüssen in Laos und Kambodscha bekannt und bildet dort einen regelmäßigen Bestandteil der Wildfischfänge aus den Flüssen Tonle San und Tonle Srepok. Literaturaufzeichnungen von Channa marulius aus China scheinen auf Verwechslungen zu beruhen, die auf Cuviers Beschreibung von Ophiocephalus grandinosus zurückgehen. Aus:
Adamson, E. A. S., Britz, R., & Lieng, S. 2019. Channa auroflammea, a new species of snakehead fish of the Marulius group from the Mekong River in Laos and Cambodia (Teleostei: Channidae). Zootaxa, 4571: 398-408.

Channa marulioides
Channa marulioides, Abbildung: Bleeker 1869

Channa: marulioides

Erstbeschreibung: Bleeker, P. 1851 Ophiocephalus marulioides. Vijfde bijdr. ichth. Borneo. Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch Indie II, p. 424.

Synonym: Ophiocephalus marulioides.

Flossenformel: D: 45-47 A: 30-31 C: 14
Verhältnis: 3.1-3.5, Ll: 55-58

Beschreibung: Alle Flossen sind braunlbläuich, aber der Rücken hat keine Bänder oder Markierungen. Die Schwanzflosse trägt im oberen Teil ihrer Basis einen schwarzen, weißringigen Ocellus. Die dunkelbraune Körperfärbung zeigt manchmal im mittleren, unteren Bereich sechs schwarze Balken, die zur Afterflosse hin nach unten geneigt sind.

Unterschiede in der Jugendfärbung: Bei 10 cm Länge ist der Fisch im Rückenbereich braun und zurBauchregion hin heller. Ein goldener Streifen verläuft von der Oberlippe des Kiefers durch das Auge und entlang der Flanken, bis er etwa bei ein Drittel der Körperlänge nach unten die Schwanzflosse erreicht. Ein breiteres, schwarzes Band verläuft neben und unter dem Goldstreifen. Diese beiden Farben verblassen nach einem kurzen Stück in der Schwanzflosse.
Vier oder fünf schwache, schwarze Flecken beginnen am Kopf und setzen sich auf der Rückseite über dem Goldstreifen fort. Sechs schwarze Balken neigen sich vom schwarzen Band nach unten zur Afterflosse. Der erste endet direkt vor der Afterflosse. Die Flossen sind transparent und die Schwanzflosse löffelförmig.
Größe: Erreicht eine Länge von 270 mm.

Unterarten: Drei Hauptunterschiede trennen C. marulioides und C. melanopterus von C. marulia (Smith 1945):

  1. Die Variabilität großer dunkler Flecken am Körper.
  2. Die Anzahl der Schuppenreihen zwischen Auge und Vorkern.
  3. Ob die Zähne groß oder klein sind.

Die folgende Tabelle vergleicht Details der ähnlichen C. marulioides, C. maruliua und C. melanopterus:
C. marulioides C. marulius C. melanoptera

  1. Flecken an der Seite. nein ja variabel
  2. Skalen 5 10 5
  3. Zähne klein groß klein

Im Lichte der Diskussion ergibt sich: C. melanopterus ist ein Synonym von C. marulioides und es wird vorläufig postuliert, dass C. marulioides eng mit C. marulia verwandt ist, obwohl die Arten geografisch getrennt sind.

Verbreitung: Dieser Fisch ist auf das Gebiet der Malaiischen Halbinsel und des indo-australischen Archipels beschränkt. Bestimmte Standorte: Malaiischen Halbinsel: Herre & Myers (1937), Tweedie (1949) und Borneo: Bleeker (1879).

Haltung und Pflege: Siehe bei Channa marulia.

Channa micropeltes, adult, circa 50 cm Länge, Roter Schlangenkopffisch
Channa micropeltes, juvenil, circa 15 cm Länge, Roter Schlangenkopffisch,
Abbildung: Bleeker 1869

Channa micropeltes – Roter Schlangenkopffisch

Erstbeschreibung: Cuvier, G. & Valenciennes, A. 1831 Ophiocephalus micropeltes Ophicephales. Histoire Naturelle Poissons VVII, 427.

Synonyma: Ophiocephalus micropeltes, Ophiocephalus bivittatus, Ophiocephalus diplogramme, Ophiocephalus serpentinus, Ophiocephalus stevensii, Ophiocephalus studeri.

Schuppenformel: D: 42-47 A: 25-28
Verhältnis: 2.6-2.8, Ll: 82-110
Beschreibung: Die dunkel getönte Rückenflosse ist stark mit unregelmäßigen, schwarzen Längsbändern oder Flecken markiert, während die sporadisch cremeweiße Afterflosse ein schwarzes Längsband mit weiteren schwachen Markierungen aufweist. Der leicht dreieckig wirkende und fächerförmige Schwanzflosse ist dunkel mit leichten Markierungen im oberen Teil. Die Brustflossen sind gleichmäßig dunkelgrau, die Bauchflossen sind weiß oder cremefarben.
Auf dem Oberkörper befinden sich acht bis zwölf (Tweedie 1949: 15 bis 20) schmale, bläulichgrüne, unregelmäßige, vertikale Balken, welche die von einem messingblaugrünen Schimmer überlagerte Seitenlinie kreuzen. Der grünlichgraue Mittelteil umfasst einen Bereich um die Kiemendeckel, der türkis getönt ist. Es gibt große, durchgehende Bereiche mit schwarzen Flecken und hellgrau gefleckten Markierungen. Der untere Bereich bis zum Bauch ist normalerweise hellgrau.

Unterschiede in der Jugendfärbung: Die hellen Markierungen und vor allem der trage Längsstreifen dieses regelmäßig importierten Jungfischs könnten den unerfahrenen Aquarianer dazu verleiten, diesen Schlangenkopffisch für das Gemeinschaftsaquarium zu kaufen – mit schlimmen Folgen!
Die jugendliche Körperfarbe ist oberseits graugrün und unten ist der Bauch cremeweiß. Es gibt zwei schwarze, parallele Längsbänder. Das obere verläuft von der Schnauze durch das Auge bis zur Schwanzflossenwurzel, während das andere direkt über dem Mundwinkel beginnt und durch die Brustflossenbasis bis auf die Schwanzflosse verläuft. Der Zwischenraum zwischen diesen Bändern ist orange bis ziegelrot gefärbt, was mit zunehmendem Alter hellrosa wird (150 bis 300 mm Länge). Die Rücken- und Afterflosse sind in diesem Alter nicht markiert (Weber & de Beaufort 1922) und transparent. Von Malaysia beschreibt Tweedie (1949) mehrere Stadien der Farbphasen in Channa micropeltes und zeigt den roten Zwischenraum bei einer Größe von 150 mm (das mittlere Jugendstadium) bis etwa 280 mm. Danach brechen die Balken auf. die Zwischenräume werden fleckig grünlich bis schwarz und schließlich zum Erwachsenenmuster (400 bis 600 mm).
Größe: bis 1000 mm Länge.

Verbreitung: Die Verbreitung dieser bekannten Art umfasst Indien, Myanmar, Thailand, Vietnam, das Malaiische Archipel und die Inseln des indo-australischen Archipels.

Pflege: In Thailand wird er als Speisefisch hoch eingestuft und lebend in Wasserwannen auf den Markt gebracht. Wenn der Fisch lebend verkauft wird, wird er sofort betäubt und enthauptet. Als Raubfisch gilt er als nahezu unersättliche Kreatur, deren Lebensraum hauptsächlich große Flüsse oder Seen sind. Angesichts der oben genannten Umstände sind die Wasserbedingungen nicht kritisch, obwohl eine Temperatur zwischen 24 und 28 °C erforderlich ist. Auch für die West-Borneo-Region listet Vaas (1952) dieses große Raubtier auf, der Fische aller Größen, Garnelen, Krebse und Krabben als Nahrung bevorzugt.

Zucht: Der Fisch ist sehr aggressiv gegenüber anderen Fischen, insbesondere beim Schutz seiner Eier und es ist bekannt (wie bei anderen Channa-Arten), dass er zu diesem Zeitpunkt sogar Menschen angreift (Tweedie 1949).

Channa orientalis, Sri-Lanka-Schlangenkopffisch, Mämmchen

Channa orientalis

Abstract (Übersetzung): Als Typusart der Gattung Channa ist die Identität des bauchflossenlosen Schlangenkopffischs Channa orientalis Bloch für die Systematik der Channiformes wichtig. Obwohl dieser Name seit 160 Jahren mit einer srilankischen Art verbunden ist, hat seine vage spezifizierte Typuslokalität „India Orientali“ seit langem Zweifel an ihrer Herkunft aufkommen lassen. In ihrer Arbeit zeigen die Autoren anhand einer Sammlung über das gesamte Verbreitungsgebiet der Insel und der Analyse des Barcode-Gens der Cytochrom-C-Oxidase-Untereinheit 1 (cox1), dass dieser Channa ohne Beckenflosse auf Sri Lanka aus zwei geografisch diskreten Linien besteht, die durch ein unkorrigiertes, paarweises cox1-Gen getrennt sind: genetischer Abstand 6,9 bis 8,1 %. Der genetische Mindestabstand zwischen diesen beiden Linien und anderen Arten der C. gachua-Gruppe beträgt 5,1 %. Trotz ihrer genetischen Divergenz weisen die beiden Linien eine bemerkenswerte morphologische Ähnlichkeit auf: Sie sind in der äußeren Morphologie nicht voneinander zu unterscheiden. Die Autoren argumentieren, dass die Typuslokalität von C. orientalis im Südwesten Sri Lankas liegt, in dem die Art endemisch ist.
Channa orientalis unterscheidet sich von anderen Channa-Arten durch das Fehlen von Bauchflossen, die Lebendfärbung der Erwachsenen, die Anzahlen der Rücken- und Afterflossenstrahlen, die Anzahl der Wirbel und die Anzahl der Schuppen.
Sudasinghe, H., Ranasinghe, R. H. T., Pethiyagoda, R. Meegaskumbara, M. & Britz, R. 2020. Genetic diversity and morphological stasis in the Ceylon Snakehead, Channa orientalis (Teleostei: Channidae). Ichthyological Research, 1-14, doi.org/10.1007/s10228-020-00768-0

Channa orientalis, unten, Abbildung: Bloch & Schneider 1801

Channa orientalis – Orient-Schlangenkopffisch

Erstbeschreibung: Bloch, M. E., & Schneider, J. G. 1801. Channa orientalis. Systema Ichthyologiae, Berlin, S. 496.

Synonyma: Deraniyagala (1929) gibt an, „dieser Fisch (C. orientalis) ist in der Farbe fast identisch mit O. gachua (später C. gachua kelaarti)“, zögert jedoch, die beiden Fische zu synonmisieren.
Myers & Shapalov (1931) machen in ihrer hervorragenden Neuklassifizierung der Channidae auf die großen Ähnlichkeiten der beiden Arten und insbesondere auf die Beziehung zwischen Form, Farbe und dem Fehlen oder Vorhandensein von Bauchflossen aufmerksam. Zum Abschluss ihrer Diskussion wurden die Fische jedoch als verschiedene Arten und im Fall von C. orientalis als Genotypus von Channa aufgeführt.

Flossenformel: D: 31-34 A: 20-22 P: 13-15 Höhen-/Längenverhältnis: 2,8-3,5 Ll: 36-42
Beschreibung: Die Färbung der Rückenflosse ist hellolivbraun und zeigt in der Mitte ein blaugrünes Band. Der äußere Rand ist orange bis gelb und die Spitzen der Strahlen sind hell und die Körperbänder kreuzen sich im letzten Teil. Die bläulichgrüne Afterflosse hat ein dunkeloliv- oder schieferfarbenes Längsband am Außenrand und wird ebenfalls von Körperbändern gekreuzt. Der runde Schwanz ist hellgelb gesäumt mit sieben dunklen Längsstreifen (die manchmal hellblau sein können). Die orangefarbenen Brustflossen haben vier bis sieben Querstreifen.
Auf dem Hintergrund des braunen Zimtoberkörpers befinden sich zehn bis 13 dunkle Balken auf dem Rücken. Der mittlere, untere Teil bis zum Bauch ist olivbraun, die Bauch- und Kehlfärbung ist bläulichgrün. Es gibt auch dunkle, w-förmige Querbänder in den Flanken.
Der Kopf trägt eine dunkle Seitenlinie von der Schnauze über das Auge bis zum Riemendeckel. Mehrere andere Linien kreuzen die Oberseite des Kopfes. Gelegentlich schmückt eine Reihe winziger, schwarzer Flecken die Seiten.

Anmerkung: Myers & Shapovalov (1931) diskutierten in ihrer grundlegenden, taxonomischen Neuklassifizierung ausführlich die Unterschiede zwischen Ophicephalus und Channa und lehnten erstere als generisches Taxon ab. Dies beruhte auf einem Vergleich von O. gachua (mit Bauchflossen) und C. orientalis (ohne Bauchflossen) durch eine detaillierte Analyse der folgenden Punkte:
1) Die Gattungen Ophicephalus und Channa waren zuvor durch das einzige Merkmal der vorhandenen oder fehlenden phylorischen oder coecalen Anhänge getrennt worden.
2) Hora (1921) und Deraniyagala (1929) stellten fest, dass die phylorischen Caeca sowohl in O. gachua als auch in C. orientalis vorhanden waren.
3) Deraniyagala (1929) gibt an, dass die srilankischen Arten O. gachua (später Channa gachua) und C. orientalis hinsichtlich des wichtigen Charakters von Kopfschildmustern (Schuppenmustern) auf dem Kopf nahezu identisch waren.
4) Deraniyagala (1929) gab auch eine detaillierte Beschreibung der beiden Arten und fand keine signifikanten Unterschiede (abgesehen vom Merkmal der Bauchflossen).
5) Die Brustflossen und die Gesamtfärbungen beider Species sind ähnlich.
6) O. gachua und C. orientalis können im gleichen Biotop gefunden werden.
7) Quoting Day (1878-1888) schrieb: „Ss ist in Indien nicht ungewöhnlich, Exemplare von Ophicephalus gachua mit einem Mangel an Bauchflosse zu finden, aber ich habe nicht beobachtet, dass beide fehlen“.
8) Ein Exemplar von O. gachua ohne beide Bauchflossen wurde von Leo Shapovalov auf der Insel Formosa gefangen.
Die Autoren (Myers & Shapovalov 1931) bekräftigten nach den strengen Regeln der Zoologischen Nomenklatur (Vereinigung der beiden Gattungen und einschließlich der afrikanischen Arten), dass Ophicephalus in die einzige Gattung Channa aufgenommen wird. Als sie zu dem Schluss kamen, dass C. orientalis als eine „Reihe anomaler Exemplare“ angesehen werden kann, zögerten sie seltsamerweise nach einer ausgezeichneten Diskussion auf der Grundlage der Artenverschmelzung (wie Deraniyagala 1929), die Fische separat aufzulisten als C. orientalis und C. gachua.
Die Unterschiede zwischen C. orientalis und C. gachua sind jedoch folgende:
1) C. orientalis ist auf Sri Lanka (ehemals Ceylon) endemisch.
2) C. gachua erreicht eine größere Länge als C. orientalis.
3) C. orientalis besitzt niemals Bauchflossen, während C. gachua im Allgemeinen Bauchflossen besitzt.
4) Das Brutverhalten von C. orientalis besteht darin, ihre Eier im Maul auszubrüten, während C. gachua, sensu lato, maulbrütet, ein Nest baut oder die Eier verstreut.
5) Im Allgemeinen ist C. orientalis die farbigere Art.
6) Das C. orientalis-Weibchen verfüttert Nähreier an die Jungen.

Unterschiede bei Jungfischen in der Färbung: Die jungen Fische haben eine Grundfarbe von blassrot bis -gelb, bedeckt von einem mäandrierenden, seitlichen Orangenstreifen von der Schnauze bis zur Schwanzflosse. Es gibt ein ähnliches Kopfband und die Streifen sind bei einer Größe von 50 mm am deutlichsten. Manchmal ist in der zweiten Hälfte der Rückenflosse ein Augenfleck (gelegentlich auch mehrere) bei Jungtieren mit einer Länge von 25 bis 53 mm zu sehen (Deraniyagala 1929).
Größe: Maximalen Länge bis 150 mm.

Verbreitung: Sowohl Deraniyagala (1929) als auch Munroe (1955) führen diesen Fisch als auf Sri Lanka endemisch auf.

Pflege: In seinem natürlichen Lebensraum befindet sich der Fisch in sauberen Süßwasserbecken in den Verläufen von Bächen. C. orientalis wurde auf Sri Lanka von Bachmann, Ettrich, Roth und Vierke (1986) gefunden. Das Wasser hatte einen Wert von 6,3 pH bei einer Temperatur von 24 °C. Er wird am besten in einem Aquarium mit gefiltertem Wasser gehalten, da diese Art nicht so robust zu sein scheint wie die eng verwandte C. gachua. Wenn mehrere erwachsene Fische gehalten werden sollen, muss ein großes Aquarium bereitgestellt werden, da sie gelegentlich streiten und sich schwere Verletzungen zufügen oder sogar Todesfälle verursachen. Sie können sehr gut aus dem Wasser springen, daher ist eine dicht schließender Abdeckung erforderlich. Im Aquarium können sie darauf trainiert werden, Tierherzen, Würmer und Ersatzfutter aufzunehmen.

Zucht: Roth (1985) konditionierte sein Paar C. orientalis zuerst auf Tierherz und dann auf kleine, lebende Fische. Letzteres ist jedoch unnötig, da C. orientalis kein Fischfresser ist. Ettrich hielt sie sogar gemeinsam mit Malpulutta kretseri, ohne Verluste zu verzeichnen. Mit jedem Tag wurden die gut ernährten Fische bunter. Ein schönes Stahlblau ersetzte die gelbbraune Körperfarbe. Die Farben der Ränder in den Flossen wurden intensiver.
In der Ecke des Aquariums wurde eine große Kiesfläche entfernt. Nach dem Laichen mit Umschlingung war der Kehlsack des Männchens aufgebläht und etwa zehn Tage später tauchten 80 bis 100 Jungfische mit einer Länge von ungefähr 3 mm aus dem Mund auf. Sie suchten nach den Algen an der Seite des Aquariums, wurden von der Mutter mit Laich ernährt und hatten sich in zwei Wochen in der Länge verdoppelt. Der Vater bewachte die Jungen noch im Alter von acht Wochen.
Wie dargestellt, besteht ein weiterer Unterschied zwischen dieser Art und dem eng verwandten C. gachua, sensu lato, im Brutverhalten: C. orientalis inkubiert seine Eier im Maul, während einige Aufzeichnungen darauf hinweisen, dass die Brut von C. gachua in Indien in einem wässrigen Nest aufgezogen wird (Mookerjee et al. 1950). Letztere „Art“ wird heute allerdings in zahlreiche Arten aufgeteilt, sodass unterschiedliche Brutpflegeverhaltensweisen zu erwarten sind.
Ettrich (1982, 1989) gab an, dass C. orientalis neun bis zehn Tage lang Eier trug und 40 Junge produzierte, während C. „gachua“ von Sri Lanka die Eier nur drei bis vier Tage lang trug und bis 200 Junge produzierte. Die Eier schwammen und wurden vom Vater ins Maul genommen. Das C. orientalis-Weibchen gab jedoch schwebende Eier ab, die von den Jungfischen gefressen wurden. Unterschiede im Verhalten der Brut wurden ebenfalls festgestellt.Der Unterschied in der Eizahl ist aber möglicherweise auf das Alter und eine unterschiedliche Erfahrung der Eltern zurückzuführen.

Channa orientalis, Sri-Lanka-Schlangenkopffisch, Weibchen
Channa pleurophthalma, Augenfleck-Schlangenkopffisch

Channa pleurophthalma – Augenfleck-Schlangenkopffisch

Erstbeschreibung: Bleeker, P. 1850 Ophicephalus pleurophthalmus. Specierum Diagnosticae, Osphromenoidei. Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch Indie, Vol. I, S. 270.

Synonyma: Ophicephalus pleuropthalmus, Ophiocephalus pleuropthalmus, Ophicephalus spiritalis, Ophiocephalus pleurophthalmus

Schuppenformel: D: 40-43 A: 28-31 C: 14
Verhältnis: 2,8-3,0, Ll: 50-58

Beschreibung: Die transparenten Flossen zeigen undeutliche, helle und dunkle Querbalken. Die Oberkörperfarbe ist bräunlich bis blau. Der Mittelteil ist graubraun mit vier bis sechs schwarzen Ocelli (Augenflecken, dunkle Punkte, umgeben von einem gelblichen Ring) seitlich entlang des Körpers. Der erste Ocellus befindet sich teilweise am Kiemendeckel, der zweite (der manchmal fehlt) über dem Anus und die nachfolgenden Flecken sind ungefähr gleich weit voneinander entfernt, die längste Spanne liegt zwischen den Occeli 5 und 6. Das Färbung des unteren Körperbereichs ist meist gelblichweiß.
Der Körperquerschnitt des vorderen Bereichs dieses Fischs ist tiefer als breit, was ungewöhnlich ist, da die meisten Schlangenköpffische hier gerundet sind. Auf dem Kopf verlaufen zwei dunkle, parallele Bänder vom Auge schräg nach unten.
Unterschiede in der Jugendfärbung: Bei 150 mm Länge ist die Farbe der Flanken und des Oberkörpers hellgrün. Der Unterkörper und der Bauch sind hellgelb. Die typischen Ocelli sind an den Flanken bereits zu sehen. Die Seiten des Körpers sind hellbraun gefärbt (Weber & de Beaufort 1922).
Größe: Wächst auf eine Länge von über 400 mm heran (Channa pleurophthalma var. spiritalis = 280 mm).

Unterart oder Variante:
Channa pleurophthalma var. spiritalis
Erstbeschreibung: Fowler, H. W. 1904 als Ophicephalus spiritalis. Eine Sammlung der Fische von Sumatra. Journal Academy Naturwissenschaften Philadelphia, Vol. 12, S. 530-531 & Plate IX.
Flossen- und Schuppenformeln: D: 39 A: 28 P: 17 V: vorhanden, Verhältnis: 3,0, Ll: 55
Beschreibung: Alle Flossen haben eine dunkle Pigmentierung. Der Rücken und der Analbereich weisen vorn schräge, horizontale, schwärzliche Linien auf, die mehr oder weniger parallel zur Schwanzflosse verlaufen. Auf dem Schwanz befindet sich ein fleckiges, undeutliches schwärzliches Muster. Die Brustflossen haben vier bis fünf schwärzliche, vertikale Querbalken.
Die Hintergrundfarbe des Oberkörpers erscheint dunkel oder schwarz, während der Mittelteil mehr oder weniger braun und schwarzbraun gefleckt ist. Der weißliche oder braune untere Teil weist einen blassen Streifen auf, der vom Riemendeckel ausgeht und darunter befinden sich vier bis fünf große, schwärzliche Flecken. Ein dunkler Streifen kreuzt sich schräg vom Auge zum Riemendeckel, während ein ähnlicher vom unteren Augenrand aus zu sehen ist. Der Riemendeckel trägt auch einen dunklen Fleck.

Diskussion: Fowler fasste die Beziehung dieser Channa-Art mit anderen, verwandten Arten zusammen und erkannte die Ähnlichkeiten in den Markierungen von C. spiratis mit C. lucia und C.pleurophthalma. Etwa 18 Jahre später verwiesen Weber & de Beaufort (1922) auf die Möglichkeit einer Hybridisierung zwischen C. lucia und C.pleurophthalma (obwohl auf diesem Gebiet bis heute nur sehr wenig Forschungsarbeit geleistet wurde). Sie entschieden jedoch schließlich aufgrund der niedrigeren Schuppenzahl von C. spiritalis (3 Schuppen weniger als der Längsparameter von C. lucia), sodass es sich um ein Synonym von C. pleurophthalma handeln sollte.

Verbreitung: Dieser sehr attraktive und leicht zu identifizierende Schlangenkopffisch ist auf folgenden großen Inseln zu finden:
Borneo: Wo Hardenberg (1936) behauptet, es sei ein gewöhnlicher Fisch, Bleeker (1879), Vaas (1952), Vaillant (1902), Weber & deBeaufort (1922).
Sumatra: Vaas et al. (1953), Bleeker (1879), Weber & de Beaufort (1922).
Fowler (1904) beschreibt Channa pleurophthalma var. spiritalis aus Padang auf Sumatra, wo sowohl C. lucia als auch C. pleurophthalma gefangen werden können (Weber & de Beaufort 1922).

Pflege: C. pleurophthalma bewohnen die Seen und Flüsse im Westen Borneos und zahlreiche Gewässer auf Sumatra (siehe bei C. bankanensis). Nach Angaben einheimischer Fischer sollen sie Fische aller Größen, Garnelen, Krebse, Krabben und Insekten verzehren, Bleeker (1879); Weber & de Beaufort (1922).

Channa pleurophthalma, Augenfleck-Schlangenkopffisch, Abb.: P. Bleeker 1869
Channa punctata, Gepunkteter Schlangenkopffisch, Abb.: Bleeker 1869

Channa punctata – Gepunkteter Schlangenkopffisch

Erstbeschreibung: Bloch, M. E. 1793 Ophicephalus punctatus. Naturgeschichte ausländischer Fische 7, S. 139.

Synonyma: Ophicephalus punctatus, Ophiocephalus punctatus, Ophiocephalus affinis, Ophiocephalus indicus, Ophiocephalus lata, Ophiocephalus karrouvei, Ophiocephalus karruwey.

Flossenformel: D: 29-32 A: 20-23 C: 12-14
Verhältnis: 2,9-3,0, Ll: 34-40

Beschreibung: Diese Beschreibung aus Deraniyagala (1929) gilt für die Form von Sri Lanka. Die unpaaren oberen und unteren Flossen haben eine dunkelhellgelbe bis olivgrüne Farbe mit einem hellgoldenen Rand (auch die Caudalia) und eine glänzende, grüngoldene Auflage. Die Markierungen auf dem Rücken sind vier bis fünf Längsreihen von Punkten; Die untere Reihe ist die größte. Seitlich an der Afterflosse (unten) befinden sich drei bis vier Fleckenreihen. Das hellgelbe bis dunkelolivgrüne, abgerundete Caudalis trägt jeweils vier bis fünf dunkle Querbänder mit einem helloliven Querband. Die runde Schwanzflosse ist ebenfalls zu sehen. Auf den Brustflossen sind fünf Querbänder angeordnet.
Am Körper bestehen die Markierungen im oberen, olivgrünen und seitlichen, grünlichgelben Bereich aus einer gut definierten schwarzen Schultermarkierung über der Brustflosse und sechs bis sieben dunklen, dreieckigen Querbändern, die von der Basis der Rückenflosse zur Seitenlinie abfallen . Gelegentlich von Glanzschuppen überlagert, gibt es zahlreiche, winzige, schwarze Flecken. Die Grundfärbung von Weiß und Hellgrün mischt sich bauchseits zu Gelb, wo zehn dunkle Streifenauffallen.
Der Mundboden ist manchmal, bläulichgrün. Auf dem Kopf verläuft ein gut definierter, brauner Streifen von der Mitte des Auges bis zur oberen Ecke des Riemendeckels, ein anderer verläuft vom Auge bis zum Mundwinkel nach unten und erstreckt sich ebenfalls bis zum Operculum. Hier können auch zwei bis drei Fleckenpaare und drei bis vier Punkte angezeigt sein.

Unterschiede in der Jugendfärbung: Auf Sri Lanka haben die Jungfische einen schokoladenfarbenen Körper mit drei gelben Streifen, die ventral heller sind. Es gibt auch einen goldenen Seitenstreifen von der Schnauze durch das Auge bis zur Mitte der Schwanzflosse. Bei 13 mm Länge erscheinen schwarze Körperschuppen zusammen mit drei dunklen Streifen auf der Schwanzflosse. Die Erwachsenenfärbung erreichen sie ab eine Länge von 70 mm (Deraniyagala 1929).
In Indien bezieht sich Banjeri (1974), der 20 Tage alte Brut beobachtete, auf die charakteristischen, schillernden, zitronengelben und stumpf wirkenden Längsfleckenbänder. Bei 150 mm sind die Fische auf der Oberseite dunkelbraun und zeigen unten eine hellere, cremfarbene Farbe. Flecken und Punkte bedecken den Fisch, überall von einer glänzenden grün goldenen Auflage überlagert.
Länge: bis 350 mm.

Varianten:
C. punctata-Form A:
Diese Variante wurde erstmals von Dhar & Chatterjee (1984, 1986) nach einer dreijährigen Studie dokumentiert. Eine Chromosomenzahl von 34 wurde aufgezeichnet und ihr geografischer Standort war die Gauhati North Bank, in Assam in Indien. Exemplare der gleichen Form A wurden aus dem Fluss Yamuna in Delhi in Indien wurde auch von Nayyar (1966) festgestellt.

C. punctata-Form B:
Diese Variente besitzt 32 Chromosomen. Sie scheint eine größere Streuung zu haben, obwohl weitere Forschung erforderlich ist, um ein umfassenderes Muster der geografischen Verteilung zu erhalten. Sie ist bekannt aus Gauhati South Bank, Silchar, Shillong (Dhar & Chatterjee 1984, 1986) und Kalyani, Westbengalen (Manna & Prashad 1974).

C.punctataForm aus Bengalen:
Shaw & Shebbeare (1937) beschreiben einen bräunlicheren Fisch mit zwölf Strahlen in der Schwanzflosse. Im Gegensatz zu anderen Formen ist die Brustflosse nicht gefleckt oder gestreift und weist eine überdurchschnittlich hohe laterale Schuppenzahl auf (37-40).

Verbreitung: Dieser Fisch ist in ganz Indien, Pakistan, Bangladesh, auf Sri Lanka und in Myanmar verbreitet. Meldungen außerhalb dieses Gebiets müssen mit Vorsicht aufgenommen oder auf menschliche Eingriffe zurückgeführt werden.

Pflege: Von Indien behaupten Qayyum & Qasim (1962), dass es einer der häufigsten Süßwasserfische in diesem Land sei und in Teichen und Flüssen lebt.
Sie sind auch in künstlich angelegten Teichen (Chaunan 1947) zu finden, die künstliche, mehr oder weniger quadratische Wasserbehälter (von einer halben bis 10 ha Fläche) mit hohen Böschungen darstellen. Diese werden von den Einheimischen zum Baden, Waschen und auch für Trinkwasser verwendet.
Der Fisch wird von den Menschen auf Sri Lanka als zweitwichtigster Speisefisch bezeichnet und kann auf den meisten Märkten im Verkauf gesehen werden. Sein Lebensraum umfasst Teiche und große Wasserbehälter im Flachland, aber selten im fließenden Wasser.
Obwohl dies ein mittelgroßer Schlangenkopffisch ist und er sogar unter ungünstigen Bedingungen überleben kann, bevorzugt C.punctata gefiltertes Wasser, jedoch ohne viel Wasserbewegung. Wassertemperatur und pH-Wert können von üblichen Aquarienbedingungen sein.
Futterfische wie kleine Barben werden in Indien als Lebendfutter verwendet (Jhingran 1982), aber diese können im Aquarium durch Tierherzen, Würmer und Insektenlarven ergänzt werden.

Zucht: Geschlechtsunterschiede wurden von Jhingran (1982) erwähnt, von dem festgestellt wurde, dass das Männchen schwarze Flecken auf seinem gelben Unterbauch hat. Die Weibchen können durch die diffusen, schwarzen Flecken im ventralen Bereich sowie ihren oft geschwolleneren Bauch unterschieden werden. Abgesehen von letzterem Merkmal sind mir jedoch keine eindeutigen und immer zutreffenden Unterschiede aufgefallen oder bekannt geworden.
Temperaturen von 26 bis 29 °C, die durch kühles Regenwetter verursacht werden, sind ein wichtiger Faktor zum Laichen sowie bei der Larvenentwicklung (Banjeri 1974). Die gestreiften C. punctata-Jungen wurden zu verschiedenen Jahreszeiten in Sri Lanka gesammelt, was darauf hindeutet, dass sie keine festgelegten oder mehrere Brutzeiten haben.
Die bernsteinfarbenen Eier von etwa 1,2 mm Durchmesser werden in seichtem Wasser gelaicht, wo kein Nest gebaut wird. Wie alle Schlangenkopffischeier enthalten sie eine Ölkugel im Eigelb und schwimmen unter der Oberfläche (Deraniyagala 1929). Das Schlüpfen erfolgt nach 24 Stunden bei 26,5 bis 28 °C, wenn die mattbraunen Larven 2,7 mm lang sind und nach 20 Tagen 7,2 mm messen (Banjeri 1974). Sie werden von beiden Elternteilen, insbesondere dem Weibchen, bewacht, die selbst bei Hunger ihren Nachkommen keinen Schaden zufügen (Qayyum 1962). Die von den jungen C.punctata in einer Größe von 15 bis 30 mm verzehrten Lebendfuttersorten sind hauptsächlich Cyclops und Daphnida (Qayyum & Qasim 1962). Die Jungfische wurden im seichten Uferwasser gefunden.

Channa striata, Gestreifter Schlangenkopffisch, Abb.: Bleeker 1869
Channa striata (Syn. Ophucephalus cyanospilos), Abb.: Bleeker 1869
Channa striata (Syn. Ophicephalus striatus), Gestreifter Schlangenkpffisch, Abb.: Bloch 1793

Selbstverständlich dürfen solche ausgesprochenen Raubfische nicht mit kleineren Arten oder Artgenossen gemeinsam gehalten werden, zumindest dann nicht, wenn sie nicht als Futterfische dienen sollen. Obschon dieser Schlangenkopffisch bis 1 m lang werden soll, ist der Eintritt der Geschlechtsreife auch bei wesentlich kleineren Fischen zu erwarten. Genauere Zuchtangaben liegen über Channa orientalis vor, der interessanrerweise ein Maulbrüter ist und ihre Jungen sehr lange, bis zu einer Größe von 4 bis 5 cm, pflegt und ernährt. Channa striata baut hingegen ein einfaches Pflanzennest und bringt seine schwimmenden Eier darin unter.

Channa striata (Bloch, 1793), Gestreifte Schlangenkopffische

Da diese Fische recht langsam wachsen, sind sie als Jungfische eingeschränkt für die Aquaristik tauglich, vor allem dann, wenn verhaltenskindliche Beobachtungen angestrebt werden. Zum Erwerb dieser Fische ist allerdings nur dann zu raten, wenn der spätere Verbleib der großen Exemplare vorab geklärt werden konnte (z. B. Museum, Schauaquarium).
Synonyma sind (u. a.): Ophicephalus striatus, Ophiocephalus striatus, Ophiocephalus chena, Channa cyanospila, Ophiocephalus cyanospilos, Ophiocephalus planiceps, Ophiocephalus sowarah, Ophiocephalus vagus und Ophiocephalus wrahl.

Innerartliche Aggression: Eigentlich sind die Gestreiften Schlangenkopffische, Channa striata, zur Aquarienpflege gut geeignete Tiere. Wenn sie auch, selbst in der Jugendfärbung, nicht so ansprechend bunt gezeichnet sind wie einige andere Schlangenkopfarten, etwa Channa micropeltes oder Channa orientalis, so ist doch ihre schräge, dunkle Querstreifung auf hellsilbergrauem Grund nicht unattraktiv.
Unter gleichgroßen Artgenossen und in Gesellschaft größerer Tiere sind die Gestreiften Schlangenkopffische jedoch gut zu pflegen. Lediglich bei der Fütterung mit lebenden Fischen kennen die sonst verträglichen Fische keine Zurückhaltung, und irrtümlicherweise verbeißen sie sich dann auch einmal ineinander. So können Wunden entstehen, welche die robusten Tiere aber in der Regel gut überstehen. Bei größeren Wunden zeigen die neugebildeten Schuppen dann eine dunklere Färbung, sodass ehemalige Verletzungen noch lange ihre Spuren zeigen.

Ernährung: Channa sind in der Fütterung keinesfalls auf lebende Fische angewiesen, sie nehmen auch gröberes Futter, wie Garnelen, Rinderherzstücke und Forellenpellets. Als Lebendfutter können wir Insekten und deren Larven oder auch Regenwürmer anbieten. Längere Hungerkuren überstehen alle größeren Schlangenkopffische nicht nur gut, sondern sie scheinen auf längere Sicht sogar für ihr Wohlbefinden notwendig zu sein.Außerhalb der Fütterungszeit zeigen sich die Schlangenkopffische alsgesellige Tiere, die oftmals gemeinsam in – vor allem nach oben – Deckung bietenden Verstecken liegen. Überhaupt zeigen sich in der Mehrzahl gehaltene Channa striata als scheu. Dagegen können vergesellschaftete oder einzeln gehaltene Tiere zutraulich und neugierig werden und dann sogar Futter aus der Hand nehmen. In Anbetracht der Größe des Mauls und der zwar sehr kleinen, aber spitzen und wie Sandpapier mit Widerhaken wirkenden Zähne, ist hierbei jedoch Vorsicht angebracht.

Pflege: An das Wasser stellen diese Fische keine großen Ansprüche, was aufgrund ihrer weiten Verbreitung von Indien über Sri Lanka, Thailand, Malaysia bis zu den Sunda-Inseln und den Philippinen nicht verwunderlich ist. Wir sollten den Quergestreiften aber entgegenkommen und für eine Wasserhärte zwischen 10° und 20° dGH und einen leicht sauren bis neutralen pH-Wert sorgen. Regelmässiger Wasserwechsel ist bei dem hohen Stoffwechselumsatz der Tiere für den verantwortungsbewussten Aquarianer ja sowieso selbstverständlich.
Zur Beckeneinrichtung seien viele Versteckmöglichkeiten, vor allem mit Moorkienholz und robusten Pflanzen empfohlen. Dann schwimmen die Fische auch häufiger umher, während sie bei wenigen Verstecken scheuer bleiben und versuchen, von dort aus Beute zu machen, ohne sich den Blicken des Pflegers auszusetzen. Man kann also sagen: Je mehr Verstecke, desto leichter sind die Tiere zu beobachten. Empfindlicher Pflanzenwuchs verbietet sich aufgrund der Robustheit der Tiere. Obwohl Pflanzen nicht gefressen werden, knicken dünne Stengel leicht, und schlecht verwurzelte Exemplare werden durch das oft stürmische Verhalten ausgerissen. Pflanzenwuchs entspricht ihrem natürlichen Lebensraum — Tümpel oder langsam fliessendes Wasser, auch Brackwasser — eher, als nur mit Steinen oder Holz dekorierte Becken.

Vermehrung: Obwohl keine äußerlichen Geschlechtsunterschiede erkennbar sind, könnte mit einer Gruppe dieser Tiere in sehr großen Aquarien die Zucht gelingen. Mir selbst liegen keine Zuchtberichte vor, doch soll Matte 1896 in Berlin die Vermehrung gelungen sein. Danach schwimmen die Eier der Gestreiften Schlangenköpfe an der Oberfläche und werden, wie auch später die Brut, von den Eltern betreut.
Auf Sri Lanka vermehrt sich der gestreifte Schlangenkopf mehrmals im Jahr, während er sich auf den Philippinen jeden Monat des Jahres fortpflanzen soll. Es wird ein grober Versuch unternommen, ein Nest zu bauen, hauptsächlich mit Blättern von Wasserpflanzen, und es in der Regel zwischen dichter Vegetation versteckt. Bis zu 2500 schwimmende, bernsteinfarbene Eier von etwa 1,5 mm Durchmesser werden gelaicht, die in der Natur bereits nach 24 Stunden und nach etwa 48 Stunden im Aquarium bei 23 °C schlüpfen. Die Larven sind dann 2,6 bis 3 mm lang. Wie bei anderen Schlangenkopffischen hängen die Schlupfrate und der -zeitraum sehr von der Intensität der Sonneneinstrahlung und somit der Wassertemperatur sowie dem Sauerstoffgehalt ab.
Die Larven ernähren sich zu diesem Zeitpunkt von ein- oder wenigzelligen Algen, Protozoen und insbesondere Rotiferen. Sieben Tage nach dem Schlupf haben sie eine Länge von 6,2 mm erreicht und kommen gemeinsam erstmals an die Oberfläche, um Luft zu holen. Bis sie 5 cm erreichen dauert die Postlarvalphase und sie verbrauchen sie große Mengen an Daphnien und Hüpferlinge. Die Jungfische schwimmen in einer Gruppe herum und ein Elternteil bewacht sie jederzeit. Jene Jungtiere, die Krankheiten und Raubtiere, einschließlich ihrer Eltern, wenn sie hungrig sind, überleben, ernähren sich ausschließlich von Nahrung tierischen Ursprungs wie Garnelen, Krebse, Wasserinsekten sowie deren Larven und kleinen Fischen. Channa striata erreicht normalerweise bei etwa 30 cm Länge und einem Alter von zwei Jahren die Geschlechtsreife.

Weiteres: Die Tatsache, dass es zum Beispiel von Channa gachua (sensu lato, im weiteren Sinne) verschiedene Populationen mit und ohne Bauchflossen gibt, war ein wesentlicher Grund dafür, dass die Gattung Ophicephalus einbezogen wurde, sodass heute für fast alle asiatischen Schlangenkopffische die Gattungsbezeichnung Channa gültig ist. Afrikanische Schlangenköpfe werden der Gattung Parachanna zugeordnet. Obwohl die Schlangenkopffische wie die Anabantiden über ein akzessorisches Atemorgan verfügen, bilden sie eine eigene systematische Familie Channidae. Die Ausbildung des Labyrinths stellt also eine parallele, analoge Entwicklung dar. Komplexes Fortpflanzungsverhalten mit Brutpflege ist nach oberflächlicher Ansicht viele Aquarianer den Cichliden vorbehalten, wobei diesen Pflegern viele interessante und schöne Beobachtungen mit Fischen anderer Familien entgehen.

Literatur (Auswahl)
Bloch, M. E. 1793. Naturgeschichte der ausländischen Fische VII. Berlin.
Errtich, G. 1982. Das Schlangenkopffisch-Männchen entpuppte sich als Maulbrüter, Aquarien-Magazin, 11.
Brede, N., & Antler, P. 2009. Schlangenkopf-Fische. Die Gattungen Channa und Parachanna. Natur und Tier-Verlag, Münster, 1-62.
Schäfer, F. 2017. Schlangenkopffische – alle Arten. AqualogNews Bookazine 3, 24-99.
Schmidt, J. 1987. Gestreifte Schlangenköpffische, Channa striata (Bloch, 1793). aquaria 34(9), 140-143. = 1988. Gestreifte Schlangenköpfe im Aquarium: Channa striata (Bloch, 1793). Der Makropose xx, 173-175. = 1988. Poissons a tete de serpent rayes en aquarium Channa striata (Bloch 1793). Le Macropode 5(3), 69-72.
Vierke, J. 1978. Labyrinthfische und verwandte Arten. Engelbert-Pfriem- Verlag, Wuppertal-Elberfeld, 1-232. (Hier umfangreiche, weitere Literaturhinweise.)
Vierke, J. 1982. Asiatische Schlangenköpfe im Heimatgewässer und im Aquarium. Der Makropode, Journal der IGL, 4(6), 66-72.
Vierke, J. 1983. Das Labyrinther-Porträt Nr. 14, Channa striata. Der Makropode, Journal der IGL, 5(4), 77-80.

Channa striata, Gestreifter Schlangenkopffisch
Parachanna africana (Syn. Ophiocephalus africanus), Afrikanischer Schlangenkopffisch,
Abbildung: F. Steindachner, 1879

Parachanna africana – Afrikanischer Schlangenkopffisch

Erstbeschreibung: Steindachner, F. 1879. Ophiocephalus africanus Denkschr. Akad. Wien. Vol. XLI. S. 15, pl. III, fig. 2.
Synonyme: Channa africana, Ophicephalus africanus, Ophiocephalus africanus, Parophiocephalus africanus.

Meristik: D 42-49, A 30-35, C gerundet, V 6.
Verhältnis: 28,4-33,8 %, Ltr. 73-83, 32 cm TL.

Beschreibung: Nasenlöcher deutlich länger als bei anderen Channiformes. Die vertikale Flossenpigmentierung ist graugrün bis dunkeloliv und mit Blau- und Grüntönen gefleckt. Die orange getönten Brustflossen sind ebenfalls gefleckt. Der Oberkörper hat einen hellen, olivbraunen Untergrund, der zu einer lehmgrauen Färbung zu Gelbgrautönen übergeht. Oberhalb und unterhalb der Flanken ist eine Reihe von braunschwarzen Flecken zu sehen, während der Bereich dazwischen deutlichere Punkte aufweist, die ein Gesamtmuster von acht bis zehn Augenflecken bis zum Kopf ergeben. Hier verläuft ein breites schwärzliches Band vom Auge bis zum Kiemendeckel, wo es in einen kräftigen, dunklen Fleck übergeht. Schließlich verbindet ein weiterer dunkler Balken das Auge mit dem hinteren Kieferwinkel. Die Färbung von P. africana ist jedoch sehr variabel, je nach Stimmung der Fische zu manchen Zeiten und anstelle der intensiven Celli ist oft ein Muster von Flecken zu sehen. Farbunterschiede: Junge Fische sind meist gelb, mit einem breiten Seitenband, das sich bis zur Seitenlinie erstreckt (Boulenger 1916).
Verbreitung: Westafrika und ist aus den Bundesstaaten Benin, Kamerun und Nigeria bekannt. Weitere Details zu Sammelstellen finden sich in der hervorragenden Überarbeitung des African Snakehead von Bonou & Teugels (1985). Zucht: Bei der Balz werden sowohl Männchen als auch Weibchen fast vollständig schwarz. An der Seite des Kopfs und den Kiemendeckeln erscheint ein leuchtendes Goldband. Alle Flossen werden schwarz und die Lippen zeigen ein schönes Blau. In Der Makropose 3-2021 veröffentlicht Dieter Hohl eine umfassende Übersicht zu den aquaristischen Publikationen diese Art betreffend.

cParachanna obscura, Foto: in memoriam Bernd Bussler

Parachanna obscura, Dunkelbrauner Schlangenkopffisch

Erstbeschreibung: Günther, A. 1861. Ophiocephalus obscurus. Catologue of the Acanthoperygian Fishes in Collection of the British Museum, London Vol.3, 476.

Flossenformel: D: 40-45 A: 26-32 C: rounded, Verhältnis: 29.7-35.5 %, Ltr.: 62-78

Synonyma: Channa obscura, Ophiocephalus obscurus und Parophiocephalus obscurus.

Beschreibung: Der Oberkörper ist oliv bis ockerfarben gefärbt und weist acht unregelmäßige, schwarze Flecken auf. In der grauen Mittelregion gibt es bis zehn unregelmäßige, schwarze Flecken, die vom Bereich hinter den Brustflossen bis zum Schwanzstiel verlaufen. Der hellgelbe Bauch trägt unregelmäßige, braune und dunkelgraue Flecken.
Der Kopf hat einen schwarzen Fleck und ein breites dunkles Band, das vom Auge bis zum hinteren Kiemendeckelrand verläuft. Zwei schwarze Linien entwickeln sich jeweils in einem Abwärtsbogen bis zum unteren Rand der Kiemendeckel. Die Kopfeoberseite ist fast schwarz und unter dem Kinn ist ein weißer Marmoreffekt sichtbar.
Alle grautransparenten Flossen sind schwarz und weiß gefleckt. Alle oben genannten Markierungen können sich jedoch mit dem Alter und der Stimmung des Fischs erheblich ändern. Die Nasenlochröhren sind kurz.

Unterschiede in der Jugendfärbung: Boulenger, G. (1916) schrieb (Übersetzung): „Jungfische zeigen ein breites, seitliches Band von der Wurzel der Schwanzflosse, bis zu einem kleinen, schwarzen, hellrandigen Kiemendeckelfleck.“ Wenn der Fisch größer wird, ist die Gesamtfarbe ein meliertes Grau mit dunkleren Bereichen. Größe: bis 42 cm Gesamtlänge.

Verbreitung: Dieser kräftige Schlangenkopffisch ist über ein weites Gebiet in ganz Afrika verbeitet, vom Senegal bis zum Weißen Nil und nach Süden bis zum Kongo. Genaue Standorte werden von Boulenger (1916) und Bonou & Teugels (1985) angegeben.

Pflege: Parachanna obscura ist der am häufigsten in Aquarien gehaltene afrikanische Schlangenkopffisch. Die Wassertemperatur eines 2 m-Aquariums, für zwei Fische, sollte zwischen 24 und 28 °C liegen und mit einem einfachen Filter.

Zucht: Vitamine wurden von Walter Armbrust (1963) verwendet, um die Zucht auszulösen. Das Laichen erfolgte eine bis zwei Stunden nach Sonnenaufgang. Das Aussehen des Männchens änderte sich von einer braunen Körperfarbe in ein strahlendes Blau. Die normalerweise dunkelbraunen Flecken an den Flanken wurden zu einem tiefen, dunklen Stahlblau. Während die hellen Flecken auf den Flossen der Partnerin blau wurden, verwandelten sich die braunen Flecken auf ihrem Körper in einen tieferen, dunkelbraunen Farbton, der einen scharfen Kontrast zum beigefarbenen Untergrund bildete. Die Spitzen der Brustflossen beider Fische waren silberweiß.
Die Partner umkreisten sich in einem offenen Bereich einer Schwimmpflanzenschicht. Das Kreisen wurde intensiver und dann schwamm das Männchen über den Rücken des Weibchens und wickelte seinen Körper um ihren. In diesem Moment lagen die Geschlechtsorgane nebeneinander. Das sich umschlingende Paar drehte sich um und rollte sich dann im Wasser zusammen. Das Laichen dauerte 10 bis 20 Sekunden, dann entspannten sich beide Fische und nach einer kurzen Pause begann der Fortpflanzungsvorgang erneut. Nach mehreren Scheinpaarungen wurde in einer einzigen echten Paarung gelaicht. Das Weibchen zeigte danach leichte Schäden an den Flossen, was beweist, dass das Laichen nicht ganz friedlich verlief.
Mehr als 500 Eier waren an der Wasseroberfläche verstreut, obwohl ein Bereich mit einem Durchmesser von 30 cm, in dem das Scheinlaichen stattfand, frei von Eiern war. Es ist davon auszugehen, dass in der Natur die Pflanzen, welche die Laichstelle bedecken, die Eier verbergen. Beide Fische bewachen die gelb gefärbten Eier, die jeweils etwas kleiner als ein Senfkorn sind. Nach 24 Stunden schlüpfen die Larven. Diese Eier sind sehr schnell sehr licht- und pilzempfindlich.
Aufgrund der großen Dottersäcke werden die kleinen Schwänze der Brut kaum bemerkt. Die Jungfische hängen drei Tage lang mit ihren Bäuchen an der Wasseroberfläche und können nach dieser Zeit freischwimmen. Eine Woche später kann beobachtet werden, wie sie sich zum ersten Mal von Mikrowürmern, Salinenkrebschen und Cyclopsnauplien ernähren. Wenn die Jungfische ungefähr fünf Wochen alt sind, fressen sie eintägige Guppys und nach acht Wochen nehmen sie kleine Regenwürmer. Der Weibchen sollte nicht im Aquarium bleiben, da es zum späteren Zeitpunkt seine Jungen fressen würde.

Literatur
Armbrust, W. 1963. Zucht des Schlangenkopfes Ophicephalus obscurus. DATZ 16(10), 298-301.
Armbrust, W. 1967. Nachzucht beim Schlangenkopf (Ophicephalus africanus). DATZ 20(12), 367-368.
Armbrust, W. 1971. Warum keine Schlangenkopffische? Aquarien Terrarien 18(6), 187-189.
Armbrust, W. 1971. Warum keine Schlangenkopffische? II. Aquarien Terrarien 18(7), 226-229.
Günther, Albert C. L. G. 1861. Catalogue of the Acanthopteragian Fishes in the Collection of the British Museum. Volume 3 & 4. London.

Parachanna obscura, Eier, Foto: in memoriam Bernd Bussler

Lungenfische

Neoceratodus forsteri, Australischer Lungenfisch, Foto: PM Uni Konstanz

Die IGL befasst sich nicht nur mit Labyrinth- sondern mit allen atmosphärische Luft atmenden Fischen. Deshalb ist die folgende PM für uns durchaus beachtenswert.

Lungenfischflossen zeigen wie sich Gliedmaßen entwickelten

PM Universität Konstanz: Neue Untersuchungen zur Flossenentwicklung des Australischen Lungenfischs durch eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung der Universität Konstanz, der Macquarie University in Sydney und der Stazione Zoologica Anton Dohrn in Neapel verdeutlichen, wie sich Flossen zu Gliedmaßen mit Händen und Fingern beziehungsweise Füßen und Zehen entwickelten. Die Haupterkenntnis ist, dass beim Lungenfisch bereits eine primitive Hand vorhanden ist, funktionsfähige Finger und Zehen sich bei Landwirbeltieren aber erst aufgrund von Veränderungen in der Embryonalentwicklung herausbildeten.
Die Entwicklung von Gliedmaßen mit funktionellen Fingern und Zehen aus Fischflossen fand vor etwa 400 Millionen Jahren, im Devon, statt. Dieser morphologische Wandel ermöglichte es Wirbeltieren, das Land zu erobern und brachte alle vierbeinigen Tiere oder Tetrapoden hervor – die evolutionäre Stammlinie, die alle Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere (einschließlich des Menschen) umfasst. Seit dem 19. Jahrhundert wurden verschiedene Theorien aufgestellt, die mit Blick sowohl auf Fossilien also auch auf Embryonen zu erklären versuchen, wie sich dieser Wandel vollzog. Wie genau Hände mit Fingern aus Fischflossen entstanden blieb jedoch ungeklärt.
Eine internationale Arbeitsgruppe aus Biologen der Universität Konstanz (Deutschland), der Macquarie University in Sydney (Australien) und der Stazione Zoologica Anton Dohrn in Neapel (Italien) hat anhand von Embryonen des Australischen Lungenfischs, Neoceratodus forsteri, untersucht, wie sich Gliedmaßen aus Flossen entwickelt haben. Der Australische Lungenfisch ist der mit den Tetrapoden nächstverwandte heute noch lebende Fisch und wird oft als „lebendes Fossil“ betrachtet, da er immer noch den Fischen ähnelt, die es zu der Zeit gab, als die ersten viergliedrigen Wirbeltiere begannen, an Land zu gehen. Aus diesen Gründen bieten die Flossen von Lungenfischen einen besseren Bezugspunkt für die Untersuchung des evolutionären Übergangs von Flossen zu Gliedmaßen als die jeder anderen heute lebenden Fischart.
Die Forschungen der Arbeitsgruppe, die in der neuesten Ausgabe von Science Advances erscheinen, zeigen, dass in den Lungenfischflossen eine primitive Hand vorhanden ist, lassen aber gleichzeitig vermuten, dass die einzigartige Anatomie der Gliedmaßen mit Fingern oder Zehen erst während der Entstehung der Tetrapoden durch Veränderungen bei der Embryonalentwicklung aufkam.
Erkenntnisse aus der Embryonalentwicklung:„Architekten“-Gene der Gliedmaßen
Um das Rätsel zu lösen, wie Gliedmaßen während der Evolution aus Flossen entstanden, hat sich die Forschung auf die Embryonalentwicklung konzentriert. „Während der Embryogenese formt ein Satz von ‚Architekten’-Genen eine amorphe Gruppe von Vorläuferzellen zu voll ausgebildeten Gliedmaßen“, erklärt Dr. Joost Woltering, Erstautor der Studie und Dozent sowie Forscher in der von Prof. Dr. Axel Meyer geleiteten Arbeitsgruppe für Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz. Dieselben „Architekten“-Gene treiben auch die Flossenentwicklung an. Da jedoch evolutionäre Veränderungen in der Aktivität dieser Gene stattgefunden haben, entstehen während des Entwicklungsprozesses Flossen bei Fischen und Gliedmaßen bei Tetrapoden.
Um diese Prozesse zu vergleichen, untersuchte die Arbeitsgruppe solche „Architekten“-Gene in den Embryonen der Australischen Lungenfische. „Erstaunlicherweise sahen wir, dass das Gen, das die Hand in Gliedmaßen spezifiziert – hoxa13 –, in einer ähnlichen Skelettregion in Lungenfischflossen aktiviert ist“, erklärt Woltering. Ein wesentlicher Punkt ist, dass diese Domäne in den Flossen anderer Fische, die weniger nah mit Tetrapoden verwandt sind, nie beobachtet wurde. „Diese Entdeckung zeigt deutlich, dass eine primitive Hand bereits bei den Vorfahren der Landwirbeltiere vorhanden war“.
Entwicklungsmuster – Unterschiede und Gemeinsamkeiten: Die „Hand“ des Lungenfischs ähnelt jedoch trotz dieser modernen genetischen Signatur nur teilweise der Anatomie von Tetrapodenhänden, denn Finger oder Zehen fehlen. Um die genetische Grundlage für diesen Unterschied nachzuvollziehen, analysierte das Team weitere Gene, die mit der Bildung von Fingern und Zehen in Zusammenhang gebracht werden. Dabei stellte sich heraus, dass ein Gen, das für die Bildung von Fingern und Zehen wichtig ist (hoxd13 – ein „Schwestergen“ des oben erwähnten hoxa13), in Flossen offenbar anders aktiviert wird.
Während der Entwicklung der Tetrapodengliedmaßen wird das Gen hoxd13 dynamisch eingeschaltet. Es wird zunächst im sich entwickelnden kleinen Finger aktiviert, dann breitet sich die Aktivität in Daumenrichtung über die gesamte zukünftige Hand aus. Dieser Prozess koordiniert die korrekte Ausbildung aller fünf Finger. Während die Arbeitsgruppe von Joost Woltering ein ähnliches Aktivierungsmuster dieses Gens in Lungenfischflossen beobachtete, zeigte es diese Ausbreitung nicht, sondern blieb nur in einer Hälfte der Flosse aktiviert. Zusätzliche Unterschiede wurden für Gene gefunden, die in Fingern und Zehen normalerweise abgeschaltet werden. In Lungenfischflossen bleiben diese Gene aktiv, aber auf der gegenüberliegenden Seite der Domäne, in der hoxd13 aktiviert wird.
Alte Hypothesen – zukünftige Richtungen: „All dies zeigt, dass zwar Lungenfischflossen unerwartet eine primitive Hand mit Tetrapoden gemeinsam haben, die Flossen unserer Vorfahren jedoch noch einen evolutionären ‚letzten Schliff’ benötigten, um Gliedmaßen zu bilden. In diesem Sinne sieht es so aus, als ob die Hand zuerst da gewesen sei und erst später im Laufe der Evolution um Finger ergänzt wurde“, sagt Woltering. Eine einflussreiche Hypothese zur Entwicklung von Gliedmaßen, die zuerst von den Paläontologen Thomas Westoll und William Gregory zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt und in den 1980er-Jahren von Neil Shubin weiterentwickelt wurde, nimmt an, dass Finger und Zehen durch eine Ausdehnung der Skelettelemente auf einer Seite der Flossen des Tetrapodenvorfahren entstanden. Diese angenommene Ausdehnung der Flossenelemente entspricht genau den Unterschieden, die das Forschungsteam bei der Ausbreitung der Fingergene zwischen Lungenfischflossen und Tetrapodengliedmaßen gefunden hat. Die Beobachtungen der Arbeitsgruppe zur Aktivierung und Deaktivierung von Gliedmaßen-„Architekten“-Genen in Lungenfischflossen liefern somit Belege für dieses klassische Umwandlungsmodell.
Für die Zukunft planen die Forscher weitere Analysen zur Entwicklung von Flossen und Gliedmaßen, um vollständig zu verstehen, was die Ausdehnung dieser Domäne bewirkt und somit dazu führt, dass sich unsere Gliedmaßen so sehr von Fischflossen unterscheiden. Hierbei sollen Lungenfische, aber auch modernere Fischarten wie Buntbarsche verwendet werden, da ihre Embryonen sich mit Techniken wie CRISPR leichter untersuchen lassen. „Um das Bild zu vervollständigen, was in unseren fischartigen Vorfahren geschah, die vor Hunderten von Jahrmillionen an Land krochen, sind wir wirklich auf heute lebende Arten angewiesen, um zu sehen, wie ihre Embryonen Flossen und Gliedmaßen so unterschiedlich bilden“, schließt Woltering.

Originalveröffentlichtung
Woltering, J. M., Irisarri, I., Ericsson, R., Joss, J. M. P., Sordino, P., & Meyer, A. 2020. Sarcopterygian fin ontogeny elucidates the origin of hands with digits, Science Advances, 19. August. DOI: 10.1126/sciadv.abc3510
advances.sciencemag.org/lookup/doi/10.1126/sciadv.abc3510

Nanderbarsche – Nandidae

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Polycentrus schumburgkii, Südamerikanischer Vielstachler

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